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Neue Nationalzeitung · 1907-07-19 · Heft 32 (19.7.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 32 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 »Neue National-Zeitung Seite 7 IL Mr. Lewin-Epstein (Nordamerika). Auf der Reise von Nordamerika nach Haag ist der Delegierte Herr Lewin-Epstein in London eingetroffen. Dieser Name ist bekannt und er hat im Kreise der Palästinafreunde einen sehr guten Klang. Sein Träger war der Gründer der Kolonie „Eeehowo th" und erwarb sich jene vorzüglichen Kenntnisse der Kolonisationsverhältnisse in Palästina, die sein Gutachten zu einem besonders kompetenten machen. Die Weingenossenschafc „Karmel" in Rußland ist sein Werk; sein unermüdlicher Eifer hat vor einem Jahre auch in New-York eine gleiche Kooperation zu Stande gebracht. „Die praktische Arbeit, von der heute so viel gesprochen wird" — erwiderte Herr Lewin-Epstein auf die bezügliche Frage — „sollte eigentlich die unpraktische heißen. Denn unpraktischer kann kein Weg sein, als der, auf dem das Geld de^ Nationalfonds verausgabt w7urde. Es wurde Geld, welches für einen edlen Zweck gesammelt worden ist, dazu verwendet, um in verschiedenen Gegenden einige Brocken Erde zusammenzukaufen. Dieser Boden ist ja zum größten Teil noch gar nicht abgesteckt; wo dies der Fall ist, traut sich kein Kolonist hin, um nicht sein Leben zu riskieren. Ja, hat es denn einen Zweck, daß der Kolonist in den Grund,- der gar nicht ihm, sondern dem NationaUond gehört, sein Kapital investiere? Wenn Ussischkin in Palästina arbeiten will, dann mag er für Palästina Privatmänner interessieren. Das wird ihm bessere Früchte tragen, als die Verschleuderung des Nationalfonds". „Auch die Idee einer Agrarbank" — setzte Herr Lewin-Epstein fort — „aus den Mitteln der Kolonialbank halte ich für absurd. Mit wem wird die Bank zu tun haben? Mit den Kolonisten. Ihnen werden langfristige Hypotheken gewährt werden. Damit bleibt das Geld der Kolonialbank für 15 Jahre festgerannt. Wie aber, wenn ein Kolonist nicht bezahlen wird, weil er nicht kann oder nicht will? Wird man ihm alles versteigern?" „Deswegen" — schloß Herr Lewin-Epstein — „bin ich der Ansicht, daß die Arbeit in Palästina nur aus Privatmitteln bestritten werden muß. Allerdings sind die Apostel der „praktischen Arbeit" sehr hartköpfig und übersehen die Wirklichkeit. Am Kongreß darüber mehr." III. Mr. Goldreich (Südafrika). Der Präsident der zionistischen Föderation in Südafrika wird sich am Kongresse beteiligen. Er ist in seinem Wohnsitze sehr angesehen und gilt als Vertrauensmann der englischen Regierung. Mr. Goldreich schildert den Aufschwung des Zionismus in Südafrika mit beredten Worten. Die Zahl der Vereine hat das Hundert bereits überschritten; in vielen Gemeinden repräsentiert die Gemeinde gleichzeitig die zionistische Organisation. Die Juden Südafrikas sind nicht nur Anhänger Palästinas; sie sind auch bestrebt, den nationalen Geist zu pflegen und die Assimilation vollständig zu entwurzeln. Herr Goldreich beschäftigte sich auch mit der Präsidentenwahl. Die südafrikanischen Delegierten werden neuerlich für Herrn Wolfsohn stimmen, denn sie seien mit ihm zufrieden. Der einzige Fehler Wolfsohns bestehe darin, daß er keinen tüchtigen Sekretär habe.Ein Sekretär, der seine Aufgabe besser verstehen würde, könnte von den englisch sprechenden Zionisten genug Geld erhalten, um die Gesamtkosten der Organisationstätigkeit zu decken. Uebrigens sei kein passenderer Präsident vorhanden. Man nennt so manchen Namen, auch — Ussischkin. Der Mann besitze viel Energie, aber zu viel Egoismus ... Cin Brief Israel Zangwills an die „Jewish Gazette". Die New-Yorker „Jewish Gazette", das gelesenste und verbreitetste Jargon-Blatt New-Yorks, steht dem vom Millionär Jacob Schiff protegierten Plane der „Ito", die russischen Juden in Texas anzusiedeln, sehr skeptisch gegenüber. Um die Oeffentlichkeit über die Verhältnisse in Texas zu informieren, veröffentlichte sie eine Rundfrage: „Soll der Auswanderer in Texas sein Gepäck herumschleppen?", zu deren Beantwortung in erster Linie die jüdischen Einwohner von Texas eingeladen wurden. Nun stellt sich auch Israel Zangwill mit einer Antwort ein, indem er die Bedenken der „Jewish Gazette" zu entkräften sucht. _ Dieser Brief lautet: „An den Redakteur der „Jewish Gazette". Geehrter Herr! Ich habe den illustrierten Artikel Ihres Blattes über die Frage: ,.Soll der Auswanderer in Texas sein Gepäck herumschleppen?" mit großem Interesse gelesen. Ich entnehme daraus, daß Sie den Plan des Herrn Schiff bezüglich der Regelung der Auswanderung nicht richtig verstanden haben. Wir verfolgen durchaus nicht den Zweck, Juden ausschließlich in Texas anzusiedeln. Wir wollen vielmehr den ganzen prachtvollen Westen, der halb so groß ist wie Europa und der nur von 100.000 Juden bewohnt ist, der jüdischen Einwanderung zugänglich machen. Warum sollen alljährlich hunderttausende Juden in New-York allein ansässig werden? Es ist weit besser, wenn sie im Hafen von Galveston den amerikanischen Boden betreten, um von hier aus in die Städte des Westens leichter zu gelangen. In Galveston erwarten sie unsere Agenten und stehen ihnen mit Rat und Tat bei. Amerika hat noch Platz für Millionen unserer unterdrückten Brüder und durch ihre Arbeit werden im Westen ebenso große Gemeinden entstehen, wie sie bereits im Osten vorhanden sind. Amerika mit allen seinen Fehlern ist doch die beste Zufluchtstätte für alle, die der russischen Tyrannei entronnen sind und wer uns in unserem Bestreben, dieses Territorium der jüdischen Einwanderung zu sichern, nicht unterstützt, ist kein wahrer Freund unseres Volkes. Unsere Tätigkeit hat mit der Removal Office nichts gemein. Dieselbe hilft bloß den Schiffbrüchigen New- Yorks zu neuen Existenzen in anderen Städten; wir aber wollen von vornherein verhindern, daß die Einwanderer sich in New-York niederlassen. Der Jude hat es nicht nötig, sein Gepäck in Texas herumzuschleppen. Er wird dort erwartet, geschützt, unterstützt und bleibt unter der Obhut unserer Organisation, bis er eine Existenz gefunden hat. Es ist daher nutzlos, bloß bei unseren Brüdern in Texas nachzufragen, wie es ihnen geht. Ihre Frage muß gerichtet sein an alle Juden des Westens und überall soll sie die fröhliche Botschaft hintragen, daß es nicht nötig sei, im Kotmeer New-Yorks zu ersticken, wenn so viele Städte auf jüdische Arbeitskräfte warten. Israel Zangwill." Die geehrten Abonnenten, die sich aufs Land oder in K^urotie begeben, können gegen Angabe ihrer genauen Adresse die Zeitung in ihren Jeweiligen Aufenthaltsott nachgeschickt erhalten*.

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