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Neue Nationalzeitung · 1907-08-23 · Heft 36-37 (23.8.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 36-37 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 »Neue National-Zeitung« Nr. 36/37 stinausschusses reserviert, der Kongreß hat seine Tagung Sonntag vormittags wieder aufzunehmen. * * * Sonntag, den 18. August. Jeder Kongreß hat seinen stürmischen Tag, an dem sich die aufgestapelte Energie entlädt. Da wird geschrien, gelärmt und getobt. Das Präsidium ist wehrlos; es hilft weder die Glocke noch der Hammer. Und der Anlaß ist verschieden. Manchmal sind es prinzipielle Fragen, die einen Kampf entfachen; zumeist aber handelt es sich um rein formelle Geschäftsordnungsdebatten. Heute war ein solcher kritischer Tag. Es handelt sich um dieKolonialbank und um die Aenderung ihrer Statuten, die gegenwärtig das englische Gericht beschäftigt. Und um die Statutenänderung, respektive um die Weiterführung des anhängigen Prozesses entbrach ein leidenschaftlicher Kampf. Die Majorität der englischen Zionisten, allen voran Dr. Gaster und Mr. Bentwich traten in heftiger Rede für die weitere Prozeßführung ein, welche ihre Landsleute Mr. C o w e n und Mr. Greenberg wieder eingestellt wissen wollten. Der Geist Zangwills spukte im Saale. Und es war zweifellos, daß die Einstellung des Gerichtsprozesses wegen der Statutenänderung das Prestige Zangwills gegenüber den Zionisten bedeutend gekräftigt hätte. Der Kongreß entschied sich daher fast einstimmig dafür, die Statuten aufrechtzuerhalten. Diese Entscheidung wurde durch die Rede des Chief Rabbi Dr. Gaster, der nun in der Gunst der Partei gewachsen ist, stark beeinflußt. Der Tag begann mit dem Referate. Der Präsident der jüdischen Kolonialbank, Dr. N. K a t z e n e 1 s o h n, gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung dieser Bank und ihres Tochterinstituts, der Anglo-Palästine Company in Jaffa, Jerusalem, Beiruth und Hebron Er betonte die andauernd günstige Entwicklung der Institute und erwähnte insbesonde den großen Einfluß, dessen sich die zionistische Bank in Palästina erfreue. Durch Gründung von Darlehensgenossenschaften, durch die Gewährung billiger Kredite an Bau- und Produktivgenossenschten hat die Anglo Palästine Company sehr viel zur Stärkung des jüdischen Elements in Palästina beigetragen und sich daselbst zu einem der ertsen jüdischen Faktoren entwickelt. Der Redner besprach sodann die in zionistischen Kreisen viel erörterte Frage der Abänderung der Statuten der jüdischen Kolonialbank. Bei der Gründung der Kolonialbank hat man als ihren eigentlichen Zweck die kolonisatorische Tätigkeit in irgend einem Teile der Erde bestimmt. Dieser Passus hat jedoch vom Anfang an Widerspruch in weiteren zionistischen Kreisen hervorgerufen, die als Zweck der jüdischen Kolonialbank lediglich kolonisatoriche Tätigkeit in Palästina und Nachbarländern festgesetzt haben wollten. Nachdem von verschiedenen Kongressen entsprechende Resolutionen gefaßt worden waren, hat man im verflossenem Jahre einen solchen Antrag auf Abänderung der Statuten beim englischen Gericht eingebracht. Dagegen haben nun die Territorialisten, die bekanntlich im Gegensatz zum Zionismus, der die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina erstrebt, eine Heimat für das jüdische Volk in irgend einem Laude der Welt erlangen wollen, Widerspruch erhoben und in dem eingeleiteten Prozeßverfahren ist die Entscheidung vorläufig vertagt worden. Es entstand jetzt die Frage, ob angesichts dieser Opposition und der großen Kosten, die mit dem eventuellen Versust dieses Prozesses verbunden sein könnten, die Abänderung noch weiter erstrebt werden soll. Dr.Katzenellensoh nselbstist g e ge n die Weiterführung des Prozesses. Er schließt mit den Worten: „Hochgeehrter Kongreß! Sie werden sich über diese wichtige Frage, die wichtigste vielleicht, die seit Jahren uns beschäftigt hat, zu entscheiden haben. Und ich hoffe, daß Ihr Entschluß dazu beitragen wird, unsern Jewish Colonal Trust in den Bahnen gehen zu lassen, die Sie von ihm erwartet haben, daß Sie den Weg einschlagen werden, der den Zionismus zum erhofften Ziele führen wird: „Nach Zion, nach Jeruscholajim!" (Lebhafter anhaltender Beifall und Händeklatschen.) An der entstandenen Debatte beteiligten sich die englischen Redner Mr. C o w e n und Mr. Greenberg, Mitglied des engeren Aktionskomitees und Herausgeber des „Jewish Chronicle". Sie waren dafür, den Prozeß wegen der namhaften Kosten und wegen des ihrer Ansicht nach fraglichenResultat.es fallen zu lassen. Dagegen sprachen sich Dr. D a i c h e s (Sunderland), B entwich und Dr. Gast er entschieden aus. Letzterer erklärt, er ergreife zu dieser Frage das Wort, weil er sich darüber genau informiert habe. Die englische Landsmannschaft habe den einstimmigen Beschluß gefaßt, dem Kongresse eindringlich zu empfehlen, alle möglichen Schritte zu tun, um den vorher gefaßten Beschluß auf Aenderung der Bankstatuten durchzuführen. Da er in England wohne, sei er über den ganzen Komplex der Fragen besser unterrichtet. Es handle sich darum festzustellen, daß die jüdische Kolonialbank nur zur Erreichung Palästinas gegründet wurde. Es sei charakteristisch, daß bei der Gründung der Bank die Cypernfrage aufgetaucht ist und einstimmig abgelehnt wurde. Da sich im Laufe der Zeit in unserer Bewegung verschiedene Strömungen entwickelt haben, ergab sich die Notwendigkeit, die Formulierung unseres Bankstatuts straffer zu fassen, um der Möglichkeit einen Riegel vorzuschieben, die Gelder für andere Zwecke zu verwenden, wenn einmal eine territorialistische Majorität vorhanden sein sollte. Die Statuten müssen so geändert werden, daß daran nicht mehr gerüttelt werden kann. Es handle sich um die moralische Pflicht, die der Kongreß der Welt und den Zionisten gegenüber übernommen hat, besonders aber den Besitzern der Shares, den armen Juden gegenüber, die das Geld für Palästina gegeben haben. Die Debatte endet mit der Annahme nachstehenden Vermittlungsantrages von Dr. Katzen eilen so hn- Dr. Rosenbaum: »Der Kongreß steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß das Memorandum nach dem Beschluß des dritten Kongresses geändert werden soll, insofern diese Aenderung durchzuführen ist, ohne die Interessen des I. C. T. zu schädigen. Für alle Fälle soll das Engere Aktionskomitee durch Ergänzung der Statuten Vorsorge dafür treffen, daß der J. C. T. nirgends in der ganzen Welt, mit Ausnahme von Palästina, Syrien und den Nachbarländern, kolonisatorische Tätigkeit vornehmen darf.« Es stimmen 130 für und 102 gegen den Antrag. Kaum war die Abstimmung zu Ende, entsteht eine lebhafte Bewegung unter den englischen Delegierten. Sie fühlen sich durch diesen unklaren Antrag plötzlich überrumpelt. Bentwich gestikuliert sehr lebhaft und verlangt namentliche Abstimmung. Der Präsident repliziert gereizt und fragt, ob Bentwich das von ihm verkündete Resultat bezweifeln wolle. Der Kongreß erkennt mit einemmal, daß sein Beschluß ganz unklar sei und ihn ganz dem Gutdünken des Aktionskomitees ausliefere. Dutzende von Händen erheben sich, um das Wort zu verlangen, es entsteht ein unglaublicher Lärm. Der Vorsitzende weigert sich, das Wort zu erteilen und fordert Herrn Dr. Lewin auf, seinen Vortrag über die nationale Erziehung in Palästina zu beginnen. Dr. L e w i n besteigt die Tribüne, aber der Lärm legt sich nicht. Es findet endlich Herr Greenberg einen Ausweg. Er beantragt eine Abstimmung über den einfachen Antrag, ob der Kongreß für oder gegen die Statutenänderung sei. Fast

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