Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 41 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1t) »Nene Natlonal-Zeltung« Nr. 41 Simplizissimus. Dieses satyrische Organ gefällt sich in jüngster Zeit darin, neben den ewigen Glossen über »Willys« Reden auch Uebungen im Antisemitismus zu vollführen. In der letzten Nummer findet sich nebst einer »virtuosen« Illustration des Münchener Malers Thö ny folgender geschmackvoller Dialog: »Was kratzt de dich? Hast Flöh? — Wie haißt Flöh? Bin ich e Hund? Ich hab Läus!« . . . Diese tiefsinnige Appetitlichkeit betitelt sich: »Galizien«. Mehr scheint man über diesen Gegenstand in München nicht zu wissen. Man könnte nur den Verleger des »Simplizissimus«, Herrn Albert Langen fragen, ob der »Deutsche Michl« nicht Flöhe statt Läuse habe!? Und ob er von den galizischen Autoren, deren Bücher dazu beigetragen haben, ihn reich zu machen, schon je — Läuse bekommen hat. Für die Juden von Casablanca hat die Pariser Familie Rothschild 20.000Fcs. gespendet Dr. Heinrich v. Rothschild hat sich nach Casablanca begeben, um dort ein Spital zu errichten. Sofort nach der Ankunft kaufte er alle vorhandenen weißen Stoffe zusammen und ließ dieselben unter die armen Juden verteilen. Die Pogroms inKischenew, von denen viele Zeitungen in den letzten Tagen so schauderhafte Einzelheiten zu erzählen wußten, hatten gar nicht stattgefunden. Wie das »Tagblatt« in Warschau berichtet, ist das Gerücht von diesen Exzessen darauf zurückzuführen, daß demnächt vor dem Strafgerichte in Kischenew der Prozeß wegen der Massakres im Oktober 1905 zur Austragung gelangt. Es war nur ein Traum. Kaum war die Nachricht von der Ernennung des Leutnants Angerer in München dementiert, als die Hundstage eine neue Sensation brachten. Herr Cassel junior, Sohn des Herrn. Landtagsabgeordneten Dr. Cassel in Berlin, ist zum — Reserveleutnant befördert worden. Darob Jubel, spaltenlange Biographien von Vater und Sohn. Und die Freude, daß wirklich ein würdiger, aus so einer Familie, von so einem Vater, dieser Ehre und einer solchen Ehre teilhaftig wurde. Das. Geschenk, das Generaldirektor Ball in von Kaiser Wilhelmen, erhielt, vermochte nicht so viele Gemüter zu erregen. Dehn Ballin ist bloß Favorit, und der neugebackene Reserveleutnant sollte gleich Hunderten den Weg bahnen. Deshalb ist auch die letzte Nachricht nicht wahr. Kaiser Wilhelm hat schon einzelnen Juden große Auszeichnungen verliehen, aber für alle Juden einen kleinen Militärrang hat er in »seiner« Armee bisher nicht gefunden. Literatur. »Schabbes Schmus«, Jüdische Witze und Anekdoten von Chaim Jossei. Verlegt bei Herrn. Seemann Nachfolger, Berlin. Etwas aus der Einleitung: »Was ist ein jüdischer Witz? — Du Chammer, was soll e jiddischer Witz sein? Lies und werst wissen, was e jiddischer Witz is!« ... Ich aber sage dir, du »werst« es nicht wissen. Mit Ausnahme des Zusammenstellers dieser Anekdoten, die ein jämmerliches Gemauschel, aber kein »Jiddisch« sind, wird wohl niemand nach der Lektüre wissen, was ein jüdischer Witz ist. Die in diesem Buche enthaltenen »Schmonzes« stammen nicht aus einem witzigen, scharfsinnigen Judenkreise, sie sind »geschmust« worden, wenn sich in einem magyarischen Kaffeehause zwei »Jiden« nach dem Färbelspiel langweilten. Und wie langweilig ihnen war, ist noch heute aus vorliegendem Buche zu erkennen. Es ist nachgerade unschön, was unter der Marke »Jiddisch« an Anekdotenliteratur auf den Markt kommt. Das ist aber ein Antisemitein. Und vom Antisemitein gelangt man nicht zum »Jiddisch«, sondern zum — Jideln, zum Gemauschel. Wie leicht sich dieser Herr die Erheiterung eines Publikums vorstellt, zeigt folgender »Witz«: »Josef Chammerlapp hatte einmal gelesen, daß Wärme die Körper ausdehnt und Kälte sie zusammenzieht. Er erzählte diese Neuigkeit dem Rebben und fragte, ob das wahr sei.« »Nu ewadde«, erwiderte der Raw, »im Sommer, wenn's is a Hitz, is der Tag lang, und im Winter is es kalt, is der Tag korz!«(!!!) Was der »Autor« unter dem Titel »Oi, welche Lust Soldat zu sein!« erzählt, würde jedem antisemitischen Hetzblatt zur Ehre gereichen. »Tapferkeit.« Vom russischen Kriegsschauplatz schreibt der Infanterist Chajm Machmerplatz an seine Mutter: »Liebe Mam'me! Ich bin — Gottseidank gefangen! Und Eisikle, Dein andererSün, ach. Du sollst sein so gesund wie er es is!« Der Mann, der dieses »Buch« zusammengestutzt, wünscht sich auch, wie er wiederholt nachdrücklich versichert, »benachetzte Goyms«. Die wird er jedesfalls eher finden, denn »benachezte Jiden.« Man begeht einen schweren Fehler, dieses Buch zu tadeln; denn es wäre Lob in diesem Falle. Wenn wir dennoch dem Ersuchen des Verlegers nachkommen und eine Besprechung dieses Buches bringen, so geschieht es einfach deshalb, um wieder einmal zu beweisen, wie sich in gewissen Köpfen der »polische« Jude malt. Sämtliche Anekdoten dieses Buches handeln von polnischen Juden; ihre wirklichen und erfundenen Laster sind in einer so dummfrechen Weise als »gefefferte« Anekdote vorgeführt, daß jeder anständige Jude den Verdacht weit von sich weisen wird, an diesem Buche Vergnügen gefunden zi haben. Sein Inhalt ist antisemitische Propaganda. sch. Liste der Ausgetretenen. (Vom 1. bis 31. August 1907.) Emil Freiherr v. Kubinzky aus Prag, I., Park^ ring 18; Dr. med. Gustav S i n g.e r, Universitäts-Dozent aus Brünn, IX., Hörigasse 10; Dr. Ignaz Bauer, städtischer Oberarzt aus Turo Fridovori, XVIII., Währingerstraße 135; Dr. Otto Fröhlich, Kustos am k. k. Kunsthistorischen Museum aus Wien, VI., Eszterhazygasse 30; Hanni Luftmann aus Krakau, XVI., Kirchstettengasse 32; Malvine Fischer aus Wien, XVII.', Parhamerplatz 11; Gisela Steiner aus Neutra, XVII., Kl. Hof bauerplatz 8; Raiczle Ronczay aus Ujczkocsice, XVII., Kulmgasse 27; Helene Spitzer aus Wien, XIII., Hietzingerstraße 16; Hans Gustav Tannenzapf aus Wien, IL, Rueppgasse 7; Berta Steinfeld aus Devecser, XX., Heinzelmanngasse 22; Josef Appermann aus Lember, XVIII., Gentzgasse 90; Johanna Hitschmann aus Trautenau, XIV., Sechshauserstraße 70; Pauline Lichtenstein aus Wien, XVI., Neumayergasse 3; Amalia Schräm aus Dembrowa, XVI., Fröbelgasse 7; Severine Lindner aus Wien, V., Börengasse3; Eugen Jacobsen- Jensen aus Wien, VI., Köstlergasse 12; Julie Mach aus Wien, III., Hauptstraße 83; Friedrich Abiles aus Wien, XVIII., Semperstraße 19; Valerie Heim aus Wien, V., Wienstraße 14; Elsa Fleischmann aus Wien, II., Ausstellungsstraße 16; Olga Goldmann aus Wien, IX., Kolingasse 9; Samuel Meth Baden aus Wien, XVII., Hernalser Hauptstraße 182; Gisela Baruch aus Wien, II., Kleine Schiffgasse 6; Sali Wolf aus Karkozo, IX., Währingerstraße 124; Elise Pisk aus Wildon, XIV., Preysingergasse 20; Gertrud Baruch de Felsö-Vany, XVII., Andergasse 14; Adolf Weisz aus Szenicz, IL, Stephaniestraße 11; Siegfried Erdö aus Wien, IL, KL Schiffgasse 4; Adele Krugmann aus Wiesbaden, L, Giselastraße 1; Henriette Sekler aus Brünn, III., Hauptstraße 33; Ida Hermann aus Karolaschretichitz, XVIII., Türkenschanzstraße 5; Lore Fürst aus Kronstadt, IX., Eisengasse 28—30; Adalbeft'>Mäyer aus Wien, XVIIL. ^Mitterberggasse i9p Sophie Kirschbaum aus Wien, IL, Ausstellungsstraße 3; Hermine Kirschbaum aus Wien, IL, Ausstellungsstraße 3; Max Pelz, Wien, VIII., Wickenburggasse 19; Karl Schweinburg aus Wien, IL, Volksgartenstraße 3; Flora Kohn aus Labant, IL, Mühlfeldgasse 15; Leopold Deutsch aus Wischau, IX., Rögergasse 1 a; Leopold Goldstein aus Budapest, IX., Berggasse 22; Karoline Rubinzahl .aus Wien, IX., Nußdorferstraße 21; Hugo Spiegel aus Wien, IX., Schubertgasse 3; Alexander Ragendorfer aus Steinamanger, IX., Rote Löwengasse 17; Anna Lenzsö aus Krapina, IX., Bindergasse 6; Dr. Arthur Meissner aus Triesch, III., Untere Viaduktgasse 41; Jaques Fischer aus Wien, XIX., Eichelhofstraße 2; Max Hayek aus Birnbaum, XX., Biedergasse 4: Anna Pacyna, Gorzenzony, XIX., Döblinger Hauptstraße 79. Schüfsnachrichten. Hamburg. Die Hamburg - Amerika - Linie meldet: Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach Newyork: 12. September Schnellpostdampfer »Deutschland«; 14. September, Postdampfer »President Grant«. 19. September, Postdampter »Kaiserin Auguste Victoria«. 21. September, Postdampfer »Pretoria«; 26. September, Postdampfer »Blücher«; 28. September, Postdampfer »Patricia«; 3. Oktober, Postdampfer »Amerika«. Nach Boston: 13. September, Postdampfer »Badenia«; 21. September, Postdampfer »Bosnia«. Nach Baltimore: 13. September, Postdampfer »Badenia«: 21. September, Postdampfer »Bosnia«. Nach Philadelphia: 17. September, Postdampfer »Barcelona«; 27. September, Postdampfer »Pisa«. Nach Neworleans: 12. September, Postdampfer »Rapallo«. Nach Westindien: 16. September, Postdampfer »Hungaria«; 24. September, Postdampfer »Mecklenburg«; 25. September, Postdampfer »Niederwald«. Nach Mexiko: 14. September, Postdampfer »Kronprinzessin Cecilie«; 20. September, Postdampfer »Dania«; 28. September, Postdampfer »Albingia«. Nach Ostasien: 20. September, Postdampfer »Silesia«; 30. September, Postdampfer »Ghristiania«. A rabisch- Persischer Dienst: 21. September, Postdampfer »Savoia«. Sammlung für Morris Bosenfeld. Anonym (Berlin) 2 Mk. Dr. L. (Krakau) 1 K.