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Neue Nationalzeitung · 1907-06-28 · Heft 29 (28.6.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 29 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. $ »Neue National-Zeitung« Seite 7 lORRSSPONDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Wie wird ein Jude Hof rat? Wien, den 26. Juni. (Original-Bericht.) Die Lösung dieser Frage ist gar nicht so einfach. Man muß da Vorerst unterscheiden zwischen dem wirklichen und dem Titular-Hofrat. Der Titel allein ist allerdings auch nicht so leicht zu erlangen. Es gehört dazu jedenfalls eine langjährige, belobte Dienstzeit, Fleiß, Wissen und sonstige Staatsbeamtenvorzüge, die in erster Linie von einem jüdischen Staatsbeamten verlangt werden. Diesen Umständen hat beispielsweise Dr. Benjamin Rappaport, Von der k. k. Finanzprokuratur in Wien, seine Ernennung zum Titularhofrat zu verdanken. Es gibt auch Fälle, wo ausnahmsweise ein Jude zum wirklichen Hofrat ernannt wird. Richtiger, es gab solche Fälle. Dieselben ereigneten sich aber nur in den Ministerien, wo eigentlich mehr Protektion, Name, familiäre Verbindungen entscheiden. Der einzige Hofrat in einem Ministerium, respektive Ministerialrat, war der Abg. Kur an da, mit dessen Pensionierung der letzte wirkliche jüdische Hofrat aus dem Staatsdienste geschieden ist. Auch eine andere Persönlichkeit ist dieser Tage in den Ruhestand getreten, die eine Erwähnung verdient: Oberlandesgerichtsrat Sare in Krakau, der anläßlich seiner Pensionierung mit dem Hofratstitel ausgezeichnet wurde. Herr Dr. Sare (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Oberbaurat Sare, Vizebürgermeister vor Krakau) ist eine markante Erscheinung unter den jüdischen Richtern in Oesterreich. Er war der erste jüdische Gerichtssekretär, der erste jüdische Landesgerichtsrat und der erste jüdische Oberlandesgerichtsrat. An der Schwelle eines jeden Avancements stand er vor der schweren Gewissensfrage, ob er sich den höheren Rang durch Preisgabe seines Glaubens erkaufen solle. Dr. Sare hat jeder Versuchung zu widerstehen gewußt. Der Justizminister mußte ihn trotzdem befördern, weil sein Fleiß musterhaft, sein Wissen hervorragend war. So brachte es Herr Dr. Sare auf der Stufenleiter der Beamtenhierarchie bis zum Oberlandesgerichtsrat. Hier blieb er stehen. Nach Auffassung des Justizministers führt der Weg zum Obersten Gerichtshof nur durch das Taufwasser. Dr. Sare ist auf seine alten Tage nicht „praktischer" geworden und so wurde er lediglich Titularhofrat in Pension. Da lobe ich mir schon Herrn Grafen Schönborn, Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes. Ein eitriger Katholik, aber ein gerechter Mann. Ihm war es vorbehalten, die Pforten der obersten Verwaltungsbehörde jüdischen Beamten zu eröffnen. Der erste jüdische Hof rat am Verwaltungsgerichtshof hätte beweisen sollen, daß Exzellenz Graf Schönborn die Staatsgesetze mehr zu respektieren weiß, als der Justizminister. Dieser Gedankengang überkam jeden, der vor einigen Tagen in den Zeitungen die Nachricht las, daß Regierungsrat und Sparkassensekretär Dr. Friedrich Tezner zum Rat beim Verwaltungsgerichtshof ernannt werden soll. Die Zugehörigkeit des Dr. Tezner zum Judentum steht ja außer Frage. Im letzten Verzeichnis der Wiener Kultuswähler, vom Jahre 1906, figuriert er unter den Wählern, denn er ist auch Steuerzahler. Und so freuten wir uns alle über die Berufung des Doktor Tezner, der gleichzeitig Hofrat am Verwaltungsgerichtshof und jüdischer Kultuswähler sein durfte. Allein dieser Glaube an die Gerechtigkeit des Grafen Schönborn und an die Charakterfestigkeit des Dr. Tezner ist bald verflogen. In den „Tautlisten" der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde vom Mai 1907 steht es schwarz auf weiß, daß Herr Dr. Tezner ans dem Judentume ausgetreten ist. Wir wissen nun, warum: um als Christ beim Verwaltungsgerichtshof Recht sprechen zu können. Die Lösung der Frage, wie ein Jude in Oesterreich Hofrat. werden kann, ist also im Grunde genommen doch nicht so schwer. Heute Kultnswähler, morgen Christ. Dann gelit's. Es wäre aber gewiß auch ohne die Taufe gegangen, denn Graf Sehönborn ist ein gerechter Mann und seine vornehme Gesinnung hätte es ihm nie gestattet, dem Dr. Tezner vorzuhalten, daß er nur dann ernannt werden könne, wenn . . . L. Ein Protest für Dr. Mahler. Wien: Gegenüber der Demonstration der Prager Uitiversitätshörer hat die zionistische Studentenschaft Oesterreichs für Dr. Mahl er mit nachstehendem Proteste Stellung genommen: „Die unterzeichnete zionistische Studentenschaft Oesterreichs erhebt energischen Protest gegen die kulturwidrige Hetze, die von Prager Universitätshörern gegen die Dozentur des Reichsratsabgeordneten Dr. Arthur Maliler inszeniert wird. Die Protestbewegung, die von jüdischer Seite ausging und in erster Linie gegen die jüdischnationale Gesinnung Dr. Mahlers, nicht gegen seine akademische Stellung gerichtet ist, widerspricht allen Grundsätzen von akademischer Freiheit, von Lehrfreiheit und Achtung vor ehrlicher fremder Gesinnung. Die Universität ist Kulturträgerin, nicht politische Arena. Wenn daher gegen Dr. Mahler aus rein politischen Gründen Stellung genommen und seine Entfernung aus dem Lehrkörper verlangt wird, so entspricht dies weder den Kulturaufgaben einer Universität, noch den Bedürfnissen freier Wissenschaft. Wir weisen darauf hin, daß Andersnationale an fast allen deutschen Universitäten lehren und gelehrt haben und weisen mit aller Entschiedenheit den absolut unwahren Vorwurf zurück, daß ein zionistischer Hochschullehrer die freie Wissenschaft und Forschung gefährde und daß im Zionismus klerikale Tendenzen vorwalten. Dies ist im allgemeinen eine Unwahrheit, die eine totale Unkenntnis der zionistischen Bewegung verrät, gegenüber Dr. Mahler eine bewußte tendenziöse Herabsetzung. Wer für freie Forschung und Wissenschaft ist, darf eine ehrliche, politische und nationale Gesinnung eines freiheitlich gesinnten Dozenten nicht zum Gegenstand einer unwürdigen Hetze machen. Wir erblicken und achten in Dr. Mahler den ehrlichen stolzen Juden, der ohne jede Feindschaft gegen ein anderes Volk nur als das gelten will, was er ist, und mutig die Interessen seiner Nation vertritt. „Bar-Giora", „Bar-Kochba", „Esperanza", „Jüdische Kultur", „Ivria", „Kadimah'', „Makkabaea", „Theodor Herzl", „Unitas", „Zephyra", (Wien) — „Barissia", „Bar- Kochba" (Prag) — „Lese und Redehalle jüdischer Hochschüler", „Veritas" (Brünn) — „Hasmonäa" (Krakau) — „Emunah", „Judäa" (Lemberg) — „Emunah". „Hasmonäa", „Hebronia", „Zephyra" (Czernovvitz)." Zur Jahresversammlung der „Israel. Allianz44. Wien. Wir erhalten nachstehenden Brief: „Herrn Dr. S. R. Landau, Herausgeber der „Neue Nationalzeitung" Wien. Hochgeehrter Herr Doktor! In der letzten Nummer Ihrer Zeitung, unter dem 21. Juni, machen Sie auf Seite 6 bei Besprechung der Jahresversammlung der Israelitischen Allianz eine kritische Bemerkung bezüglich eines Briefes aus tTassy, den der Hilfsverein publiziert hat. Sie behaupten, daß der Hilfsverein bei seiner Mitteilung an die Zeitungen nicht angegeben habe, an wen

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