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Neue Nationalzeitung · 1907-08-23 · Heft 36-37 (23.8.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 36-37 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 36/37 »Neue ttatlonal-Zeitutig« Seite 3 max nordau als politischer Zionist. Von Professor Dr. N. Slousch. (An der Sorbonne in Paris.) Als man vor zehn Jahren von der Bekehrungdes Verfassers der „Konventionellen Lügen" zum Zionismus hörte, da rief man in gewissen Kreisen aus: „Ein neuer Paradoxe!" Man verstand es ganlicht, daß "Nordau wirklich den "Weg zu seinem Volke wiedergefunden hat, und daß er, durch das Beispiel Herzls mitgerissen, diesem seinem Volke seine alte Heimat wiedererobern wollte. Es hat Leute gegeben, welche behaupteten, Nordau interessiere sich innerlich gatnicht für die zionistische Bewegung; er beteilige sich daran lediglich aus Freundschaft für Dr. Herzl, dem er für dessen Zwecke seinen Namen hergebe. Wer Nordau näher kannte, wußte, daß diese Auffassung ganz falsch war. Nordau, sonst ein Freund des Dr. (Herzl, war diesem in der zionistischen Sache ein Berater und Mitarbeiter von seltener Uneigennützigkeit. Denn Nordau, der sich in der Schriftsteller weit eine Stellung ersten Ranges erobert hat, sehnte sich keineswegs nach einer Karriere im Zionismus. Er begnügte sich damit, als ein Aaron neben Moses tätig zu sein, und seine Ambition bestand darin, seinem Volke in irgend einer Weise helfen zu können. Herzl war der „metteur en scene", Nordau aber sein Prophet und Theoretiker. Wer erinnert sich nicht an seine glänzende Rede voll scharfer Dialektik, gegen die Auch- und Bauch-Juden? Und jetzt, in diesen kritischen Momenten, die der Zionismus durchmacht, ist es für ihn sicher eine Qual, sich so untätig und passiv verhalten zu müssen. Als einer derjenigen, dem es vergönnt ist, Max Nordau nicht nur seinen Meister, sondern auch seinen Freund nennen zu dürfen, will ich mir erlauben, hier mit einigen Zügen die Ansichten Nordaus als eines politischen Zionisten zu streifen. Es hat eine Zeit gegeben, da der politische Zionisunmittelbar vor seiner Verwirklichung stand. Allein aus Mangel an Mitteln konnte nichts geschehen. Damals sagte Nordau zu mir voll Wehmut: „Der Zionismus hat mich zu alt getroffen. Als ich jung war, da glaubte ich an die Allmacht der Wissenschaft, und daß es mir möglich wäre, mich ganz meinen Idealen zu widmen. Um meine Unabhängigkeit nicht einzubüßen, hatte ich sogar der Ehe entsagt. Dr. Max Nordau. Hätte mich der Zionismus vor zwanzig Jahren gefunden, so könnte ich mich ihm ganz und gar als treuer Apostel widmen. Gerade unter den jetzigen Verhältnissen möchte ich gern den alten jüdischen Wanderstab in die Hände nehmen, und von Stadt zu Stadt, von Land zu Land ziehen, um überall solange an die Türen zu klopfen und in die Herzen zu dringen, bis ich endlich erhört werden würde. Leider . . . ." Leider hat ihn der Zionismus erst in seinen älteren Tagen getroffen. Und der Verfasser des Buches „Das Recht zum Lieben" hat nun auch andere Pflichten, andere Sorgen ... Eines aber blieb er, was er früher war: ein treuer Soldat in der zionistischen Armee. Das erklärt die Rolle Nordaus in der zionistischen Bewegung; seine gegenwärtige unklare Haltung in der zionistischen Partei. Als Soldat ist er gegen die Auch- und Bauchjuden rücksichtslos aufgetreten, wiewohl er wußte, daß ihm dadurch die jüdischen Salons in Paris verschlossen sein würden. Er tat es aber, weil es Herzl wünschte. Aus demselben Grunde trat Nordau gegen den Aehaad- Haamismus auf, wiewohl er von dieser Seite Beschimpfungen ausgesetzt war. Als Soldat setzte er sich für Uganda, das „Nachtasyl" ein, wiewohl er früher dieses Projekt privatim energisch bekämpft hat. Nach dem Tode Herzls wurde ihm von mancher Seite die Führerschaft angeboten. Man sah in ihm den Retter des politischen Zionismus. Nordau lehnte jedoch ab, seine physischen Kräfte erlaubten es ihm nicht. Und er blieb weiter bloß Soldat. Gehorsam und diszipliniert, ein getreuer und wohlwollender Freund des jeweiligen Präsidenten. Allein außerhalb der zionistischen Bewegung ist Nordau vollständig unabhängig. Er zählt zu den Schekelzahlern der „Ito" in Paris, wiewohl dieselbe nichts gemeinsames mit dem Zionismus hat. Nordau erklärt auch jedem, der es hören will, daß er die praktische Arbeit in Palästina für schädlich halte. Seine letzte Rede am VIII. Zionistenkongreß war ein großes, vielleicht aber auch ein letztes moralisches Opfer, das er am Altar der Disziplin und Freundschaf t niederlegte. Dor dem Kongreß Im Bureau des Kongresses am Heerengracht entwickelt sich bereits seit dem 9. Angust ein reges Leben. Russische Delegierte treffen zu ihrer Landeskonferenz ein, die hier auf freiem niederländischen Boden abgehalten wird; nach und nach langen die Delegierten aus den anderen fernen Ländern ein: die palästinensischen, rumänischen, amerikanischen, südafrikanischen Delegierten usw. Im Bureau waltet das Empfangskomitee seines Amtes: junge Berren und nette junge Damen aus den jüdischen Familien Haags mit einem „Magen David" an einem blauen Halsband erteilen hier bereitwillig Auskünfte über Wohnung und Verpflegung; hier werden die Delegierten- und Journalistenkarten ausgefolgt; auch Kongreßansichtskarten werden verkauft, die in diesem Jahre so unkünstlerisch und geschmacklos ausgefallen sind. An den Wänden sind die Einladungen zu den verschiedenen Versammlungen und Konferenzen der Landsmannschaften affigiert: in den Sprachen derjenigen Länder, denen die Delegierten entstammen. Hier finden sich alte Bekannte und Freunde wieder zusammen und begrüßen sich. Denn hieher lenkt jeder Delegierte zuerst seine Schritte. Je mehr wir uns dem Kongresse nähern, wird es hier lebhafter und geschäftiger. Erst am Tage der Kongreßeröffnung wird es hier wieder ruhig. Der Kongreß im Saal des Palais für Kunst und Wissenschaft beginnt.

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