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Neue Nationalzeitung · 1907-08-09 · Heft 35 (9.8.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 35 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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wxsmmxEXämssi Seite »Neue Natlonal-Zeitung« Nr. 35 in die Welt, damit mir auch meine wenigen Wohltäter ihre Hilfe entziehen. Ich bin gezwungen, zu erklären, daß ich lebe, obwohl der Tod für mich wünschenswerter wäre als mein jetziger Zustand. Ich lebe in ewiger Finsternis, denn ich bin blind. Das Licht des Tages hat mich verlassen, geblieben ist mir nur das Elend. Die Bourgeoisie wollte in ihren glänzenden Palästen nichts von den Liedern des Proletariers hören,-nur meine Gesinnungsgenossen, zu denen das Echo meines Liedes drang, suchten mich auf, um ihren blinden Sänger zu unterstützen. Wie es scheint, neiden mir die Herren auch diesen Trost. Mit der Zeit haben die Herausgeber meiner Gedichte sie in alle Sprachen übersetzen lassen, obwohl sie mir nie einen Heller dafür bezahlten. Jetzt, als sie^ die Nachricht meines Todes hörten, senden sie Kränze, um am Grabe des blinden Sängers zu opfern, damit sie, die Wohlhabenden, sagen können, den Tribut ihrer Wertschätzung entrichtet zu haben. Ich und meine Kinder werden aber auch hinfort nur jenen danken, die sich ihre armseligen Bissen vom Munde entzogen, um mich zu unterstützen." Vielleicht werden die Nekrologe dein totgeglaubten Dichter nun doch dazu verhelfen, daß er nicht das Allernotwendigste entbehre? Die große jüdische Oeffentlichkeit hat erfahren, was ihr Rosenfeld war. Sein Verzweiflungsruf darf nicht ungehört bleiben. (Die Redaktion der „Neue National-Zeitung" ist gern bereit, Spenden, und mögen sie noch so gering sein, anzunehmen und an die Familie Morris Rosenfeld abzuführen. Die Namen der gütigen Spender werden in unserem Blatte ausgewiesen.) Der jüdische Index? Wien, den 4. August. (Orig.-Ber.). Der allgemeine Index- und Syllabus-Rummel hat in dieser Saurengurkenzeit einem jüdischen „Gelehrten" solange keine Ruhe gegeben, bis er endlich auch einen — „jüdischen Index" entdeckte. Wir lesen darüber in der „Vossischen Zeitung": »Da der römische Index wieder einmal die Oeffentlichkeit beschäftigt, so dürfte der Hinweis nicht uninteressant sein, daß es auch im Judentum einen Index gegeben hat. Es gab sozusagen direkte und indirekte Bücherverbote. Das ganz radikale Verfahren, verbotene Schriften auf Scheiterhaufen zu verbrennen, wurde im Judentum nicht in Anwendung gebracht. Erst in der talmudischen Zeit haben einige Schriftgelehrte ein Verzeichnis von verbotenen Schriften herausgegeben. Auf die Uebertretung dieses Verbotes war zwar keine Strafe gesetzt, aber die Bemerkung der Rabbinen, daß man durch das Lesen der verbotenen Schriften des Anteiles an dem jenseitigen Leben verlustig gehe, genügte, um frommgläubige Israeliten davon abzuhalten. Die Zahl der verbotenen Schriften war recht winzig. Auf dem Index standen die apokryphischen Bücher, die Schriften der Sadduzäer, das Buch Sirach und die Schriften eines Bar- Laana. Dagegen werden die Werke Homers von diesem Bücherverbot ausgenommen. Wenn man sie liest, heißt es in bezug auf die Werke Homers im Talmud, so bedeutet es soviel, als ob man »Nachrichten« läse (Sanhedrin 90). Dieses Urteil über Homer klingt ein wenig sonderbar. Es kann sein, daß die Rabbinen, wenn sie auch keine Veranlassung fanden, die Werke Homers zu verbieten, es dennoch für opportun hielten, ihren Wert niedrig einzuschätzen. Oder vielleicht muteten sie in der Tat die Gesänge Homers wie eine Art Kriegsnachrichten an! Die Schriften der Epikuräer durfte man lesen, aber nicht studieren. Unter »Lesen« verstanden sie offenbar ein oberflächliches Bekanntwerden mit den in den Büchern niedergelegten Anschauungen, unter »Studieren« ein tieferes Eindringen in diese. Man sollte sich nur mit den Anschauungen der Epikuräer bekannt machen, um einem »Ketzer« Rede stehen zu können. (Sprüche der Väter II, 14.) Auch das Hohelied und das Buch Koheleth wollte man auf den Index setzen, aber die Rabbinen stritten darüber so lange, bis sie sich entschlossen, diese Bücher zu kanonisieren. Das Buch Koheleth soll einzig der Vers 13 im letzten Kapitel: »Fürchte Gott und halte seine Gebote« vor dem Untergang gerettet haben. In neuerer Zeit haben sich die Rabbinen im Osten mit der »aktuellen« Frage beschäftigt, ob das Zeitungslesen am Sabbat zu gestatten sei. Sie entschieden: Man darf am Sabbat in der Zeitung Kriegsnachrichten und sonstige Neuigkeiten lesen, aber nicht den Handelsteil, worunter sie wahrscheinlich auch die Inserate verstanden haben. Von diesen dürften jedoch die Heiratsannoncen ausgenommen sein, da das »Schadchen-Gewerbe« auch am Sabbat betrieben werden darf.« Hiezu ist zu bemerken: Von einem „Index" im römischen Sinne kann im Judentume nicht die Rede sein, da wir eben kein Papsttum, keine Hierarchie besitzen. Die griechische Bibelübersetzung-, genannt Septuaginta, wurde aber von dem Rabbinen in Palästina auf eine Art Index gesetzt. Der Tag, an dem diese Uebersetzung entstand, wird in der Mischna mit dem Tage verglichen, an welchem Israel das goldene Kalb errichtete. Die „auswärtigen Bücher, Sephorim Chizonim" werden zu lesen verboten. Es werden darunter die Apokryphen und andere griechische Schriften verstanden. Die Apokryphen heißen „Sephorim Genusim"; aus diesem hebräischen Worte ist das griechische entstanden. Von Elischa ben Abuja, dem Ach er, demselben, den Herr Dr. Güdemann in seiner Zuschrift an die „Neue Freie Presse" erwähnt, (die übrigens auch manche Unrichtigkeit enthält) wird erzählt, er sei durch das Lesen griechischer Bücher ein „Acher", ein Abtrünniger, geworden. Das Wort „Epikuräer" bedeutet sicherlich nicht „Ketzer"; das letztere ist vielmehr ein streng katholisches Wort, entstanden im 13. Jahrhundert und eine Verballhornung von „Katharer". So wurden die „Irrgläubigen" von Albi in Südfrankreich genannt. Bruder Berchtold von Regensburg, ein Augustinerprediger des 13. Jahrhunderts, leitet das Wort, drollig genug, von „Katze" ab. Das Judentum kennt keine Ketzer. Gehen wir weiter: Das „Hohelied" wurde von denen, die den Bibelkanon festsetzten (vielleicht sind dies „die Männer der großen Synagoge") niemals auf den „Index" gesetzt. Im Gegenteil. Ein Rabbi, dessen Worte auch Raschi zitiert, sagte: „Alle Bücher sind heilig, dieses aber, ,Schir ha Schirim', ist allerheiligst. Vielleicht hat der Schreiber der Notiz das hebräische Wort „metame jadajim" mißverstanden. Koheleth wollten allerdings die Festsetzer des Kanons in diesen nicht aufnehmen. „Rc-zu lignaus sopher Koheleth", wenn mir die Worte recht erinnerlich sind. Begreiflich. Denn Koheleth, ebenso wie Job widersprechen in ihrem Pessimismus dem Worte: „Und Er sah, daß es gut war". Uebrigens heißt es bald darauf: „Der Trieb des Menschenherzens ist böse von Jugend an". Daß die Rabinnen im „Osten" das Lesen deutscher Bücher verbieten, kann man auch aus Franzos ,.Pojaz" ersehen. Was hat aber dies mit dem „Index" zu tun? Der Wahrheit gemäß, ohne sie, wie es heute so gerne geschieht, zu verschleiern, merken wir es hier an: Zwei Rabbinen waren es, welche im 13. Jahrhundert das Lesen der Schriften des Maimonides mit dem Banne belegten. Der eine hieß Salomo ben Abraham aus Montpellier, der andere Jona ben Abraham aus Gerona (Gerondi). Freilich haben sich die wahrhaftigen Vertreter der Wissenschaft im Judentum an diesen Bann nicht gekehrt, der im Jahre 1305 vom Rabbi Salomo ben Aderet (Raschba) erneuert und erweitert wurde. Die Schriften des Rambam (Maimonides) wurden verbrannt, und alsdann auf Befehl des französischen Königs Ludwigs IX. des Heiligen, im Jahre 1242, 14 nach anderen 24 Wagenladungen Torah- und Talmundexemplare verbrannt wurden, hat man dies in jüdischen Kreisen als Strafe dafür betrachtet, daß sich jüdische Rabbinen, wohl zu unterscheiden von jetzigen Rabbinern, das sind besoldeten Beamten der Kultusgemeinden, dazu hergaben, einen solchen Fanatismus zum Ausdrucke zu bringen. Man lese auch die Kinah von R. Meier von Rotenburg, „Schaali Serupho". Auch die Bibelübersetzung Mendelsohns wurde von den „Ortodoxen": Hirsch Janow (Hirsch Charit in Fürth) und Ezechiel Landau (Nöda bi -<£L

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