Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 31 (12.7.1907)
- Date
- 1907-07-12
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »Neue Nattonal-Zeltung« Nr. 31 Geld nach dem antisemitischen Prinzip: non olet. Jetzt ist Professor Fuchs schon Hofrat, Stell wag ist tot, seine Praxis ist bedeutend und so hat er die Entdeckung gemacht, daß die polnischen Juden sein Wartezimmer nicht angenehm parfümieren. Seine Geruchsnerven sind empfindlicher geworden und dalier hat er der Dienerschaft den Auftrag erteilt, polnischen Juden die Tür zu weisen. Ein polnischer Jude, der vor einigen Tagen den Grund dieser Abweisung wissen wollte, hat ihn schwarz auf weiß erfahren: Der Installateur A.ßauch wurde dieser Tage von einem Verwandten, einem reichen polnischen Juden, der einen seidenen Kaftan trug, aufgesucht und gebeten, ihn in die Privatordination des Professors der Augenheilkunde Dr. Ernst Fuchs zu führen. Beide begaben sich zur Zeit der Sprechstunde nach der Privatklinik des Professors, wurden aber, als sie im Wartezimmer Platz genommen hatten, von der Dienerin ziemlich barsch aufgefordert, sich zu entfernen, da der Professor polnische Juden nicht behandle. Als Rauch bemerkte, daß sein Begleiter bemittelt sei und die ärztliche Behandlung selbstverständlich honorieren werde, antwortete die Dienerin, sie hätte Auftrag, derlei Patienten nicht vorzulassen. Rauch begab sich nun mit seinem Verwandten zu Professor S c h n a b 1, richtete aber an Professor Fuchs ein Schreiben, worin er sehr höflich um Auskunft bat, ob die Dienerin nach Instruktion gehandelt habe oder ob es sich nicht vielmehr um einen Verstoß derselben handle. Darauf erhielt Herr Rauch folgende offene Korrespondenzkarte: „Sehr geehrter Herr! Ich kann die polnischen Juden in ihren Nationalkostümen den anderen Kranken' zuliebe, die über deren Geruch sich beschweren, nicht in mein Sprechzimmer einlassen und empfange alle diese Patienten unentgeltlich in der Klinik. Hochachtungsvoll Dr. Ernst Fuchs." Herrn A. Rauch hier. Der Herr Hofrat ist als Universitätsprofessor aus öffentlichen Steuergeldern, somit auch von den Juden, bezahlt. Allein in seiner Privatpraxis kann er empfangen, wen er will. Das Vorgehen ist aber trotzdem sehr charakteristisch, denn es beweist, wie weit der Antisemitismus, selbst in den Kreisen der „hohen Intelligenz", gedrungen ist. Kann man erwarten, daß ein solcher Professor gegenüber jüdischen Studenten gerecht, gegenüber klinischen Patienten, die ja nicht von ihm, sondern von seinen Assistenten behandelt werden, liebevoll sein wird? Es werden nicht nur die polnischen Juden, sondern auch die anderen Juden gut tun, den Herrn Hofrat nicht zu belästigen. Es gibt in Wien noch andere Professoren! Eine Herzl-Trauerfeier — unter PolizeibewacllUllg•. Sniatyn, den 8. Juli. (Orig.-Korr.) In der hiesigen Synagoge hielt das Mitglied der jüdisch-nationalen akademischen Verbindung „Emunah" (Czernowitz) Israel Taubes die Trauerrede nach dem verstorbenen Theodor Herzl. Aber selbst zu trauern ist der Sniatyner Judenschaft nicht erlaubt. Denn die Rache der polnischen Schlachzizen ist noch nicht zu Ende. Unter Befehl der Bezirkshauptmannschaft mußte der Redner in der Landessprache (!) sprechen; nur 150 Personen durften in die Synagoge. Die Frauehabteilung war überhaupt abgesperrt und schließlich kontrollierten noch ein Bezirkskommissär, vier Gendarmen, s e c h s Polizisten die Ausführungen des Redners. Dieselben waren nicht staatsgefährlich und so hatten -die behördlichen Organe auch nicht den mindesten Anlaß zum Einschreiten.. England. Die jüdische Kolonialbank vor Gericht. London, 8. Juli 1907. (Orig.-Korr.). Morgen beginnt vor dem hiesigen Gerichtshof die sensationelle Verhandlung über die Statutenänderung der jüdischen Kolonialbank. Die Protestler, welche die Statutenänderung nicht zulassen wollen, sind durch die Herren Z a n g w i 11 und Solomons vertreten. Beide werden im Namen von mehreren tausend Aktienbesitzern der Kolonialbank, die hauptsächlich den territoriälistischen Kreisen in Rußland angehören, den Standpunkt vertreten, daß die Statutenänderung unzulässig sei. Bei derselben handelt es sich bekanntlich darum, daß, während bei der Gründung der Kolonialbank Palästina, Syrien „und andere Orte" zu Kolonisationszwecken in Aussicht genommen worden sind, nunmehr dieser Passus ausgelassen, und die Kolonisation lediglich auf Palästina und Syrien beschränkt werden soll. Die Leiter der Kolonialbank behaupten hiebei, daß die Worte „andere Orte" anläßlich der Bankgründung von den hiesigen Advokaten eigenmächtig hinzugefügt worden sind, um die Bewilligung der englischen Regierung leichter zu erhalten: Der Prozeß ist von weittragender Bedeutung, sowohl für die zionistische als auch für die territorialistische Bewegung, und man sieht in allen jüdischen Kreisen Englands mit großer Spannung der Entscheidung entgegen. Ich werde Ihnen hievon auch seinerzeit berichten. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. Gegenüber dem Dementi der »Jüdischen Zeitung« halten wir unsere Behauptung, daß der Sohn Dr. Herzls innerhalb -der vorgeschriebenen Zeit .nach der Geburt nicht beschnitten wurde, sondern daß dies erst jüngst, u. zw. über Drängen seiner Vormünder geschehen ist, aufrecht. Wir haben diese Nachricht gebracht, als einen Beitrag zur Lebensgeschichte Herzls, der eine historische Persönlichkeit war. Wer einmal die Biographie Dr. Herzls schreiben und somit auch seine Lebensentwicklung schildern wird, darf diese Tatsache nicht übersehen, ebensowenig wie die Tatsache, daß Herzl zu Chanuka 1906 für seine Kinder eine Menorah anschaffte, statt des bis dahin beleuchteten Christbaumes. Natürlich werden Sie bei dem Skribenten der »Jüdischen Zeitung« wenig Verständnis für Geschichtsschreibung finden, denn diese beruht ja nur auf Wahrheit und Objektivität. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. N. N. Wir bestätigen gerne bezüglich der »Neuen Wiener Sparkasse« Ihrem Wunsche gemäß: 1., daß »die Einleger ohne jedes Entgegenkommen behandelt und auch ihre kleinsten Wünsche keine Berücksichtigung finden«; 2., daß Sie sich »nur deshalb an uns wenden, weil Ihre diesbezügliche Kritik in der Tagespresse ,aus begreiflichen Gründen' keine Aufnahme finden würde«; 3., daß Sie uns berechtigen, »Ihren Namen über Wunsch der Direktion obiger Anstalt bekanntzugeben.« Sie haben übrigens Ihre Einlage gekündigt. Das war auch das Vernünftigste. Priuate Mitteilungen. (Haupttreffer.) Der in der Ziehung der österreichischen 1864er "Stnatslose am 1. Juni a. c. zur Verlosung gelangte 2. Haupttreffer pr. K 40.000 entfiel zur Hälfte auf das bei dem Bankhause Eduard Urban in Brünn gekaufte x/2 1864er Staatslos 2924/371 und wurde derselbe dem glücklichen Gewinner bereits bar ausbezahlt. Es ist dies der 3. Haupttreffer, der im Verlaufe der letzten 6 Monate auf durch das Bankhaus Urban verkaufte Lose entfiel. Die geehrten Abonnentens die sich aufs Land oder in Kjirottebegebens können gegen Angabe ihrer genauen Adresse die Zeitung in ihren jeweiligen Aufenthaltsort nachgeschickt erhalten.