Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 33 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425701--0278-2426549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10 Nene Natlonal-Zettnng« Nr. 33 Juden an dem polnischen Adel und dem polnischen Arbeiter bereichert haben, haben sie »Inowr^zlaw« in »Hohensälza« umgetauft. Jetzt leben sie vom polnischen Gelde in Berlin! Pflicht des polnischen Volkes ist es, fortan nur bei Landsleuten zu kaufen, sonst begeht man eine Sünde an der Nation; »Swoj do Swego!« »Ein jeder zu den Seinigen!« — muß das Losungswort eines jeden Polen sein. Diesen Spruch müßte ein jeder Pole über seine Tür anbringen; seiner Frau müßte ein jeder Pole einen Zettel auf den Rücken kleben, wenn sie in die Stadt geht. Wenn die Frauen Waren von Andersgläubigen nach Hause bringen, sollten die Männer diese Waren hinauswerfen. Weshalb bereichern sich denn alle Juden? Weil sie es »verstehen«! Ich will nicht zum Boykott auffordern, nicht Rassenhaß gegen die Deutschen predigen, sondern dem Volke dartun, daß es sich verteidigen müsse. Gebt mir die Versicherung, daß Ihr alle fortan nur bei unseren Landsleuten kaufen werdet!« Die Versammelten riefen begeistert: »Wir versprechen das!« Das Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von drei Monaten Gefängnis gegen den Angeklagten. GEM&Nt>£=ÜN& VGREiNSNMRRilßSW Inforinationsbureau für Auswanderer. Wien. Der Verein »M a c h s i k e h a d a t h« veröffentlicht nachstehenden Aufruf: Am 21. d. M. hat die offizielle Eröffnung eines Emigrationsbureaus unter dem Namen : »Hilfskomitee für jüdische Auswanderer, Informationsbureau des Vereines »Machsike hadath« stattgefunden. Die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Gründung eines solchen Bureaus ist evident. In Wien allein war bisher keine solche Institution vorhanden, wiewohl der größte Teil der jüdischen Auswanderer, infolge der in Deutschland jetzt herrschenden strengen Gesetze gegen Emigranten, ihre Reiseroute über Wien nimmt. Hunderte dieser heimatlosen und halbverhungerten Armen sehen wir in den Straßen Wiens rat- und hilflos umherirren: ein erschütterndes Bild menschlichen Elends. Es ist statistisch bewiesen, daß der größte Teil der Emigranten ausgebeutet wird. Unterwegs werden sie infolge ihrer Unerfahrenheit eine leichte Beute von gewissenlosen Betrügern und Schwindlern, die sie unbarmherzig ausbeuten, so daß sie oft im größten Elend unterwegs zurückbleiben müssen. — Ja! wir können viele Fälle anführen, wo sogar hier in Wien selbst Emigranten in die Hände von gewissen betrügerischen Agenten gerieten und von ihnen um ihr Letztes gebracht wurden. Diesen Zuständen soll durch die Tätigkeit des Bureaus, wie es jetzt vom Verein »Machsike hadath« gegründet worden ist, leicht abgeholfen werden. Das Bureau erteilt die verschiedensten Auskünfte und Ratschläge in allen Fällen, die sich auf Emigrationsangelegenheiten beziehen; die Emigranten stehen jetzt vom Tage ihrer Ankunft in Wien bis zu ihrer Abreise unter dem Schutze des Bureaus, welches sie, wenngleich einstweilen nicht mit Geld, so doch sonst mit Rat und Tat unterstützen wird. — Auf der Nordbahn in Wien wird bei jedem einlaufendem Zug ein durch sein Abzeichen leicht kennbarer Bureaubeamter sich befinden, der die Aufgabe hat, die Emigranten bei ihrer Ankunft in Wien zu empfangen, ihnen vorerst billige Quartiere anzuweisen und sie vor betrügerischen Agenten zu warnen. Die Emigranten erhalten vom Bureau Aufklärung über die eventuell zu nehmende Reiseroute sowie auch Hilfeleistung bei der Anschaffung von Reisebillets und bei ihrer Abreise von Wien. Die Emigranten werden auch vom Verein unentgeltlich verköstigt werden. Teure Glaubensgenossen! Indem wir an euer Herz und an euer Mitgefühl für unsere unglücklichen heimatlosen Brüder appelieren, bitten wir euch, uns in unserem großen, segenspendenden Werke je nach Vermögen durch Spenden zu unterstützen! — Eine jede Gabe wird von uns mit größtem Dank empfangen und im Blatte veröffentlicht werden. Ein jeder Spendende macht sich um die Erhaltung dieser in Wien einzigen und in ihrer Art wichtigsten Institution verdient. Die Spenden können an folgende Adressen eingesendet werden: Wien, II., Obere Augartenstraße 40, Verein »Machsike hadath« oder auch an die Redaktion dieses Blattes. Wien. Jüd.-akad. Ferialverbindung »Zephyra«. Die Chargenwahl für das kommende Semester hat ergeben: J. U. C. Karl B o n d y f; Med. Alfred Grünspann ft; J. U. C. Otto M a h r i s c h 1 ff f. Prag. Am 30. Juni fand unter Vorsitz des Vizepräsidenten des Kuratoriums, Herrn Magistratsrat Dr. Stein, die 1. ordentliche Generalversammlung des »Vereins zur Gründung und Erhaltung eines jüdischen Museums in Prag« statt. Der Vorsitzende hielt dem dahingeschiedenen Kurator Herrn Hermann Inwald einen warmen Nachruf. Den Geschäfts- und Kassebericht erstattete Schriftführer Lieben, vom Revisionsbericht wurde abgesehen. Aus dem Geschäftsbericht ist das stetig wachsende Interesse für die Vereinsbestrebungen ersichtlich. Mehrere Korporationen haben ihre Sympathien für den Verein durch Subventionen zum Ausdruck gebracht. Der Verein will im September sein Museum eröffnen. Bei der Ergänzungswahl fürs Kuratorium wurde Herr Dr. Haas auf 2 Jahre gewählt. Die Revisoren wurden wiedergewählt. Hierauf schloß der Vorsitzende die Generalversammlung. Proßnitz. Ferialverein jüd. Hochschüler »Giskalah«. Die Chargenwahl ergab folgendes Resultat: jur. Viktor Altar, Präses; phil. Viktor Stiaßny, Vizepräses; phil Felix Mai er, Schriftführer. ftlLEN WeLTOilSN Die Handelsstatistik in Rumänien. Es gibt in dem rumänischen Distrikte llfov 27.840 Handwerker, davon 12.135 Rumänen, 3680 Juden und 12.025 Fremde. In Dis rikten den Vlaschca und Jalomitza ist die Zahl der jüdischen Handwerker sehr klein. Die Gewerbe, die von den Juden bevorzugt werden, sind folgende: Schneider, Sticker, Regenschirm- und Korsettmacher, Klempner, Messerschmiede, Uhrmacher, Juweliere, Graveure, Posamentierer, Kürschner, Färber etc. Die Fremden sind in größerer Anzahl in folgenden Gewerben vorhanden: Schuhmacher, Schneider, Schlosser, Tischler, Maurer, Steinmetz, Vergolder, Mechaniker, Kupferschmiede, Faßbinder, Gerber, Klempner, Barbiere, graphische Künste, Buchbinder etc. Die Gewerbe, in denen die Juden» zusammen mit den Fremden die Zahl der Rumänen überschreiten, sind: Schneider, Trikotage, Sattler, Riemer, Schlosser, Mechaniker, Bildhauer, Schmiede, Gerber, Klempner, Anstreicher, Zimmermaler etc. Dozent Dr. Lazarus, der in Berlin zum Universitätsprofessor an der Leydenschen Klinik ernannt wurde, ist in Czernowitz als Sohn des Landessanitätsrates Dr. Lazarus im Jahre 1873 geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte dann in Wien, Heidelberg und Berlin. Zugleich mit der Doktorpromotion erwarb er am 30. März 1897 zu Wien die Approbation als Arzt und wurde sofort Assistent bei dem inneren Kliniker Nothnagel. Nach kurzer Zeit ging er aber schon zur chirurgischen Klinik über, wo er bis 1901 Assistent von Billroths Nachfolger Gussenbauer war. Im März 1901 kehrte er dann wieder zur inneren Medizin zurück, als Oberarzt an der Berliner Charitee und Assistent der ersten medizinischen Klinik unter v. Leyden. Wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten wurde ihm 1903 auch die deutsche Approbation erteilt, gleichzeitig wurde er in den preußischen Staatsverband aufgenommen. Am- 16. März 1903 habilitierte er sich als Privatdozent. In Oesterreich wäre dieser jüdische Gelehrte schwerlich ohne Taufe Professor geworden. Prof. Mortara, der Präsident des Appelgerichtes in Ancona, ist zum General-Sekretär im Justizministerium ernannt worden. Briefkasten der Redaktion. S. B. in Jezierzany. Versuchen Sie es bei der Stiftung, Wien, I. Biberstraße Nr. 2. Hilfsverein wäre zwecklos. Verein Safa-Berura. Es ist uns nicht gelungen, die gewünschte Adresse zu eruieren. Im Hochsommer geht das sehr schwer. Bitte sich bis September zu gedulden. Dr. M. E. Leider nicht verwendbar. Dr. A. U. Wir erhalten fast alle Jargonblätter; trotzdem ist der Artikel nirgends zu finden. In Rußland erschienen drei Tagblätter im Jargon und ein Tagblatt in hebräischer Sprache. Die P. T. Abonnenten werden gebeten, die rückständige Pränumerationgebühr unter Verwendung der ihnen zugesandten Erlagscheine einzusenden.