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Neue Nationalzeitung · 1907-06-28 · Heft 29 (28.6.1907) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 29 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 »Neue Natfona1-Zelhing<' Nr. 29 Studenten der deutschen Universität in Prag nicht auf. Hoffentlich wird sich Dr. Mahler durch derartige kindische Demonstrationen nicht einschüchtern lassen. Die Prager Studenten haben von der gesamten Zionistischen Studentenschaft Oesterreichs auch die gebührende Abfertigung erhalten. Die Angelobung. Die jüdischen Sozialdemokraten finden auch schon ein Haar in der Suppe. Ihr Parteiblatt hat an dem Klub auszusetzen; daß seine Mitglieder die parlamentarische Angelobung in deutscher und polnischer Sprache, nicht aber im jüdischen Jargon geleistet haben. Es wird äus dieser Sache geradezu eine Staatsäffäre gemacht. Eine solche ist aber gewiß die vorliegende Frage nicht. Bs unterliegt keinem Zweifel, daß der Klub zur Frage des Jargons StelluDg nehmen muß und wird. Der Jargon wird gelesen und geschrieben von hunderttausenden unserer Volksgenossen beiderlei Geschlechter in Galizien, Bukowina und auch — Herr Dr. Ofner, erschrecken Sie nicht! — in Wien. Diese Personen sind zumeist darauf angewiesen, da sie einer anderen Sprache nicht mächtig sind, im Jargon ihre private Korrespondenz, ihre Geschäftsbücher und allerlei juristisch wichtige Erklärungen abzufassen. Und doch gilt auf Grund alter vorkonstitutioneller Hofdekrete alles, was im Jargon geschrieben ist, für null und nichtig. Dieser Zustand maß und wird gewiß innerhalb kürzester Zeit im legislatorischen Wege beseitigt werden. Auch die Frage der Angelobung im Yiddisch, das gewiß eine Landessprache ist, muß als diskutabel bezeichnet werden. Es scheint uns jedenfalls nicht am Platze, wenn innerhalb einer nationalen Partei einzelne Mitglieder sich bei der Angelobung verschiedener Sprachen bedienen. Hier hätte sich gewiß eine Rechtsverwahrung oder sonstige Erklärung empfohlen. Der Kammerpräsident — ein Antisemit, Der Präsident des Abgeordnetenhauses wird der Parlamentsmajorität entnommen. Er repräsentiert den Geist und die Richtung, welche bei der gesetzgeberischen Tätigkeit des Abgeordnetenhauses walten soll. Er hat das entscheidende Wort bei der Bestimmung der Tagesordnung. Er hat darüber zu wachen, daß im Parlamente ein vornehmer Ton und nicht eine Kneipensprache herrsche. Und dieses Amt, welches so große Ansprüche an Geist, Bildung, Erziehung und Geschmack stellt, hat das österreichische Parlament niemand anderem als einem christlichsozialen Antisemiten anzuvertrauen gewußt: einem Manne, der dadurch berühmt geworden ist, daß er vor 10 Jahren, als er sich zum erstenmal um ein Reichsratsmandat beworben hat, erklärte: „Mein Programm besteht aus drei Worten: Dr. Karl Lueger." Dr. Richard Weiskirchner war damals nur ein kleiner Magistratsbeamter, aber da sein Vater einst der Volksschullehrer Luegers gewesen ist, so machte er rasche Karriere. Der junge Magistratssekretär wurde über den Kopf von alten Magistratsräten hinweg zum Magistratsvizedirektor und bald darauf zum Magistratsdirecktor ernannt. Und da Lueger selbst, krank und gebrechlich, die Präsidentenwürde des Abgeordnetenhauses nicht annehmen kann, so hat er hiezu jenen Mann prädestiniert, der auch einmal als Bürgermeister sein Nachfolger werden soll, jetzt aber sein ganz ergebenes Werkzeug (man könnte auch sagen: Schames) ist. Daß Weiskirchner überhaupt zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt werden konnte, ist ein trauriges Verdienst des Polenklubs, das ihm nicht vergessen werden soll. Der Polenklub hatte die Wahl zwischen einem Jungezechen und einem Antisemiten und er entschloß sieh für letzteren. Die Starzynskis, Dzieduszyckis, Bobrzynskis, Jablonskis, Bilinskis, Petelenz, Sikorskis, Moysas und alle anderen, die nur mit Hilfe der Wanderrabbis, Kultus Vorsteher, jüdischer Bürgermeister und all dieses corrumpierten Kahaljudentums gewählt wurden, haben sich ihren jüdischen Wählern wirklich sehr dankbar erwiesen. Ihre erste Tat war die Wahl eines Parteigenossen der rohesten Hetzer, wie Mechaniker Schneider, Gregörig, Bielöhlawek, zum Präsidenten. Wir wollen das festhalten. Und wenn einmal die regierungsfähig gewordene antisemitische Majorität im Parlament unter der Duldung ihres Parteifreundes auf dem Präsidenten stuhl nach bekanntem Muster Judenhetzen und Talmüddebatten aufführen, wenn die antisemitische Partei durch ihren Präsidenten allerlei für die Juden schädliche Gesetzes vorlagenöder Anträge in den Vordergrund stellen sollte, dann mögen die galizischen Juden nicht vergessen; mit wessen Stimmen dieser Präsident gewählt wurde. Präsident Smolka sagte einst, als die Antisemiten eine Debatte über den Wahlprotest Bloch haben wollten: „Zuerst das Geschäft, dann das Vergnügen." Herr Dr. Weiskirchner wird wohl nicht umhin können, seinen Parteifreunden zuliebe hie und da antisemitische Gratisvorstellungen im Parlamente zu veranstalten. Lueger im Gemeinderat und Fürst Lichtenstein im niederösterreichischen Landtag haben bewiesen, daß ein antisemitischer Vorsitzender den Begriff der Unparteilichkeit, wenn es sich um einen politischen Gegner handelt, nicht kennt. Der Weg Weiskirchners ist damit klar vorgeschrieben; er wird sich seines Meisters würdig zeigen. Die „Hausjuden" und die Präsidentenwahl. Der Polenklub hat für den Antisemiten nicht vollzählig gestimmt. Es fehlten seine vier Hausjuden. Sie haben sich absentiert. Welche Courage! Der Polenklub hat mit seinem Votum erreicht, daß die Antisemiten die galizischen Wahlschwindeleien, die sich auch schon in Wien eingebürgert haben, mit dem schäbigen Mantel ihrer christlichsozialen Nächstenliebe zudecken werden. Findet dieser Pakt auch Anwendung aut die Schwindel wählen Kolischers und Loewensteins? Moszko selbst wählt keinen Weißkirchner; er drückt bloß die schmutzigen Hände der Schlachzizen, die aus Gründen der Selbsterhaltung den Pakt mit den Antisemiten geschlossen haben. Davon kriegt ja Moszko auch einen Knochen . . . Professor Starzynski — Vizepräsident. Allein, Kinder Israels, verzaget ob der antisemitischen Präsidentenschaft nicht. Denn über den hohen Fauteuils des Präsidiums wird ein weiser Geist schweben, der sonst Licht und Freiheit nicht verträgt, aber doch seinen Getreuen, seinen Auserwählten beschützen muß: der „jüdische" Geist des Wunderrabbi von Beiz. Sein Günstling und Schützling, der durch Schwindel, Gewalt und Betrug ins Parlament gelangte, ist mit Hilfe der Antisemiten auf den Vizepräsidentenstuhl gestiegen. Bei diesem Wahlakt, ' der unter Entrüstungsrufen der Jüdischnationalen, Ruthenen und Sozialdemokraten vor sich ging, sah ich im Geiste ein reizendes Bildchen. Lueger und Starzynski umarmen sich und vor ihnen steht der Wunderrabbi von Beiz, Segen spendend und Glück verheißend. Im Zeichen dieses Bundes tritt das Volksparlament in Aktion . . . Der deutsch-antisemitische Journalistenvcrband. Anläßlich der Parlamentseröffnung haben sich die deutschen Berichterstatter und Korrespondenten zu einem deutsch-antisemitischen Journalistenverband konstituiert. Die Kollegen „mosaischer Konfession" wurden hiezu nicht eingeladen: Schule Dr. Gustav Groß. Und als sie reklamierten, wurden sie an den —jüdischen Klub gewiesen. So wirkt auch schon der jüdische Klub als Erzieher.

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