Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 40 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 »Neue Natlonal-2eituiig< Seite 7 Chef der Stadtverwaltung Ordnung zu machen, über seine Haltung gegenüber den Pogroms interviewt. Nowicki erklärt darauf: »Ich bin mir über meine Stellung als Oberhaupt der Stadt vollständig klar. Ich und die mir untergeordnete Polizei sind Herren der Gasse — sonst niemand. Es wird keine andere Organisation neben mir die Gasse beherrschen. Das ist mein fester Entschluß und dabei bleibt es — so lange ich den Platz einnehme. Da bin ich rücksichtslos. Es ist meine Pflicht, allen Einwohnern ohne Unterschied der Konfession, Nationalität oder Partei die Ruhe zu garantieren. Ob Jude, ob Deutscher, ob Russe — sie sind alle gleich vor dem Gesetze, also auch mir gegenüber, dem Vollstrecker des Gesetzes. Jeder hat das Recht, ungestört seinen Geschäften ruhig nachzugehen. Wer einen anderen daran hindert, ist ein Feind des Staates und der Gesellschaft . . . Ich reise nach Odessa, um die aufgeregten Gemüter zu beruhigen. Aber Ruhe erlangt man nicht durch Repressalien. Ich werde trachten, allen Repressalien aus dem Wege zu gehen und alles zu verhüten, was die Bevölkerung reizen könnte.« * Berlin, den 11. September 1907. Dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle wird aus Odessa vom 10. September abends 9V4 Uhr telegraphiert, daß dort alles ruhig sei. JÖMSCH5R SPRECH« Dieser Teil unseres Blattes sieht unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Eanm gern zur Verfügung. Die Eedaktion. Koschere „Restaurants". Geehrter Herr Redakteur! Die hohen Feiertage geben mir Gelegenheit auf ein Kapitel zurückzukommen, das dringender Erörterung bedarf. Es ist bekannt, daß sehr viele Juden, der verschiedensten Schichten, es vorziehen, nicht koschere Gasthäuser und Restaurants zu frequentieren. Den jüdischen Restaurateuren ist das natürlich nicht recht, und so hört man sie oft lamentieren, daß ein Jude den anderen nicht unterstütze, daß der Jude lieber ins christliche Gasthaus gehe, um nur nicht den Juden von sich leben zu lassen usw. Mit Verlaub, meine Herren jüdische Restaurateure! Hat nicht der jüdische Gast doch einen tieferen Grund, euch zu boykottieren, als den Mangel eines Solidaritätsgefühles? Mögen sich nur die Herren in die Brust werfen. Ich will die Gründe des Boykotts an einem Beispiel darlegen. Als ich vor acht Tagen ins Pilsenetzer, eines der vornehmsten Restaurants, kam, geschah es, daß ich infolge des großen Andranges einige Minuten da saß, ohne daß sich ein Kellner bei mir gemeldet hätte. Da kam sofort der Restaurateur auf mich zu, nahm meine Bestellung an und brachte mir auch sofort persönlich das Gewünschte in bester Kondition. — Anläßlich der Neujahrstage begab ich mich der Feiertagsweihe folgend in ein jüdisches Restaurant: zum Ton eil o. Und da passierte es mir, daß ich nicht drei, sondern 15—20 Minuten warten mußte. Indigniert darüber wandte ich mich an den jungen Mann, der jetzt als «Chef» figuriert. Da kam ich gut an. Ich verlangte eine Speisekarte, und bekam eine — Grobheit! Er bediente mich selbst nicht, er schickte mir keinen Kellner, er meinte noch — als tüchtiger Geschäftsmann — ich müßte schon damit rechnen, daß die von mir gerügte schlechte Bedienung das ganze Jahr anhalten werde. Sehen Sie, da liegt der Krebsschaden! Der christliche Gastwirt ist höflich, dienstfertig, der jüdische «Restaurateur» — es gibt wohl auch Ausnahmen — ist in der Regel arrogant, herablassend. Er soll den Gast bedienen? Er dünkt sich ja mehr, als seine Gäste! . . . Genehmigen Sie usw. _ Dr. N. N. Die hebräische Mittelschule in Jaffa. Berlin, 6. September 1907. Sehr geehrte Redaktion! Ich bin nicht für das hebräische Gymnasium eingetreten, sondern habe auf dem Kongreß mitgeteilt, daß die anwesenden misrachistischen Delegierten beschlossen hätten, in Palästina eine hebräische Mittelschule zu begründen und daß für diesen Zweck bereits 10.000 Mark aufgebracht seien. Ergebenst Hermann Stru ck. Oesterreich-Ungarin Die israelitisch-theologische Lehranstalt. Wien. Der Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehranstalt für das Schuljahr 1906/7 ist bereits erschienen und enthält folgende Einleitung: „Wir haben über das abgelaufene Studienjahr nur Weniges zu berichten. An Stelle des verstorbenen Mitgliedes unseres Kuratoriums, Herrn Dr. Emil Byk, ist über Vorschlag des verehrlichen Kultusvorstandes von Lemberg Herr Handelskammerpräsident Samuel Edier von Horowitz auf Lebensdauer in unser Kuratorium kooptiert worden. Herr von Horowitz gab kurz hierauf bei einer Sitzung unseres Kuratoriums, zu welcher er eigens aus Lemberg kam und in welcher er auf das herzlichste begrüßt wurde, die Versicherung, daß er stets bestrebt sein werde, die Interessen unserer Lehranstalt nach jeder Richtung zu fördern. Der an Stelle Prof. Büchlers berufene Herr Prof. Dr. Samuel Krauß hat am 17. Oktober v. J. sein Lehramt angetreten. Der feierlichen Einführung desselben wohnten zahlreiche Mitglieder unseres Kuratoriums und des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde bei. Das Kuratorium des mährischjüdischen Landesmassafonds in Brünn hat uns wie im Vorjahre eine Subvention von 1000 K zugesprochen, wofür wir demselben unseren aufrichtigen Dank zum Ausdruck bringen. Aus der Osias H. Schorrschen Stiftung haben 18 Hörer Stipendien von je 600 K bezogen. Einem weiteren Hörer haben wir, da das für heuer ausgeschriebene Zinsenerträgnis dieser Stiftung nicht ausreichte, aus eigenem und in Uebereinstimmung mit unserem Herrn Rektor aus dem ihm alljährlich für Unterstützungen zur Verfügung gestellten Betrage ein Stipendium in der gleichen Höhe gewährt. Weiterhin erhielten zwei Hörer die zwei Jonas Freiherr von Königswarterschen Stipendien im Betrage von je 896 K. Ein Hörer aus Mähren erhielt das Josef Ornsteinsche Stipendium im Betrage von 400 K. Sechs Hörern des ersten Jahrganges, welche vom Genüsse der Schorrschen Stipendien stiftbrieflich ausgeschlossen sind, haben wir aus den Zinsen der Berthold Ritter von Gutmann- und Moritz Freiherr von Königswarterschen Widmungen Unterstützungen gewährt und aus demselben Fonde unserem Rektorate für absolvierte Hörer, die noch keine Anstellung erhielten, den Betrag von 400 K zur Verfügung gestellt. An Subventionen gingen ein: Von der hohen Re gierung 10.000 K; vom löblichen Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Wien 8000 K; vom löblichen Kuratorium des mährisch-jüdischen Landesmassafonds in Brünn 1000 K; vom löblichen Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Prag 1300 K; von der löblichen Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen 1260 K; vom löblichen Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg 1000 K. An Jahresbeiträgen erhielten wir vom Herrn Max Ritter von Gntmann und von einem nicht genannt sein Wollenden je 500 K und von einem ebenfalls ungenannt sein Wollenden eine Spende von 1000 K, wofür wir denselben bestens danken. Das Kuratorium." Dem Jahresberichte geht eine wissenschaftliche Arbeit des Hofrates D. H. Müller voran, betitelt: „Komposition und Strophenbau". An den Herrn Polizeipräsidenten! Wien. Von mehrfachen Seiten kommen uns Beschwerden zu, des Inhaltes, daß die Kommissariate Juden