Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 47 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 47 „Neue Natiotial-Zeitung Seite 3 3828 Justizbeamte darunter 349 Dir. u. Präs. 9,6% 3365 Christen, darunter 341 Dir. u. Präs. 10,1% 155 Juden, darunter 0 Dir. u. Präs. 0,0% Es ergibt sich hieraus klar, dass die Juden in der Beförderung erheblich gegen ihre christlichen Kollegen zurückgesetzt sind, und dass sie zu den Direktoren- und Präsidentenstellen überhaupt nicht berufen werden. Die blosse Zahl beweist natürlich noch nichts bezüglich der Gerechtigkeit hei der Verteiluug der Aemter, da Fähigkeit, Kenntnisse, Eifer und Ausdauer mit in Berücksichtigung zu ziehen sind. Immerhin kann man sich aber an der Hand der Zahlen die Gesainllage im wesentlichen klar machen : Die 155 Juden stellen 4.2%, sämtlicher 3628 Juslizbeamten dar. Es gab in jenem Zeitabschnitt 316 Oberlandesgerichts7äte, darunter 4 Juden, es hätten aber 4,2%, d. h. 13 Juden darunter sein müssen. Es gab 280 Landesgerichtsdirektoren, darunter 6 Juden, es hätten aber bei Berücksichtigung des Satzes von 4,2% 12 Juden darunter sein müssen. Es gab 69 Präsidenten, darunter 0 Juden. Es hätten aber, da 155 jüdische Richter, also 4,2% vorhanden waren, darunter 3 Juden sein müssen. Ergeben schon die blossen Zahlen so erhebliche Unterschiede, wie sie hier gefunden worden sind, ergibt sich insbesondere, dass in 21 Jahren nur 4 jüdische Richter zu 0 b e r1a nd e s g e ri c h t s r ä t e n e r n a n n t sind, und dass nicht ein einziger zum Direktor oder Präsidenten bestellt worden ist, so liegt die Absicht, die hiermit verfolgt wurde, klar zu Tage. ■ Diese Absicht tritt aber noch deutlicher in die Erscheinung, wenn die Zahl der Getauften aus jenem Zeitabschnitt, die mehr oder weniger kurze Zeit nach der Taufe das erstrebte Amt erreicht haben, mit berücksichtigt wird. Es sind in höhere Stellen befördert worden: Von allen 3628 Justizbeamlen 665 18,3% Von den 3365 Christen 621 18,8% Von den 155 Juden 4 2.6% Von den 108 Getauften 30 27,8% Es wurden Oberlandesgerichtsräte : Von allen 3628 Justizbeamten 316 8,7% Von den 3356 Christen 290 8.7% Von den 155 J u d e n 4 2,6% Von den 108 Getauften 22 20,4% Es wurden Direktoren und Präsidenten : Von allen 3628 Justizbeamten 349 9,6% Von den 3365 Christen 341 10,1% Von den 155 Juden 0 0,0% Von den 108 Getauften 8 7,4% Diese Zahlen ergeben zugleich das erschreckende Resultat, dass von der Justizverwaltung geradezu eine Prämie auf die Taufe gesetzt worden ist, denn in höhere Stellen wurden überhaupt von den Christen nur 18,8%, von den Getauften 27,8%, und zum Amt eines Oberlaudesgerichtsrates insbesondere von den Christen 8,6%, von den Getauften 20.4% befördert — eine so erhebliche Bevorzugung selbst den Christen gegenüber hätte man wohl kaum für möglich halten sollen. Unter 258 Staatsanwälten befinden sich keine Juden, wohl aber 3 Getaufte. In Bayern allerdings werden die Juden zur Staatsanwaltschaft zugelassen, aber es gibt auch hier, wie in Baden und bis 1907 in Elsass-Lothringen, keinen jüdischen Direktor oder Präsidenten, während iu Baden je ein getaufter Landesgerichtspräsident und Landgerichtsdirektor ist. In Württemberg gibt es drei, in Oldenburg und Sachsen-Meiningen je einen Richter erster Instanz, in Sachsen dagegen und in den deutscheu i\lt;instaaten ausser Meiningen ist überhaupt kein Jude als Richter im Amte. Auch in Bremen und Lübeck gibt es keinen jüdischen Richter, während in Hamburg bis Anfang 1907 zwar acht jüdische Richter erster Instanz, unter den acht Gelauften aber ein Oberlaudesgerichtsrat uud ein Laudesgerichtsdirektor vorhanden waren. Am Reichsgericht endlich ist kein Jude als Richter angestellt, wohl aber sind ein Getaufter als Senatspräsident und zwei Getaufte als Räte im Amte. Man kann aber nicht sagen, dass die jüdischen Richter sich zu höheren Stellen nicht geeignet hätten, denn im Jahre 1907 ist in Hamburg und in Elsass- Lothringen je ein jüdischer Richter zum Landesgerichtsdirektor befördert worden, und vertretungsweise haben Juden gar oft jene Aemter versehen. Ein Oberlandesgerichtsrat hat viele Jahre hindurch den Präsidenten des Oberlandesgerichts in der Führung des Vorsitzes im Senat vertreten. Eine grosse Anzahl jüdischer Richter hat viele Monate, ja sogar Jahre hindurch den Vorsitz in Zivilkammern an Stelle des Direktors geführt, und an vielen Orten sind jüdische Richter "Vorsitzende der Kammern für Handelssachen. Also die Leitung der materiellen Justizpflege hat man den Juden anvertraut, nur in die Venvaltuugsposten selbst hat man sie nicht hineingelassen. In 60 Jahren ist in dieser Beziehung alles beim alten geblieben, zum Schaden der beteiligten Justizbeamten, aber auch — wie ausgesprochen werden muss — zum Schadeu der Allgemeinheit. Wenn man diese Denkschrift liest, so glaubt man wirklich, man sei in Oesterreich. In der Zurücksetzung der jüdischen Richter sind die beiden verbündeten Staaten einander sehr ähnlich. Auch in Oesterreich gibt es am Obersten Gerichtshof keinen jüdischen H o f r a t, wohl aber zwei Getaufte; bei keinem Oberlandesgerichte fungiert ein Jude als Richter; die zwei jüdis;hen Oberlandesgerichtsräte, die ganz Oesterreich aufzuweisen hat, sind in Wien den ersten Instanzen zugeteilt. Was hilft denn den deutschen Juden ihre Kultur und Intelligenz, ihr „Deutschland, Deutschland über alles?..." Sie werden ebenso zurückgesetzt, boykottiert, präteriert im Staats- und Militärdienst wie die jüdischen Staatsbürger in Oesterreich. „Ein Kaiserreich für einen jüdischen Leutnant!" rufen die draussen ganz verzweifelt und wir geben wieder, wenn möglich, die ganze Erdkugel für einen jüdischen Statthalterei-Konzeptsprakti kauten oderStaatsnnwaltssubslituten. Die Denkschrift des Justizrates Breslauer ist ein wichtiger Schritt zur Selbsterkenntnis der deutschen Juden. Die Herren sehen endlich, wie schön weit sie es mit ihrem Assimilantentum gebracht haben. ty&'^SS* "^s^^&^s^'i'^s@*&^8!@'%!& Ä^'Siiv sys? 3J5'^5'?£3 *s£3 Wir bitten unsere Abonnenten, die mit der Pränumerationsgebühr noch im Rückstände sind, um gefl. Begleichung mittelst der ihnen zugekommenen Erlagscheine. Die Administration. £tf^ iißs, jfe iSgä ifgfigaÄT®*0*^