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Neue Nationalzeitung · 1907-08-30 · Heft 38 (30.8.1907) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 38 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 »Neue Natlonal-Zeltung« Nr. 38 Der Zionismus bietet eine allseitige Lösung der jüdischen Probleme. In seinem Rahmen kann der moderne Jude aus der jetzigen Zerrissenheit oder Dissonanz der Seele nach Harmonie, nach einem jüdischen Gesamtakkord ringen. Es war die innere Unwahrheit der Assimilationstheorie, die in der Reformsynagoge theoretisch formuliert und praktisch sanktioniert wurde. Nun ist es jetzt die innere Wahrheit des zionistischen Gedankens, die allmählich in dem Bewußtsein der amerikanischen Judenheit autdämmert. Noch haben bloß nur die ersten Strahlen der jungen Frühsonne die Wolken des Nachthimmels durchbrochen. Möge der helle Sonnenschein uns finden — ein wachend Geschlecht. Die praktische Arbeit in Palästina. Bericht, erstattet am Ziouisteiikongreß vom Vorsitzenden der Palästinakonimissiou Prof. Dr. Otto Warburg. Die Tätigkeit der Palästinakommission wird -bestimmt durch den Punkt 1 des Baseler Programms, wo als Mittel zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina an erster Stelle die „praktische Förderung der Besiedelung Palästinas durch jüdische Ackerbauer, Handwerker und Gewerbetreibende in Aussicht genommen ist". Die vielfachen Meinungsverschiedenheiten, wie weit man in der Unterstützung der Kolonisten gehen dürte, oder mit anderen Worten, wie der Ausdruck „zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas" in Wirklichkeit aufzufassen sei, haben den VII. Zionistenkongreß veranlaßt, die Grenzen der zionistischen Palästinaarbeit durch einige Beschlüsse grundsätzlich festzulegen. Als reale Unterlage und zur Stärkung der politischdiplomatischen Tätigkeit wird hiernach die systematische Ausgestaltung unserer Position in Palästina erstrebt, und zwar durch folgende Mittel: 1. Allseitige Erforschungsarbeit. 2. Förderung von Agrikultur, Industrie usw. in möglichst demokratischem Geiste. 3. Kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judenheit durch Heranziehung von neuen intellektuellen Kräften. 4. Erstrebung der für die Hebung Palästinas notwendigen Reform inbezug auf Verwaltung und Recht. Es wurde hiermit auf dem VII. Kongresse der Tätigkeit der Palästinakommission eine viel weitere Grenze gezogen, als .bei ihrer Einsetzung auf dem VI. Kongreß im Jahre 1903. Während damals als der Hauptzweck der Palästinakommission festgelegt worden war. „die wissenschaftliche und praktische Erforschung Palästinas, und der für diese in Betracht kommenden Länder in wirtschaftlichtechnischer, rechtlicher und geographischer Beziehung", und daneben nur noch einige spezielle Aufgaben der Palästinakommission gestellt wurden, wie die Einrichtung eines landwirtschaftlichen und technischen Auskunftsbureaus, die Errichtung einer landwirtschaftlichen und technischen Versuchsstation, einer medizinischen Untersuchungsstation und die Herausgabe einer Zeitschrift für Palästinakunde, so war seit dem letzten Kongresse die Möglichkeit gegeben; auch für die praktische Kolonisation direkt zu arbeiten, freilich, wie ausdrücklich hinzugefügt wurde, „unter Ablehnung jeder planlosen, unsystematischen und philanthropischen Kleinkolonisation, da eine solche nicht in den Rahmen des Punktes 1 des Baseler Programms fallen würde." Als Budget sollte die Palästinakommission für jedes der beiden Jahre mindestens 15.000 Francs erhalten, leider aber konnte dasselbe bei weitem nicht eingehalten werden, es blieb vielmehr nach Tilgung der in der letzten Berichtsperiode aus gleichen Ursachen aufgelaufenen Schuld von 6500 Mk. nur noch der minimale Betrag von kaum 1000 Mk. für die beiden laufenden Jahre zur Verfügung. Auch die freiwilligen Spenden, die in Höhe von fast 3000 Mk. einliefen, vermochten die Lage der Kommission nur wenig zu bessern, so daß es faktisch unmöglich war, auch nur den größeren Teil des umfassenden Palästinaprogramms des VII. Kongresses auszuführen. Wenn die Kommission es dennoch gewagt hat, an manche der ihr gestellten Aufgaben heranzutreten, so hat sie es getan, weil die zunehmende Arbeitsfreudigkeit der Zionisten bezüglich Palästinas sie hoffen läßt, daß dieser Kongreß glücklichere Verhältnisse für die Palästinaarbeit schaffen wird. Immerhin konnte nicht verhindert werden, daß das Defizit bis zum 1. Juli auf über 9000 Mk. angeschwollen ist. Die Forschungsarbeiten. Was nun die Tätigkeit der Palästinakommission selbst in den zwei Berichtsjahren betrifft, so wurden vor allem die in der vorigen Berichtsperiode begonnenen Forschungsarbeiten in Palästina fortgesetzt. Nachdem im Jahre 1904 der Geologe Professor Dr. Blankenborn in Verbindung mit dem Agronomen Aaronsohndie Umgebung des Toten Meeres aufs gründlichste in geologischer und agronomischer Beziehung durchforscht hatte, wurde im Winter 1905/6 eine eingehende Erforschung des nördlichen und östlichen Palästinas, und zwar insbesondere auf beiden Seiten der Trace der Mekkabahn vorgenommen. Gelegentlich einer Expedition in das obere Jordantal wurde von Herrn Agronomen Boormann die wilde Urform des Weizens entdeckt, ein Fund, der in der wissenschaftlichen Welt berechtigtes Aufsehen erregte. Eine in den letzten Monaten gleichfalls von Herrn Aaronsohn ausgeführte bis zum Antilibanon fortgesetzte Reise hat weitere Aufschlüsse in dieser Richtung gebracht, konnte aber leider gleichfalls aus Mangel an Mitteln nicht von der Palästinakommission unterstützt werden. In wirtschaftlicher Beziehung von Bedeutung war eine von Herrn Treidel ausgeführte wasserwirtschaftliche Expertise in das Jordantal, die das Ergebnis hatte, daß größere Teile desselben ohne allzu große Kosten bewässerbar sind und somit für intensive Kulturen, speziell Baumwolle und Zuckerrohr, besonders geeignet sein dürften. Es ist somit die Möglichkeit der wirtschaftlichen Erschließung des Landes durch große Be- und Entwässerungsgesellschafton gegeben, und es muß das Ziel unseres Strebens sein, derartige Pioniergesellschaften auch wirklich ins Leben zu rufen. Auch sonst hat Herr Treidel wichtige Aufgaben im Dienste der Palästinaarbeit unternommen. Er hat nicht nur Ländereien des Nationalfonds, der Geulah und der Anglo-Palestine Company vermessen, sondern er hat vor allem sich mit der Anfertigung einer Liegenschaftskarte in Palästina befaßt, die ein sehr wichtiges Instrument darstellen wird im Interesse der Sicherheit aller Landkäufe und des Schutzes vor größeren, langwierigen und teuren Grenzprozessen und die Grundlage bilden wird für alle zukünftigen Käufe und Verkäufe. Der jetzt der Vollendung nahe Atlas der vermessenen Liegenschaften Palästinas wird aus vielen einzelnen Kartenblättern im Format von 0,90X0,66 bestehen und soll natürlich nur in ganz wenigen Exemplaren hergestellt werden. Selbstverständlich bedarf der Atlas in jedem Jahre einiger Ergänzungen, und wir wollen hoffen, daß Herr Treidel in den Stand gesetzt wird, die Eintragung der Ergänzungen in den Atlas auch in der

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