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Neue Nationalzeitung · 1907-06-21 · Heft 28 (21.6.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 28 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 »Neue Natlonal-Zeltung« Seite 7 Klub beschloß, eine Reihe von Interpellationen einzubringen, darunter eine betreffend die Aufhebung der kaiserlichen Verordnung vom Jahre 1854, sowie wegen der Judenverfolgungen in Rumänien. Der jüdische Klub verlautbart folgende E rklärung: „Der jüdische Klub wird stets für die Rechte, Interessen und für die Wohlfahrt des jüdischen Volkes eintreten, wird die Anerkennung der jüdischen Nationalität und die faktische Durchführung der Gleichberechtigung der Juden energisch verlangen und unablässig zu verwirklichen trachten, sowie alle von welcher Seite immer kommenden Angriffe auf das Judentum entschieden abwehren. Im Sinne des jüdischnationalen Programms wird der jüdische Klub nur eine freiheitliche, wahrhaft volkstümliche Politik vertreten, geleitet von den Grundsätzen politischen und wirtschaftlicheu Fortschrittes, sozialer Gerechtigkeit, individueller und nationaler Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Der jüdische Klub wird für die Lösung der nationalen Frage auf dem Wege der nationalen Autonomie, für den Ausbau der Verfassung auf weitester demokratischer Grundlage unter Schutz der Minorität, für die Demokratisierung der Verwaltung, für die kräftigste Förderung der industriellen und kommerziellen Entwicklung Oesterreichs unter scharfer Bekämpfung der reaktionären Gewerbepolitik, für den Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung, namentlich für weitestgehenden Arbeiterschutz, Koalitions-, Preß- und Vereinsfreiheit wirken." Es steht zu erwarten, daß dieser Erklärung auch bald Taten folgen werden. Die Stimmen des Klubs sind viel umworben für die Präsidentschafts-Kandidaten, da hier die Entscheidung nur von wenigen Stimmen abhängen wird. Der Klub wird, da die deutschen Parteien einen antisemitischen Bewerber (Weißkirchner) aufstellen, für dessen czechischen Gegner stimmen. Der Pairsschub. Wien, den 16. Juni. (Orig.-Korr.) Mit dem jüngsten Pairsschub gelangte unter den ernannten 14 erblichen und 30 lebenslänglichen Herrenhausmitgliedern auch ein Jude und zwar Hof rat und Professor an der Wiener UniversitätDr. Josef S c h ey Freiherr v o n Koromla ins Herrenhaus. Professor von S c h e y ist einer der hervorragendsten Zivilrechstlehrer und ist auch Mitglied der Kommission zur Reform des bürgerlichen Gesetzbuches. Er wurde im Jahre 1853 geboren und promovierte 1875 an der Wiener Universität zum Doktor der Rechte. Nachdem er dem juridischen Studium noch weiter an den Universitäten Berlin und Bonn oblegen, habilitierte er sich im Jahre 1877 an der Wiener Universität als Privatdozent für römisches Recht. 1882 durch die Verleihung des Titels eines außerordentlichen Universitätsprofessors ausgezeichnet, wurde er 1884 zum außerordentlichen Professor des österreichischen und römischen Privatrechtes an der Universität in Wien und 1885 zum ordentlichen Professor des römischen Rechtes an der Universität in Graz ernannt. 1893 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor des österreichischen Zivilrechtes an der Grazer Universität und 1897 seine Berufung als ordentlicher Professor an die Universität in Wien, woselbst er seitdem als Lehrer dieses Faches tätig ist. Im Jahre 1903 wurde ihm der Titel und Charakter eines Hofrates verliehen. Mit Hofrat Dr. von Schey gelangt nunmehr der sec liste Jude ins Herrenhaus. Natürlich gehören sowohl Professor von Schey als auch seine Kollegen, Hofrat G r ü n h u t, Hofrat Theodor G o m p e r z, Kammerpräsident Julius Ritter von G o m p e r z (Brünn), Kammerpräsident Neumann (Reichenberg) und Freiherr von Oppenheimer zur „deutschfortschrittlichen" Richtung. Daß sich diese Herren, von denen mehrere ihre Kinder bereits taufen liessen, in jüdischen Fragen „exponieren" würden, ist nicht zu erwarten. Es ist jedenfalls charakteristisch, daß die Regierung eine jüdische Persönlichkeit, die im jüdischen Gemeindeleben oder sonst im öffentlichen Leben hervorragend tätig ist, seit Baron K ö n i g sw a r t e r nicht ernannt hat. Und von den drei Universitätsprofessoren, die dem Herrenhause nunmehr angehören, sind zwei Juristen und der dritte ein klassischer Philologe. Ein Vertreter jüdischer Wissenschaft hat im Herrenhause weder Sitz noch Stimme. Zieht man noch in Betracht, daß im Herrenhause die verschiedensten christlichen Konfessionen durch ihre Erzbischöfe, Bischöfe, Prälaten, Konsistorialpräsidenten usw. vertreten sind, so ist es umso bemerkenswerter, daß es eine österreichische Regierung noch nie für nötig erachtet hat, einen Vertreter des österreichischen Rabbinates in das Oberhaus zu berufen. Es ist jedenfalls ein Beweis der inferioren Stellung, welche die Regierung den Kultusgemeinden und ihren Rabbinern einräumt. Wenn sie auch ganz brav sind, hübsch ruhig sitzen und sich als Juden sehr wenig zu erkennen geben. . . . Daß der Führer der galizischen Kahalkorruption trotz des Vorschlages des Statthalters nicht ernannt wurde, ist einzig und allein das Verdienst unseres Blattes. Wir haben die Regierung rechtzeitig auf die moralischen Gefahren dieser Ernennung aufmerksam gemacht und so einen Akt verhindert, welcher geradezu eine Verhöhnung der jüdischen öffentlichen Meinung gebildet hätte. Herr von H o r o w i t z hat nun hoffentlich ein für allemal die Lust verloren, politische Karriere zu machen. Die Kultuswahlen in Lemberg. Leinberg, den 18. Juni (Orig.-Korr.) Die Wahl in der III. Kurie hat mit dem Siege der Kahalmänner geendet. Natürlich durch das System der galizischen Wahlen. Die Praktiken waren echt Horowitzisch. Vorerst erhielt niemand von der oppositionellen Partei Einsicht in die Wählerliste. Beim Skrutinium durften nur „gute Freunde" anwesend sein. Und die Wähler selbst? Wie viele Söhne könnten hier ihre verstorbenen Väter begrüßen? Von lebenden Wählern waren viele so eifrig, daß sie auch zehnmal wählten. Die Wahlkommission hat dies natürlich nicht bemerkt. So sind denn die Männer der Kahalklique durch diese Komödie gewählt worden. Die bevorstehenden Wahlen in der II. und I. Kurie werden, fürchte ich, nicht besser ausfallen. K—n. Das „Deutschtum" in Czernowitz. Czernowitz. Man hört immer von dem „deutschen Charakter" unserer Landeshauptstadt sprechen. Wie schaut es damit in Wirklichkeit aus? Die offiziellen Volkszählungsdaten, und nur solche können als Grundlage dienen, geben folgendes Bild der Schichtung der Bevölkerung nach dem Gebrauche der Umgangssprache in Czernowitz. Von tausend zuständigen anwesenden Personen bedienten sich in Czernowitz als Umgangssprache: 1890 1900 Zu- oder Abnahme der deutschen 51298 523*68 + 10-70 Prozent „ ruthenischen 195-89 198*12 + 2-23 „ rumänischen 145*83 142*93 - 2-90 „ „ polnischen 143*56 130 78 — 12*78 „ böhm.-slow. 3-19 3*80 -f 0*61 „ „ ungarischen 0*51 0*56 + 0*05 „ Der Gebrauch des Deutschen als Umgangssprache ist, wie man sieht, am stärksten in unserer Stadt gewachsen. Aber zuförderst durch die J u d e n. Denn von tausend ortsanwesenden Personen waren im

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