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Neue Nationalzeitung · 1907-09-20 · Heft 41 (20.9.1907) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 41 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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f*r. 41 »Neue Nationgd-jgeitWDg« Seite 11 lEUiLUE&ON AUGUST STEIMBKE RG (Stockholm): Ismael.*) Nach dem Tod Gregors des Großen schien das Christentum in dem ganzen bekannten Europa gesiegt zu haben, in Byzanz, Palästina, Egypten und an der Mittelmeerküste Afrikas. Der Sieger aber wollte sich gerade zur Ruhe begeben, als etwas ganz Neues, Unerwartetes eintrat, das Christentum mit dem Untergang bedrohte und einen neuen Volksstamm auf den Schauplatz brachte. Ismaeis Nachkommen, Abrahams uneheliche Söhne, die in Wüsten herumgeirrt waren, begannen, die Wüstenwanderung fortsetzend, sich unter Fahnen zu sammeln und sich ein Kanaan zu suchen. Sechs Jahre nach Gregors Tod wurde der damals vierzigjährige Prophet, Mohammed mit Namen, „erweckt"; und wie eine Feuersbrunst breiteten sich seine Scharen aus. Und hundert Jahre später glaubte das christliche Europa, der jüngste Tag sei gekommen. Des Christentums erste Eroberungen, Syrien, Palästina, Kleinasien, Egypten und die afrikanische Küste, waren abgefallen und hatten dem neuen Antichrist gehuldigt. Byzanz war bedroht, Sizilien und Sardinien waren genommen und Italien war in Gefahr. Von der südlichen Spitze Spaniens konnte man bei klarem Wetter nach der afrikanischen Küste hinübersehen, wo die Sarazenen wohnten. Spanien war nämlich ein Land, das, ziemlich entfernt von Rom, sich zu einer der reichsten Provinzen ausgewachsen und entwickelt hatte, nachdem von Phöniziern und Karthagern zuerst der Grund zu einer Zivilisation gelegt, worden..war. Als sich aber Rom-auflöste, stürzten Barbaren, die von der Ostsee kamen und zu den neuen germanischen Völkern gehörten, deren Zukunft Tacitus prophezeit hat, über Spanien her, gründeten ein Reich oder zwei and besaßen nun am Anfang des achten Jahrhunderts die prächtigen Hauptstädte Toledo und Sevilla. In Sevilla, in dem schönen Andalusien, am Guadalquivir, saß der alte Jude Eleazar in seinem Wafienladen und zählte die Tageskasse. „In diesen Zeiten werden viele Waffen verkauft," sagte plötzlich ein Fremdling, der unbemerkt an den Tisch getreten war. Eleazar sah auf, fand das Aussehen des wohlgekleideten Fremdlings ansprechend und antwortete vorsichtig: „Ja, allerdings werden viele verkauft." „Erwartet ihr Krieg?" „Hier ist immer Krieg; am meisten jedoch Wortkrieg." „Du meinst die zwanzig Konzile, die man hier gehalten hat. Die Christen sind nie einig." Eleazar antwortete nicht. „Entschuldige," fuhr der Fremdling fort, „aber ich vergaß, wer du bist; das letzte Konzil möchtest du am liebsten vergessen!" „Nein, niemals! Wie sollte ich?" „Es richtete sich gegen dein Volk ..." „Und mein einziger Sohn, der im Begriff stand, sich mit einer christlichen Jungfrau zu verheiraten, mußte sie verlassen, da die Ehe mit Juden verboten wurde." „Nun, und wie endete es?" .*) Die Verlagsbuchhandlung Georg Müller in München veröffentlicht demnächst ein neues Buch des berühmten nordischen Dichters „Historische Memoiren". Mit Zustimmung des Verlages sind wir schon heute in der Lage,- eine dieserschönen dichterischen Visionen zu veröffentlichen. Die Redaktion. „Er konnte es nicht überleben, sondern legte Hand an sich selbst; und als sie ihm in den Tod folgte, bekamen wir die Schuld; verloren Eigentum und Freiheit." „Eleazar!" rief der Fremdling. „Kennst du mich nicht?" „Nein!" „Wenn ich aber meinen Namen nenne, weißt du wer ich bin: Julius, Graf Julius . .." „Seid Ihr — Graf Julius?" „Ich bin derselbe, dessen Tochter Florinda in Toledo erzogen wurde und König Roderich in die Hände fiel, dem Räuber und Wüstling... Darf ich zu dir in deine Kammer eintreten? Wir haben einander viel zu sagen!" Eleazar zögerte, obwohl die beiden als gekränkte Väter verlorener Kinder manch gemeinsames haben mochten. Ihm war nämlich bang vor den Christen, die gerade anfingen, die Juden zu verfolgen. Der Graf verstand das, ließ aber den Griff nicht los, denn er schien mit seinem Besuch eine bestimmte Absicht zu haben. „Laß mich in deine Kammer und ich will in drei Worten mein Geheimnis und deins sagen." Eleazar wollte nicht nachgeben, begann aber zu parlamentieren. „Sagt ein Wort! Ein einziges, das mich überzeugt!" bat er. „Oppas! Da hast du eins!" Eleazar öffnete die Augen, bat aber um noch ein Wort. „Zijads Sohn!" „Noch besser!" sagte Eleazar. „Jetzt aber das letzte!" „Bar-Koch-Ba!" Eleazar reichte ihm seine Hand. „Tretet ein unter mein Dach, eßt von meinem Brot und trinkt von dem gesegneten Wein." In einem Augenblick war der Laden geschlossen und die beiden Alten saßen beim Abendbrot in der Ladenkammer. Das Gespräch war im Gang. „Wir Hebräer sind einige Hunderttausend hier in Spanien. Als nämlich Kaiser Hadrian zum letztenmal Jerusalem zerstört hatte, schickte er fünfzigtausend Hebräer hierher. Das ist sechshundert Jahre her und wir haben uns natürlich vermehrt: Ja, bis zu der Menge, daß man neunzigtausend von den Unseren zur Taufe zwingen konnte .. . Auch ich bin getauft; aber ob sie mich auch mit Wasser begossen haben: ich habe den Glauben meiner Väter behalten; und wie könnte ich anders? Die Christen haben keinen Glauben, sondern viele. Die Synode, die 589 in Toledo tagte, lehrte, daß der Heilige Geist nicht bloß vom Vater, sondern auch vom Sohn ausgeht. Aber die Synode von 675 verkündete, der Sohn sei nicht nur vom Vater, sondern auch vom Heiligen Geist gesandt. Das ist ja Unsinn; und darum fallen sie selber von ihrer Lehre ab. Statt aber zum Alten Testament zurückzufallen, das die Mutter des Neuen ist, stürzten sie in Unglauben und Heidentum. So ist's ja auch mit dem Erzbischof Oppas selber in Toledo, der sich Christenhasser nennt und lieber den Islam anerkennt als Rom." „Kennst du Oppas?" „Er ist unser Mann!" „Du nennst den Islam: was meinst du zu der Lehre?" „Das ist ja unser heiliger Glaube: ein einziger Gott, der Einzige und Wahre. Und der Prophet ist ja Abrahams Nachkomme, der die Verheißung geerbt hat. Ismael war ja von der.Magd, aber doch Abrahams Same!" „Aber Mohammed vertrieb die Juden aus Arabien." „Ja, das tat er; er war nicht vollkommen. Das hat

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