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Neue Nationalzeitung · 1907-08-23 · Heft 36-37 (23.8.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 36-37 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36/37 »Neue National-Zeitung« Seite 5 Organisationen bei dieser schauervollen Gelegenheit an den Tag legten, können nicht genug gerühmt werden. Wir haben auf diesem Gebiete außerdem noch einen kleinen Versuch gemacht, der leider fehlgeschlagen ist. Die gewaltige Flut der Auswanderung, die einen noch nie dagewesenen Höhepunkt erreichte, das unsägliche Elend unserer umherirrenden und untergetriebenen Volksmassen, mit denen sich verschiedene Hilfsgesellschaften, jedoch ohne einheitliche Methode befassen, veranlaßten uns, eine Reform in dieser Beziehung anzuregen, um diese Arbeit aut eine breitere Basis zu stellen. Das war der Zweck der von uns im Januar 1906 in Brüssel einberufenen Konferenz. Es ist natürlich, daß wir eine Vereinigung jüdischer Kräfte suchten, ist doch von unserem Standpunkt jede jüdische Einigung ein nationaler Wert, der dem zionistischen Empfinden nahe stehen muß. ._ Der Versuch scheiterte jedoch an der ablehnenden Haltung der meisten Hilfsgesellschaften. Selbstverständlich sind wir Zionisten nicht die letzten, wo immer es sich um Hilfeleistung handelt — und im Goluth kann man nur mit Goluthmitteln helfen. — Aber am Ende müssen wir uns doch sagen: Flickwerk ist es, das nur den dringendsten augenblicklichen Bedürfnissen genügt. Die diplomatischen Verbindungen. Geehrter Kongreß! Klar und bestimmt liegt unser Programm vor den Augen der Welt: Wir erstreben eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Die Unantastbarkeit dieses Standpunktes des politischen Zionismus heben wir mit dem ernstesten Nachdrucke hervor. Wir werden auf geradem Wege das Ziel zu erreichen suchen, das wir uns in unserem Programm vorgezeichnet haben. Es hat unserseits auch an Ansätzen und Bemühungen verschiedener Art im Laufe der letzten zwei Jahre nicht gefehlt. W i r haben die Verbindungen, die Herzl geschaffen hat, aufrecht erhalten und seitens maßgebender Kreise manche Ermutigung erfahren, die uns ein mächtiger Ansporn zu weiterem Fortschreiten ist. Die Loyalität unserer Bestrebungen, die zivilisatorischfriedliche Bedeutung unserer Unternehmungen haben wir fortgesetzt der türkischen Regierung nahe gelegt und wir hoffen, daß die Hohe Pforte, die unserem Volke große Sympathien bewahrt, den richtigen Maßstab für die Wertschätzung unserer Absichten finden wird. Bedeuten doch diese Absichten für die Türkei selbst einen wirtschaftlichen Fortschritt und einen kulturellen Aufschwung. In der Ehrlichkeit unserer Bestrebungen liegen die Bürgschaften unseres zukünftigen Sieges. Nur , müssen wir zäh, unermüdlich und systematisch unserem Ziele zustreben. * y ^^V** Präsident David Wolffsohn. Politik, Vorbereitung des Volkes und Vorbereitung des Landes. Auf drei Grundlagen baut sich unser Arbeitsprogramm auf: Politik, Vorbereitung des Volkes und Vorbereitung des Landes. Diese drei Grundlagen greifen ineinander und alle, die an der Festigung dieser Fundamente des zionistischen Baues arbeiten, müssen Hand in Hand gehen. Die politische Arbeit ist notwendig, um die rechtlichen Bedingungen zu schaffen und die erforderlichen Garantien zu erlangen. Das ist der gewaltige Fortschritt vom früheren Chowewe Ziontum zum Zionismus, der moderne große Zug, der Berührungspunkt mit der großen Welt, die Linie der völkerrechtlichen Zusammenhänge, durch die unsere Bestrebungen aus den Schlupfwinkeln der kleinen Philanthropie sich zu einer weltumspannenden Bewegung durchgerungen haben. Dieser Kernpunkt darf nicht verrückt werden. Parallel und zu gleicher Zeit müssen wir unser Volk für das große Ziel vorbereiten und heranziehen. Der Zionismus muß durch eine sorgsame Pflege der nationalen Erziehung tiefer ins Volk dringen und größere Kreise an sich ziehen. Neue Kräfte müssen sich entwickeln und entsprechende Mittel gesammelt werden, damit wir den großen und schweren Aufgaben, denen wir entgegengehen, gewachsen sind. Von ebenso dringender Notwendigkeit ist auch die Vorbereitung des Landes. Diese Vorbereitung wollen wir auf gesunder Basis machen, und wir glauben, einen gangbaren Weg für eine regelrechte Entwicklung angebahnt zu haben. Das Gedeihen der Finanzinstitutc. Mit Genugtuung können wir das Gedeihen unserer Finanzinstitute hervorheben. Die Anglo-Palestine Company hat bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Zu der Zentrale in Jaffa und der Filiale in Jerusalem sind seit dem vorigen Kongreß die Filialen in Beirut und Hebron hinzugekommen, deren günstige Entwicklung zu der Gründung neuer Filialen Veranlassung geben wird. Die Tätigkeit der Anglo-Palestine Company wird sich bald auf die Metropole des türkischen Reiches erstrecken. Das Direktorium hat bereits hiefür die Vorarbeiten beendet. Das Aufkeimen neuer Industrien in Palästina, die der Privatinitiative ihre Entstehung verdanken, die Anzeichen einer besseren Richtung in dem Leben der Kolonien zeigen uns, auf welchen Bahnen wir schreiten müssen, um bessere Erfolge erwarten zu dürfen. Für die Einführung des Kunstgewerbes ist ein guter Anfang durch den Bezalel gemacht worden, und für das Erziehungswesen in jüdischem Geiste ist die

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