Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 38 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 »Reue Natlonal-Zeltung« Seite 3 Zukunft zu leiten, möglichst in Palästina selbst, da es nicht geht, daselbst jederzeit einen zuverlässigen und mit den Gewohnheiten und Sprachen des Landes vertrauten, auch von den Behörden und Eingeborenen respektierten Landmesser zur Hand zu haben. Die Verbreitungder Palästinakenntnis. Behufs Verbreitung der Palästinakenntnisse hat die Palästinakommission in der Berichtsperiode zwei Palästina- Ferienkurse veranstaltet. Außerdem hielt das Kommissionsmitgiied Dr. S o s k i n im Winter 1905/6 allwöchentlich einen akademischen Palästinakurs ab. Im Auftrage der Palästinakommission hat Herr D. T r i e t s c h ein Palästinahandbuch verfaßt, dessen erster Teil schon im Buchhandel erschienen ist. Das Büchlein dürfte infolge seines reichen Inhaltes und seines niedrigen Preises große Verbreitung finden. Im Herbst dieses Jahres wird eine speziell für Schulen bestimmte hebräische Wandkarte Palästinas erscheinen, mit deren Herstellung zur Zeit bekannte Hebraisten und Palästinageographen sowie namhafte palästinensische Kenner des Landes beschäftigt sind. Die Zeitschrift „ A11 n e u- 1 a n d" hat ihren 3. Jahrgang vollendet und ist zu Beginn des Jahres unter dem Namen „Palästina" fortgesetzt worden. Die organisatorischen Arbeiten. Wir kommen jetzt zu den organisatorischen Arbeiten der Palästinakommission. Je Aveniger die Kommission infolge ihrer finanziellen Lage imstande war, eigene Arbeiten aufzuführen, umso mehr fühlte sie die Verpflichtung, die Grundlage für selbständige Organisationen zu bilden, solche zu begründen, zu leiten resp. zu beraten. Die unter der Aegide der Kommission in Jerusalem ins Leben gerufene Kunstgewerbeschule „B e z a 1 e 1" macht recht erfreuliche Fortschritte und hat schon einer großen Anzahl von Personen dazu verholfen, auf ehrliche und arbeitsame Weise in Jerusalem ihr Brot zu verdienen. Sie hat Steinhauer und Maurer ausgebildet, demnächst wird auch die Teppichabteilung ausgebildete Schülerinnen entlassen. Die Kunstfärberei und Gipsgießerei hat schon manchen Familien zum Lebenserwerb verholfen, die Spinnerei gewährt in erster Linie älteren, sonst erwerbsunfähigen Frauen einen Verdienst. Für den Winter ist die Einführung der Holz- und Metallbearbeitung geplant. Neben dem Leiter der Schule, dem bekannten Bildhauer Boris Schatz ist jetzt der Maler H i r s z e n b e r g als Leiter der Ateliers tätig. An neuen Organisationen hat die Kommission in der Berichtsepoche den Pflanzungsverein „Palästina" und das Palästinaindustrie-Syndikat ins Leben gerufen. Der Pflanzungsverein soll jedem Juden der Welt durch Einzahlung von hundert Francs die Möglichkeit geben, der nominelle Besitzer eines kleinen Fruchtgartens in Palästina zu werden, von dem er lebenslänglich jedes Jahr eine kleine Palästinagabe in Form von Landesprodukten (Mandeln, Eosinen, Oliven, Wein, Konserven etc.) zugesandt erhält. Da der ganze Besitz nur durch jüdische Arbeiter bewirtschaftet wird, dürfte der Verein bald einen wichtigen Faktor der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina ausmachen. Das Palästinaindustrie-Syndikat ist vor kurzem mit einem Grundkapital von 100.000 Mark gegründet worden und verfolgt den Zweck, die verschiedenen industriellen Möglichkeiten Palästinas zu prüfen, und wo angängig, Industriegesellschaften hierfür zu gründen, respektive private Unternehmer hierfür zu gewinnen. Es liegen schon eine Anzahl Projekte vor, die jetzt durch Sachverständige in Palästina geprüft werden. Im letzten Monat wurde auch der Grundstein zu einer Arbeiterheirastätten-Genossenschaft gelegt, die den Zweck verfolgt, jüdische Arbeiter mittels langsamer Amortisation und niedrigen Zinssatzes allmählich zum Besitzer eines Hauses und eines Stückes Gemüselandes zu machen. In Vorbereitung ist die Schaffung eines Palästinaagrarfonds zum Zwecke der Ermöglichung eines gesunden und billigen Agrarkredites und die der Palästinaagrikultur-Gesellschaft, die durch rationellen Großbetrieb neue verbesserte Methoden der Landwirtschaft und neue Kulturen einführen will. Was den sogenannten Palästinaverein betrifft, dessen Bildung von der Palästinakommission zwar angeregt worden ist, für den aber, um den anderen Organisationen nicht zu schaden, keine Propaganda entfaltet wurde, so ist die Absicht, durch diesen Verein vor allem kulturelle Arbeiten in Palästina ins Leben zu rufen; der Palästinaverein ist berufen, Projekte, wie die Nationalbibliothek, das Nationalmuseum, die Malariabekäm pfung zu realisieren, das Schulwesen in Palästina in nationalem Sinne zu organisieren, wissenschaftliche Forschungen zu unterstützen resp. anzuregen etc. Der Verein ist bisher über die Sammlung eines ganz bescheidenen Fonds nicht herausgekommen und er hat sich auch noch nicht regelrecht organisiert. Von sonstigen Arbeiten ist vor allem das Eintreten der Palästinakommission für die Oelbaumspende und den Herzl-Wald zu erwähnen, Institutionen, die ja auch ihren Ursprung der Initiative der Kommission verdanken. Es ist erfreulich, daß im letzten Winter schon der erste Oelbaumhain (bei Chederai gepflanzt werden konnte, während die Absicht besteht, die Anlage des Herzl-Waldes bei Chulda, und in der Nähe der jüdischen Kolonien Ekron und Rechoboth, nahe bei ßamleh an der Bahn Jaffa-Jerusalem schon in diesem Winter zu beginnen. Wenn auch die hierzu gestifteten Bäume leider noch bei weitem nicht die nötige Zahl von 10.000 erreicht haben, so sind doch schon genügend Gelder vorhanden, um die Anpflanzung der ganzen Fläche wenigstens beginnen zu können und man darf wohl erwarten, daß während dieses Kongresses oder wenigstens bis zum Winter die noch fehlenden Bäume gestiftet sein werden. Auswanderung nach Palästina. Was die Auswanderung nach Palästina betrifft, die übrigens nur Leuten mit genügendem Kapital oder jungen, sehr anspruchslosen Arbeitern anzuraten ist, sowie solchen Fachleuten, die nach Erkundigung beim Auskunftsbureau in Jaffa gerade gewünscht werden, so wird sie sich naturgemäß im großen ganzen über Odessa bewegen müssen. In Odessa werden daher vor allem die