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Neue Nationalzeitung · 1907-08-02 · Heft 34 (2.8.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 34 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite iö »Neue National-Zeitung« Nr.. 3.4 für allzu hoch erachtete. Während seiner Haft wurde jedoch Rabbi Meier in seinem Studium nicht gestört, er verfaßte vielmehr um diese Zeit mehrere Werke, namentlich mehrere Rabbinatsgutachten. Er starb 1293 im Gefängnis, wo seine sterblichen Ueberreste bis zum Jahre 1307 lagen. Süßkind Wimpfen aus Frankfurt löste sie mit Aufopferung vielen Geldes aus und ließ sie in Worms beerdigen. Als einzigen Lohn für diese Tat beanspruchte Wimpfen, einst an der Seite des frommen Rabbi ruhen zu dürfen. Es dauerte nicht lange, da hatte die Gemeinde Worms Gelegenheit, jene Bitte zu erfüllen. Moses Mirsky. Ueber die von uns bereits besprochene Ausweisung des jungen Sängers aus Arad äußert sich die »Allg. Jüd. Rundschau« in Budapest: »Der berühmte 13jährige Gesangskünstler, Moses Mirsky, der in ganz Europa Aufsehen erregte und dem überall die glänzendsten Ehrungen und Auszeichnungen zuteil wurden, hat auch in Arad ein Konzert absolvieren wollen. Der Stadthauptmann von Arad verbot jedoch die Abhaltung des Konzertes mit Berufung auf eine angebliche ministerielle Verordnung, weil der Künstler Ausländer ist. Wenn das Ausland sich die »geistreiche« Methode des Arader Stadthauptmannes zu eigen macht, so können wir die Rückkunft von vielen tausenden ungarischen Künstlern, Artisten, Zigeunermusikern und — Hazardspielern, die in aller Herren Länder bisher sich unbehelligt produzieren durften, erwarten. Zum Glück holt sich Europa nicht bei uns seine Kultur. Wir können übrigens berichten, daß dieser Arader Stadthauptmann nicht nur gegen Ausländer ungarische Gesetze nach Willkür anwendet, sondern selbst ungarische Geschäftsleute, wenn dieselben Juden sind, seine Macht durch die unangenehmsten Vexationen fühlen läßt. Arme Arader Juden! Trotzdem die Arader Juden ihre Religion nahezu bis zum Taufwasser verwässert haben und ihr Seelenhirt sogar gemischte Ehen traut, schützt sie ihre Assimilationssüchtelei und unjüdische Lebensweise nicht davor, daß sie einen antisemitischen Stadthauptmann sich gefallen lassen müssen.« Jüdische Oberhausmitglieder gibt es jetzt in England sechs: Lord Rothschild, Lord Wandsworth (Familienname: Stern), LordBurnham, der Besitzer des »Daily Telegraph« (Familienname: Levy-Lawsori), Lord Herschel, Lord Ludlow (Familienname: Lopes), Lord Montagu. Jüdische Appellationsrichter. Kürzlich fanden in Basel die Wahlen für das Appellationsgericht statt. Dabei enthielten sich die Sozialdemokraten der Abstimmung. Liberale und Freisinnige hatten verschiedene Listen aufgestellt, aber auf beiden- Listen stand Dr. P. Wolf, ein Jude, der mit 3756 Stimmen aus der Urne. hervorging. Dr. Wolf ist Syndikus der Banque fonciere du Jura und war bis jetzt im Nebenamt Zivilrichter. Er hat sich durch Herausgabe und Kommentierung des. Schweiz. Bundesrechtes, das jüngst in zweiter Auflage erschienen ist, in der juristischen Welt einen bedeutenden Namen erworben. Das Amt, zu dem Dr. Wolf berufen worden ist, hat in Basel noch niemals ein Jude bekleidet. ...... Ein jüdischer Leutnant — kein jüdischer Leutnant. In den jüdischen Blättern Deutschlands war in jüngster Zeit die Nachricht zu lesen, daß der Leutnant der Reserve Angerer, nachdem er als Jurist das Staatsexamen bestanden' hat, als aktiver Offizier in das kgl. bayer. Kriegsdepartement aufgenommen wurde. Es wurde hiebei betont, daß Leutnant Angerer der Sohn des ehemaligen Prokuristen der Pfälzischen Bank, S. Anger er, jüdischen Glaubens sei. Darob nun Freude und Jubel im deutsch-jüdischen Blätterwalde! Der Traum so mancher jüdischen Kommerzienratstochter sollte nun in Erfüllung gehen: sie konnte einen wirklichen ungetauften Leutnant heiraten. Und nun erst die Söhne; sie mochten in ihrer Phantasie an ihren Schultern Generalseppauletten sehen . . . Aber ach, diese Träume waren nur von kurzer Dauer. Die Nachricht, daß in Bayern' und im Deutschen Reich ein Jude aktiver Leutnant werden könne, wurde bald dementiert. Es hat jeder Staat seine Spezialitäten. In Oesterreich wird ein Jude Oberst, aber nur nicht Staatsanwaltsubstitut. In Bayern bringen es die Juden selbst bis zum Oberstaatsanwalt, aber nur nicht bis zum aktiven Leutnant. Aus der rumänischen Hölle. Wir haben unlängst berichtet, daß -der rumänische Handelsminister an alle Industriegesellschaften und Etablissements eine Aufforderung ergehen ließ, daß nicht nur von den Arbeitern, sondern auch .vom Verwaltungspersonal zwei Drittel Rumänen sein sollten. Gegen diesen Befehl wurde von interessierter Seite eingewendet, daß in dem betreffenden Gesetze nur von den Arbeitern die Rede sei. Die Regierung hat daher, um die im Dienste der rumänischen Industrie stehenden zahlreichen Fremden (das heißt nach Lage des rumänischen Rechts vor allem die Juden) zu beseitigen, eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Wie die offiziöse »Independance Roumaine« ankündigt, wird in der Novelle ausdrücklich die erwähnte Bestimmung auf die Gesamtheit des technischen, Verwaltungs- und Arbeitspersonals erstreckt werden. Um sich diesen Bestimmungen anzupassen, wird den Fabriken, welche künftig die Begünstigungen des Industriegesetzes erlangen werden, eine fünfjährige Frist gewährt werden. Den Industriellen, die sich bereits dieser Begünstigungen erfreuen, wird eine einjährige Frist gewährt. histe der Ausgetretenen. (Vom 1. Juni bis 30. Juni 1907.) Gertrude Deutschland aus Wien, 1., Salmgasse 5; Hans Fromm aus Wien, XVIII., Schulgasse 76; Selma Fein aus Dolna- Tuzla, I., Fleischmarkt 10; Oskar Kohn aus Prag,' 1., Mölkergasse 3; Dr. Ernst Groß aus Lipnik, XIII:, Diesterweggasse 6; Karl Frühling aus Lemberg, IV., Mittersteig 2; Richard Hutter aus Wien/XIII., Nisselgasse 17; Abraham Reiter aus Czernowitz, XVIII., Gentzgasse 21; Dr. Eduard Goldscheid er aus Bukaczowce, XVIII., Gentzgasse 115; Josefine Perl aus Wischnitz, XIII., Gurkgasse 59; Josef Steiner aus Wien, XVIII., Martin.sstraße 8; Paul Mannheimer aus Escherleben, IX., Roßauergasse 5; Albert Goldenberg aus Wien, XIX., Waldbachsteig 1; Edmund Schönfeld aus Wien, II., Pillersdorfgasse 3; Ilona Grünstein aus Erlau, I., Schönlaterngasse 11; Ludwig Laszky aus Neutra, VIII., Josefstädterstraße 34; Cäcilie Wiesner aus Wien, 11.,, Tabor-. straße 66; Egon Brandt aus Wien, I., ZelinkagasselÖ; Arthur Mittler aus Wien, XIII., Hüttelbergstraße 21; Adrienne Pollak aus Prag, III., Gärtnergasse 5; Irene Spitzer aus Wien, IX., Roßauergasse 5; Hermine Kraus aus Wien, X., Servitengasse 59; Kathi Schönthal aus F.-Szeli, X., Favoritenstraße 86; Ignaz Justiz aus Stab, II., Im Werd 15; Grete Schwarz aus Wien, VIII., Fuhrmanngasse 1 a; Dr. Markus Glass aus Jaworow, IX., Liechtensteinstraße 24; Helene Oesterreicher aus Wien, XX., Wölfsaugasse 8; Charlotte Pick aus Jungbunzlau, VIII., Wickenburggasse 19; Flora Feriz aus Semlin, XIX., Gunethgasse 4; Klara Schermesser aus Woloczysk, X., Knöllgasse 23; Max Bodascher aus Battelau, XVI., Hasnerstraße 111; Leonie Plessner aus Wien, I., Kärntnerstraße 10; Margarethe Fischer aus Wien; Tine Braun aus Ponikowiczy, IX., Müllnergasse 26; Rudolf Motel aus Wien, IX., Säulengasse 5; Max Mahler aus Wien, IX., Servitengasse 4; Viktor Brüll aus Wien, IX., Hahngasse 22; Jakob Minzer aus Boryslaw, VIII., Josefstädterstraße 64; Helene Hutter aus Wien, XIII.J_Penzingerstraße 60; Adele Remenyi-aus- Wien, II., Pratersträße 13; Friederike Wächter aus Odessa, VI., Millergässe 48; Julie Kopsa aus Lemberg, VI., Laimgrubengasse 19; Dr. Wilhelm Schlesinger aus Trencsin, VII., Zieglergasse 25. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. Wir werden beim Zionistenkongreß im Haag durch einen Spezialberichterstatter vertreten sein. Unser Blatt wird daher in der Lage sein, rechtzeitig ausführliche Berichte über den Kongreß zu veröffentlichen. — Dr. M. E. Ihr Aufsatz leider wegen Form und Inhalt nicht geeignet. Senden Sie uns gelegentlich etwas anderes. — Poale- Zionist. Wir werden demnächst auch auf die Poale-Zion-Bewegung ausführlich zurückkommen. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit in gleicher Weise allen Schattierungen der zionistischen und territorialistischen Bewegung zu, aber diese Schattierungen sind eben sehrzahlreich und können nur sukzessive gewürdigt werden. — S. K. in Czernowitz. Die Nachricht betreffs der jüdischen Konfession des Universitätsprofessors Dr. Lazarus ist uns aus Berlin zugekommen, wir nehmen aber von Ihrer Mitteilung, daß Professor L. längst getauft ist, Notiz. — C. Leider nicht mehr aktuell. Schreiben Sie über ein aktuelleres Thema. Die P. T. Abonnenten werden gebeten, die rückständige Pränumerationsgebühr unter Verwendung der ihnen zugesandten Erlagscheine einzusenden. Die geehrten Abonnenten, die sich aufs Land oder in Kurorte begeben, können gegen Angabe ihrer genauen Adresse die Zeitung in ihren je" weiligen Aufenthaltsort nachgeschickt erhalten.

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