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Neue Nationalzeitung · 1907-09-13 · Heft 40 (13.9.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 40 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 »Neue National-Zeitung« Seite 9 Die Hilfsaktion für Galizien. Für Galizien, woselbst der Hilfsverein der Deutschen Juden in engster Verbindung mit der befreundeten Großloge für Deutschland und in Kooperation mit dem Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien vorgeht, wurden Bewilligungen vollzogen, die den Ausbau des Hilfswerks speziell auf dem Gebiet der Jugendfürsorge weiterführen. Es wurden Mittel zur Begründung von Kindergärten in Tarno w und K o 1 o m e a bewilligt, wo ein besonderes Bedürfnis nach diesen segensreichen Instituten besteht, die sich auch in Galizien aufs beste bewähren, und wo tatkräftige und hingebungsvolle Persönlichkeiten die Initiative zur Durchführung dieses schönen humanitären Werkes ergriffen haben. Es wurde ferner dem jüdischen Zweigkomitee für internationale Bekämpfung des Mädchenhandels zur weiteren Verfolgung seiner Zwecke durch Begründung von speziellen Komitees in Galizien, die dem Mädchenhandel im Lande selbst energisch entgegenwirken sollen, ein Betrag von 800 Mark zur Verfügung gestellt. Eine hebräische Schule in R z e s z o w, die in kleinem Rahmen nützliches leistet, erhielt eine Zuwendung von 200 Kronen. Für Schüler der Lehranstalt des Herrn Rabbiner Dr. Jung in Ung.-Brod (Galizier und Russen) wurden 600 Kronen Stipendien gewährt. Ein großer Teil der Tagesordnung, die sich auf Bewilligung für Lehranstalten und andere Institute im Orient, insbesondere in Palästina bezieht, wurde zurückgestellt bis zur Rückkehr des Herrn Dr. Nathan von einer Reise, die er nach dem Orient, Bulgarien, der europäischen Türkei, Kleinasien, Syrien, Palästina zum Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Länder und der Lage der dortigen Juden und ihrer Aussichten für die Zukunft, unternimmt. Unter Vertagung aller anderen Anträge, die aus den Balkanländern und europäischen und der asiatischenTürkei vorlagen, wurden für das hebräische Gymnasium in Jaffa, durch dessen Begründung einem lebhaften Bedürfnisse entsprochen worden ist, 1600 Francs zur Anschaffung von Büchern und Instrumenten bewilligt. Frankreich. Der Leibarzt Mulay Hafids. Paris. Der zum Gegen-Sultan von Marokko proklamierte Mulay Hafid hat bekanntlich sofort die jüdischen Einwohner des Landes seines besonderen Wohlwollens und Schutzes versichert. Wie jetzt verlautet, geschah dies über Einflußnahme des Leibarztes des Gegen-Sultans, der ein J u d e ist. Er heißt Dr. H o 1 zmann, ist in Jerusalem geboren und hat in Konstantinopel studiert. Seine Karriere begann er als Lehrer der hebräischen Sprache an der Alliance-Schule, dann ging er nach Berlin, um Medizin zu studieren. Seit zehn Jahren ist er bereits Arzt in Marokko. Ivussland. Territorialistische Konferenzen. Warschau, den 5. September. (Orig.-Korr.) Unter dem Vorsitze des Herrn M. Finkelstein fand hier vom 1. bis 3. d. M. eine Konferenz der Territorialisten Rußlands statt. Es hielten Ansprachen Dr. Mandelstamm aus Kiew und Dr. Jochelm an n, welcher über die Tätigkeit des Emigrationsdepartements in Kiew referierte. In dem Berichte werden eingehend die Expeditionen nach Galvestone geschildert, wo bisher 400 Emigranten gelandet sind. Nach längeren Beratungen wurde ein Organisationsplan angenommen, und der Beschluß gefaßt, das Zentralbureau von Kiew nach Warschau zu übertragen. Die Neuwahlen ergaben u. a. Herrn Dr. Mandel stamm als Präses des Aktionskomitees und des Zentralemigrationsbureaus, Advokat Jasinowski als Mitglied des Aktionskomitees. Die Konferenz beschäftigte sich am Schlüsse sehr eingehend mit dem Prozesse gegen die Kolonialbank. Die allgemeine Ansicht ging dahin, daß eine Aenderung der Statuten der Kolonialbank mit allen Mitteln zu verhindern sei. Nordamerika. Jakob Schiff als Antizionist. New-York, den 1. September. (Orig.-Korr.) Herr Jakob Schiff, Millionär und Philantrop dazu, scheint in seiner Wohltätigkeitsaktion keine genügende Befriedigung zu finden. Ein Führer der Reformgemeinde, hat er es bisher trotzdem verstanden, die Sympathien aller jüdischen Kreise in Nordamerika zu erringen, weil er für das orthodoxe hiesige Rabbinerseminar, an dessen Spitze jetzt der berühmte Gelehrte Professor Schechter steht, für die verschiedenen Talmud-Thoras und für die jüdischen Einwanderer besonders viel geleistet hat. Aber diese menschliche und religiös gewiß segensreiche Tätigkeit genügt Herrn Schiff, der liier die Rolle eines kleinen Baron Hirsch spielt, offenbar nicht. Er ist zwar ein deutscher Jude; er hat aber hier ein Millionenvermögen erworben und so betrachtet er sich nun als einen typischen Amerikaner. Dieser Amerikanismus besteht bei ihm in der Verleugnung der jüdischen Nationalität, in der Einschränkung des Judentums auf die rituellen Vorschriften, von denen seine Reformgemeinde eben sehr wenig hält, und in einem chauvinistischen Yankeetum. Jüngst hat sich Herr Schiff auch der Itobewegung angeschlossen. Unter seiner Leitung ist diese Bewegung, die von dem Gedanken der nationalen Autonomie ausgegangen ist, zu einer kleinlichen Philantropie in Texas herabgesunken. Und nun beginnt Herr Schiff einen Kampf gegen den Zionismus. Einen Kampf, der, sagen wir es offen, nicht mit anständigen Mitteln geführt wird. Schon seine Rede, die er bei der Chautaukwah-Versammlung in Atlantic-City gehalten hat, war ein scharfer Angriff gegen die gesamte jüdischnationale Bewegung. Er sagte: »Um das Selbstbewußtsein der Juden in den Vereinigten Staaten zu erwecken und zu erhalten, ist es nicht unbedingt notwendig, daß wir Hoffnungen auf die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina setzen sollen, die in dunkler Zeit erfolgen wird . . . Aber selbst die ehrlichen Anhänger des Zionismus müssen zugeben, daß der Zionismus eine Art Ideal ist, dessen Verwirklichung nicht sicher ist. Können wir aber keine Zionisten sein, weil wir nicht glauben, daß dies der Weg ist, durch welchen das Judentum erhalten und fortgepflanzt werden kann, so müssen wir unsere ganze Kraft anspannen, um durch eifrige Propaganda unseren Glauben zu erhalten und unseren Nachkommen in seiner ganzen Reinheit zu überliefern, und niemals zu vergessen, wieviel unsere Vorfahren für seine Erhaltung gelitten haben.« Das war nur das erste antizionistische Debüt des Herrn Schiff. Es scheint, daß ein Brief, den Professor Schechter, selbst ein Zionist, an ihn gerichtet hat, ihm Stoff zu weiteren Raisonnements gegeben hat. Leider ist der Brief des Prof. Schechter nicht zur Veröffentlichung gelangt, wegen der in demselben enthaltenen persönlichen Bemerkungen. Dafür aber hat Herr Schilf seinen Brief veröffentlicht. In diesem Briefe geht nun Herr Schiff in seiner agressiven Stellung noch weiter. Er begnügt sich nicht mehr damit, zum Kampfe für die jüdische Religion aufzufordern, weil der Zionismus keine Zukunft habe; er steigt tiefer, indem er den Zionismus

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