Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 31 (12.7.1907)
- Date
- 1907-07-12
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425699--0251-2426520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 31 »New Nattooal-Ztitnng« Seite 9 Statt dessen legte Dr. Eichel die Akten der Bezirkshauptmannschaft vor und unterbreitete ihr mit der ausdrücklichen Begründung, daß gegen Benjamin Klüger, »den Zionisten und offenen Polenfeind«, der von zwölf Kultusräten unterstützt werde, Wolf Klein, »ein Freund der Polen«,' als Vorsteher kandidiere, den Vorschlag auf Auflösung des Kultusrates. Die Bezirkshauptmannschaft in Stryj hat mit Bescheid vom 3. April 1906 Z. 9875 diese denunziatorische Eingabe tatsächlich mit der Auflösung des Kultusrates beantwortet, statt die mögliche Konstituierung anzuordnen. Ein von Benjamin Klüger bei der Statthalterei eingebrachter Rekurs und alle Urgenzen blieben resultatlos. Im Juli 1906 bestellte der neuernannte Bezirkshauptmann Bobrzynski an Stelle Dr. Eichels Herrn Hersch Liebesmann zum Regierungskommissär, und zwar gegen den Willen der jüdischen Gemeinde und zu rein politischen Zwecken. Im Auftrage des Bezirkshauptmannes nahm Hersch Liebesmann eine neue Repartition der Kultusabgaben vor, auf Grund deren die Neuwahlen vorgenommen werden sollten. Statt 600 Bürger besteuerte er bloß 240. Eine große Protestversammlung sprach über diese Mißbräuche ihre Entrüstung aus und wieder gingen zahlreiche Beschwerden an die Statthalterei. Alles war umsonst! Im März 1907 wurde mit Rücksicht auf diebevorstehenden Reichsratswahlen Hersch Liebesmann als Regierungskommissär abgesetzt und durch Wolf Klein ersetzt, dem die Aufgabe oblag, im Dienste der Rada narodowa die Wahlen zu »machen«. Der dreimalige, durch agitatorische und politische Rücksichten diktierte Wechsel der Regierungskommissäre, die konsequente Verhinderung gesetzlicher Wahlen und einer statutenmäßigen Konstituierung haben in der Gemeinde Skole eine arge Mißwirtschaft zur Folge und gefährden die ruhige Entwicklung der Kultusgemeinde wie die dringende Wahrung der jüdischen Gemeinde- und Kultusinteressen. Mit Rücksicht darauf richten die Gefertigten an Seine Exzellenz die Anfrage: »Ist der Herr Minister bereit, die sofortige Erledigung des Rekurses der k. k. Statthalterei in Lemberg aufzutragen und die Wahl des Vorstandes unter Androhung von Strafen, beziehungsweise Heranziehung der Ersatzmänner ehestens zu veranlassen?« MMm^mML Dieser Teil unseres Blattes sieht unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Baum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Wien, 5. Juli 1907. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir für wenige Zeilen Gastfreundschaft. In dem Berichte über den V. österreichischen Zionistentag erzählt der Berichterstatter Ihres Blattes, daß Herr Dr. Schalit mit Bezug auf das frühere österreichisch-zionistische Landeskomitee gesagt habe, es habe ein Defizit auf allen Gebieten hinterlassen und sei vollständig bankerott gewesen. Als der Schöpfer der Parteitage, des Landeskomitees und sein langjähriger Obmann, will ich demgegenüber nur konstatieren, daß der IV. Prager Parteitag die Autonomie der Distrikte und die prinzipielle Anerkennung der Notwendigkeit, innere Politik zu betreiben, brachte. Das allein ist aber schon ein Inventar, von dem meine Nachfolger leben und Ruhe erwerben konnten. Und daß ich die Verhältnisse des Landeskomitees geordnet übergab, wird jeder bestätigen, der weiß, daß ich unmittelbar nach dem Prager Parteitag mein Amt niederlegte und auf jedem Parteitag Rechenschafts¬ und Kassenberichte vorlegte. Herr Dr. Schalit hat also durch seine Worte gewiß einen Prügelknaben für die Kritik am V. Zionistentag gesucht, dabei aber nach Art der Kinder gehandelt, die eigene Fehler auf andere schieben. Daß man bei der »strammen« zionistischen Organisation manches erdulden muß, dafür zeugen auch andere Gesinnungsgenossen. Daß ich mit den Herren nicht mehr Gemeinschaft pflege, war klug gehandelt. Ergebenst Direktor Dr. S. Kren bergen IPRReSPCN&gNZgN Oesterreich-Ungarin Nichtöffentliche Plenarsitzung des Knltusvorstandes. Wien, den 3. Juli. (Orig.-Korr.). Im Präsidialberichte teilt der Präsident mit, daß wie aus Zeitungsberichten bereits bekannt ist, der Verwaltungsgerichtshof die Beschwerde der Kommune Wien gegen die Entscheidung des Ministeriums des Innern, mit welcher die Aufhebung der seinerzeit vom Wiener Gemeinderate beschlossenen, einem Schächtverbote gleichkommenden Verfügung bestätigt wurde, als unbegründet abgewiesen hat. Herrn Vize-Präsidenten Dr. K o h n, welcher in dieser Angelegenheit so erfolgreich intervenierte, wird für seine außerordentliche Mühewaltung der wärmste Dank ausgesprochen. Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers. Das Vertreterkollegium beantragt, daß die Kultusgemeinde das bevorstehende 60 jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers durch einen gemeinnützigen Akt feiere. Zur Beratung dieser Angelegenheit wird eine Kommission bestehend aus dem Präsidenten Dr. Alfred Stern, den Vize-Präsidenten Dr. Gustav Kohn und Theodor Ritter von Goldschmidt, den Vorstandsmitgliedern David Ritter von Gutmann, kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner, Baurat Wilhelm Stiaßny u. A. eingesetzt. Sind die Koscher-Würste auch koscher? Angesichts der unhaltbaren Zustände, welche bisher trotz wiederholter diesfalliger Bemühungen des Rabbinates bei der Erzeugung und dem Verkaufe von angeblich koscheren Selchwaren in Wien bestanden haben, fanden im Schosse des Kultusvorstandes unter Intervention des Rabbinates und unter Zuziehung von Selchwaren-Fabrikanten wiederholte Besprechungen behufs Abstellung dieser Uebelstände statt. Diese Besprechungen führten zu dem Ergebnisse, daß von jüdischen Selch Warenfabrikanten eine unter Aufsicht des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu stellende Selchwarenfabrik errichtet werde, welche allen Anforderungen in Bezug auf das Kaschrus der dortselbst erzeugten zum Verkaufe oder Export gelangenden Selchwaren entsprechen wird. Durch diese Maßnahmen werden das Publikum, welches auf den Bezug wirklich koscherer Selchwaren Wert legt und insbesondere auch die außerhalb Wiens wohnhaften Konsumenten in die Lage versetzt, vor Täuschungen geschützt zu werden. Warum haben es aber der Kü!*us-Vorstand und das Rabbinat bisher geduldet, daß Geschäfte ihre Erzeugnisse als „koscher" in allen Zeitungen anpreisen und verkaufen, wenn die Herstellung in ritueller Beziehung nicht einwandfrei ist? Was sagen dazu die „koscheren" Kultusvorsteher aus der „Schiffschur"? Die Vorstandsmitglieder Dr. Jakob König und Emanuel Grünwald wurden in die Bezirkskommission XXI delegiert. Weiters wurde Herr Dr. Jakob König in die Kommission II (für Unterrichts-Angelegenheiten) berufen. Vor Hofrat Fachs wird gewarnt! Wien. Der Hof rat und Augenprofessor Dr. Fuchs war einmal wenig bekannt und hatte eine kleine Praxis. Die galizischen Juden zogen es vor, den berühmten Okulisten Hofrat Stellwag aufzusuchen. Da war Herr Professor Fuchs froh, wenn sich auch zu ihm so ein polnischer Jude verirrte und er nahm gern sein