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Neue Nationalzeitung · 1907-09-13 · Heft 40 (13.9.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 40 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue National-Zettung« Nr. 40 geradezu verdächtigt. Herr Schiff denunziert die Zionisteu, daß sie keinewahren amerikanischen Patrioten sind: „Ich kann nicht einen Moment zugeben," meint er, „daß man gleichzeitig ein Anhänger des Zionismus und ein wahrer Amerikaner sein könnte." Herr Schiff, der aus Deutschland eingewandert ist, bestreitet somit den amerikanischen Patriotismus der Hunderttausende amerikanischer Zionisten. Es ist doch wirklich eine Ironie, daß sich Dr. Harry Friedenwald, der Präsident der „Zionistischen Federation", dessen Vater, Dr. Aron Friedenwald, selbst ein geborener Amerikaner war, von Herrn Schiff über amerikanischen Patriotismus belehren lassen soll. In einem Briete, den Dr. Friedenwald im „American Hebrew" vom 30. August, veröffentlichte, weist er auch die Verdächtigungen des Herrn Schiff auf das schärfste zurück. Er verweist insbesondere darauf, daß jeder Jude alltäglich um die Rückkehr nach Jerusalem und um den Wiederaufbau der heiligen Stadt betet. Herr Schiff scheint daran nicht zu gedacht haben, denn sonst hätte er wissen müssen, daß er mit seinen Verdächtigungen nicht nur die Zionisten, sondern alle religiösen Juden trifft. Will er konsequent sein, dann müsse Herr Jakob Schiff sagen, daß Judentum und Amerikanismus nicht vereinbar seien. „Herr Schiff will doch gewiß nicht behaupten, daß derjenige, der für die Wiederherstellung betet, auf den Titel eines echten Amerikaners Anspruch erheben könne, während derjenige, der an dieselbe glaubt, oder sie erhofft, oder für sie wirkt, darauf keinen Anspruch habe." In derselben Zeitschrift befindet sich gleichzeitig auch eine sehr scharfe Erwiderung des Rabbiners Dr. Pereira Mendes, der an der Hand biblischer Aussprüche die Unhaltbarkeit der Theorie Schiffs beweist. Der „Amerikan Hebrew" selbst verweist auf das Beispiel des großen deutschamerikanischen Staatsmannes Karl Schurz, und auf alle die vielen polnischen, irischen und ungarischen Einwanderer, die ihre amerikanischen Staatsbürgerpflichten stets gewissenhaft erfüllt haben, ohne dabei ihr nationales Empfinden zu verleugnen. Der Streit, den Herr Jakob Schiff vom Zaune gebrochen hat, wird in der Presse noch lange nicht zur Ruhe kommen. Herr Schiff hat den assimilatorischen Blättern diesseits und jenseits des Kanals einen, großen Gefallen erwiesen. Wir aber meinen: Vor solchen Freunden wie Herr Jakob Schiff, Herr Claude Montefiore und Oswald Simon, die als Führer der Reformbewegung ein Judentum schaffen wollen, wie es ihnen paßt, möge uns Gott beschützen! GEMEiNUS=UNo VSRCiNSNMftRitlTCW Göding. Die jüdisch - akademische Ferialverbindung «Gamal a» in Göding feierte am 14. und 15. August 1. J. ihr zehnsemestriges Stiftungsfest, das einen wahrhaft glänzenden Verlauf nahm. Als interne Vorfeier fand am 14. August eine sowohl von der Bürgerschaft als auch von auswärtigen BK Bb. zahlreich besuchte Festkneipe statt, die sehr animiert war. Am 15. August fand im großen Saale des Hotel Europa der Festkommers statt, der einen glänzenden Anblick bot. Fast die gesamte jüdische Bürgerschaft Gödings, an ihrer Spitze der Kultusvorsteher Herr Dr. Körner, waren erschienen. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Besonders imposant war die Beteiligung der befreundeten Verbindungen, die aus allen Richtungen herbeigeeilt waren. Es waren vertreten: die jüdischakademischen Verbindungen Ivria (Wien), Unitas (Wien), Veritas (Brünn), die Ferialverbindungen Achiwah (Ung. Hradisch), Hermonia (Gaya), Massada (Prerau), Giskallah (Proßnitz), Ossid (Kremsier). Als Vertreter des innerösterr. Distriktskomitees war Dr. Kadisch erschienen. Der X Bb. cand. phil. Hugo Stern hielt die Eröffnungsrede, A. H. Bb. Victor Kohn die Festrede. Im Namen der isr. Kultusgemeinde sprach Kultusvorsteher Dr. Körner, de in vornehmer Weise die Jugend zu ihren Idealen beglückwünschte. Einen glänzenden Eindruck machte die fein pointierte Rede des langjährigen Gönners der «Gamalä» Herr Dr. Josef Winter- Ung.-Hradisch. Das Gründungsfest war nicht nur ein frohes, gelungenes Studentenfest, sondern auch ein animiertes und gemütliches Fest der jüdischen Bevölkerung. Allen, die daran teilnahmen, wird es in dauernder froher Erinnerung bleiben. * Der am 3. September d. J. abgehaltene Wahlkonvent ergab folgendes Resultat: cand. ing. Siegfried Steinitz X, cand. phil. Gustav Drechsler XX, cand. phil. Siegfried Holz XXX. 3US ALIEN U61ttCiL6N Gegen die jüdischen Studenten in Rußland. Das russische Ministerium für Volksaufklärung hat den Universitäten in einem Runderlaß vorgeschrieben, daß sie nicht mehr jüdische Studenten aufnehmen dürfen, als die beschränkende Vorschrift bestimmt, die in den letzten Jahren nicht mehr angewendet worden war. Da auf einzelnen Universitäten der Prozentsatz der jüdischen Studenten weit überschritten ist, so werden in diesem Jahre dort keine Immatrikulationen der jüdischen Studenten stattfinden. Die Bevölkerung Bulgariens betrug bei der Volkszählung 1900 3,744.284; hiervon waren: Griechisch-Orthodoxe 3,019.990 Mohamedaner . . . 643.300 Israeliten .... 33.663 Armen-Gregor . . . 13.809 Kathoiiken .... 28.588 Protestanten.... 4.524 Die Israeliten machten 0*90 Prozent der Gesamtbevölkerung aus gegen nur 0'86 Prozent bei der Volkszählung vom l./I. 1893, bei welcher 28.307 Israeliten (14.038 Männer und 14.269 Frauen) im Fürstentum Bulgarien ermittelt wurden. Nicht viel weniger betrug zu gleicher Zeit die Zahl derjenigen, die das Jüdische (Spaniolische) als Muttersprache sprachen: 27.531 (13.747 Männer und 13.784 Frauen). Eine jüdische Kolonie soll demnächst in Mexiko errichtet werden. Der Plan geht von Bürgern der Stadt Los Angelos in Kalifornien aus. Die Kolonie soll besiedelt werden von 15.000 russischen Juden und werden bereits in Mexiko wegen Ankaufs von 100.000 Acres Boden in der Nähe von Eapico Unterhandlungen gepflogen. Gutachten über das Schächten. Der Direktor des Schlachthofes in Bremen, Herr Schneemann, hat auf Ersuchen des Rabbiners Dr. Rosenak ein Gutachten über das Schächten ausgearbeitet, dem wir nachstehende Stelle entnehmen, weil sie gerade die wichtigsten Anwürfe der Antisemiten entkräftet: »Der springende Punkt, auf den es hier ankommt, ist bekanntlich der, daß von tierschützlerischer Seite in jeder Tötung ohne vorherige Betäubung eine Tierquälerei erblickt wird; beim Schächten wird schon in den Vorbereitungen, in dem Niederlegen des Tieres eine Tierquälerei erblickt. Und in dieser Beziehung mag es wohl sein, daß diese Vorbereitungen auf den Laien offenbar ungünstig einwirken. Auch auf mich macht es den Eindruck, als ob das betreffende Tier zum mindesten von einem gewissen Angstgefühl erfüllt ist. Schmerzen verursachen diese Vorbereitungen jedenfalls nicht. Allerdings mag es ja vorkommen, daß, wenn bei dem Niederlegen roh verfahren wird, durch den Sturz Rippen- oder Hornbrüche beziehungsweise auch inr.ere Verletzungen verursacht werden. Aber soviel mir bekannt, schreibt das Ritualgesetz strikte vor, das Tier behutsam niederzulegen, damit keine Verletzungen entstehen, wodurch das Tier ja zum Genüsse verboten und als solches dann auch das Schächten religionsgesetzlich unzulässig ist. Erfreulicherweise ist mir, abgesehen von einem einzigen, sehr weit zurückliegenden Fall, weder aus eigener Anschauung, noch durch dienstliche Meldung während meiner fünfundzwanzigjährigen Amtstätigkeit jemals bekannt geworden, daß derartige auf Böswilligkeit oder Rohheit beruhende Tierquälereien auf dem Bremischen Schlachthofe vorgekommen wären. Rühmend muß ich hierbei anerkennen, daß der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde keine Kosten gescheut hat, um Neuerungen zu beschaffen, um die Vorbereitungen zum Schächtakte nach jeder Richtung hin human zu gestalten. Auch dem Schächter und dem Gehilfen vermag ich nach gewissenhafter Ueberzeugung nur dahingehend ein Zeugnis auszustellen, daß sie bemüht sind, jede Rohheit beim Niederlegen der Schlachttiere zu verhüten. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß in dem Niederlegen, beziehungsweise in denVorbereitungenzum Schächten keinerlei Tierquälerei zu erblicken ist.«

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