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Neue Nationalzeitung · 1907-07-05 · Heft 30 (5.7.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 30 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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tir. 30 »Neue National-Zeltung« Seite herausschaut. Mit wem verbindet sich erst der Polenklub, wenn es sich um seine ganze Existenz handelt! Fast alle 56 Mandate des Polenklubs sind durch Proteste angefochten. Und wenn nur 3 Mandate annulliert werden, so verfügt der Pölenklub nicht mehr über die Majorität der galizischen Mandate. Es besteht für ihn dann die Gefahr, daß die Wahlordnung für Galizien geändert wird und ihm die Delegationen verschlossen bleiben, die ihm allein den Einfluß bei Hofe sichern. Also hilf, wer helfen kann; selbst die — Antisemiten. Es wird ein r».cht erbauliches Schauspiel sein, wenn die Herren Kolischer und Löwenstein ihre schwer erkauften Mandate nur mit Hilfe von Lueger, Bielohlawek und Genossen in den sichern Hafen steuern werdeu. * BS» JÜDISCH R SPRKHSMIL Dieser Teil unseres Blattes sieht unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Öffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Geehrter Herr Redakteur! Ich habe Herrn Dr. J. S. Bloch sehr warm unterstützt, als Sie trotz Einladung durch die Ruthenen und durch Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Korol hier bei uns zu kandidieren sich weigerten. Es tut mir wirklich leid, daß Herr Dr. Bloch nicht gewählt wurde, denn das wäre uns viel angenehmer, als ein solcher Professor Starzynski. Nur will ich eines bemerken: Herr Dr. Bloch greift in seinem Blatte die Bezirkshauptleute und die Beamten außerordentlich scharf an und sagt ihnen sehr harte Worte ins Gesicht, wozu er ja gewiß recht hat. Warum schweigt Herr Dr. Bloch aber ganz über den Rabbi von Beiz, der unser größtes U nglü ck ist und dessen Schuld es in erster Linie ist, wenn in diesem Wahlbezirk ein Allpole gewählt wurde? Wir werden ja ganz niedergedrückt von diesen schwarzen Wolken, die Von Beiz über diesen nordostgalizischen Winkel niedergehen. Wir haben auch während der Wahlen wie einen schweren Schlag ins Gesicht empfunden das blutschänderische Bündnis zwischen dem Rabbi von Beiz und den Schlachzizen. Daher wäre es auch richtig, wenn Herr Dr. Bloch, indem er die Schuldigen an seiner Niederlage aufzählt, auch den Rabbi von Beiz nicht vergesse. Ein Wähler von Zotkiew. KPRReSPONMNZCN Oesterreich-Ungarn* >,Dr. Lippe's hervorragende zionistische Tätigkeit." Wien. In der Nummer 25 wurde darauf hingewiesen, in welche merkwürdige Gesellschaft der Veteran der zionistischen Bewegung, Herr Dr. Kai 1 Lippe aus Jassy, auf seine alten Tage geraten ist, indem er sich einfach dazu hergegeben hat, in dem Wahlblättchen der Lemberger Kahalclique für die Kandidaturen der „Hausjuden" Propaganda zu machen und dabei der nationaljüdischen Partei mit kindischen Argumenten in den Rücken zu fallen. Bei dieser Gelegenheit wurde an das zionistische Parteiorgan in K ö 1 n die Frage gerichtet, wie es verantworten kann, daß es, statt derartiges Vorgehen festzunageln, diesem alten Herrn eine Jubiläurasreklame veranstaltet und seine „hervorragende zionistische Tätigkeit" rühmt. „Die Welt" hat sich darüber bisher gründlich ausgeschwiegen. Dafür aber hat die Bukare st er jüdische Wochenschrift „E g a 1 i t a t e a", sichtlich erstaunt, daß Doktor Lippe plötzlich zu einem Schlachzizen-Moszko avanzierte, sich an ihn um eine Aufklärung über diese merkwürdige Haltung gewendet. Wir übergehen die langen Redewendungen, mit denen Dr. Lippe Kränkungen und Zurück Setzungen, die ihm von Dr.Herzl widerfahren sein sollen, beklagt. Von Wesentlichkeit erscheinen uns lediglich die Argumente, mit denen der von der „Welt" jubilierte Eh renburscheder„Kadimah" seine volksfeindliche Haltung erklärt. Dr. Lippe erzählte dem Interviewer folgende Geschichte: „Dr. Landau, der Sozialist (!), der in seiner Broschüre die Brutalitäten der Sehlachta gegenüber den Juden schildert und die „Hausjuden14 verurteilt, ist ein Ignorant in der jüdischen Geschichte Er müßte sonst wissen, daß diese „Hausjuden" durch ihren Einfluß unter den Polen das Judentum vor Gefahren bewahrt haben. Nur diese Hausjuden, die ein gutes Gewissen haben, werden es jetzt zu verhindern wissen, daß sich der Polenklub mit den Christlichsozialen liiere, welche Allianz den Juden Oesterreichs sehr gefährlich werden könnte. Die Polen haben aber auch das Recht von den Juden zu verlangen, daß sie sich ihnen anschließen und nicht als Fremdlinge im Lande auftreten." Und so fort mit Grazie ... Wenn man nicht wüßte, daß Dr. Lippe ein sehr alter Herr ist, müßte man glauben, daß er im Solde der Rada Narodowa steht. Von diesem Manne, der Doktor Her z 1 in dem Kahalblättchen einen Ignoranten nannte, kann sich auch Dr. Landau, der an der „Israelitischen theologischen Lehranstalt" durch zwei Jahre die Geschichte der Juden in Polen doziert hat, rnhig einen ähnlichen Vorwurf gefallen lassen. Wie wäre es übrigens, wenn die „Israelitisch theologische Lehranstalt^ Herrn Dr. Lippe als Dozenten für die Geschichte der Juden in Polen engagieren würde? .. . Während Dr. Lippe für seine Argumente Stellen aus dem Talmud herbeizerrt, können wir den Ausspruch des Talmud, daß die Gelehrten, je älter desto klüger werden, auf ihn leider nicht anwenden. W. Ordens-A uszeichnungeii Wien. Wegen ihrer Verdienste um das Zustandekommen der österreichischen Ausstellungen in London, Mailand und Bukarest wurden vom Kaiser an mehrere Persönlichkeiten Ordensauszeichnungen verliehen. Unter den Ausgezeichneten erhielten nachstehende Juden die Eiserne Krone: Dr. Johannes Horowitz, Syndikus der auswärtigen Presse; kais. Rat Karl Duschnitz, kais. Rat Friedrich Pollak, kais. Rat Adolf Schwarz, Direktor Heinrich Strakosch und Kommerzialrat Hugo Herzfelder. Dem Hoflieferanten Ignaz Bittmann wurde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, der Frau Ida Kur an da, Besitzerin des Damenkleidersalons Spitzer und Gattin des Kultusvorstehers Dr. Arthur Kuranda, das goldene Verdienstkreuz verliehen. Wahrscheinlich als Entschädigung für so viele »jüdische« Orden hat auch der bekannte Antisemit Biehlolawek einen Orden erhalten. Der ehemalige Greißler darf sich jetzt mit dem Orden der eisernen Krone schmücken, damit das Ministerium Beck gegen den Vorwurf der Judenfreundlichkeit gedeckt sei. Deutsches Reich. Sitzung des Engeren Aktionskomitees. Köln. Am 23. Juni fand hier eine Sitzung des Engeren Aktionskomitees statt, welches bezüglich des bevorstehenden Kongresses nachstehende Beschlüsse faßte. Die für die Einrichtung des Kongreßbureaus im Haag getroffenen Maßnahmen wurden genehmigt, auch wurde die Tagesordnung des Kongresses nunmehr endgiltig festgesetzt. Darnach soll am Vormittage des ersten Verhandlungstages nach der Eröffnungsrede des Präsidenten ein allgemeines Referat über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern erstattet werden. Am Nachmittage werden die verschiedenen Wahlen vorgenommen und hierauf der Bericht des Aktionskommitees erstattet werden. Daran schließt sich die Generaldebatte, für die auch der gesamte zweite Tag reserviert sein wird. Am Freitag wird das Palästina-

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