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Neue Nationalzeitung · 1907-09-27 · Heft 42 (27.9.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 42 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Nene Natlonal-Zeitung« Nr. 42 Vi m si g* di er Am Freidenkerkongreß in Prag, der merkwürdigerweise hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, da sich viele Persönlichkeiten im letzten Augenblicke von der Teilnahme zurückzogen, wurde auch ein Antrag betreffs der Judehfrage angenommen. Dieser Beschluß, dessen Referent Herr Wasserzug aus Warschau war, lautet: »Der XIV. internationale Freidenkerkongreß spricht bezüglich der Judenfrage folgende Wünsche aus und erwartet von allen Organisationen eine stetige Arbeit für deren Realisierung. Da der Antisemitismus der frappanteste Ausbruch des religiösen und Rassenhasses und die Juden stets seine ersten Opfer sind, da ferner die antisemitische Propaganda auf die niedersten menschlichen Instinkte spekuliert und deshalb eine schädliche Macht in jeder Hinsicht ist, fordert der Kongreß die Freidenker aller Länder auf, ihre Kräfte der Bekämpfung des Antisemitismus zu widmen und die bürgerlichen Rechte für die Juden in allen Ländern, in denen sie dieselben noch nicht besitzen zu erkämpfen. Bezüglich des jüdischen Klerikalismus erkennt der Kongreß, daß derselbe der größte Feind des jüdischen Volkes ist, da er künstlich das Volk im Aberglauben und in Unwissenheit sowie in religiösem Fanatismus erhält. Der Kongreß fordert die jüdischen Freidenker auf, eine rege Propaganda unter den Juden zu Gunsten der Prinzipien und der Weltanschauung der Freidenker zu veranstalten und das jüdische Volk von dem Joche des jüdischen Klerikalismus zu befreien und die Erziehung und Bildung in den Schulen auf das Fundament reiner Laienverhältnisse zu stellen.« In dieser Resolution ist jedenfalls erfreulich, daß nicht von „Israeliten" oder „mosaischer Konfession", sondern vom jüdischen Volke gesprochen wird. Dieses jüdische Volk aber ist der größte Feind des Klerikalismus; denn das jüdische Nationalbewußtsein ist das Morgengrauen, der jüdische Klerikalismus aber die schwarze Nacht, in deren Schatten das jüdische Volk an Deutschtum, Polentum usw. verschachert wird. Ein Ehrengeschenk für die Wiener Polizei. Wie die ' Blätter berichten, hat eine große Anzahl von Juden in Odessa ein Komitee gebildet, mit dem Zwecke, für ein der Wiener Polizei zu überreichendes Ehrengeschenk eine Sammlung einzuleiten. Der Geschicklichkeit der Wiener Polizeibehörden ist es nämlich gelungen, die Mordtat an dem Grafen Komarowski aufzudecken. Dieser war ein Mitglied der Odessaer Gruppe der »Schwarzen Hundertschaften«, welche erst kürzlich gedroht hatte, einen Pogrom sondergleichen zu veranstalten, wenn einem der ihrigen auch nur ein Haar gekrümmt würde. Die nette Gesellschaft hätte natürlich die Ermordung des Grafen Komarowski zum Anlaß genommen, um ihre Drohungen wahr zu machen. Mit der Ergreifung der Mörder durch die Wiener Polizei war ein neuerlicher Pogrom — wenigstens bis auf weiteres — verhütet worden. Und in ihrer Dankbarkeit wollen nun die Odessaer Juden der Wiener Polizei ein schönes Ehrengeschenk überreichen. GSM&iNU5=UN» VSREiNSNfltäRilBSW Lemberg. Am 30. September und 1. Oktober findet die erste Konferenz der Bildungsvereine der jüdischen jugendlichen Arbeiter und Handelsangestellten »Jugend« statt. Die Tagesordnung enthält nachstehende Punkte: 1. Eröffnungsrede. 2. Wahl des Präsidiums. 3. Rechenschafts r ericht des provisorischen C.K. 4. Unsere ökonomischen Aufgaben: a. Lehrlingsfrage, b. Reiseunterstützungsfonds. 5. Unsere kulturellen Aufgaben: a. Gruppen, Kurse, b. Gewerbeschulreform, c. Presse und Broschüren. 6. Organisation. 7. Agitation. 8. Wahl eines neuen C. K. 9. Anträge. Czernowitz. Dieser Tage ist hier ein eminent kultureller Verein ins Leben getreten, der Verein »Safah b'rurah«, der sich zur Aufgabe gesetzt hat, hebräische Kurse zu erhalten und den Versuch zu unternehmen, die hebräische Sprache auch außerhalb Palästinas als lebende Sprache einzuführen, wie dies schon in vielen Städten in Rußland und Galizien der Fall ist. Gleichwie man in Palästina mit der natürlichen Unterrichtsmethode, welche vorerst ohne Schrift auf Grund der Anschauung die Sprache vermittelte und erst dann zur Schrift überging, soll auch hier nach bewährtem Vorbilde die hebräische Sprache gelehrt und als lebende Kultursprache mit allen im Neuhebräischen vorkommenden Fortbildungen gepflegt werden, ohne daß der der alten Literatur gebührende Platz verdrängt werde. Die jüdische Geschichte und Geographie Palästinas soll in hebräischer Sprache vorgetragen und das jüdische Lied gepflegt werden. Der Verein hat sich wie folgt konstituiert: Obmann: LÖbel Taubes, Obmann-Stellvertreter: Dr. Berl Kinsbrunner, Schriftführer: Salomon Großberg, Kassier: Samuel M. Ungermünz, Kontrollor: Moses Münzer, Bibliothekar: Selig Wagschal, ohne Funktion Dr. Salomon Gronich. Gleich nach seiner Konstituierung ist derselbe an sein Werk geschritten und hat hervorragende Kräfte des hebräischen Lehrerverbandes in Galizien, welche bereits Leiter derartiger Schulen waren und es bereits zuwege brachten, daß die Schüler gleich im ersten Schuljahre hebräische Dramen aufführten, zur Leitung dieser Kurse gewonnen. — Der Verein wird an diesen Kursen die bewährtesten Lehrmittel in Anwendung bringen. Der Verein gedenkt auch öffentliche Schauprüfungen und Darstellungen zu veranstalten und durch Verteilung von Prämien aneifernd zu wirken. Es ist nur zu wünschen, daß dieses Unternehmen die notwendige Aufmerksamkeit finde, um gedeihen zu können. Die Eröffnung dieser Kurse erfolgt am 2. Oktober d. J. Die Einschreibung wird täglich im Hause Waggasse 5 gegen die Gebühr von 2 K 20 h und Monatsbeitrag von 3 K entgegengenommen. Der Verein hofft, daß sich an diesen Kursen die ganze jüdische Jugend, speziell die jüdischen Mädchen, wie dies in Galizien der Fall ist, aber nicht minder die Erwachsenen jeden Alters und Geschlechtes, für welche separate Kurse eingerichtet werden, in lebhafter Weise beteiligen werden. Briefkasten der Redaktion. L. J. B. in Schönlanke. Es genügt, wenn Sie adressieren: Budapest. J.B1.—d., Wien. Ihr Artikel ist sehr interessant, doch leider in dieser Form nicht verwendbar. Der Übelstand, den sie mit Recht rügen, hängt mit der sozialen Struktur der heutigen Gesellschaft zusammen. Es geht aber nicht an, den gesamten Rabbinerstand hiefür verantwortlich zu machen. J. Z. in Strusow. Wir begreifen ja recht gerne Ihren schriftstellerischen Ehrgeiz. Aber Sie sind wahrscheinlich noch sehr jung und müssen sich rechtzeitig Geduld angewöhnen. Ihre naive Behauptung, daß wir Ihre epochemachenden Stilübungen der Nachwelt vorenthalten, weil wir unter dem Einflüsse des ruthenischen Volkes stehen, hat uns sehr belustigt. Schade nur, daß Sie uns den »Doktor« nicht genannt haben, der Ihnen dieses Geheimnis anvertraut hat. — Was Ihre konkreten Fragen betrifft, so verweisen wir Sie auf den »Jüdischen Verlag« in Köln. Die Verlegung der Expedition ist .in den letzten drei Wochen nur mit Rücksicht auf die hohen Feiertage erfolgt. Wie sie sehen, ist sie nun behoben. Journalist. Ob Kaiser Wilhelm, wie das »Deutsche Volksblatt« zu erzählen weiß, geäußert hat, daß er »allen jüdischen Journalisten, der Wahrheit wegen, die Feder aus der Hand nehmen möchte«, wissen wir nicht, denn wir waren ebensowenig dabei wie das »Deutsche Volksblatt«. Doch kann sich die jüdische Journalistik, was »wahrheitsgemäße Darstellung« betrifft, eben mit dem »Deutschen Volksblatt« nicht messen. S. G. in Zürich. Die erwähnten Jahresberichte sind, wie wir uns erkundigt haben, nicht verkäuflich. Sie werden nur an einen engen Kreis abgegeben. Briefkasten der Administration. W. Sobel in Lemberg. Ad 1. Wegen der verlangten Bücher wenden Sie sich an den »Jüdischen Verlag« in Köln. Ad. 2. Wir verweisen Sie auf den bezüglich der Palästinareise bereits in unserem Blatte veröffentlichte Prospekt. Scliiffsnachrichten. Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: »Albano«, von Neworleans kommend, 19. September 10 Uhr 55 Min. morgens Prawle Point passiert. »Amerika«, 19. September 5 Uhr nachm. von New-York über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. »Barcelona«, nach Philadelphia, 19. September 9 Uhr morgens Dover passiert. »Deutschland«, 19. September 2 Uhr nachm. in New-York. »Hamburg«, 19. September 11 Uhr morgens in New-York. »Kaiserin Auguste Victoria«, nach New-York, 20. September 5 Uhr 30 Min. morgens Dover passiert. »Macedonia«, 19. September 3 Uhr nachm. von Baltimore nach Hamburg. »Piss«, von Philadelphia kommend, 19. September 1 Uhr 45 Min. nachm. auf der Elbe. »Rapallo«, nach Neworleans, 19. September 5 Uhr 25 Min. nach. Cuxhaven paissert. i

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