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Neue Nationalzeitung · 1907-06-21 · Heft 28 (21.6.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 28 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Neue Natlonal-Zeltung« Nr. 28 Eine große jüdische Universität soll in New-York ins Leben gerufen werden, mit einem jüdischen theologischen Seminar an der Spitze. Eine vorläufige Stiftung von 40,000.000 Mark soll bereits gemacht worden sein. Man spricht davon, die deutsche Lehrweise einzuführen. Die New-Yorker Presse verhält sich jedoch im großen Ganzen ablehnend. Natürlich ist die Nachricht betreffs der bereits gesammelten 40 Millionen mit großer Reserve aufzunehmen. Der Dank Pobjedonoszews. Als Pobjedonoszew eines Tages in Sewastopol einen Dampfer bestieg, geschah es, daß er einen Fehltritt tat und an einer tiefen Stelle in die See stürzte. Glücklicherweise sprang sofort ein Zuschauer, der bekannte Hypnotiseur Ossig Feld mann hinzu und zog den hohen Würdenträger aus dem Wasser, worauf sich zwischen diesem und seinem Retter das folgende Gespräch entspann: »Sie waren es, der mich aus dem Wasser zog?« — »Ja!« — »Ich danke Ihnen!« — »O, bitte, ich tat nur meine Schuldigkeit!« — »Sie heißen?« — »Ossig Feldmann!« — »Ihr Glaubensbekenntnis?« — »Ich bin Jude«. — »Lassen Sie sich taufen!« — Dieser fromme Rat war das einzige Zeichen der Erkenntlichkeit, dessen der Oberprokurator seinen Retter würdigte. Die Passionen der Rothschilds. Walter Rothschild, Sohn des Lord Roth schil d in London, hat ein Werk über alle Gattungen von Vögeln, die im Laufe der letzten 700 Jahre ausgestorben sind, beendet. Dasselbe wird besonders sorgfältig gedruckt und betragen die Druckkosten 400.000 Mark. Eine Kleinigkeit! — Eine ähnliche Vorliebe für die Naturwissenschaften hat auch ein Pariser Rothschild. Aber er interessiert sich nicht für Vögel,sondern für —Flöhe. Für einen Floh soll er zirka 500.000 Francs bezahlt haben. Allerdings war es kein gewöhnlicher Floh, sondern eine besondere Rarität: der Floh von einem arktischen Fuchsen. Die Rothschildsche Sammlung ist trotzdem noch immer nicht komplett und die Inhaber von seltenen Flöhen können noch recht viel Geld verdienen. Vielleicht findet sich noch bei Ausgrabungen das Gerippe eines vorsintflutlichen Flohs . . . Der Papst und die Juden. Nach Berichten aus Rom ist der päpstliche Hofstaat darüber unzufrieden, daß der Papst auch Juden empfängt. Als Papst ist Pius derselbe P h i l o s e m i t geblieben, der er als Bischof von Mantua war. Als solcher wurde er einst von Leo XIII. über das Betragen seiner Diözesanen befragt und antwortete: »Heiligkeit, die besten Christen in Mantua sind die Juden.« Kein Wunder, daß die schönste Glückwunschrede nach seiner Wahl ein jüdischer Bürgermeister in Venedig hielt. Als der jüdische Universitätsprofessor Polacco um eine Audienz beim Papst nachsuchte, machte Monsignore Bisleti allerlei Einwürfe: »Was macht's, ob er Israelit ist!« versetzte Pius. »Monsignore Callegari von Padua hat mir so viel Gutes von ihm erzählt, daß ich ihn sehen will.« Das Raschi-Jubiläum. Aus Anlaß des 800. Todestages des berühmten Bibel- und Talmud-Kommentators R a s c h i hat die Stadt Worms eine Preiskonkurrenz auf eine populäre Würdigung des großen Gelehrten ausgeschrieben. Die Preisrichter schlugen die Arbeiten der Rabbiner Dr. Beermann und Dr. Doctor als gleichwertig zur Prämiierung vor, und die Gemeinde Worms hat beide Arbeiten, die den Verfassern alle Ehre machen, in einer Festschrift: »Raschis Leben und Wirken« vereinigt herausgegeben. Das würdig ausgestattete Buch wurde seitens der genannten Gemeinde sämtlichen Gemeindemitgliedern, sowie denen der Landgemeinden des Kreises Worms gratis überlassen. Aber Mainz hätte nicht minder, ja vielleicht noch in höherem Grad das Recht, den großen jüdischen Volkslehrer zu feiern. Denn wahrscheinlich lehrte Raschi hier längere Zeit als in Worms. Das ist schon deshalb anzunehmen, weil von den drei mittelalterlichen jüdischen Hochschulen Speyer, Worms, Mainz die letztere anerkanntermaßen die bedeutendste gewesen. Auch die Mutter Raschis war eine Mainzerin, eine Schwester des Simon ben Isak in Mainz. Raschi selbst war in Troyes in der Champagne geboren. Es zog ihn aber in die Ferne nach Deutschlands Gauen, wo bedeutende Gelehrte zahlreiche Jünger um sich gesammelt hatten. Ein inniges Verhältnis verband bald den aufstrebenden Gelehrten Raschi mit seinem Onkel und Meister Isak. Dieser erkannte die hervorragende Begabung seines Jüngers und redete ihn in einem Brief also an: »Du im Himmel Geliebter und auf Erden Wohlgelittener, der du beherrschest die Königsschätze des Wissens und eindringest in die tiefsten Geheimnisse, du bist der Stolz deines Lehrers und die Freude des Geschlechts. Glücklich ist Israel, das dich besitzt, du würdiger Enkel und Geisteserbe des Patriarchen Abraham.« Von Mainz ging Raschi nach Worms. Dort erinnert die Raschikapelle und der Raschistuhl an seinen Aufenthalt. Diese Erinnerungszeichen werden in jüngster Zeit lebhaft bestritten. Aber die Stadt fügte ihnen weitere Zeichen ihrer Verehrung des großen Mannes zu, indem sie eine Straße Raschistraße benannte und demnächst ein Raschitor erstehen läßt." GSM2iNUEunö VSREkNSNÄlRRiCWW Radautz. Bei der am 2. Juni l. J. stattgehabten Generalversammlung des Vereines »Dorsche Z i o n«, wurden die Herren Dr. Bierer, Isak Brucker, Dr. Engel, J. Fränkel, S. Geber, S. Hirsch, M. Jahr, Berl Lehrer, Oskar Lieben, Friedrich Rachmuth, Moses Rath und Baruch Schärf in den Ausschuß für die Dauer des 20. Semesters gewählt. Bei der am 5. abgehaltenen konstituierenden Ausschußsitzung wurde Herr Dr. B i e r e r zum Obmann, F. Rachmuth zum Obm.-Stellv., Berl Lehrer zum Kassier, Oskar Lieben zum 1. und M. Jahr zum 2. Schriftführer, S. Hirsch zum Haus- und Zeitungsverwalter und M. Rath zum Bibliothekar gewählt. Zeitschriften-Rundschau. In Kairo soll vom Oktober an eine neue jüdische Zeitschrift in französischer Sprache „L'Israelite d'Orient" von Abr. Galante erscheinen, der im jüdisch-spanischen Dialekt bereits die Zeitschrift „La Vara" herausgibt. Die »Jüdisch-Territorialistische Arbeiterpartei« Rußlands gibt seit 1. Juni ein Jargon-Blatt, betitelt »Das Wort«, Organ für die Interessen des jüdischen Proletariates in Wilna heraus. Biieliereinlanf. Dr. theol. Karl Mommert. Topographie des alten Jerusalem. Vierter Teil, Leipzig 1907. Verlag und Druck von E. Haberland. Paul Menzel. Meine Reise nach Jerusalem im Jahre 1906. Breslau 1907. Druck und Verlag von Grass, Barth und Comp._________ Briefkasten der Redaktion. J. G. Brody. Das von Ihnen genannte Drama ist bisher im Buchhandel noch nicht erschienen. Jüdisches Wahlkomitee in Zablotow. Wir nehmen gern zur Kenntnis, daß die Stimmenanzahl, die auf Herrn Sigmund W e i ß g 1 as in Ihrem Wahlbezirke entfallen ist, 2.726 betragen hat. Dr. B. in K. Danke für Ihre Anregung. Wir wissen, daß wir damit einem Wunsche vieler Abonnenten entgegenkommen und haben daher bereits beschlossen, in einer der nächsten Nummern eine solche Rubrik zu eröffnen. Bitte gefl. zu beachten! Wir ersuchen diejenigen P. T. Abonnenten unseres Blattes, welche mit der Bezahlung ihres Abonnements noch im Rückstände sind, um gefl. Begleichung desselben mittels des in ihrem Besitze befindlichen Erlagscheines, nachdem das zweite Quartal bereits zu Ende geht. Ebenso ersuchen wir die P. T. Empfänger unserer Propaganda-Nummern um gefl. Zusendung der Abonnementsgebühr, respektive um Bekanntgabe, ob sie auf die weitere Zusendung reflektieren. Schließlich bitten wir die Freunde und Leser unseres Blattes, uns jene Personen aus ihrem Bekanntenkreise namhaft zu machen, welche auf die probeweise Zusendung unseres Blattes reflektieren. Die Administration.

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