Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 46 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 ,.Neue National-Zeitung" Seite 7 N a b o n, Direktor der Alliance-Schule in Smyrna, hat an den Präsidenten der Allianoe Israelite Universelle nachstehenden Bericht geschickt: S m y r n a , 8. Oktober. Heute habe ich zum erstenrnale den rumänischen Konsul Herrn Keun besucht. Es geschah zur Regelung einer Passangelegenheit für einen Zögling aus der Jehuda. Bei dieser Gelegenheit tat Herr Keun Aeusserungen über uusere Glaubensgenossen, die bei einem rumänischen Konsul erstaunlich sind und die ich deshalb wiedergebe. (Allerdings ist Herr Keun, wie ich vorausschicken muss, nicht Rumäne von Geburt.) Nachdem die Passangelegenheit erledigt war, die mich zu ihm geführt hatte, erzählte mir Herr Keun von den sehr herzlichen Beziehungen, die zwischen ihm und meinem verstorbenen Amtsvorgänger Herrn Pariente bestanden halteu. Er fügte hinzu: Ich stehe mit den Israeliten von Smyrna seit langer Zeit in Verbindung. Die Umwandlung, die Sie bei Ihnen durch Ihre Schulen bewirkt haben, ist eine vollständige. Sie haben i us einer Bevölkerung, die nur zu niedriger und herabwürdigender Beschäftigung geeignet war, eine Bevölkerung gemacht, die auf die angesehensten Stellungen Anspruch erheben darf und sie auch erlangt. Niemals hat ein Werk so tiefgreifende und andauernde Wirkungen gehabt wie die, die den Anstrengungen der Alliance Israelite Universelle zu danken sind. — Ich kenne sehr genau die verschiedenen Bevölkerungsteile der Stadt. Ich habe konstatiert, dass die jüdische Bevölkerung die ehrenhafteste, fleissigste, klügste und sauberste ist. Dieses Urteil wird auch von Herrn Guiffray geteilt, einem fanzösischen Katholiken, Direktor der Kai- Anlagen und der Strassenbahnen von Smyrna. — Herr Keun, der neben seinem Konsulatsamt ein grosses Kommissionsgeschäft betreibt, und Herr Guiffray haben eine Anzahl jüdische Angestellte, denen sie das günstigste Zeugnis geben. Nabon." „Die jüdische Rundschau." Posen, 18. Oktober. „Sehr geehrter Herr Redakteur! Da Herr Redakteur Dr. Löwe von der .Jüdischen Rundschau' keine Gelegenheit unbenutzt lässt, um an den Posener Zionisten sein Mütchen zu kühlen, hat er es auch für taktvoll gehalten, uns in den Streit über die Tendenz der „Neuen National- Zeitung" hineinzuzerren. Weil es mir nun höchst unsympatisch ist, mit Herrn Dr. L. in literarischen Kontakt zu kommen, hatte ich mich bisher von jeder Aeusserung zur Sache zurückgehalten und wollte abwarten, ob er auf Ihre Festnagelung hin seine unwahren Behauptungen allein zurücknehmen würde. Statt dessen begnügt er sich damit, in seinem Blatt — das leider das offizielle Organ und enfant terrible des deutschen Zionismus ist — Ihre Ausführungen ohne sachlichen Kommentar, nur mit einer echt Lövve'- sohen Nachbemerkung abzudrucken. Ich kann deshalb nicht umhin, auch meinerseits Ihnen zu bestätigen, dass ich, — nicht die ,Posener Territorialisten' — zwar vor Jahresfrist meinen engeren Gesinnungsgenossen die damalige ,Nationalzeitung' als das einzige, in deutscher Sprache erscheinende Jto-Organ empfahl, jedoch mit. der „Neuen National- Zeitung" und deren Redaktion niemals in irgendwelchen Beziehungen gestanden habe. Freilich muss ich gestehen, dass ich auch Ihr gesch. Blatt, dem nichts jüdisches fremd ist, viel lieber lese, als ein Organ, in dem zwar allerlei persönlichen Rankünen des Herrn Redakteurs Raum geboten wird, für die in allen anderen Blättern abgedruckten Mitteilungen über Vereinbarungen mit dem Norddeutscheu Lloyd betreffend die Galvestone-Emigranten aber kein Platz ist, weil der Herrn Dr. Löwe so wenig sympatische ,Hilfsverein der deutschen Juden' und vor allem die verhasste ,Jto' dahinter stecken. Nun, die Herren Israel Zangwill und Dr. Nathan werden sich damit abfinden müssen, ihr verdienstliches Wirken von Herrn Dr. L. ignoriert zu sehen. Diese ganz persönliche — und oft leider persönlich gehässige — Art der Leitung des offiziellen Organs des deutschen Zionismus hat auf den Parteikonferenzen immer wieder zu lebhaften Klagen Anlass gegeben; merkwürdigerweise hat der deutsche Zionismus es bisher dennoch nicht verstanden, hier Remedur zu schaffen. Trotzdem müssen wir deutschen Zionisten es ablehnen, für die Fehler der Jüdischen Rundschau' mitverantwortlich zu sein. Ergebenst Dr. Jeremias.1' Frankreich. Maurice Loewy. Paris. Am 15. d. M. ist der Direktor der hiesigen Sternwarte, Maurice Loewy, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, im Alter von 74 Jahren plötzlich gestorben. Ueber die tragischen Umstände seines Todes berichtet der „Figaro" vom 16. d. folgendes: „Der Rat der Observatorien hatte sich am Dienstag nachmittags im Ministerium des öffentlichen Unterrichtes zu einer Beratung von Titelfragen versammelt. Maurice Leowy hatte sich erhoben. Er sprach eben erst seit einigen Augenblicken, als er plötzlich mitten in einem Satze innehielt. Sein Haupt neigte sich nach vorne, dann nach rückwärts und Loewy sank dann, wie vom Blitze getroffen, nieder. Man glaubte an eine Ohnmacht. Ein Arzt wurde in aller Hast gerufen. Er konnte nur konstatieren, dass nichts mehr zu machen sei: Maurice Loewy war tot. Kein Symptom hatte dieses unerwartete Ende voraussehen lassen. Trotz seiner 75 Jahre war Maurice Loewy von geradezu robuster Gesundheit. Er befand sich in der letzten Zeit während des Landaufenthaltes mit seiner Familie in Pornic am Meer, von wo er am 29. September zurückgekommen war, besser denn je. Er hatte sich seit seiner Rückkehr vom Lande mit der Durchsicht der Korrekturbögen seines letzten Werkes: ,Neue und rasche Methode zur Bestimmung der Irrtümer bei Teilung eines Merediankreises' befasst. Gestern früh hatte er nach einer bis Mittag währenden Arbeit mit dem Generalsekretär des Observatoriums F r a i s s i n e t, für dieses Werk eben das Imprimatur erteilt. Nachher hatte gerade ein kleines Familienfest alle seine Kinder bei Tisch vereint. Das war der letzte Lichtpunkt seines Lebens. Man erzählt uns, dass seit zwanzig Jahren alle Direktoren der Sternwarte wie Maurice Loewy gestorben sind. Der Admiral M o u c h e z und T u s e r a n d, seine unmittelbaren Vorgänger, fielen gleichfalls wie vom Blitze getroffen. Ihre Mitarbeiter, Calandrean, die Gebrüder H eury und Barre, starben ebenso plötzlich." Am 15. April 1833 geboi-en, studierte Loewy in Wien Astronomie. Von Leverrier nach Paris berufen, wurde er als Astronom am dortigen Observatorium angestellt. Im Jahre 1873 wurde Loew^ Mitglied der Pariser Akademie und leitete seit diesem Jahre als Mitglied des Längenbureaus die Redaktion der „Gonuaissance des Temps" und des „Annuaire du Bureau des Longitudes". Nnc'.i Leverriers Tode wurde ihm in Gemeinschaft mit Admiral Mouchez im Jahre