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Neue Nationalzeitung · 1907-07-26 · Heft 33 (26.7.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 33 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 »Neue Natlonal-Zeitung« Seite 9 scheint die herrschende Partei selbst vor Blutvergießen nicht zurückzuschrecken, um sich bei der Macht zu erhalten. Und da die Pogroms von unten nicht kommen wollen, müssen sie von oben gemacht werden. Der Brief lautet: „Am 10. d. M. gab ein Herr in Tlumacz ein Bankett, welchem die Elite der polnischen Gesellschaft unseres Bezirkes — auch Sie, geehrter Herr Bezirkshauptmann — teilnahmen. Der Redner des Abends war ein Herr Walewski, Sekretär und faktischer Leiter des Bezirksausschusses, der u. a. folgendes sagte : „Wenn vor Jahren jemand den Juden Galiziens eine so oppositionelle Haltung gegenüber unseren nationalen Kandidaten zugetraut hätte, er wäre sicherlich ausgelacht worden. Nachdem nun aber das Unerwartete geschehen ist, muß dem mit aller Macht entgegengetreten werden. Das beste Mittel wären zwei in ihrer Schärfe den russischen nicht nachstehende galizische Juden-Pogroms." Wer die Machtstellung kennt, die Herr Walewski als faktischer Leiter des Bezirksausschusses einnimmt, wer sich vergegenwärtigt, wieviel Leute mit ähnlichen Plänen gegen uns herumgehen — wird begreifen, daß uns die Hetzrede nicht gleichgiltig ist. An Sie aber, geehrter Herr Bezirkshauptmann, der Sie, wie ich weiß, der beste und pflichtgetreueste Beamte sind, wo es gilt, den Bürgern Schutz und Sicherheit zu gewähren, richte ich die Frage, wie Sie es als pflichtbewußter Beamter und guter Christ mit Ihrem Gewissen vereinigen können, daß ein so gemeingefährlicher Abenteurer wie Walewski an der Spitze einer so wichtigen Verwaltungskörperschaft, wie der Bezirksausschuß, steht. Wir Juden erwarten von Ihrem Gerechtigkeitssinn, daß Sie Abhilfe und uns dadurch Genugtuung schaffen werden. Im Namen hunderter von Juden des Tlumaczer Bezirkes Leib Schlesinger. Tlumacz, 15. Juli 1907." Was sagen die Hausjuden und jüdischen Verteidiger des Polenklubs zu dieser Gemeinheit der Schlachzizen- Kreatur? Die Juden und das Deutschtum. Czernowitz, den 17. Juli. (Orig.-Korr.). Die jüdische Majorität von Suczawa - Sereth - Kadautz hat einen liberalen Abgeordneten gewählt, Professor S k e d 1. Der Herr Professor sitzt jetzt in einem fortschrittlichen Klub, der nur getaufte Juden aufnimmt; Hofrat K u r a n d a wird boykottiert. Der mit Hilfe der Juden gewählte Abgeordnete Keschmann hospitiert wieder im „Deutschnationalen Verband", der den Antisemiten Weiskirchner zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt hat. Bei uns in der Bukowina machen die Juden noch immer ein Deutschtum und die Deutschen werden — christlichsozial. Die Statistik beweist jedoch ganz genau, daß das Deutschtum in der Bukowina zum größten Teil sich auf die Juden stützt. Bei der letzten Volkszählung haben 159.486 Personen die deutsche Umgangsprache angegeben. Der Konfession nach sind die Deutschsprechenden: Katholisch........47.113 Gr.-orien talisch......2.334 Evangelisch.......18.000 Jüdisch.........91907 Die christlichen Konfessionen stellen somit in der Bukowina zusammen 67.447 gegenüber den Juden mit 91.907 der Deutschsprechenden! Diese Zahlen legen in einer überzeugenden Weise die Wurzeln des Deutschtums in der Bukowina klar und bekräftigen die von uns wiederholt betonte Anschauung, daß mit den Juden das Deutschtum in der Bukowina steht und fällt. Das sieht jedermann im Lande ein — nur nicht die Deutschen. Das Lied ist nicht neu, aber wahr. Es klingt auch aus der weiteren Konstatierung, daß von 100 Personen mit deutscher Umgangssprache 29*54 katholischen, 1*46 griech.- orientalischen, 11.29 evangelischen und 57*63 jüdischen Glaubens sind. Die Juden sind in erster Keine die Träger des Deutschtums in der Bukowina. Ob sie «s auch für die Folge bleiben werden, ist eine andere Frage, die man nach dem Verhalten der Deutschen gegenüber den Juden in den letzten Jahren und auch in der letzten Zeit entschieden verneinend beantworten muß. Freunde, ehrliche verläßliche Freunde, vermögen die Juden in den Deutschen nicht mehr zu sehen. Die letzten Reichsratswahlen haben dies zum Nachteile auch der Deutschen erwiesen. Jeder Tag bringt einen Beweis offener oder geheimer Gegnerschaft. Die Deutschen zwingen die Juden, sich vom Deutschtum loszusagen. Ein offenes Bekenntnis der jüdischen Nationalität würde zur Klärung der politischen Situation viel beitragen und auch die Stellung der Juden gegenüber den anderen Nationen festigen. Deutsches Reich. Ein neuhebräisches Wörterbuch. Berlin. „Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" versendet folgendes Zirkular: Zur Herausgabe des von jüdischen und christlichen Gelehrten gleich sehr anempfohlenen neuhebräischen Wörterbuches von Ben Jehuda in Jerusalem haben mehrere Vereine, wie die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Hilfsverein der deutschen Juden und das zionistische Aktionskomitee regelmäßige Beiträge bewilligt. Aus den Vertretern dieser Gesellschaften Dr. Paul Nathan, Prof. Dr. 0. Warbarg, Prof. Dr. M. Philippson und Privatdozent Dr. Mittwoch hat sich ein Hilfskomitee für die Herausgabe des verdienstlichen Werkes gebildet mit der Befugnis der Kooptation. Das Komitee fordert Glaubensgenossen und jüdische Vereine, die sich für das hochwichtige wissenschaftliche Unternehmen interessieren, das eine so schmerzliche Lücke in unserem Schrifttume auszufüllen bestimmt ist, hiermit herzlich und dringend auf, Beiträge an den Obmann des gedachten Komitees, Herrn Prof. Dr. M. Philippson, Berlin W. 15. Kurfürstendamm 211 gefälligst einzusenden. Der Antisemitismus der Polen in Preußen. Posen. Wiewohl die polnischen Wortführer bei jeder Gelegenheit der Welt verkünden, daß es innerhalb ihrer Nation keinen Antisemitismus gebe, straft sie die Wirklichkeit sehr oft Lügen. Sehr charakteristische Formen hat dieser Antisemitismus in unserem Lande angenommen, wie nachstehender Vorfall beweist: Der Probst Theophil Gapczynski aus Rogasen hatte sich jüngst vor der II. Strafkammer des hiesigen Landesgerichtes auf sechs verschiedene Anklagepunkte zu verantworten. Die Anklage wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten bezieht sich auf den Bericht des Polizeiassessors Augustini über eine am 10. Februar d. J. in Rogasen abgehaltene »Straz«-Versammlung. Unter anderem sagte der Angeklagte: »Zu ihrer Verteidigung brauchen die Polen Geld! Wieviel polnisches Geld wird aber noch zu den Juden getragen! Ich habe in polnischen Häusern überall Kalender gesehen, welche nicht von Landsleuten stammen, jüdische Bilder; beinahe die ganze Parochie kauft leider bei den Juden! Sind denn die Juden die Freunde der Polen? Bei den Wahlen hätten Sie sehen können, wie diese sich verhalten haben. Selbst Gebetbücher werden bei den Juden gekauft! Wie danken die Juden den Polen dafür? Einen Beweis dafür bildet die Umtaufung des altpolnischen »Inowrazlaw« in »Hohensalza«! Dafür, daß sich die Inowrazlawer

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