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Neue Nationalzeitung · 1907-07-26 · Heft 33 (26.7.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 33 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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SMTOraMMEaglgMaCTMM^^ Seite 8 »Neue National-Zeitutig« Nr. 33 Amerika........ 125.000 Frcs. und Rumänien....... 25.000 „ während die restlichen . 350.000 „ von den übrigen vier Staaten (Oesterreich, Deutschland, England und Frankreich) zu je einem Viertel, daher mit je 87.500 Frcs. aufzubringen gewesen wären. Bis auf England wurden auch die vorgeschriebenen Beträge gesammelt; in England aber kamen statt 87.500 Frcs. kaum 30.000 Frcs. zusammen. Dieses bei der bisherigen Munifizenz der englischen Juden sehr betrübende Resultat wurde durch die besondere Opferwilligkeit der rumänischen Juden in Amerika wettgemacht, die statt 125.000 Frcs. sogar 175.000 Frcs. zur Verfügung stellten.. Allein selbst die halbe Million Kronen reicht leider nicht aus. Es müssen nebst den Beschädigten noch diejenigen unterstützt werden, die ihre Wohnsitze am Lande verlassen müssen. Allerdings können die Erwerbs- und Auswanderungsfähigen auf Kosten der „Ica" emigrieren, aber es bleiben noch viele zurück, die im Lande unterstützt werden müssen, weil sie ihr Alter oder Krankheit au der Auswanderung hindern. Dabei sind die Aussichten im Lande sehr traurig. Die Regierung geht geradezu darauf los, die Juden brotlos zu machen; das Parlament leistet ihr Schergendienste. Der König schweigt. Die jüdischen Magistratsbeaiiiteii. Wien, den 24. Juli. (Orig.-Korr.) Wir haben bereits in der vorigen Nummer anläßlich der Besprechung der judenfreundlichen Äußerung Dr. Weiskirchners gegenüber dem Abgeordneten Dr. Gold darauf hingewiesen, daß es mit dieser Judenfreundlichkeit Weiskirchners und auch Luegers nicht weit her sei. Leute, die so gewissenlos sind, trotz ihres auf die Staatsgrundgesetze geleisteten Eides, jüdische Magistratsbeamte, und zwar ersterer als Chef des Beamtenkorps, letzterer als Bürgermeister, nur wegen ihres Judentums durch ein Jahrzehnt trotz ehrlichsten Pflichteifers nicht vorwärts kommen zu lassen, während andere, weit jüngere Beamte immer höheren Rang und Gehalt bekommen, sollten endlich als das bezeichnet werden, was sie sind: als meineidige Demagogen. Es gibt allerdings mitunter Juden in Wien, Leute, die auf dem geistigen Niveau des Dr. Gold stehen, und meinen, Dr. Lueger möchte schon, aber der Stadtrat will nicht. Man würde nicht glauben, daß Juden so dumm sein können, sich dies einreden zu lassen. Hat Dr. Lueger noch je im Stadtrat etwas nicht durchgesetzt, wenn er es wirklich und nicht bloß zum Scheine wollte? Und so ist es auch mit den jüdischen Beamten. Lueger läßt wohl hie und da einem armen Juden aus den hunderttausenden Kronen, die dem Magistrate alljährlich als Spenden für Arme ohne Unterschied der Konfession zufließen, 10 oder 20 Kronen zuweisen, er hat auch einmal einer armen Ganselverschleißerin eine Auskocherei-Konzession erteilt, damit sie seinen Ruhm am Karmeliterplatz verkünde. Aber den Beamten gegenüber, die keine Gnade, sondern ihr Recht haben wollen, hat dieser Mann keinen Funken Gerechtigkeitsgefühl in sich. Wir kommen auf diese Frage jetzt neuerlich zurück, weij sich auch im »Verein der Beamten der Stadt Wien« ein wackerer > unerschrockener und gerechter Mann gefunden hat, der in der letzten Vorstandssitzung diese Präterierung der jüdischen Beamten auf das Tapet brachte und sehr scharf kritisierte. Magistratsoffizial Alois Moissl stellte folgenden Antrag: Es sei an den Wiener Stadtrat mit der Bitte heranzutreten, der Präterierung israelitischer Magistratsbeamter ein Ende zu machen. Herr Moißl begründete diesen Antrag wie folgt: »Ich sehe wohl ein, daß der Wiener Gemeinderat auf Grund seines Programms keinen Juden mehr anstellen kann. Es ist jedoch meiner festen Ueberzeugung nach nicht human und nicht gerecht, diese armen Teufel den Wechsel in der Politik fühlen zu lassen. Ich bin — erklärte Redner — ein unbedingter und entschiedener politischer Gegner des Bürgermeisters Dr. Lueger, doch achte ich ihn als Person viel zu hoch, als daß ich glauben könnte, daß er die Bedrückung dieser Beamten wünsche. Unsere Pflicht als Organisation ist es jedoch, f ü r diese Kollegen einzutreten, und ich bin überzeugt, daß auch jeder ehrliche Antisemit mit mir einverstanden ist, wenn ich sage: der Antisemitismus darf sich nur gegen die parasitären Existenzen im Judentum richten. Nie und nimmer darf er jedoch an den ehrlich arbeitenden armen jüdischen Beamten und Arbeitern sein Mütchen kühlen, gleichzeitig aber mit reichen jüdischen Millionären bei Banketten zusammensitzen.« Ueber den gestellten Antrag? dessen Begründung ziemliche Bewegung hervorrief, entspann sich eine längere Debatte. Diese endete jedoch mit der e i nstimmigen Annahme des Antrages. Vorstandsmitglied Miltner sprach hierauf die Anregung aus, die beschlossene Petition aus taktischen Gründen erst im November zu überreichen. Herr Moißl trat diesem Wunsche damit entgegen, daß er sagte: »In der Vertretung der Interessen gibt es keine Taktik, sondern nur ein energisches und offenes Auftreten, einen Kampf mit offenem Visier. Dem Vorredner sei eben vorher das Herz mit der Sorge um sein Avancement durchgegangen und er möchte jetzt, entsetzt über das einstimmige Votum, das ihm selbst keine Ausrede lasse, die Angelegenheit nur verschleppen.« (Beifall.) Schließlich wurde denn auch der Durchführung des gefaßten Beschlusses ohne Aufschub zugestimmt. Dieser Antrag ist angenommen worden und damit haben die Mitglieder des Vorstandes angesichts des Terrorismus, mit dem die antisemitischen Gemeinde - Paschas „ihre" Lehrer und Beamten behandeln, einen Beweis seltenen Mutes an den Tag gelegt. Trotzdem dürfte es zur Ausführung des Beschlusses schwerlich kommen. Gleich nach Bekanntwerden dieses Vorstandsbeschlusses wurde von den Beamten der Magistratsdirektion und des Gemeinderatspräsidiums eine lebhafte Agitation eingeleitet, um den Ausschluß des Ausschußmitgliedes Moissl aus dem Vereinsvorstand zu bewirken. Trotz aller Anstrengungen, bei denen man weder Drohungen noch sonstige Pressionen scheute, waren von den 2000 Vereinsmitgliedern kaum dreißig Beamte zu bewegen, den Ausschließungsbogen zu unterfertigen. Man bemüht sich nun jetzt von »oben«, eine Rückziehung dieses Beschlusses herbeizuführen. DaHerrMoisl seinen einjährigen Urlaub angetreten hat und sich auf der Reise nach Amerika befindet, dürfte dies vielleicht gelingen. Wie wäre es, wenn Dr. Gold und die anderen Hausjuden bei ihren po.itischen Freunden, den Antisemiten, für die israelitischen Beamten intervenieren würden? Da hätten wenigstens einige Juden etwas von dieser blutschänderischen Politik. . . . Die „Jescliuball". Preßburg, den 21. Juli. (Orig.-Bericht.) Die Vorsteher der hiesigen „Jeschubah" haben hinsichtlich der Aufnahme von Schülern in diese das Oeffentlichkeitsrecht genießende Rabbinatsschule zwei interessante Verfügungen getroffen. Die erste Neuerung besteht darin, daß die Aufnahme von Schülern nur auf Grund von schriftlichen (besuchen erfolgen kann; die andere darin, daß dem Gesuche Zeugnisse angeschlossen werden müssen, aus welchen hervorgeht, daß Petent durch vier Jahre ernste talmudische Studien betrieben und stets einen gottesfürchtigen Lebenswandel geführt hat. Die Aufnahmsgesuche müssen spätestens bis zum jüdischen Neujahr überreicht werden. Diese Maßregeln, die wohl den Zweck verfolgen, den Besuch der „Jeschubah" einzuschränken, stehen wahrscheinlich auch mit der finanziell sehr prekären Lage der „Jeschubah" im Zusammenhang. Pogrom-Drohungen in Cralizien. Tlumacz. Herr Leib Schlesinger richtet an den hiesigen Bezirkshauptmann P o p i e 1 nachstehenden offenen Brief. Wie aus demselben hervorgeht, X

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