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Neue Nationalzeitung · 1907-10-04 · Heft 43 (4.10.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 43 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 43 „Neue National-Zeitung" Seite 9 %us auen weikchen Vernünftige Worte über die Judenfrage hat — was höchst selten vorkommt — Professor Dr. D. Meinhold zum fünfundzwanzigjährigen Stiftungsfest des Bonner Vereines deutscher Studenten gesprochen. Meinhold ist nichts weniger als Judenfreund, er hat sich aber doch ein gewisses Verständnis für die Realität der Dinge gewahrt und so gelangt er denn in einem Rückblick auf die Gründungsepoche des Verbandes in dieser Festrede zu folgendem Ergebnis: „ . . . Wir müssen aus der Tatsache, daß unter uns so viele jüdische Mitbürger wohnen, die richtigen Konsequenzen ziehen, ihre Kräfte zur Mitarbeit an unserem Volke verwenden. Die geistige Beweglichkeit, wie sie den Juden meist eigen ist, mag und soll unserem deutschen Volke zu gute kommen, die Gewandtheit im Handel und Wandel, soll uns, wie wir so stolz gerade hier voranschreiten, lehrreich und nützlich sein, die stetige gespannte Aufmerksamkeit, das Vorwärtsdrängen, wenn auch oft im eigenen Interesse, soll dem deutschen Michel die Schlafsucht vertreiben; ihre Begeisterung für Kunst, ihre unleugbare Reproduktion derselben, der wir Deutsche doch manches verdanken, ihre unzweifelhaft oft bewiesene Opferfähigkeit für diese Dinge, mag sie auch nicht immer den reinsten Beweggründen entsprungen sein, soll den Deutschen treiben und stacheln, daß er an noch etwas mehr denkt als an seinen Skat und Biertisch. Es ist also nationale Pflicht, das Gute, den Nutzen, der uns aus dem Zusammensein mit diesem begabten Volke erwachsen kann, auch wirklich herauszuziehen, ohne dabei der Gefahren zu vergessen, die gerade für den Deutschen von hier aus sich ergeben. Vergessen wir nicht der großen Taten, die ein D e r n b u r g für unsere Nation, gerade in unserem Sinne getan hat. Er aber entstammt demjüdischenVolke." Dr. Susanna Rubinstein feiert ihren 60. Geburtstag. Am 2(X September 1847 wurde Susanna in Czernowitz in der Bukowina als die Tochter des kaiserlichen Rates und Reichsratsabgeorneten J. Rubinstein geboren. Frühzeitig der Mutter beraubt, erhielt sie dennoch eine äußerst sorgfältige Erziehung, und der Wunsch, Universitätsstudien zu machen, regte sich in dem heranwachsenden ebenso begabten als fleißigen Mädchen. Nachdem sie die Töchterschule verlassen hatte, wurde sie von Professoren des Czernowitzer Gymnasiums privatim für das Abiturium vorbereitet, das sie glänzend bestand. 1870 bezog sie die Prager Universität, um Geschichte zu studieren. In Leipzig, wohin sie sich von Prag begab, gestattete man ihr als Ausländerin, die Vorträge der bedeutendsten Professoren zu hören. Mit einer tüchtigen Arbeit: „Die sensationellen und sensitiven Sinne" erwarb sie 1874 in Bern den Doktorhut. Seitdem hat Susanna Rubinstein, ermutigt durch die günstige Beurteilung, die diese erste wie alle ihre späteren Arbeiten in Fachkreisen fanden, drei Jahrzehnte lang, wenn auch oft durch schwere Krankheit und langes Siechtum, unterbrochen, mit rastlosem Eifer und unverminderter Hingebung ihre Studien fortgesetzt. 1878 veröffentlichte sie „Psychologisch-ästhetische Essays" Band I; 1884 erschien die Fortsetzung derselben. Andere Aufsätze erschienen in Fachzeitschriften; allen wird das höchste Lob gezollt. Nachdem Susanna Rubinstein in Bern promoviert hatte, hospitierte sie vorerst noch in Leipzig, Heidelberg und München; später lebte sie in Wien, Berlin, Dresden, dann infolge vermehrter Leiden lange in Wiesbaden. In Wertheim am Main hat sie sich ihr stilles Heim aufgebaut und lebt dort im geistigen Schaffen, von einem kleinen, treuen Freundeskreise umgeben, eine Wohltäterin der leidenden und darbenden Menschheit. Von ihren Arbeiten mögen noch erwähnt werden: „Aus der Innenwelt", psychologische Studien, 1888; „Zur Natur der Bewegung", 1890; „Aus dunklem Grunde", 1892; „Ein individualistischer Pessimist", 1894; „Ein Trias von Metaphysikern", populär-philosophische Essays, 1894; „Psychologisch-ästhetische Fragmente", 1902. Eine Million Emigranten sind aus verschiedenen Ländern vom 1. Juli 1906 bis 1. Juli 1907 in Amerika eingelangt. Die Zahl der Emigranten aus Rußland beträgt 215.665, darunter waren 125.234, somit die Majorität, Juden. Ernest Blum, der in Paris jüngst verstorbene hervorragende Dramatiker und Vaudevellist war jüdischer Abkunft. Er hat auch sein Judentum nie verheimlicht und ist als Jude gestorben. Merkwürdigerweise hat er jedoch damit auch seine freundschaftlichen Beziehungen zu den Führern der Antidreyfusards, Henri Rochefort und Arthur Meyer, zu vereinigen gewußt. Die Juden in den Städten der Bukowina. Wir besitzen in der Bukowina folgende neun Städte: 1. Czernowitz (mit eigenem Statut), 2. Gurahumora, 3. Kimpolung, 4. Kotzman, 5. Radautz, 6. Sereth, 7. Storozynetz, 8. Suczawa, und 9. Wiznitz. Das Verhältnis der Juden zur sonstigen Einwohnerschaft stellt sich wie folgt: Einwohnerzahl Juden Czernowitz . . . 67.622 . . . 21.587 Gurahumoro . . . . 4.063 . . . 1.457 Kimpolung . . . 8.028 . . . . 509 Kotzman . . . . . 4.782 . . . . 509 Radautz . . . . . 14.403 . . . 4.894 Sereth . . . . . . 7.614 . . . 3.093 Storozynetz . . . . 6.673 . . . . 2.410 Suczawa . . . . . 10.955 . . . 4.229 Wiznitz . . . . . 4.490 . . . . 3.997 Zum Rabbiner in Brody ist Herr Abraham Mendel Steinberg als Nachfolger des sei. Rabb. Chajes berufen worden. Wer die Herren Kultusvorsteher von Brody, Lazar Bloch und Genossen genau kennt, kann darüber nicht im Zweifel sein, daß sie sich früher über die politische Gesinnung ihres Seelenhirten genau informierten. Diese Gesinnung ist wirklich sehr verläßlich. Herr Rabbiner Steinberg war bei den letzten Reichsratswahlen ein sehr eifriger Verfechter der Kanditatur des Schlachzizenkanditaten R. v. Moysa. Tout COmme chez nous. In Ungarn arbeitet der Antisemitismus bereits mit galizischen Mitteln. Die „Kölka rolnicze" (ländliche Genossenschaften) haben auch in Ungarn ihre Nachahmer gefunden, mit demselben Zwecke, die jüdischen Kaufleute zu vernichten. Und da die österreichische Regierung diese Judenaushungerungs-Institute aus staatlichen Mitteln subventioniert, warum sollte nicht auch das Ministerium der koaliierten Unabhängigen und Klerikalen das gleiche tun? Die Budapester „Allg. Jüd. R." berichtet: „Zumeist werden diese Konsumgenossenschaften von judenfeindlichen Elementen, antisemitischen Politikern, Geistlichen usw. errichtet, die ihren ganzen Einfluß dazu verwenden, um die ländliche Bevölkerung zum Anschluß zu bewegen und häufig die stärksten Mittel des Zwanges anwenden, daß diese Angeschlossenen das jüdische Geschäft meiden und ihren Bedarf bei „ihren Genossenschaften" decken, auch wenn sie daselbst schlechter und teurer kaufen. Und wenn die einfache Überredung und der sanfte Druck nicht hinreicht, dann muß der aktive Antisemitismus und die Kanzel mithelfen und diese Mittel wirken schon intensiver. Zu den materiellen Schäden gesellt sich die künstlich erzeugte Abneigung, das Mißtrauen und der aus beiden entspringende Haß gegen die Juden und diese verlieren nicht nur ihre Kundschaft, sondern auch die Ruhe und den Frieden. Trotzdem würden sich die Juden noch immer behaupten und diese künstlich großgezüchteten Konkurrenten wären nicht imstande, den erbgesessenen praktischen und fleißigen Kaufmann zugrunde zu richten. Allein da kommt die Regierung und stellt sich auf Seite der Genossenschaften, gewährt denselben aus den, auch von den Juden dem Staate gezahlten Steuern Subventionen, Begünstigungen, billige Kredite, räumt denselben Vorrechte ein, die dem Kaufmanne direkt verboten sind und übt durch ihre mächtigen Organe einen direkten Einfluß zugunsten dieser Genossenschaften und gegen den steuerzahlenden Kaufmann aus". Aber die jüdischen „Führer" fühlen sich dabei drüben ebenso wohl wie herüben. Ihnen tuts nicht weh; sie schreien von oben. Der Kol-Nidre-Abend in Bombay. Das Ghetto von Bombay heißt „Israel Mahola," das Juden-Quartier; dessen Hauptstraße bildet die „Samaji Hassji Rasta", oder Samuel Ezekiel-Straße, nach dem Wohltäter benannt, der die erste Synagoge in Bombay erbaute. Werfen wir einen Blick in diesen düsteren, übervölkerten Stadtteil, so bieten sich uns Szenen ungewohnter Art dar. Längs der Haupstraße zieht sich ein

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