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Neue Nationalzeitung · 1907-06-21 · Heft 28 (21.6.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 28 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 »Neue National-Zeltung« Nr. 28 Jahre 1890 209-86 und im Jahre 1900 224-51 Juden. Noch deutlicher wird diese Klarstellung, wer den deutschen Charakter der Stadt Czernowitz erhält, wenn festgehalten wird, daß die Zahl der Juden in Czernowitz in dem mehrerwähnten Zeitraum um 4228, was 24-30 Prozent ausmacht, gewachsen ist! Das mögen sich die Herren aus dem Westen sehr wohl merken, welche hier landfremde Anschaunngen von drüben, unbedingt hierher verpflanzen wollen — auf Kosten des Deutschtums. Mit den Juden steht und fälltder deutsche Charakter der Stadt Czernowitz! Beachtung verdient der weitere Umstand, daß der Gebrauch des Rumänischen und Polnischen im Prozentsatze zu dem Anwachsen des Deutschen und auch Ruthenischen zurückgegangen ist. Deutsches lleicli. Zweite Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden. Berlin. Der Verband der Deutschen Juden hat nunmehr den Termin seiner zweiten Hauptversammlung auf Sonntag, den 13. Oktober 1907, festgesetzt.Dieselbe findet in Frankfurt a.M. im »Saalbau« statt und wird von den Abgesandten aller dem Verbände angeschlossenen Gemeinden und der großen Verbände, sowie von einer Reihe auf Vorschlag der bestehenden Organisationen durch den Ausschuß des Verbandes berufener Einzelpersonen gebildet. Folgende Vorträge sind angekündigt: 1. Herr Geheimrat Prof. Dr. H. C o h e n-Marburg über religiöse Postulate. 2. Herr Prof. Dr. Martin P h i 1 i p p s o n-Berlin über die Organisation der jüdischen Gemeinden. 3. Herr Dr. Paul Nathan- Berlin über Staatsinteresse und Judenpolitik. 4. Herr Rechtsanwalt Dr. Loeb-Mainz über die politische Stellung der Juden in den süddeutschen Staaten. Die erste Hauptversammlung fand bekanntlich unter lebhafter Teilnahme am 30. Oktober 1905 in Berlin statt. Der Verband besitzt im ganzen Reiche ständige Korrespondenten, welche bei Gelegenheit der Hauptversammlung zu einer ersten Konferenz zusammentreten werden. Köln. Die Tagesordnung des vom 14 bis zum 20.August im Haag stattfindenden VIII. zionistischen Kongresses wurde folgendermaßen festgesetzt: 1. Tag: Eröffnungsrede des Präsidenten. Bericht des A. C. Generaldebatte. Wahl der Ausschüsse. 2. Tag: Vorträge über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern. Sitzungen der Ausschüsse. 3. Tag: Referat über Palästina. Berichte der verschiedenen Ausschüsse. Spezialdebatten. 4. —7. Tag: Debatten. Generalversammlung der Bank und Sitzungen der anderen Institutionen etc. (Und wo bleibt die Diskussion über das Programm? Anm. d. Red.) England. Hans Herzl. London, den 10. Juni. (Orig.-Korr.) Wie ich erfahre, ist vor kurzer Zeit an dem 13jährigen Sohne des verstorbenen Dr. Theodor Herzl, Hans Herzl, der in einem hiesigen Institut erzogen wird, anläßlich seiner Bar-Mizrah, die durch die jüdische Religion vorgeschriebene Beschneidung vorgenommen worden. Die „Ito" am Haager Kongreß. London, den 16. Juni. (Orig.-Korr) Angesichts des bevorstehenden zionistischen Kongresses beschäftigen sich die hiesigen jüdischen Blätter sehr eifrig mit der Stellung des Teiritorialismus zum Zionismus. Und sie kommen zur Ueberzeugung, daß es das Vernünftigste wäre, wenn auch die Territoriallsten nach dem Haag gingen, resp. wenn die Zionisten eingedenk des Umstandes, daß eine Heimstätte in Palästina bis auf weiteres unerreichbar ist, die Territorialisten in ihren Bestrebungen unterstützen würden. Ueber dieses Thema wird dem jüdischen „Journal" aus Paris folgendes von Ch. Kahn geschrieben: „Ich hatte über die Vereinigung der Zionisten mit den Territorialisten eine längere Unterredung mit Doktor Alexander Marmore k. Derselbe begrüßte mein Projekt mit großer Genugtuung und erklärte sich bereit, für dasselbe auf dem Kongreß einzutreten, wo sich gewiß eine Majorität dafür finden wird. Am 3. Juni sprach ich hierüber mit meinem verehrten Freund Dr. Max N o r d a u, welcher sich, wie folgt, äußerte: „Es hätte keinen Zweck, wenn ich mich neuerlich über den Teiritorialismus äußern würde. Ich habe das schon genug oft getan. Ich kann Sie jedoch versichern, daß auch ich auf dem Kongreß dieses Projekt unterstützen werde. Selbstverständlich nur dann, wenn territorial istische Delegierte am Kongresse teilnehmen werden." In derselben Frage habe ich am 6. d. M. von Israel Z a n g w i 11 einen Brief erhalten. Auch er findet die Idee vorzüglich. Doch er meint: „Die „Ito" ist bereit, in Palästina tätig zu sein, sobald die Zionisten nachweisen, daß es ihnen gelungen ist, in Palästina die Autonomie zu erhalten." Im allgemeinen verlangt die öffentliche Meinung der jüdischen Massen vom nächsten Kongresse praktische Resultate statt der bisherigen nebelhaften Diskussionen." Ilussland. Die Auflösung der Duma. Petersburg, den 16 Juni (Orig.-Korr.) Die abermalige Auflösung der Duma bedeutet einen Sieg der Reaktionäre und eine offizielle Anerkennung der schwarzen Banden. In jüdischen Kreisen ist man ganz ratlos und schaut mit bangen Sorgen der Zukunft entgegen. Man fragt sich allgemein, ob es nicht besser wäre, sich an den Dumawahlen überhaupt nicht mehr zu beteiligen und der Regierung, die nur einen Vorwand sucht, um neue Pogroms den „echt russischen Leuten" zuliebe einzuleiten, den Schauplatz zu räumen. Dagegen wird von anderer Seite bemerkt, daß die Juden vor den demokratischen Parteien einen Kampf für ihre Gleichberechtigung nicht verlangen könnten, wenn sie sich selbst vom Kampfe zurückziehen. Durch das neue Wahlgesetz, welches die Zahl der Abgeordneten in den Grenzländern, speziell in Polen, herabsetzt, haben die. Juden nicht viel verloren. Auf 4—5 Mandate könnten sie es als steuerkräftige Bürger bei strammer Agitation wieder bringen; es verlieren lediglich die Polen 21 Mandate. Da sie ohnehin von ihren 32 Mandaten kein einziges für die Million Juden hergeben wollten, so werden in der dritten Duma die Juden Polens ebenso wenig Repräsentanten haben wie in der zweiten. Allgemein aber wird die derzeit herrschende Ruhe verglichen mit der Ruhe vor dem Gewitter. Die Regierung verhaftet jeden, der sich nur im mindesten verdächtig gemacht hat; von den jüdischen Abgeordneten wurde der Sozialdemokrat Dr. Mandelberg verhaftet. Die Revolutionäre rüsten. Aus der „Ito"-Bewegung. Bialystok. Am 30. Mai fand die konstituierende Versammlung der hiesigen Territorialisten statt, die sehr zahlreich besucht und äußerst interessant gewesen ist. Herr Löwen herz hielt eine Rede, in der er ausführlich die jüdische Emigration besprach, um dann den Zweck des „Ito"-Emigrations-Departements, sowie die Ziele der territorialistischen Bewegung im allgemeinen zu erläutern. Die Versammlung sandte an Zangwill folgendes Telegramm: Die konstituierende Versammlung der Bialystoker Territorialisten spricht ihrem Führer ihr Vertrauen aus und wünscht seinen Unternehmungen besten Erfolg.

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