Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 29 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 »Neue National-Zeitung« Nr. 29 dieser Brief gerichtet gewesen. Das ist ein absoluter Irrtum. Wir erlauben uns, ein Exemplar des Anschreiben, das wir versandt haben, beizulegen, und aus der Einleitung dieses Anschreibens geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß wir als den Adressaten des Briefes die Wiener Allianz bezeichnet haben und daß wir überdies hervorgehoben haben, wie es den Tatsachen entspricht, es sei die Wiener Allianz von sämtlichen großen jüdischen Organisationen als Zentrale für das rumänische Hilfswerk bestimmt worden. Aber auch aus dem Briefe, den das Jassyer Komitee nach Wien geschickt hat, geht selbst hervor, wohin er gerichtet war und daß die Wiener Herren nur beauftragt wurden, neben anderen Städten auch Berlin den Dank der rumänischen Glaubensgenossen auszusprechen. Wir dürfen wohl darauf rechnen, daß Sie die Güte haben, in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes den Sachverhalt klarzustellen. In vorzüglicher Hochachtung Hilfsverein der deutschen Juden P. Nathan m. p." Anm. d. Red,: Dieser Brief erklärt eigentlich sehr wenig. Es wäre besser gewesen, zuzugeben, daß irgend ein Beamter eine stilistische Ungeschicklichkeit begangen hat. Das vom Hilfsverein eingesandte Communique, welches oben berufen wird, beginnt mit den Worten: „Berlin, den 10. Juni 1907. Von* der Zentrale für die Hilfsaktion in Rumänien, der Wiener Israelitischen Allianz, wurde dem Hilfsverein der deutschen Juden das nachstehende Schreiben zugestellt: „Jassy, den 14/27. Mai 1907. Hochgeehrte Herren." Aus dieser Einleitung geht lediglich hervor, daß der folgende Brief von der Wiener Allianz dem Berliner Hilfsverein übermittelt wurde. Die Wiener Allianz hätte auch bloß Vermittlerin dieses Briefes sein können. Deutlich, klar und stilistisch richtig wäre das Communique nur dann, wenn es die Einleitung des Briefes aus Jassy wortgetreu angegeben hätte. Etwa so: „Die Zentrale für die Hilfsaktion in Rumänien, die Wiener Israelitische Allianz, hat dem Hilfsverein nachstehendes an sie gerichtetes Schreiben zugestellt. s Jassy, den 14/27. Mai 1907. An den löblichen Vorstand der „Israeli tischen Allianz" zu Wien. Hochgeehrte Herren!" Ein Irrtum ist also geschehen. Aber nicht in unserer Redaktion. Bas mährische Babhinertum. Brünn, den 23. Juni. (Orig.-Korr.) Das Land Mähren hat zur Geschichte rabbinischer Größen ein nicht unrühmliches Kapitel beigetragen. Holleschau, Boskowitz, Nikolsburg, Leipnik m a. sind Namen, deren Klang einst weit hinaus über die eigenen, engen Grenzen gedrungen, die als Stätten der Wirksamkeit talmudischer Geistesheroen allezeit in der jüdischen Literatur mit gewisser Ehrerbietung genannt werden. Heute ist in den meisten dieser Orte kaum ein schwacher Nachhall jener Glanzzeit anzutreffen, und nur verwitterte Grabsteine geben stumm Kunde von dem einstmaligen Vorhandensein rabbinischer Gelehrsamkeit. Aber wenn auch die Jeschiboth verschwunden, das Beth-hamidrasch leer geworden, die Vertreter jüdischen Wissens in Mähren, die Rabbiner, sie gereichen ihrem Amte darum doch nicht zur Unehre. Nach dieser Seite hin hat sich also die sonst in keinem anderen Kronlande Oesterreichs bestehende Einrichtung des Landesrabbinates bewährt. Eine andere Frage ist es, ob es auch seinen anderen moralischen Verpflichtungen, kraft seiner Machtvollkommenheit etwas zur Hebung und Förderung der Lage der mährischen Rabbiner beizutragen, nachgekommen ist. Und hier wird es keinesfalls auf irgend welche nennenswerte Resultate hinzuweisen in der Lage sein. Es soll nicht seinem Konto angeschrieben werden, daß mit Umgehung der einheimischen Kräfte der einzig besser dotierte Posten eines Predigers in Brünn mit einer kaum noch flügge gewordenen jungen Persönlichkeit von auswärts besetzt worden, — da mögen wohl andere Hände im Spiele gewesen sein, aber daß es jederzeit auch warm für die Interessen des Rabbin erstand es sicli eingesetzt, wird es wohl selbst nicht behaupten wollen. Wohl hat auch ohne sein Eintreten der mährische Landesmassafond durch sein Kuratorium eine Art Pensionskasse für Habbiner errichtet, aber erstens haben diese nur im Invaliditätsfalle auf dieselbe Anspruch, zweitens fehlt bis nun die Beitrittserklärung einer Reihe von Landgemeinden zu dieser Neueinführung, weil sie den Beitragsquotienten für zu hoch finden. Hier wäre nun der Punkt, wo auch ein Rab b i n erver band sein Wort mitsprechen könnte. Nun existiert zwar ein solcher seit einem Jalire dem Namen nach, d. h. er bildet eine Wiederaufstellung des vor ungefähr 15 Jahren ins Leben gerufenen, aber inzwischen sanft verschiedenen Verbandes. Allein fast scheint es, als ob ein ganz eigenartiges Verhängnis speziell über dem mährischen Rabbinerverband walten würde. Denn trotzdem die mit großem Eifer durchberatenen Statuten ausdrücklich zumindest eine Generalversammlung im Jalire vorschreiben, ist seit der konstituierenden Versammlung mit Ausnahme einer Zuschrift an alle Mitglieder kein Lebenszeichen von der Existenz eines Verbandes gegeben worden. Freilich haben schon sein Entstehen keineswegs verheißungsvolle Auspizien begleitet. Da war zunächst die reservierte oder direkt ablehnende Haltung einiger sich hyperorthodox geberdenden Rabbiner, die ein Zusammengehen mit aus einem Seminar hervorgegangenen Kollegen als Verleugnung ihrer religiösen Prinzipien betrachten. Was jedoch schwerer ins Gewicht fiel, war das Fehlen einer kraftvollen Initiative seitens des Landesrabbinates, ohne welche der Verband von vorneherein ein Torso bleiben und dessen Enunziationen den Behörden gegenüber von problematischem Werte sein mußten. Von dieser Erkenntnis geleitet, hat der Verband knapp nach seiner Konstituierung den Brünuer Landesrabbiner zum Ehrenpräsidenten ernannt; die erwartete tatkräftige Unterstützung und Förderung ist aber von dieser Seite noch ausgeblieben. Ein fernerer Uebelstand — veranlaßt durch das Hineinspielen persönlicher Momente — war, daß als Ort der Konstituierung nicht die Landeshauptstadt, sondern Prerau gewählt worden, was infolge der schlechten Bahnverbindung eine Anzahl Rabbiner vom Erscheinen fernhielt und sie so gleich zu Anfang ein geringes Interesse der Gründung des Verbandes entgegenbringen ließ. Die Verbandsleitung wird darum unbedingt, falls sie es ernst mit den ihr übertragenen Würden und Pflichten meint, als nächsten Zusammenkunftsort Brünn wählen müssen, ohne Rücksicht auf irgend welche kleinliche Quertreibereien. Wie immer, es wäre jammerschade, wenn der Verband, dem bei einigem guten Willen ein so großes Feld gedeihlicher Wirksamkeit offen stünde, durch die Indolenz oder Teilnahmslosigkeit gewisser Amtskollegen schon bei seinem ersten Hinaustreten zu einem Scheinleben verurteilt oder gar ganz der Auflösung verfallen würde. Aloravius. Die Kultuswahlen. Bielitz, den 20. Juni (Orig.-Korr.). Das jüdischdemokratische Wahlkomitee erläßt anläßlich der bevorstehenden Kultuswahlen einen schneidigen Wahlaufruf. Die jüdischen Postulate, die in demselben zur