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Neue Nationalzeitung · 1907-08-30 · Heft 38 (30.8.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 38 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Neue National-Zeltung« Nr. 38 Auskünfte über Palästina vereinigt und die Auswanderer, soweit möglich, mit Rat und Tat unterstützt werden müssen. Trotzdem glauben noch immer Auswanderer aus Russisch-Polen und Galizien, über Berlin reisen zu sollen, in der irrigen Annahme, dort auch pekuniäre Reiseunterstütznng zu finden. Trotz der Ermäßigungen, welche der Oesterreichische Lloyd der Zionistischen Zentrale in Wien gewährt, kostet die Fahrt Beil in-Jaffa mindestens 83 Mark, während die Ueberfahrt Odessa Jaffa bei der dem Odessaer Komitee bewilligten Ermäßigung nur 12 Rubel (also ca.25Mk.) kostet. Da in Rußland auch die Eisenbahnfahrten überaus billig sind — kostet doch die Strecke Wilna-Odessa nur 6 Rubel — und da die für Reisen nach Palästina genügenden Polizeipässe nur 1/z Rubel kosten, so ist es klar, daß Russen stets am billigsten über Odessa fahren. Auch die Galizier würden wohl am billigsten über Odessa fahren, wenn nicht vielfach erhebliche Paß Schwierigkeiten an der russischen Grenze beständen; daher ist ihnen in der Regel zu empfehlen, über Wien- Triest zu fahren, von wo sie durch Vermittlung der Zionistischen Zentrale Plätze für 60 Frs. bis Jaffa erhalten. Die Rumänier werden naturgemäß am einfachsten über Konstanza reisen. Es ist aber darauf aufmerksam zu machen, daß die Arbeitsmöglichkeiten in Palästina zurzeit noch geringe sind, und daß zwar ländliche Arbeiter und gewisse Arten von Handwerkern, namentlich vom Baufach, gesucht sind, daß ihnen aber keine volle Beschäftigung das ganze Jahr hindurch garantiert werden kann, da die ländlichen Arbeiter meist im Herbst nach der Ernte auf einige Monate beschäftigungslos sind, während die Bauhandwerker in der trocknen Sommerzeit in Jerusalem nur schwer Beschäftigung finden. Es ist aber anzunehmen, daß der „Bezalel" schon bald arbeitswilligen Leuten durch Hausindustrie resp. Kunstgewerbe die Möglichkeit gewähren wird, auch diese Zeit beschränkter oder gänzlich fehlender Arbeit in ausreichender Weise auszunützen. Allgemeine Bemerkungen. Zum Schluß seien einige Bemerkungen allgemeiner Natur gestattet. Der Palästinakommission kommt es nicht zu, die allgemeine Politik des Zionismus zu kritisieren. Soviel glaubt sie aber sagen zu sollen, daß sie die Ansicht vertritt, der Zionismus wird palästinistisch sein, oder er wird nicht sein. Ohne eine sichere wirtschaftliche Unterlage in Palästina ist und bleibt auch der politische Zionismus ein Kartenhaus. Jüdischnationale Bewegungen sind natürlich auch ohne Palästinismus denkbar, Zionismus nicht. Daher wird der Palästinismus immer mehr in den Vordergrund der zionistischen Bewegung treten müssen, mindestens aber kann er Gleichberechtigung verlangen gegenüber den anderen im Zionismus vertretenen Richtungen. Dasselbe, was der Staat in jedem von der Kolonisation erschlossenen Lande tut oder tun sollte, das müssen wir auch nach unseren bescheidenen Kräften in Palästina zu tun versuchen. Grundfalsch ist es, stets zu denken, dies oder jenes gehe über unsere Kraft; wenn wir nur wollen und jeder mit einspringt und hilft, nicht nur in Wort und Schrift, sondern je nach seinen Kräften, durch Handlungen und pekuniäre Unterstützung, so werden wir staunen, in wie kurzer Zeit überall neues Grün aus dem anscheinend verbrannten Boden Palästinas hervorsprossen, und in wie wenigen Jahren das Land in kommerzieller, industrieller und kultureller Beziehung einen ungeahnten Aufschwung nehmen wird. Dann ist Zeit gekommen, wo wir stolz und selbstbewußt vor die Mächte und die türkische Regierung hintreten können, und, indem wir auf unsere Taten verweisen, mit Aussicht auf Erfolg verlangen können, daß man uns nun auch die Hahn für größere und schwierigere Arbeiten eröffnen solle, zum Segen der Türkei und zum dauernden Gewinn für Kultur und Zivilisation. (Minutenlang andauernder stürmischer Beifall.) * Die Anträge des Referenten lauten: 1. Das Palästinaressort des engeren Aktionskomitees unterhält ein eigenes Bureau, das vom ehrenamtlichen Chef des. Ressorts geleitet wird. 2. Das Palästinaressort verwaltet den zu gründenden Palästinazentralfonds. 3. Der Palästinazentralfonds zerfällt in: a) einen Agrarfonds, b) einen wirtschaftlichen Fonds, c) einen Kulturfonds. 4. Den Verteilungsmodus des Palästinazentralfonds unter die drei Spezialfonds bestimmt der Kongreß, so lange jedoch der Agrarfonds die Höhe von einer Million Mark noch nicht erreicht hat, wird ihm die Hälfte der Einkünfte des Palästinazentralfonds zuerkannt. 5. Zur Verwaltung der drei speziellen Fonds wählt der Kongreß drei Kommissionen und zwar: a| eine Agrarkommission, b) eine wirtschaftliche Kommission, c) eine Kulturkommission, bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern, von denen mindestens drei im Orte des Sitzes des Bureaus des Palästinaressorts wohnhaft sind. 6. In sämtlichen drei Kommissionen hat der Chef des Palästinaressorts Sitz und Stimme; auch hat er das Recht, die Kommissionen selbständig einzuberufen. 7. Ausgab en der Kommissionen über je 500 Mk. bedürfen der Genehmigung des Palästinaressorts, dem die drei Kommissionen unterstehen. 8. Zur Deckung der Kosten des Bureaus des Palästinaressorts sowie des Sekretariates des Palästinarates und der anderen laufenden Ausgaben des Palästinaressorts erhält derselbe 25°/o des Parteischekels, so lange der Kongreß keinen obligatorischen Palästinaschekel resp. Palästinazuschlag zum Schekel eingeführt haben wird. 9. Ebenso bleibt auch der freiwillige Palästinabeitrag in Kraft, der gleichfalls vom Palästinaressort verwaltet wird. Diese Anträge wurden dem vom Kongreß gewählten Palästinaausschuß abgetreten, welche sohin durch Herrn Adolf Böhm seine eigenen fünf Anträge Montag dem Kongresse unterbreitete. Von diesen Anträgen wurden die ersten drei unverändert angenommen. Sie lauten: 1. Der Kongreß beschließt, ein besonderes Palästinaressort innerhalb des engeren A.-K. zu schaffen mit dem Rechte der Ernennung von Beiräten. Dieses Palästinaressort soll unter der Leitung eines Mitgliedes des Engeren A.-K. stehen; demselben ist ein in Palästina befindliches, aus einem oder mehreren besoldeten Beamten bestehendes Palästina-Amt unterstellt. 2. Der Kongreß beschließt, daß 25 °/0 aller Einnahmen des A.-K. dem Palästinaressort zugewiesen werden. 3. Der Kongreß beauftragt das Palästinaressort, die Frage einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und der Jahreskonferenz darüber zu berichten. Ueber den vierten Antrag des Ausschusses, zu dem auch ein Eventualantrag von Dr. Tschlenow vorlag, fand eine längere Diskussion statt. Man einigte sich schließlich auf folgenden Antrag: »Der Kongreß empfiehlt dem engeren Aktionskomitee und dem Direktorium der Anglo-Palestine Company dafür Sorge zu tragen, daß bei der A.-P. C. eine Abteilung für langfristige Kredite auf ländlichem und städtischem Boden eingerichtet werde, welche auch das Recht haben soll, städtischen und ländlichen Boden zu kaufen und zu verkaufen, zu pachten, zu verpachten und zu ameliorieren.« Der Antrag 5 wird unverändert angenommen. Die eingeklammerten Worte bezeichnen eine zu diesem Antrage angenommene, dem Palästinaausschuß überwiesene Resolution. »Der Kongreß beauftragt das Palästinaressort, den Bildungsanstalten in Palästina (besonders auf dem Gebiete, der gewerblichen und landwirtschaftlichen Fachbildung) seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fonds zu schaffen. Er beauftragt ferner das Palästinaressort für die Entwicklung der hebräischen Mittelschule in Palästina Sorge zu tragen; (sowie die Gründung resp Entwicklung von Informations¬ und statistischen Aemtern auf das nachdrücklichste zu fördern und denselben die Vertreter der gewerkschaftlichen Organisationen zuzuziehen).«

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