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Neue Nationalzeitung · 1907-08-23 · Heft 36-37 (23.8.1907) · p. Seite 14

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 36-37 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 »Neue National-Zeitung« Nr. 36/37 Er verglich den Eintritt in Palästina mit dem Eintritt in ein Hotel, auf dem sich die Aufschrift befinde: »Hier ist Juden der Eintritt nicht gestattet.« Aber da ist doch ein Unterschied. Wer in ein solches Hotel geht, verdient unsere Verachtung, wer aber nach Palästina geht, dem gebührt unsere Bewunderung. Und wenn von einem »Hineinschmuggeln« gesprochen wurde, so muß ich erwidern, daß wir uns nie und nimmer in unser Land hineinschmuggeln. Seien wir praktisch tätig. Dann wird der VIII. Kongreß einen Markstein in der zionistischen Bewegung bilden. (Allgemeiner Beifall.) Dr. Alexander Marmorek bemühte sich darauf, eine Lanze für den politischen Zionismus zu brechen. Er nennt den praktischen Zionismus eine neue »Chalokah-Politik« und bedauert, daß in der Partei ein Geist der Intoleranz herrsche. Wo sind Mandelstamm und JasinowskiPEr schließt mit den Worten: »Entweder wir halten zum politischen Zionismus oder der Zionismus hat überhaupt gelebt«. * * * Dienstag, den 20. August. Nachdem die Debatte beendet war, wurde zur Abstimmung geschritten. Der erste,, zweite und dritte Antrag des Palästina-Ausschusses wurden unverändert, die zwei weiteren in modifizierter Form angenommen. Die Thesen des Dr. Ehrenpreis werden sohin einer neu zu bildenden Kommission für die nationale Erziehung überwiesen. Der Antrag Sokolows, die hebräische Sprache als offizielle Sprache der Bewegung und des Kongresses anzuerkennen, wird von den Delegierten aus Bußland, zum Teile auch aus Galizien und England unter allgemeiner Bewegung zum Beschlüsse erhoben. Bei Verkündung dieses Beschlusses meint der Vorsitzende Wolffsohn: „Dieser Kongreß sieht nicht darnach aus, daß er das nächstemal hebräisch sprechen würde." 80.000 Frcs. für das hebräische Gymnasium in Jaffa, Nachmittags verkündete der Vorsitzende, daß der englische Delegierte Moser 80.000 Frcs. für das hebräische Gymnasium in Jaffa gespendet habe. Die Schule habe nunmehr „Herzl-Gymnasium" zu heißen. Weiters hat Herr Moser 10.000 Frcs. für „Bczalel", die jüdische Kunstakademie in Jerusalem, in der Form von jährlichen Zuwendungen ä 2000 Frcs. durch fünf Jahre, gewidmet. Diese Mitteilung erregte großen Jubel. Der Spender, ein mehrfacher Millionär in Bradford ist eine sehr sympathische Erscheinung. Ein älterer Herr, mittelgroß von Statur, hat Herr Moser ein sehr bescheidenes und gewinnendes Exterieur. Seinem Wunsche gemäß wurden die Widmungen in seiner Abwesenheit dem Kongresse zur Kenntnis gebracht. Herr Struck, ein eifriger Förderer des hebräischen Gymnasiums berichtet, daß für dasselbe am Kongreß 10.000 Mk. von ihm gesammelt worden sind. Es folgt nun die Beratung über die Aenderung der Parteiorganisation. Es handelt sich um einige sehr geringfügige, mehr formelle Aenderungen, die nach dem Referate Dr. G r o n e m a n n s;(iii Vertretung Dr. H antke s) angenommen werden. Es ist bereits 7 Uhr. Heute ist der letzte Kongreßtag und es stehen nur noch die Wahlen in das Aktionskomitee auf der Tagesordnung. Zur allgemeinen Ueberraschung verkündet der Vorsitzende den Schluß der Sitzung und Vertagung der Wahlen auf morgen 2 Uhr nachmittags. Die Gründe werden bald bekannt. Im Permanenz- Ausschuß ist keine Einigung darüber erfolgt, ob das engere Aktionskomitee aus drei oder aus fünf Mitgliedern zu bestehen habe. * * * Mittwoch, den 21. August. Der spannendste Tag. Drei oder fünf? Das ist allgemeines Gesprächsthema in allen Ecken und Gemächern des Kongreßgebäudes. Vormittags ist keine Kongreßsitzung; der Permanenzausschuß arbeitet. Die Arbeit ist keine leichte. Wolffsohn will lediglich ein Dreier- Komitee : Wolffsohn, Kaan und W a r b u r g. Die Russen verlangen ein Fünfer-Komitee und als ihre Repräsentanten in demselben Tschlenow und U s s i s c hk i n. Die russischen Ausschußmitglieder werden von den österreichischen und englischen unterstützt. 20 Stimmen gegen 20. Wolffsohn hat bereits privatim erklärt, zurückzutreten, wenn sein Antrag abgelehnt wird. Die Beratungen des Ausschusses müssen Nachmittag fortgesetzt werden. Kein Teil will nachgeben; weder Wolffsohn noch Ussischkin. Es wird bereits 6 Uhr nachmittags. Die Delegierten sind im Kongreßsaal seit 2 Uhr versammelt; die Sitzung kann noch immer nicht beginnen. Endlich erscheint Dr. Gaster, Obmann des Ausschusses. Allgemeine Spannung. Man erfährt, daß die Russen nachgegeben haben. Ussischkin und Tschlenow haben im Interesse der Einigkeit ihre Kandidaturen zurückgezogen. Wolffsohn hat gesiegt — aber seine Popularität erschüttert. Er eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung, daß eine Dame für den am Kongreß gegründeten „jüdischen Frauenbund" 300 Mark gespendet hat. Dann erteilt er das Wort dem Dr. Gast er. Dieser erklärt: Der Permanenz-Ausschuß war der Ansicht, daß ein engeres Aktionskomitee bestehend aus 5 Mitgliedern dem Kongresse zur Wahl zu unterbreiten sei. Allein die Herren Dr. Tschlenow und Ussischkin haben erklärt, ihre Kandidaturen zurückzuziehen. Im Interesse der Einigkeit und des Fortschrittes der Bewegung schlagen wir Ihnen als engeres Komitee vor die Herren Doktor Wolffsohn, Professor War bürg und-Jakobus Kaan. Präsident Wolffsohn beantragt, dieseKandidaturen mit Akklamation anzunehmen. Dagegen erheben zahlreiche Delegierte Widerspruch. Es handelt sich um eine Demonstration gegen Wolffsohn wegen seiner Haltung. Es wird nun über die einzelnen Kandidaturen abgestimmt. Wolffsohn wird mit 132 gegen 59 Stimmen gewählt. Viele Delegierte enthalten sich der Abstimmung. Dagegen haben sowohl Delegierte aus Rußland als auch aus Osterreich, insbesonders aus Galizien gestimmt. Professor War bürg wurde dann einstimmig, Kaan mit großer Majorität gewählt. Die Wahlen in das große Aktionskomitee ergaben folgendes Resultat: Für Palästin a: Dr. Schenkin, Dr. Leo K o han, Dr. Koha n-Bernstei n und D. Triesch. Für England: Dr. G a s t e r, Dr. W e i z m a n n, Moser, Bentwich, Baron Francis Montefiore und Greenberg. (Die Wahl des Letzteren erfolgte mit knapper Majorität bei einer zweiten Abstimmung, da laut Enunziation des Vorsitzenden die erste unbestimmt war). Für Oesterreich: Dr. Brau de, Adolf Böhm, Dr. Gabel, Dr. Mahler, Dr. Salz, Adolf Stand und Dr. Schal it. Zu den Österreichischen Kanditaturen erbat sich Herr Dr. A. Kornhäuser (Jaslo) das Wort, um gegen die Wahl des Dr. Salz und Dr. Schallt zu protestieren. Gegen die Wahl des ersteren sei er deshalb, weil in der österreichischen Landsmannschaft beschlossen worden sei, nicht ihn, sondern Prof. Kellner zu kandidieren. An Dr. Schallt hat der Redner auszusetzen, daß er Obmann des österreichischen Landeskomitees sei, und heute gegen Wolffsohn gestimmt habe. Diese Worte riefen einen allgemeinen Sturm der galizischen Landsmannschaft gegen den Redner hervor. Dr. S c h a I i t konstatierte, daß er für Wolffsohn gestimmt habe, und beantragt seinerseits, auch Kremenezky zu wählen. Die vorgeschlagenen Kandidaten für Oesterreich werden gewählt. Für Rußland: Dr. Tschlenow, Ussischkin, Boris Goldberg, Isaak Goldberg, Dr. Saphier, Temkin, Dr. Lewin, Dr. Rosenbaum, Sokolow, Leo Jaffe und Dr. Bielkowsky. Ueberdies werden im Sinne der Vorschläge des Ausschusses die Mitglieder für die anderen Staaten und Länder, wie Nordamerika, Australien, Südafrika usw. gewählt. Es befinden sich darunter: Lewin Epstein, Berthold Feiwel und Dr. Nossig, welch letzterer nicht vom Ausschuß, sondern erst im Plenum in Vorschlag gebracht wurde. Nachdem noch die Mitglieder der Bibliothekskommission und die Revisoren sowie die juridischen Sachverständigen für die Frage der Prozeßführung der Kolonialbank gewählt worden sind, wurde die Versammlung mit einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden geschlossen.

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