Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 45 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 45 m ^LLCN WELlCJilEN Der russische Haman. Vor einigen Tagen ist Wladimir Gringmuth, der langjährige Chefredakteur der antisemitischen „Moskowskje Wjedomosti" in Kiew plötzlich gestorben. In ihm verlieren die „schwarzen Hundertschaften" ihren geistigen Führer und Förderer. Ein Schüler und Nachahmer Katkows war er bemüht, den alten Absolutismus aufrecht zu erhalten. Er war deutscher Abstammung und hatte daher eine Zeitlang gegen die Vorurteile der Panslavisten anzukämpfen, weshalb er auch bemüht war, dieselben durch die Brutalität seines Antisemitismus zu überflügeln. Mit Ausnahme der „schwarzen Hundertschaften" und des Zaren weint diesem Manne in Rußland niemand eine Träne nach. Streik jüdischer Schulkinder. In New-York wurde der Schulbeginn gerade für den ersten Tag Rosch-Haschanah bestimmt. Die Proteste der jüdischen Eltern haben nichts genützt. Dieselben beschlossen nun, ihre Kinder einfach nicht in die Schule zu schicken. So waren sämtliche im Judenviertel gelegene Schulen an den beiden Neujahrstagen leer. In New-York gibt es 650.000 Schulkinder. Nach Schätzung der New-Yorker Blätter sind an den beiden Neujahrstagen zirka 200.000 Schulkinder ausgeblieben. 600 jüdische Polizisten in New-York haben ihren Vorstand gebeten, sie am Versöhnungstag vom Dienste zu entheben. Diese Bitte wurde jedoch abgelehnt, weil die jüdischen Polizisten gerade am Versöhnungstage dazu verwendet werden, im Judenviertel die Ordnung aufrechtzuhalten. Die jüdischen Polizisten haben nun ihren Dienst notgedrungen versehen, doch haben sie an die jüdische Bevölkerung appelliert, da sie selbst fasten, ihnen den Dienst leichter zu machen. Statistisches aus Rußland. Das Zentralkomitee der Jewish Kolonisation Association in Petersburg beginnt demnächst mit der Veröffentlichung des dritten Bandes der „Materialien zur Untersuchung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Rußland". Dieser neue Band ist der professionellen Bewegung und den Fragen des kleinen Kredits gewidmet. An den russischen Hochschulen werden in diesem Jahre über Verordnung des russischen Unterrichtsministers Kauffmann, jüdische Hörer über die normale'Zahl aufgenommen. Hiezu bemerkt der Petersburger „Fraind": „Für die jüdischen Jünglinge ist diese Erlaubnis zweifellos eine große Wohltat. Betrachtet man aber diesen Fall vom prinzipiellen Gesichtspunkte, so muß man offen sagen, daß eigentlich damit offen erklärt wird, es habe bei der perzentuellen Beteiligung der Juden am Hochschulstudium sein Verbleiben, und die Verordnung des Unterrichtsministers sei nichts anderes als eine Gnade. Nächstes Jahr kann Kauffmann oder ein anderer Unterrichtsminister wieder den alten Grundsatz herstellen. Tolstoi über die Assimilationsjuden. Tolstoi äußerte sich jüngst einem Journalisten, Gorodetzki, gegenüber, wie folgt: „Ich liebe jene Juden nicht, die sich bemühen, der Welt zu beweisen, daß sie keine Juden sind. Denn erstens glaube ich ihnen nicht, und zweitens kann ich sie deshalb nicht leiden, weil sie das ableugnen, was ihnen nahe und teuer sein sollte. Rechtsanwalt Dr. Bruck in Petersburg, der gewesene zionistische Dumadeputierte wurde wegen eines in seinem Blatte „Witebskajn Schisn" erschienenen Artikels über die zweite Duma zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Eine Reformgemeinde in Paris. Einige hervorragende Mitglieder der Pariser jüdischen Gemeinde, wie Reinach etc., wurden von einem jungen Rabbiner, Louis Levy aus Dijon, für seine Absicht der Einführung eines vereinfachten, „modernen" jüdischen Gottesdienstes gewonnen, und es wurden ihm die Mittel zur Einrichtung einer neuen Synagoge in der Rue Copernic in Paris zur Verfügung gestellt, welche ihrer Vollendung entgegengeht und in Bälde eröffnet werden soll. Das Bemerkenswerteste an der neuen jüdischen Reformkirche ist, daß daselbst der Gottesdienst nicht bloß am Samstag, sondern auch am Sonntag (!) abgehalten werden soll, weil an diesem allgemeinen Ruhetage viele Leute freie Zeit haben, die sie zu einem sonst unmöglichen Synagogenbesuch verwenden können. Im Tempel selbst werden die „Gläubigen", entgegen der sonstigen Sitte in jüdischen Gebethäusern, die Kopfbedeckung abzunehmen haben, wie in den christlichen Kirchen. Auch die ansonst streng eingehaltene Trennung der Geschlechter in den Tempeln wird hier aufgehoben sein. Die Zahl der Gebete und Gesänge in hebräischer Sprache wird im reformierten Gottesdienste wesentlich vermindert sein und es wird sowohl in den Predigten wie in der Auslegung der heiligen Schrift der Versuch gemacht werden, mit der modernen Wissenschaft „in Uebereinstimmung" zu bleiben. Jüdische Bankiers vor mehr als 2300 Jahren. Diese historische Feststellung ergibt sich aus unlängst entdeckten Urkunden, die der Zeit von 471—411 v. Chr. angehören. Sie werden in einem Werk von Prof. A.. H. Sayce und A. E. Cowley „Aramaic Papyri discovered at Assuan" (Alexander Moring Ltd., London) veröffentlicht. Hier wird die Lage der Juden in Aegypten im 5. Jahrhundert v. Chr. interessant beleuchtet, und aus jenen datierten, gut erhaltenen Urkunden geht nach der „Intern. Wchschr. für Wiss., Kunst und Technik" hervor, daß im Süden Aegyptens 100 Jahre nach dem Tode Jeremias, der ihre Großeltern in das Land geführt hatte, eine Siedelungsgenossenschaft von Juden als Bankiers tätig war. Sie bildeten eine besondere Gemeinde mit einem eigenen Gerichtshof und einem eigenen Heiligtum. In diesem verehrten sie den „Gott der Juden", die Sitte, die später das Aussprechen seines Namens verbot, findet sich in ihnen noch nicht. Sie wurden nicht für Bürger angesehen, doch befolgten sie wahrscheinlich das ägyptische Gesetz, in welchem die rechtsmäßige Nachfolge nach der Mutter rechnet. Im übrigen lebten sie unter persischem Gesetz. Die Papyri gehören Herrn Robert Mond und Lady William Cecil. feiste der Ausgetretenen, (Vom 1. bis 30. September 1907.) Dr. Adolf F i n k 1 e r, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, VI. Mariahilferstraße 13; Dr. Sigfried Eibuschitz, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, V. Strohbachgasse 2; Dr. Arnold Karner, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, IX.Schwarzspanierstraße 22; Stefanie, Rudolf und Louise Schlesinger, mit Zustimmung des Vaters Dr. Alfred Schlesinger; Dr. Heinrich Bora 1, Arzt aus Stanislau;Dr. Anna S c h a p i r e, Schriftstellerin aus Brody, IX. Schulz-Straßnitzkygasse 8; Dr, Hermann Stanger, k. k. Realschulprofessor, VIII. Alserstraße 55; Dorothea Mandl aus Olmütz, Lehrerin, XIII. Wambachergasse 8; Rosa Brecher aus Wien, Privat, IX. Porzellangasse 56; Guido Hamburger aus Freudental, IV. Schleifmühlgasse 4; Helene Waldner aus Wien, II. Untere Augartenstraße 16; Carl Waldner aus Wien, II. Untere Augartenstraße 16; Wilhelmine Schwarz aus Wien, II. Untere Augartenstraße 5; Rudolf Mintz aus Wien, Pharmazeut, III. Marxergasse 16; Walter Fischl aus Wien, Exp.-Akad., I. Rudolfsplatz 11, Marie Bauer aus Neuschloß, II. Praterstraße 7; Alexander Vayda aus Wien, VI. Gumpeiidorferstraße 7; Magdalene Idinger aus Weikersdorf, XX. Karajangasse 16; Hermine Rahm aus Wien, XIV. Jadengasse 18; Olga Bachrach aus Skalka, IX. Alserstraße 54; Rudolf Briyk, Banksekretär, XVII. Gürtel 43, Anna Spitz aus Lomnitz, III. Obere Weißgärberstraße 20; Dr. Rud. Steiner aus Retz, XIII. Scheibenbergstraße 46; Malwine Flamm aus Wien, I. Giselastraße 4; Frieda Halbkram aus Wien, Schauspielerin, IX. Liechtensteinstraße 86; Else Heller aus Hamburg, Fabrikantengattin, I. Reichsratsstraße 3; Hugo Heller aus Prag, Fabrikant, I. Reichsratsstraße 3; Berthold Ehrlich aus Podersam, Kaufmann, III. Hauptstraße 122; Juliana Pick aus Kirchberg, Handarbeiterin, IX. Mariannengasse 12; Rosa Berger aus Friedek, Private, IX. Nußdorferstraße 16; Siegm. Berger aus Lemberg, Privat, IX. Nußdorf erstraße 16; Gisela Spitzer aus Nagyszombat, Privat, k. k. Allg. Krankenhaus; Anna Ragendorfer aus Tradigist, IX. Rote Löwengasse 17: Eugen Trost aus Totis, Privatbeamter, IX. Liechtenstraße 52; Isabella Mahrer aus Wien, Private, XIII. Auhofstraße 130; Elsa Fuchs aus Wien, VII. Kaiserstraße 76; Georg Schapringer de Csepreg aus Wien, I. Krugerstraße 5; Emil Erhard Deutsch aus Wien, XVIII. Karl Ludwigstraße 52; Rosa Spieler aus Wien, III. Dianagasse 7; Hugo Lustig aus Zhör, XVI. Bresteigasse 7; Hedwig Klappholz aus Wien, I. Eßlinggasse 4; Josef Färber aus Wien, Prokurist, IX. Währingerstraße 52; Siegfried Messing aus Jassy, VIII. Hamerlingplatz 8; Valentin Sachs aus Wien, VIII. Albertgasse 54; Leopoldine Löwy aus Wien, I. Marc Aurelstraße 5; Paul Wilhelm Löwenberg aus Wien, XIX. Gymnasiumstraße 58; Leopold Sattler aus Budapest, XX. Webergasse 30.