Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 29 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »Neue Natlonal-Zeltung« Nr. 29 wolle, was ich natürlich ablehnte. Hierauf machte er mich aufmerksam, daß das Regierungs-Präsidium in Oppeln über meine Ausweisung entscheiden werde und daß ich mich mit Sicherheit auf die in einigen Tagen zu erwartende Ausweisung aus dem ganzen preußischen Staatsgebiete gefaßt machen solle. Auf meine Schlußbemerkung, daß ich die Hilfe der österreichischen Behörden in dieser Angelegenheit anrufen werde, erhielt ich die Antwort: »Das wird Ihnen nichts nützen.« Ich bin weder in Oesterreich noch in Deutschland vorbestraft, bin politisch nicht tätig und bin auch dem preußischen Staate bisher in keiner Weise zur Last gefallen, da ich Steuerträger bin. Der Grund meiner bevorstehenden Ausweisung ist, wie es mir ja ganz präzise von den hiesigen Behörden mitgeteilt wurde, einzig und allein der, daß bei mir als Juden die Voraussetzungen des früher erwähnten Erlasses des Regierungs-Präsidiums in Oppeln zutreffen.« Das österreichische Ministerium leitete die Beschwerde an das preußische Ministerium des Innern — und dieses hat nicht etwa die Verfügung des Regierungspräsidenten aufgehoben, nein, es hat d i e s e Verfügung anerkannt, indem es die Ausweisungsfrist bis Ende dieses Jahres verlängerte. Diese Angelegenheit braucht dringend einer Abhilfe. Wir erwarten eine solche lediglich von einer energischen parlamentarischen Intervention. Palästina. Kindergärten. Haifa. Der vom „Hilfsverein der deutschen Juden" im April dieses Jahres eröffnete Kindergarten ist ein wahrer Segen für unsere jüdische Bevölkerung. Zur Zeit besuchen den Kindergarten bereits 44 Zöglinge. Es haben sich noch viele Kinder zur Aufnahme gemeldet, die aber augenblicklich wegen Haut- und Augenkrankheiten nicht zugelassen werden konnten. Die Kinder — im Alter von 3 bis 6 Jahren stehend werden in 2 Abteilungen von 2 Lehrerinnen unterrichtet. Die erste Abteilung zählt 30 Zöglinge, die zweite 14. Davon sind 31 (15 Knaben und 16 Mädchen) Sephardim und 13 (8 Knaben und 5 Mädchen) Aschkenasim. Die sephardische Gemeinde ist hier in starkem Uebergewicht, (sie zählt 1300 Seelen), während die Aschkenasim nur 300 Seelen zählen. Die Mehrzahl der Einwohner unserer Stadt ist sehr arm; das Schulgeld muß daher sehr niedrig bemessen werden. Besonders bemerkenswert in Anbetracht der palästinensischen Verhältnisse ist der große Prozentzatz Knaben, die in den Kindergarten, statt wie bisher üblich, in den Cheder geschickt werden. Damit beginnt sich eine gesunde, moderne Entwickelung der Kinderfürsorge und Kindererziehung in Palästina siegreich Bahn zu brechen. Das Fundament für diese sehr erfreuliche Entwickelung bietet der Kindergarten, dessen Werk alsdann durch die Schulen und andere höhere Anstalten eine Fortsetzung erfährt. Der Kindergarten erfreut sich bereits großer Sympathien. Die jungen Zöglinge, welche ihres Gesundheitszustandes wegen nicht aufgenommen worden sind, wollen nicht mehr in den Cheder gehen. Diejenigen, welche den Kindergarten besuchen, wollen nicht mehr zu Hause bleiben; sie erwarten des Morgens den Schuldiener mit Ungeduld, um mit ihm in die Schule zu gehen. Wir hatten bis jetzt mehrere Besuche, darunter auch den des Herrn Dr. Gast er aus London. Die Zöglinge haben ihm ein hebräisches Lied vorgesungen; derselbe war glücklich darüber und drückte seine Zufriedenheit über die Reinlichkeit und die gute Ordnung aus, die er bei uns getroffen. Die günstigen Erfahrungen unseres Gartens haben den Hilfsverein animiert, auch an anderen Orten Palästinas Kindergärten zur Einführung zu bringen. Es dürfte demnächst bereits in Tiberias ein solcher zur Eröffnung gelangen. m ALLEN *:=;;iil:S Die Sonntagsruhe in Kanada. Als das Kanadische Parlament jüngst ein strenges Sonntagsruhegesetz beschloß, überließ es den Provinzen, je nach den Verhältnissen Ausnahmen zu gestatten. Die Vertretung der Provinz Quebec beschloß nun, daß diejenigen Personen, welche den siebenten Tag der Woche als Sabbath heiligen, nicht strafbar sind, wenn sie am ersten Tag der Woche (Sonntag) arbeiten, vorausgesetzt, daß die Arbeit nicht lärmend ist und die Sonntagsruhe nicht stört und daß die Läden nicht offen gehalten werden. Die Mehrheit der Volksvertretung in Quebec besteht aus frommen Katholiken. GSMSiNb5=UNt> V&ReiNSNM5RitraW Kurfrei platze und KurlbeUrägc für Arme! Wien. Der »Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger in Wien«, II., Josefinengasse Nr. 7, appelliert in Anbetracht der immer steigenden Anforderungen der armen Kranken an die Humanität der Glaubensgenossen und bittet, durch zahlreichen Beitritt und Spenden sein Wirken zu fördern. Der genannte Verein, dessen Aufgabe es ist, armen Kurbedürftigen Freiplätze in Kurorten zu verschaffen oder Kurbeiträge zu gewähren, war beim Beginne der diesjährigen Kurperiode — dank der munifizenten Unterstützung edel und human fühlender Menschen — in der Lage, an arme und würdige Kurbedürftige Kurbeiträge in der Höhe von mehreren tausend Kronen zu verteilen. Anderseits wurde es ihm auch ermöglicht, 15 arme Kurbedürftige im Karlsbader Hospiz und zwei im Gleichenberger Hospital unterzubringen. Leider reichten auch in diesem Jahre die Mittel des Vereines nicht aus, um allen an denselben gestellten Anforderungen zu entsprechen. Der Vereinsvorstand sieht sich daher genötigt, an alle Menschenfreunde die innigste Bitte zu richten, durch Spenden, Legate und Beitritt die humanitären Tendenzen des Vereines zu fördern. Eine jüdische Nervcn-Heilanstalt. Ems. Soeben versendet der hiesige »Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke« den vierten Jahresbericht. In unserem traurigen Zeitalter der zunehmenden Geisteskranken, zumal unter den Juden, ist eine Nervenheilanstalt, wie sie in Ems aus den Mitteln privater Wohltätigkeit errichtet wurde, sehr ersprießlich. Man mag über das Prinzip der Konfessionalität in Heilanstalten im übrigen wie immer denken, hinsichtlich der Behandlung von Nerven- und Gemütskranken ist es von vornherein klar und durch die Erfahrung hundertfach bestätigt, daß eine günstige Beeinflussung der krankhaften Zustände nur in einer Umgebung zu erreichen ist, die den Lebensanschauungen und Lebensgewohnheiten der Leidenden angemessen ist, die speziell den religiösen Bedürfnissen des Kranken mitempfindendes Interesse und liebevolles Verständnis entgegenbringt. Das aber können Juden nur in einer jüdischen Anstalt finden. Im letzten Jahre standen in Pflege 16 Männer und 12 Frauen. Die Einnahmen betrugen 15.000 Mk., die Auslagen 7600 Mk. Im Gründungskomitee befinden sich die vornehmsten Juden Deutschlands. Sclliffsiiaclirichteil. Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: „Amerika", 15. Juni 7 Uhr abends in New-York. „Blücher", von New-York kommend, 17. Juni 2 Uhr morgens auf der Elbe. „Bulgaria", von Genua nach New-York, 16. Juni 8 Uhr 30 Min. morgens Gibraltar passiert. „Moltke", von Genua nach New-York, 16. Juni 8 Uhr abends von Neapel. „Patricia", 15. Juni 10 Uhr morgens von New-York über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. „Pennsylvania", nach New-York, 17. Juni 1 Uhr morgens von Boulogne sur Mer. „Sicilia", von Philadelphia kommend, 16. Juni 7 Uhr 25. Min. morgens auf der Elbe. „Swakopmund", 15. Juni 7' Uhr morgens in Baltimore. Westindien, Mexiko, Südamerika: „Altenburg", 15. Juni in St. Thomas. „Antona", von Nordbrasilien kommend, 15. Juni 6 Uhr nachm. von Vigo. „Bolivia", 15. Juni in Ymuiden. „Fürst Bismarck", nach Havanna und Mexiko, 16. Juni 7 Uhr abends in Havre. „Granada", 16. Juni in Montevideo. „Hungaria", nach Westindien, 16. Juni 8 Uhr morgens von Ponta Delgada. „Istria", nach der Westküste Amerikas, 15. Juni in Genua. „Kirchberg", nach Westindien, 15. Juni 2 Uhr nachm. von Antwerpen. „Mazedonia", 16. Juni in Bahia.