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Neue Nationalzeitung · 1907-07-19 · Heft 32 (19.7.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 32 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 »Neue National-Zeiiung« Seite 5 schärft? Was wir Nützlicheres zu seiner Milderunggetan haben, das sind neben der Herstellung billiger Wohnungen für die Handwerkerfamilien in Wilna und Bobruisk, der Webereifabrik in Dubrowna, die 500 Weber beschäftigt, den Tischler- und Schuhmacher-Produktions-Genossenschaften in Hornel, Bobruisk und Wilna, eine Anzahl von Kreditinstituten für das Volk. Dieselben gewähren den Handwerkern und kleinen Kaufleuten Darlehen, die sie mit bewundernswerter Geschicklichkeit verwerten. Diese Kassen vermehren sich außerordentlich schnell: im letzten Jahre waren es 35; in diesem Jahre sind 59 errichtet worden. Eine Anzahl fernerer ist organisiert und wartet nur die behördliche Genehmigung ab, um ihre Tätigkeit zu beginnen. Die 35 Etablissements, welche wir — um nur von diesen zu reden — im letzten Jahre unterhalten haben, zählten 29.435 Mitglieder, zumeist Familienväter, sodaß man die Anzahl der Personen, denen die Tätigkeit unserer Darlehenskassen zugute kam, auf ungefähr 150.000 schätzen kann. Diese Tätigkeit vollzieht sich in einem Gebiete, das eine jüdische Bevölkerung von nahezu einer halben Million zählt. Die Kassen verfügten am Schlüsse des Jahres über einen Betriebsfond von 1,577.815 Rubel. Sie werden vorzüglich verwaltet. Der Betrag ihrer Reservefonds (45.806 Rubel) erweist zur Genüge den Erfolg ihrer Operationen. So erfreuen sie sich denn auch des Vertrauens der Ortsbevölkerung, welche mehr und mehr ihre Ersparnisse dorthin bringen. Die Darlehensnehmer erfüllen ihre Verpflichtungen mit bemerkenswerter Pünktlichkeit, und hierdurch tragen diese Institute, wie zur wirtschaftlichen Hebimg, so auch zur moralischen Erziehung derer, die ihre Wohltaten genießen, bei. Sie haben im letzten Jahre infolge der Pogrome unschätzbare Dienste geleistet. Darlehenskassen in Galizien. Unsere Darlehenskassen in Galizien gedeihen in gleicher Weise. Im Jahre 1906 haben sich ihnen 1890 neue Mitglieder angeschlossen, deren Zahl gegenwärtig insgesamt 8639 beträgt; andere Darlehenskassen werden in diesem Jahre entstehen. Jugenderziehung. Ich habe versucht, Ihnen die wesentlichsten Punkte unserer Arbeit hervorzuheben. Ich hätte noch einige interessante Bemerkungen hinzuzufügen über dasjenige, was wir für den Unterricht der Kinder in 27 Elementar- und 2 Handwerkerschulen in Rumänien, die am Schlüsse des vorigen Jahres 5275 Zöglinge zählten, in 57 Elementarschulen in Rußland mit 7100 Zöglingen, in den vierzig Handwerkerschulen, welche zur Ausbildung einer großen Anzahl von jungen Leuten (im letzten Jahre 2540 Lehrlinge) in jenem Lande errichtet wurden, ferner in sieben Ackerbauschulen in Kleinasien, Galiz;en und Ruß land leisten. Wir sind in hohem Grade besorgt über die Zukunft einer Jugend, welche den Kampf wird aufnehmen müssen, nicht nur gegen die allgemeinen Beschwernisse des Lebens, sondern auch gegen diejenigen eines betrüblichen Regimes, das auf den Juden eines Landes wie Rumänien, trotzdem es vor mehr als fünfzig Jahren ihnen vollständige Emanzipation verheißen hat, oder wie Rußland lastet, das vor vierzig Jahren darauf hoffen ließ. Werden, falls dieses Regime sich nicht ändert, die Kinder von heute in ihren Heimatländern verbleiben können? Wenn sie bleiben, muß ihnen eine ganz besondere Widerstandskraft gegeben werden; wenn sie fortgehen, dann müssen sie mit unerschrockenem Mute gewappnet werden, um die Gefahren zu bestehen, die das Leben in ihrer neuen Heimat bietet. Das wird uns gelingen. Indem wir die Gesamtheit unserer Institutionen überblicken, dürfen wir behaupten, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Wir danken die erzielten Erfolge der bedachtsamen Planmäßigkeit unserer Arbeit, unseren bewährten, durch eine lange Erfahrung erprobten Methoden, dem Eifer und der Hingebung unserer großen und kleinen Mitarbeiter hier und auswärts. Ihnen allen sei unsere Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Die Rede fand großen Beifall. Die Versammlung votierte dem Präsidenten den Dank. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Die Jahresberichte der Baron und Baronin Hirsch'schen Stiftungen für Galizien und Bukowina. (Schluß.) Die Baronin Hirsch'sche Kaiser Jubiläums-Stiftung hat viel ersprießliches inbezug auf die Heranbildung junger Mädchen geleistet. Dem im Art. 2, lit. b der Statuten angeführten Zwecke: „Israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen, durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewähruug von Unterstützungen, die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen", wurde nach verschiedenen Richtungen Rechnung getragen. Die Berichte über die sechs Mädchenschulen in Bohorodczany, Bursztyn, Buczacz, Kolomea, Stanislau undTarnöw lauten durchwegs günstig. Die Nähschule in Bohorodczany war von 18 Schülerinnen frequentiert. In der niederen Abteilung wurde den Schülerinnen der Elementarunterricht im Nähen beigebracht, während an der höheren Abteilung die Schülerinnen im Zuschneiden, Maschinnähen und selbständigen Verfertigen von Männer-, Damen- und Kinderwäsche, sowie gewöhnlicher Hauskleider unterwiesen wurden. Aehnlich ist die Organisation der Nähstube in Bursztyn, wo im abgelaufenen Schuljahre, dank der Acquirierung besserer Räumlichkeiten, eine größere Anzahl von Schülerinnen aufgenommen werden konnte. Die Mädchenschule in Kolomea legte ihr Hauptgewicht auf die Ausbildung tüchtiger jüdischer Dienstboten. Von 16 Schülerinnen wurden im abgelaufenen Schuljahre 13 als vollständig ausgebildet entlassen. Zwölf Mädchen sind in den Dienst als Köchinnen getreten, während ein Mädchen behufs weiterer Ausbildung von einer Damenschneiderin aufgenommen worden ist. Während die Mädchen in früheren Jahren nur ungern als Köchinnen in den Dienst traten und lieber als Weißnäherinnen oder Schneiderinnen ihr Brot zu verdienen suchten, ist nach dieser Richtung in letzter Zeit ein Umschwung eingetreten. Dies läßt sich darauf zurückführen, daß bei der herrschenden Dienstbotennot die Löhne bedeutend gestiegen sind und die Mädchen eine bessere Behandlung seitens der Dienstgeberinnen finden. Die Schule legte das Hauptgewicht darauf, daß die Mädchen in allen Zweigen der Hauswirtschaft ausgebildet werden; sie werden daher außer im Kochen, auch im Nähen, Flicken, W'ascken und Plätten unterwiesen. Außerdem erhalten sie Unterricht im polnischen und deutschen Lesen und Schreiben, ferner im Rechnen, in der Religion und im Hebräischlesen. Die Mädchenarbei tssc hnie in Tarnow bestand im Schuljahre 1905/6 aus einem Internate, in

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