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Neue Nationalzeitung · 1907-08-23 · Heft 36-37 (23.8.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 36-37 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36/37 »Neue National-Zeitung« Seite 11 Bericht des zionistischen Zentralbureaus. Der Bericht ist sehr umfangreich und behandelt die Entwicklung der Bewegungin den letzten zwei Jahren, den Stand der Parteiinstitutionen, wie Kolonialbank, Anglo-Palestine-Company und Nationaltonds. Der Bericht spricht auch von der Presse, erwähnt aber dabei nur das offizielle Parteiorgan, und schließt ab mit der Darstellung der Lage des Zionismus in den verschiedenen Ländern. Dieser Bericht wurde von mehrfacher Seite stark angegriffen. Dr. Leon Reich (Lemberg) nennt die Rede des Präsidenten Wolffsohn sehr knapp und verschwommen; im Berichte Sokolow sei nur die einzige schöne Stelle, wo er von dem wiedererwachten Leben iu Palästina spricht. Das Aktionskomitee hat vieles unterlassen, was die Arbeit in Palästina hätte fördern können. Allerdings haben auch die zionistischen Massen nicht ihre Pflicht erfüllt, namentlich was die Avheit in Palästina anbelangt. Es wird nur dann eine Besserung eintreten, wenn in der Palästinaarbeit regeres Leben herrschen wird. Dann ward auch das Interesse für Palästina wachsen. Doch dürfe die Arbeit keineswegs in eine kleinliche ausarten. Der Palästinaschekel müsse obligatorisch gemacht werden. Redner wendet sich gegen den den österreichischen Zionisten gemachten Vorwurf, daß sie durch die innerpolitische Betätigung von der wirklichen zionistischen Arbeit abgelenkt werden. Das sei nicht wahr. Gerade politische Betätigung sei der Weg, auf dem man die jüdischen Massen dem Zionismus zuführen könne. (Beifall.) Dr. Ehrenpreis (Sofia) verweist zuerst auf die Vernachlässigung der zionistischen Propaganda unter den spagnolischen Juden im Orient. Es gebe eine Million Juden im. Orient, eine halbe Million im türkischen Reiche, 150.000 in Marokko und doch sei noch nichts unternommen worden, diese aufzurütteln und für den Zionismus zu gewinnen; es existiere nicht einmal eine spagnolische Zeitung für diese Bestrebungen. Mit großer Vehemenz wendet sich Redner gegen die innerpolitische Betätigung der Zionisten in Oesterreich und speziell in Galizien. Er wrird stürmisch unterbrochen; man ruft ihm zu: „Kümmern Sie sich um Bulgarien". Es sprach noch Dr. Friede mann (Wiesbaden), welcher eine kontinuierliche Arbeit in Konstantinopel verlangte. Damit waren die Debatten des ersten Tages erschöpft. Es erfolgten noch Wahlen in den Organisations¬ und in den Palästinaausschuß. * * * Donnerstag, den 15. August. Der ganze Tag ist der Debatte über den Bericht Sokolow gewidmet. Es sprechen Dr. N o s s i g, T r i e s c h, Dr. P a s m a n i k, Dr. S a 1 z u. a. Die Redner müssen sich auf Grund des vom Kongresse angenommenen Antrages der amerikanischen Delegierten mit einer Redezeit von 10 Minuten begnügen. Dr. Pasmanik führt aus: Mit welchem Programm kam jetzt das engere A.-K. zum VIII. Kongreß? Mit gar keinem. Hat das A.-K. schon die Erkenntnis der neuen Lage? Es ist sehr wahr, wir brauchen materielle Kräfte; aber woher schaffen wir sie? Nur durch den Hinweis auf reale Arbeit. Sogar Kolonialbank und N.-F. wurden durch den Hinweis auf nahe Erfolge zustande gebracht. Nur auf zwei Wegen können wir reiche Mittel schaffen: durch national-politische Tätigkeit in der Diaspora und durch Realpoitik in Palästina. Die natio nal politische Arbeit in ei nz e 1 n en Län d e rn hat dem Zionismus nicht geschadet, sondern genützt. Viele haben nicht früh genug begriffen, daß der Zionismus ein soziales Problem ist. Mit Literatur kann man Hungernde nicht füttern. Der zweite Weg zur Macht für uns ist der Hinweis auf die Arbeit in Palästina. Es kann nicht auf einmal gehen, es geht langsam, nach und nach vorwärts. Das A.-K. hat gar keinen Plan entwickelt, während wir in ihm die Führer sehen wollten. Es kann sich nicht um Sieg einer Richtung handeln, sondern um Synthese aller Kräfte«. (Lebhafter Beifall). Dr. Salz legt folgenden Beschluß des ßielitzer Parteitages vor: »Der Parteitag erachtet die praktische Arbeit in Palästina, sofern sie parallel mit der politischen Aktion geleistet und von politischen Gesichtspunkten aus geleitet wird, für unbedingt notwendig zur Erforschung und Erschießung des Landes, zur Stärkung der realen Position der Juden in Palästina, zur Hebung ihres kulturellen Niveaus und zur Schaffung der praktischen Vorbedingungen für eine künftige jüdische Massensiedlung. Der Parteitag begrüßt die Aktionen der Palästinakommission, die er als eine solche Tätigkeit darstellend ansieht«. Er fügt hinzu : Wichtig ist eine Vertretung für uns in Palästina und politische Arbeit. Innerpolitische Fragen gehören nicht vor den Kongreß, sondern sind Sache der Landsmannschaften, da die Verhältnisse in jedem Lande anders liegen«. (Beifall.) Auf Antrag des Delegierten M e l a m e d werden vier Generalredner gewählt. Zur Vornahme der Wahl derselben tritt eine kurze Pause ein. Die ziemlich scharfe Kritik des Aktionskomitees wird von Wolösohn sehr schlagfertig widerlegt. „Man macht uns immer Vorwürfe" — sagte er — „wir aber geben die Vorwurfe zurück: Es gibt eine Arbeit, die Sie alle leisten können, das ist die Arbeit, Zionisten zu werben. Ich verlange das Allereinfachste, indem ich absehe von den großen Zielen: Wenden Sie sich der ersten Arbeit zu, Zionisten zu werben, Schekel zu sammeln und wenn Sie alle diese Pflichten erfüllen werden, werden Sie keine Gelegenheit haben, dem A. K. Vorwürfe zu machen. Wenn Sie die Mittel zur Verfügung stellen, wenn Sie arbeiten werden, wird auch das A. K. alle Arbeiten ausführen können, die Sie von ihm verlangen. Ich bitte Sie daher, erteilen Sie uns die Decharge!;' (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Nachdem der Revisionsausschuß die Richtigkeit der Bücher der Organisation bestätigt hatte, wurde dem Aktionskomitee schließlich das Absolutorium erteilt, was vom Kongresse lebhaft applaudiert wurde. Zahllose Telegramme und Begrüßungsschreiben sind aus allen Teilen der Erde eingegangen. Freitasr, «Ion 16. Auiyiist. Dieser Tag war dem Referate des Universitätsprofessors und Vorsitzenden der Palästinakommission Dr. W a r b u r g über die Tätigkeit dieser Kommission in den Jahren 1905/7 gewidmet. Es war ein oratorisch ausgezeichneter, streng sachlicher Vortrag, den der Kongreß mit großem Interesse und wahrem Genuß anhörte. Professor War bürg ist nicht blos als Professor der Botanik ein Mann der Wissenschaft, sondern auch als Mitglied des deutschen Kolonialamtes ein erfahrener Pionnier der Kolonisation. Seit vier Jahren ein eifriges Mitglied der zionistischen Partei, hat er das Palästina- Ressort eigentlich ausgestaltet und ist jetzt der kompetenteste Fachmann desselben. Wir behalten uns vor, diesen lehrreichen Vortrag in unserer nächsten Nummer wörtlich zu veröffentlichen. Nach Beendigung des Vortrages bereitete der Kongreß dem Redner stürmische Ovationen. Der Vorsitzende des Direktoriums des jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. Bodenheim er, erstattete hierauf seinen Bericht, in dem er zunächst die Grundlagen der neuen Organisation des jüdischen Nationalfonds auseinandersetzte und die Prinzipien darlegte, nach denen die Verwaltung des Fonds erfolgen wird. Der Fond, der bekanntlich aus kleinen und kleinsten Sammlungen in der ganzen Welt gebildet wird, verfügt zur Zeit über ein Vermögen von ca. 1V* Millionen Frcs. in bar und ca. V8 Million Frcs. in Landbesitz. Freitag nachmittags ist für die Beratung des Palä-

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