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Neue Nationalzeitung · 1907-09-27 · Heft 42 (27.9.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 42 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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sssss&mi^^ssssssi^^MS^äSBBSBmss^S^SM Seite $ »Neue Natlonal-Zeltung« Nr. 42 SEWCHSftr Dieser Teil unseres Blattes stellt unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Wir erhalten aus L e o b e n folgende Zuschrift: „Sie werden vielleicht noch in dem schönen Glauben leben, daß zur würdigen Feier des Joro-Kippur eine gehobene Stimmung nötig ist. In der Leobener Synagoge gab es aber statt gehobener Stimmung — gehobene Stöcke. So unglaublich es auch klingen mag: es kam am Jom-Kippurtage im hiesigen Bethause zu argen Skandalen. Ein Herr sollte vorbeten, doch ehe er noch dazu kam, wurde gegen ihn demonstriert, weil er während des ganzen Jahres die religiösen Gesetze ignoriere, am Samstag rauche etc. etc. Seine Anhänger aber, von seiner Prädestination innerlich überzeugt, demonstrierten noch lebhafter und schließlich wurde der hohe Feiertag mit einer solennen Prügelei eingeleitet, an der sich auch der Herr Tempelvorsteher der Kultusgemeinde wacker beteiligte. Daß derartige Fälle in einer antisemitischen Stadt wie Leoben den Juden schwerlich von Nutzen sind, ist ja klar. Es wäre gut, wenn sich der Kultusvorstand in Graz um die hiesigen desolaten Verhältnisse mehr kümmern würde." RCCHtSHIlife. Vielfachen Wünschen aus den Kreisen unserer Abonnenten und Leser Rechnung tragend, haben wir beschlossen, in unserem Blatte eine neue Rubrik, betitelt „Rechtshilfe", zu eröffnen. Dieselbe ist dazu bestimmt, der jüdischen Bevölkerung in den Fragen des öffentlichen und privaten Rechtes mit der nötigen Aufklärung zu dienen und ihr mit unserem Rat beizustehen. Wir denken hiebei in erster Linie an strittige Fragen des Eherechtes und des Matrikelwesens, des Vereins- und Versammlungsrechtes, und überhaupt an alle jene Fälle, in denen jüdische Bürger wegen dieser ihrer nationalen Zugehörigkeit von Gerichten oder Verwaltungsbehörden irgendwelche Zurücksetzungen zu erdulden haben. Wir werden stets an der Hand der Gesetze und Judikatur die nötigen Weisungen erteilen. Ueberdies sollen zur Belehrung unserer Leser auch alle in obige Materien einschlägige Entscheidungen der obersten Instanzen in dieser Rubrik zur Veröffentlichung gelangen. Unsere Rechtshilfe ist selbstverständlich ganz kostenlos und steht es jedem Juden frei, dieselbe in Anspruch zu nehmen. Wir verfassen jedoch keine Eingaben und leimen es ab, in gewöhnlichen Rechtsstreitigkeiten oder Strafrechtsangelegenheiten der Sache näher zu treten. Unsere Rechtshilfe wird vom Oktober angefangen monatlich ein- bis zweimal als separate Rubrik erscheinen. Es ist selbstverständlich, daß unsererseits strengstes Redaktionsgeheimnis gewahrt wird, doch ersuchen wir, in den Briefen stets die Chiffre anzugeben, unter welcher die Antwort zu erfolgen hat. Die Redaktion. JtORR5SPOND6NZ6N ~ Oesterreich-Ungarn. Die Protcstversanimlung der Hausierer. Wien, den 24. September. (Orig.-Korr.) Der „Erste Oesterreichische Rechtsschutzverein für Hausierer in Wien" hat für Samstag, den 28. September 1. J. um 3 Uhr nachmittags in Herlingers Saal zum „goldenen Widder", H. , Taborstraße Nr. 36, eine allgemeine Hausierer- Protestversammlung einberufen. Auf der Tagesordnung steht die „Stellungnahme gegen das himmelschreiende Unrecht der Hausiererverbote und gegen die Aufreizung des Volkes gegen den Hausierhandel." Geichzeitig veröfientlicht der genannte Rechtsschutzverein nachstehenden Aufruf: „Hausierer aller Branchen! Die Feinde des Hausierhandels benützen die Gelegenheit der Blatternkrankheit im X. und XII. Bezirke Wiens, um das allgemeine Hausierverbot in Wien und im ganzen Reiche heraufzubeschwören und um dem der allerhöchsten Sanktion harrenden Hausiergesetze vorzugreifen und den zu Genüge bekannten § 12 illusorisch zu machen. Es haben außer den Bezirksvertretungen des X. und XII. Bezirkes die des I, III., V. und VII. Bezirkes das allgemeine Hausierverbot zum Beschlüsse erhoben. Außerdem sind diesem Beispiele mehrere Städte und Ortschaften Niederösterreichs wie Klosterneuburg, der Bezirk Bruck a. d. L. u. s. w. gefolgt. Im Bezirke Bruck a. d. L. werden die Hausierer sogar in einzelnen Gemeinden durch die Ortsfeuerwehr an dem Einzüge behindert. Es wird, kurz gesagt, die Bevölkerung gegen den Hausierhandel durch große Plakate aufgehetzt, um die Aermsten der Armen (die Hausierer) zu erdrosseln." Jüdischer Turnverein. Wien, den 24. September. Das Verbandsschauturnen der jüdischen Turnvereine, das zu Pfingsten d. J. in Wien stattgefunden hat, ist noch in frischer Erinnerung. Die jüdischen Turnvereine haben die Kraftprobe glänzend bestanden. Das Verbandsschauturnen äußerte aber auch eine nachhaltige Wirkung auf die Wiener Turnvereine. Durch Berührung mit den anderen Turnvereinen, speziell Deutschlands, kam ein frischer Zug in unser Turnen. Der Sommer brachte darin keine Unterbrechung und nunmehr treffen die Wiener Turner mit frischer Kraft ihre Vorbereitungen, um sich am Schauturnen in Graz zu beteiligen und um die Wintersaison des I. Wiener jüd. Turnvereines in Wien vorzubereiten. Die diesjährige Saison hat bereits begonnen. Das Herrenturnen findet wie alljährlich auch heuer Montag und Donnerstag von 9 Uhr, das Damenturnen Mittwoch und Samstag von 7—Y29 Uhr statt. Für das Kinderturnen sind die Stunden wie im Vorjahre für Dienstag und Freitag von Ys 6—7 Uhr festgesetzt. Anmeldungen für den I. Wiener jüd. Turnverein werden während der Turnstunden am Turnplatze I. , Mölkerbastei 5, entgegengenommen. Dr. J. L. Moses Bloch. Budapest, den 19. September. (Orig.-Corr.) Professor Moses Bloch hat sieh im 93. Lebensjahre von der Leitung der hiesigen Landes-Rabbinerschule zurückgezogen. Dreißig Jahre sind es her, daß Prof. Moses Bloch, nachdem er 37 Jahre als Rabbiner gewirkt, dem Rufe an das Seminar Folge leistete. Innerhalb

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