Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 46 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 46 DAS P/IRL/ir\ENT. Der jüdische Klub beim Ministerpräsidenten. Wir erhalten nachstehende Mitteilung: Ueber Einladung des Ministerpräsidenten Baron Beck versammelten sich bei demselben die Mitglieder des jüdischen Klubs am letzten Mittwoch zu einer Besprechung. Baron Beck hatte nämlich erfahren, dass der genannte Klub den Dringliehkeitsantrag des Abgeordneten Breiter betreffend die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Galizien durch die Bezirkshauptmannschaften mitgefertigt hat. Er wandte sich an den Klub mit dem Ersuchen, ihm alle Beschwerden und Wünsche der jüdischen Bevölkerung nach dieser Richtung bekannt zu geben. Das ist auch geschehen, worauf Baron Beck erklärte, in geeigneter Weise für die Zukunft ähnlichen Chikanen vorzubeugen. Gleichzeitig hat der Klub auch seine sonstigen Forderungen unterbreitet. Dieselben werden nun den Gegenstand der nächste Woche stattfindenden Besprechung bilden. Oesterreich-Ungarn. Aus der Kultusgeineinde. Wien, den 21. Oktober. (Orig. Bericht). Das in unserer letzten Nummer bereits erwähnte Kommunique des Kultusvorstandes hat endlieh die „Oesterr. Wochenschrift" von der Geheimhaltungspflicht befreit. Das Blatt scheint nun die Erlaubnis erhalten zu haben, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Nachdem es durch einen Monat den in der Oeffentliehkeit Aufsehen erregenden Vorfall einfach verschwiegen hatte, weil „die Angelegenheit im Instanzenzuge sich befand" . ergreift es jetzt die Partei des Dr. Bach, weil er „aus Versehen die Trauung vollzogen hat". „Die Dokumente haben" — so behauptet die ,Oest. Woch.' — „nicht ersichtlich gemacht, dass die frühere Gattin des Ehewerbers, die Schwester der jetzigen Braut, noch am Leben sich befindet." Diese Verteidigung ist natürlich sehr plump, denn Dr. Bach musste in den Akten das Scheidungserkenntnis sehen und den Todesschein vermissen. Es mag aber festgehalten werden, dass es Herr Rabbiner Dr. J. S. Bloch entschuldbar findet, wenn ein Rabbiner die Trauung vornimmt, ohne die Standesakten geprüft zu haben. Er bezeichnet es als „ungerecht", wenn man aus diesem Anlasse einen Rabbiner kritisiert und nennt das „Steine werfen!" Was man nicht alles tut, wenn man einen Gemeinderabbiner zum Schwiegersohn hat. Die Fussamputation kommt sehr gelegen. Die Berichtigungen des Kultusvorstandes haben sich seit jeher durch mystisches Dunkel ausgezeichnet. Unser letzter Artikel „Halbasien in der Seitenstettengasse" hat die Herren wieder einmal aus ihrer Ruhe geweckt, und sie flüchteten sich in die Spalten der Abendblätter vom Samstag d. 19. d. M., um dem minder informierten Publikum ihre Unschuld zu beweisen. Der Rechtfertigungsversuch ist kläglich missglückt. Zugegeben, die arme Frau wollte sich den Fuss wirklich nicht amputieren lassen. Ist damit schon die Herzlosigkeit entschuldigt, die darin liegt, dass man dieser Totkranken nicht einmal einen Buhetag nach dieser langen Reise bot, dass man ihr nicht einmal ein Bett gab? Ist damit schon entschuldigt, dass man sich gar nicht darum bekümmerte, dass diese Arme rituelle Nahrung bekäme? . . . Gebete für den Kaiser. Es ist ja nie bezweifelt worden, dass unsere Kultusgemeinde über Initiative verfügt. Nur musste sie ihr immer suggeriert werden. Und wenn man's ihnen vorschrieb, wussten die Herren immer wie man es mache. Samstag, d. 19. d. M. fanden im Auftrage des Präsidenten in allen Synagogen Gottesdienste für die Genesung des Kaisers statt. Wir wollen es als erfreuliche Tatsache registrieren, dass das Präsidium der Kultusgemeinde der Anregung unseres Leitartikels folgend, die Gebete anordnete. Deutsches Beich. Der Hilfsverein der Deutschen Juden. Berlin. Unter Vorsitz des Herrn James Simon fand am 17. d. M. eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Mit lebhafter Befriedigung nahm der geschäftsführende Ausschuss Kenntnis von den günstigen Berichten, die Herr Dr. Paul Nathan von den ersten Etappen seiner Studienreise nach dem Orient — Sofia, Philippopel, Konstantinopel — erstattet hat. Es geht aus diesen Berichten hervor, dass die Institute, die der Hilfsverein unterstützt hat, sich in bestem Zustande befinden, dass die vom Hilfsverein entsandten deutschen Lehrer eine fruchtbare, von den Gemeinden in hohem Grade anerkannte Tätigkeit zu entfalten in der Lage sind, und dass die Mitwirkung des Hilfsvereins bei der weiteren Ausgestaltung des Schulwesens in den Balkanländern und im Orient in immer steigendem Masse erbeten wird. Es wurde beschlossen, die Subvention von 4000 Kr. für den in Galizien zwecks.Studium der Verhältnisse ständig stationierten Sekretär des „Wiener Hilfsvereins für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien", der sich im besonderen die Fortführung der volkswirtschaftlichen Hilfsaktion in Galizien angelegen sein lässt, zu erneuern. Der Delegierte des Hilfsvereins hat die spezielle Aufgabe, weiteie Möglichkeiten zur Vermehrung der Erwerbsgelegenheiten in Galizien, zur Einführung neuer und zur Ausbreitung schon bestehender Industrien ausfindig zu machen; er hat auf seinen Studienreisen bereits wertvolles Material in dieser Richtung gesammelt, das für die Ausgestaltung des Hilfswerks nutzbar gemacht wird. Für den Ausbau des Bremer Auswanderungsbureaus des Hilfsvereins der Deutschen Juden werden die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Für das Kinderasyl in Odessa, das unter den Wirkungen der Pogrome und der Pogromfurcht ständig aufs Schwerste zu leiden hat, wird — gemeinsam mit dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden — ein Betrag von 5000 Mark bewilligt. Ein rumänischer Konsul über die Juden. Berlin. Dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle wird mitgeteilt: Herr