Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 27 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m. h*„«.n u.Kwrttxfi^ä öSEfcÄK^SäS&äläBfl Seite 10 »Nene Natlonal-Zeltung« Nr. 27 Die Hilfsaktion für Rumänien. Jassy. Die „Zentrale für die Hilfsaktion in Rumänien" hat dem ..Hilfsverein der Deutschen Juden" das nachstehende Schreiben übermitellt: Jassy, den 14/27. Mai 1907. Hochgeehrte Herren! Die hier zu einer Beratung versammelten Delegierten der Hilfskomitees in Rumänien bringen Ihnen hiemit ihren tiefgefühltesten Dank für alle Beweise brüderlicher Teilnahme zum Ausdruck, die sie nach der Heimsuchung der hierländischen Glaubensgenossen durch die jüngsten Ereignisse gegeben haben, und bitten Sie höflichst, auch den an dem Hilfswerk beteiligten Organisationen in Berlin, Frankfurt a. M., Paris und London, sowie den Glaubensbrüdern in Amerika, die unverzüglich so bedeutende Geldsummen zu Hilfszwecken sandten, gütigst ihren lebhaftesten Dank zu übermitteln. Die genannten Delegierten appellieren ferner an Sie, den unglücklichen Glaubensgenossen, die nicht in die Dörfer zurückkehren dürfen oder aus ihnen ausgewiesen wurden und die nun in den verschiedenen Städten obdachs- und erwerbslos umherirren, Ihr Augenmerk zuzuwenden und für sie alles zu tun, was möglich ist. Hochachtungsvoll und ergebenst Dr. M. Beck m. p. M. Seh nur er m. p. Belgien. Die „Ito-'-Bewegung. Brüssel, Ende Mai. (Orig. Korr.) Sonntag, den 26. Mai fand eine Masseuversamm 1 ung der hiesigen Territorialisten statt, der die Herren Rosenthal und Baron präsidierten und der auch Vertreter der A n t werpn e r 0 rgan i s ati o n beiwohnten. Das Referat über die „Ito" erstattete Herr H. Rubin st ein aus Zürich. Am 27. Mai sprach Herr Rubin stein in Antwerpen im „Diamanten-Klub" in einer von etwa tausend Personen besuchten Versammlung. England. Die Judenfrage auf der russischen Sozialist cn- Konfercnz. London. Die Konferenz, welche die russischen Sozialdemokraten in der Stadt an der Themse abhielten, dauerte fast zwei Wochen. Am 8. Tag ihres Zusammentrittes meldete sich ein Bund ist zum Worte und unterzog die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion in der russischen Duma einer sehr scharfen Kritik. Unter anderem sagte er wörtlich: „Die sozialdemokratische Fraktion in der russischen Duma ignoriert die Nationalitätenfrage im allgemeinen und die Judenfrage im besonderen. Die Herren vergessen absichtlich, daß das Proletariat ihnen zu Sitz und Stimme in der Duma verholfen habe und behandeln die Nationalitätenfrage als ein noli nie tangere. Das Proletariat findet in den Reden der sozialdemokratischen Deputierten keine Antwort auf die brennendsten Fragen seines Lebens und bekundet offene Reue, solche Abgeordnete in die Duma entsendet zu haben." GEMEiNUe=uNö VSREkNSNGUWilMW Wien. »Poale-Zion.« Samstag, den 15. Juni, Vs8 Uhr abends, findet ein Vortrag über «Geographie Palästinas« statt. Referent Herr cand. ehem. Arthur Felix. Lokal :CafeStefanie. Für den Monat Juni ist ferner noch folgendes festgesetzt: Samstag, 22. d.: die nächsten Aufgaben des Nationalfondes; 29. Juni: Agrarbank und landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft. Sonntag, 16. Juni: Ausflug. Abgang präzise Va2 Uhr nachmittags vom »Cafe Stefanie« (Stefaniestraße 2.) Wien. Die34. ordentliche Generalversammlung der »Israelitischen Allianz zu Wien« findet am Montag, den 17. Juni 1907, um 6Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1906. 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1906. 3. Genehmigung der Kooptation eines Vorstandsmitgliedes im Sinne der Statuten § 6, Alinea 3. 4. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern mit 4jähriger Funktionsdauer. 5. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder ( § 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Der im Druck bereits erschienene Jahresbericht wurde dieser Tage an die Mitglieder versandt. Literatur. Der anläßlich des 25 Semester zählenden Bestandes der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien" erschienene Jahresbericht enthält außer dem Tätigkeitsbericht auch einen sehr interressanten literarischen Teil. Wir finden darin Arbeiten von namhaften Politikern und Schriftstellern und zwar unter anderen von:R. Rappaport: „Ein jüdisches Programm",S. L u b 1 i n s k y: „Vom Tod des ewigen Juden", J. Z a n g w i i I: „Wortschlachten", Georg Hirschfeld: „Ein Beitrag in Briefform" u. s. w. Der aktuellste Beitrag ist der Artikel „Ein jüdisches Programm". Er enthält einen Auszug aus einem in der Lese- und Redehalle gehaltenen Vortrag R. Rappaports und ist besonders wegen seiner Ausführungen über die nationale Autonomie äußerst lesenswert Nach einem kurzen Ueberblick über die Politik der österreichischen Juden seit dem Jahr 1848 und nach einer Kritik der ihrerseits in nationaler und sozialer Hinsicht begangenen Fehler liefert der Verfasser den Nachweis, daß die Assimilation ein Irrweg ist und in Oesterreich nur den Antisemitismus gefördert habe. „Ja wir haben eigene jüdische Forderungen, aber wir müssen sie so formulieren, daß sie mit dem Wohle des Staates und mit den Interessen der anderen Nationen zusammen fallen .... Nur die nationale Autonomie kann uns den gleichen Rechtstitel in Oesterreich geben, den alle anderen Völker besitzen .... Dadurch erst wird die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung aufhören, ein toter Buchstabe zu sein und zur Wahrheit werden. Auch der Umstand ist nicht ohne Wichtigkeit, daß durch das Wegfallen zahlreicher Reibungsflächen mit den Angehörigen anderer Völker der Antisemitismus bedeutende Einschränkung erfahren würde. Die jüdische Frage in Oesterreich ist, wie die österreichische Frage selbst nur durch die Einführung der nationalen Autonomie zu lösen." Nach Erörterung seiner Stellung zum Zionismus und Itoismus kommt der Verfasser zu folgendem Resume: „Verwirrt scheinen heute die Verhältnisse im Judentum. Es gibt keine anerkannte Leitung, dafür aber unzählige Führer. Neben ehrlicher Arbeit für das jüdische Volk, sehen wir auch' bedauerliche Erscheinungen des Strebertums und der Jagd nach Mandaten. Zahlreiche Gruppen, oft nur durch Kleinlichvon einander geschieden, bekämpfen einander. Aber ich sehe darin nicht ein Zeichen der Schwäche, sondern ein Zeichen unreifer Kraft. Die Klärung wird eintreten. Es wird sich aus dieser politischen Wirrnis eine Partei herauskrystallisieren, die die drei Dinge aufgreift, die not tun: die Selbstverwaltung, die neue Kultur und die Regelung der Auswanderung. Nur eine Partei, denn wir können uns den Luxus der Zersplitterung unserer Kräfte nicht gestatten. . Die Partei aber, die nationaleAutonomie, kulturellen Kolonisationszionismus und Itoismus auf ihre Fahne schreibt, wird nicht mehr eine Partei unter anderen, sie wird das jüdische Volk selbst sein." Briefkasten der Redaktion. W. B. in Lubien. Es ist uns leider nicht gelungen, die Adresse des Dr. M. G. ausfindig zu machen. Sollen wir es vielleicht mit einem Aufrufe in unserem Blatte versuchen? A. G. in T. Die „Chalizah" ist unbedingt nötig. Ohne dieselbe wird Sie, da wir in Oesterreich nur eine konfessionelle Ehe kennen, kein Rabbiner neuerlich trauen, Sie müßten sich denn entschließen, eine Zivilehe einzugehen. In diesem Falle müßten Sie sich von Ihrem Rabbiner eine Bestätigung ausstellen lassen, daß er wegen unterlassener Chalizah die Trauung verweigert und dann wären die weiteren Schritte beim Magistrat Ihres Wohnsitzes einzuleiten. In diesem Sinne hat auch bereits der Oberste Gerichtshof einmal entschieden. M. L. R. in Peczenizyn. Bedauern sehr, daß die Redaktion selbst nichts machen kann. Wenden Sie sich an die «Baron Hirsch'sche Stiftung« in Wien, I., Falkestraße 2.