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Neue Nationalzeitung · 1907-07-05 · Heft 30 (5.7.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 30 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■Nr. 30 ssgra^^'Mfr*^ »Neue National-Zeitung« Seite 5 war neben Oberst G o 1 d s m i d und Elim d'A v i g d o r ein Führer der alten Chovevei-Zion. Das englische Oberhaus zählte bisher drei Juden: Nathaniel Rothschild, Worms und L a w s o n, früher Levy, den Eigentümer des „Daily Telegraph" — Aristokraten. Montagu wird einen ganz neuen Typus repräsentieren: den jüdischen Volksmann, dem kein Titel und keine Würde zu Kopf steigen, der für das Volk arbeitet, weil er es für seine Pflicht hält. Den bescheidenen Sinn Lord Montagus charakterisieren am besten die Worte, mit denen er auf einem ihm zu Ehren von der liberalen Partei gegebenen Bankette sich selbst schilderte: „Es ist die Genugtuung meines ganzen Lebens, daß ich nie meine religiösen Grundsätze geopfert, nie eine Abmachung gebrochen, nie ein Versprechen unerfüllt gelassen habe." Sein ältester Sohn, Louis Samuel Montagu, ist mit der älteren Tochter des verstorbenen Colonel Goldsmid verheiratet. Sie heißt Rachel und ihre jüngere Schwester nennt sich Karmel. Denn am Berge Karmel ward sie geboren. Ja, die englischen Juden. ... L. V. Oesterreichischer Zionistentag. B i e 1 i t z, den 2. Juli. Der diesjährige österreichische Zionistentag, welcher hier am 30. Juni und 1. Juli abgehalten wurde, beschäftigte sich in erster Linie mit der Frage der Neuorganisation der Partei und hat die Debatte hierüber den größten Teil der Zeit in Anspruch genommen. Der übrige Teil der Zeit wurde teilweise durch die Erstattung des Rechenschaftsberichtes und die Diskussion darüber, teilweise durch Debatten über die Stellung zum Kongresse und zur Palästinaarbeit ausgefüllt. Im großen und ganzen bewegte sich der Parteitag in denselben Bahnen wie seine Vorgänger und es traten auch dieselben bekannten Erscheinungen wie in allen früheren Jahren zu Tage. Es sind dies: der Gegensatz zwischen Zentralismus und Föderalismus in der Organisation; das Lavieren zwischen der exklusiven Charterpolitik und der praktischen Arbeit in Palästina; schließlich die verschiedenartige Stellungnahme gegenüber der „Ito". Ja, sogar die immer neu auftauchende Frage, ob die Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation vereinbar sei mit der Zugehörigkeit zu fremdnationalen Vereinen wurde wieder aufgerollt und endete mit der Wiederaufnahme des § 2, welcher diese Frage verneint, in das zionistische Organisationsstatut. Der heurige Parteitag der österreichischen Zionisten erhielt durch die Anwesenheit der jüdischnationalen Reichsratsabgeordneten Stand und Dr. Gabel ein besonderes Gepräge. Dem Parteitage, welcher von 68 Delegierten besucht war, ging am 29. ein Begrüßungsabend der Delegierten im Gebäude der jüdischen Kultusgemeinde voraus, welcher einen sehr animierten Verlauf nahm. Sonntag, um 10 Uhr vormittags, begannen die Beratungen. Zuerst wurde das Bureau gewählt. In das Präsidium wurden berufen die Herren Dr. A. Salz als Vorsitzender, Dr. Kornhäuser und Torczyner als Stellvertreter. Dann erstattete Doktor S c h a 1 i t als Obmann des Landeskomitees den Bericht. Dr. Schalit führt aus, daß der diesmalige Bericht des Landeskomitees sich von den früheren Rechenschaftsberichten wesentlich unterscheide, da die Funktion des L. K. auf dem letzten Prager Parteitage durch die Ausgestaltung der vollkommensten Autonomie der einzelnen Distriktskomitees beschränkt wurde. Dem L. K. seien nur wesentlich Bureauagenclen überlassen worden. Das L. K. konnte sich auf die Erledigung der Bureauagenden allein nicht beschränken. Es hat seinen Pflichtenkreis weit über den Rahmen des Organisationsentwurfes gezogen. Und nicht allein als Bureau der österreichischen Bewegung, sondern wie es dem Amt, das es bekleidet, ziemt, als wirkliche Leitung der Partei. Redner bespricht sehr ausführlich die Aktion des Landeskomitees während der Wahlbewegung und die Notwendigkeit eines zionistischen Tagblattes. Zum Rechenschaftsberichte ergriff zunächst Dr. Syrop das Wort. Redner kritisiert die Großzügigkeit des Rechenschaftsberichtes, bedauert, daß derselbe über keine Tatsache berichtet, daß kein geeigneter Kassabericht vorliegt und daher keine Kritik möglich sei. Die Hauptaufgabe sei die Gründung eines polnischen Tagblatttes, und zwar umsomehr, als der Schwerpunkt der Tätigkeit nunmehr nach Galizien verlegt werden müsse, wo die Mehrh e i t der österr. Juden wohne. Die ganze galizische Presse informiert, teilweise aus Böswilligkeit, teilweise aus Unwissenheit die Bevölkerung über den Zionismus falsch. Ja, sogar in unseren eigenen Reihen haben sich anläßlich der Reichsratswahlen Verräter gefunden. Zionisten haben Propaganda für Antisemiten gemacht; es waren darunter selbst Mitglieder der politischen Organisation. Darum sei eine Tageszeitung unbedingt notwendig. Dr. Syrop empfiehlt eine Kommission für diese Angelegenheit. Dr. Blum übt ebenfalls Kritik am Rechenschaftsbericht und führt aus, daß jede Kritik eine Farce wird, falls kein schriftliches Zahlenmaterial vorliegt. Ebenso kritisiert H. Brass den Rechenschaftsbericht. Dr. Isidor Margulies bedauert, daß das L. K. Blätter in Galizien unterstützt. Dr. Schalit führt als Antwort auf diese Kritik aus, daß er und einige seiner Freunde förmlich „gepreßt" wurden, Mandate im Landeskomitee zu übernehmen. Das frühere L. K. hat ein Defizit auf allen Gebieten hinterlassen und sei vollständig bankerott gewesen. Hierauf wurde das Absolutorium dem abtretenden Landeskomitee erteilt und zur.Beratung über den 2. Punkt „Organ isation" geschritten. Ueber diesen Punkt referierte Herr Dr. J. Margulies. Gegen das ursprüngliche Elaborat des innerösterr. Distriktskomitees erhob sich eine starke Opposition, insbesondere gegen die Forderung eines selbständigen galizischen Zentralbureaus. Es wurde daher eine Kommission, bestehend aus den Mitgliedern der verschiedenen Distrikte, gewählt, welcher die Umarbeitung des Statutes übertragen wurde. Nach Beendigung ihrer Beratungen erstattete Dr. I s i d o r Margulies Bericht. Er legte dem Parteitag die nun modifizierten Thesen vor. 1. Das L. K. besteht aus 12—15 Mitgliedern und wird vom ordentlichen Zionistentag mit Funktionsdauer bis zum nächsten Zionistentag unter tunlichster Berücksichtigung des Vorschlages der Distriktsdelegierten gewählt. Der Zionistentag wählt auch den Präsidenten des L. K. Das L. K. hat seinen Sitz am Wohnsitze des Präsidenten. Daselbst müssen auch zwei Mitglieder des L. K. domizilieren. 2. Das L. K. bestellt zur Besorgung seiner administrativen Agenden ein Zentralbureau und nach Bedarf ein solches in Galizien, dessen Vorstand je ein in Wien, beziehungsweise am Orte des galizischen Bureaus, wohnhaftes Mitglied des L. K. sein soIL Die Zentralbureaus erledigen den prinzipiellen Weisungen des L. K. entsprechend dessen administrative Agenden; 3. Zur Bestreitung der Kosten der gemeinschaftlichen Organe der Landesorganisation behält das L. K. 40°/o der Schekel. Die Diskussion über diesen Gegenstand eröffnete Dr. K a d i s c h. Er tritt für die Vereinigung des mährisch-schlesischen mit dem innerösterreichischen Distriktskomitee ein. Redner könnte nur unter der einen Voraussetzung für den Status quo in Mähren eintreten, wenn die Garantien geboten werden, daß ein D. K. für Mähren und Schlesien gewählt wird, welches mit dem nötigen Eifer und dem nötigen Ver-

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