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Neue Nationalzeitung · 1907-06-14 · Heft 27 (14.6.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 27 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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ii3«tW-r»V»M»*itiri*äk»44l Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 27 Ungarischer israelitischer Handwerks- Ackerbauverein. und Budapest. Der Verein hielt am 26. v. M. seine 65. ordentliche General versammlang im Prunksaale der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Dem Jahresberichte entnehmen wir, daß der Verein 1838 Mitglieder und ein Vermögen von 538.896 K 66 h besitzt Im Berichtsjahre standen 501 Zöglinge unter der Obhut des Vereins, und zwar 421 Handwerkszöglinge, 41 Gewerbeschüler (^Stipendisten) und 39 Ackerbauzöglinge, für deren Unterstützung (Bekleidung, Verköstigung, Schule und Lehrlingsheim) 53.551 K 92 h verausgabt wurden. Demgegenüber betrugen die ordentlichen Einnahmen 51.715 K 6 h, so daß ein Defizit von 1836 K 86 h aus dem Vereins vermögen gedeckt werden mußte. Der Bericht konstatiert mit Bedauern, daß die altpatriarchalische Art der Handwerker ausbildung aufhört, infolge dessen die der Verpflegung und Fürsorge ermangelnden armen Handwerkslehrlinge Not leiden und einer ergiebigeren Unterstützung bedürfen. Bei der Erziehung von Ackerbauern hat der Verein mit Schwierigkeiten zu kämpfen, infolge dessen die Zahl der Ackerbauzöglinge nicht in dem gewünschten Maße erhöht werden kann. Seit dem Jahre 1901, in welchem der Verein seine Tätigkeit auf diesem Gebiete wieder aufgenommen hat, sind vierzig absolvierte Ackerbauzöglinge aus dem Verein hervorgegangen, die in Landwirtschaften Anstellungen gefunden und sich als tüchtige Arbeitskräfte bewährt haben. Deutsches Reich. Professor Dr. Freudenthal — gestorben. Breslau. Der ordentliche Professor der Philosophie an der hiesigen Universität, Geheimer Regierungsrat Dr. Jakob Freudenthal, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Mit Freudenthal ist ein hervorragender Kenner der älteren und neueren Philosophie und ein bedeutender Förderer ihres historischen Verständnisses dahingeschieden. Geboren 20. Juni 1839 zu Bodenfelde in Hannover von jüdischen Eltern, studierte er seit 1858 in Breslau jüdische Theologie und im Anschluß daran Philologie, Geschichte und Philosophie, welche Studien er später in Göttingen unter Sauppe, Lotze und Heinrich Ritter fortsetzte. Der Wunsch nach einer festen Lebensstellung veranlaßte ihn zunächst seine philologischen Studien zum Abschluß zu bringen. Nachdem er 1863 mit einer Abhandlung über den „Begriff der Phantasie bei Aristoteles" promoviert und nicht lange darauf die Prüfung pro fac. doc. bestanden hatte, folgte er 1866 einem Rufe als Lehrer der klassischen Sprachen und der Religionsphilosophie an dem jüdisch-theologischen Seminar in Breslau. Im Jahre 1875 habilitierte er sich zugleich für Philosophie an der Breslauer Universität and wurde drei Jahre darauf zum außerordentlichen, 1888 zum ordentlichen Professor für dieses Fach ernannt. Vor einigen Jahren erhielt er den Charakter als Geheimer Regierungsrat. Von seinen Arbeiten zur Geschichte der neueren Philosophie ist vor allem seiner umfangreichen und tief dringenden Forschungen über Spinoza und den Spinozismus zu gedenken. Nach umfassenden Vorarbeiten (Spinoza und die Scholastik, Lebensgeschichte Sps. u. a.) erschien 1904 der erste Band seines groß angelegten Werkes „Spinoza, sein Leben und seine Lehre", in dem auf Gruud sorgsamster Forschung und eines weitschichtigen Quellenmaterials Spinozas Lebens- und Entwicklungsgang in allen seinen Einzelheiten eingehend dargestellt und namentlich Spinozas Verhältnis zu den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters zum erstenmal mit einer der Wichtigkeit der Frage entsprechenden Gründlichkeit behandelt wird. Freudenthal war seit 1869 mit Therese Sachs, einer Tochter des noch unvergessenen Gelehrten Dr. Michael Sachs, langjährigen Rabbiners der jüdischen Gemeinde in Berlin, verheiratet. Die „Alliance Israelite Universelle" in Berlin. Berlin*). Am Sonntag, den 2. Juni hat im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Goldberger die sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des Lokalkomitees Berlin der Alliance Israelite Universelle stattgefunden. Der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner erstattete den Jahresbericht, der ein Bild der ausgedehnten Tätigkeit der Berliner Abteilung, sowie des Deutschen Bureaus und der Deutschen Konferenzgemeinschaft bot. Die Alliance hat im Jahre 1906 für die von ihr in drei Erdteilen unterhaltenen und geförderten Knaben- und Mädchenschulen und Lelniingsanstalten einschließlich von Ackerbauschulen Francs 1,481.027 ausgegeben, außerdem für die Präparandenanstalt, die zu dem Lehrerseminar für die Orientschulen gehört, einen Betrag von Francs 105.274, endlich für die Errichtung von Bauten Francs 76.490, insgesamt also Francs 1.662.791. Diese Ausgaben haben durch die regelmäßigen Einnahmen, aus den Zinsen der Stiftungskapitälien und aus den Beträgen von Mitgliedern und Freunden, volle Deckung gefunden. Die Einnahmen bezifferten sich auf Francs 1,613.789. Darüber hinaus hat die Alliance Israelite Universelle für die durch die Statuten vorgesehene Unterstützungstätigkeit über V/2 Millionen Francs aufgewendet, die in besonderen Spenden eingingen. Der Gesamtaufwand der Alliance Israelite Universelle für ihr Hilfswerk hat somit im vorigen Jahr an Francs 3,200.000 betragen. Die Zahl der Mitglieder der Alliance Israelite Universelle beträgt 30.000, hievon in Deutschland ungefähr 13.000. Die Generalversammlung nahm den Bericht mit Zustimmung und Anerkennung entgegen und wählte nachstehende Herren zu Mitgliedern des Lokal-Komitees : Ludwig Adler, Ilia Ber, Max Beer, Benno Braun, Siegfried Brünn, Alfred Cohn, Direktor Moritz Dorn, Heinrich Fränkl, Dr. med. Samuel Frankel, Rechtsanwalt Dr. Hantke, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Landau, Dr. med. Eugen Lehfeldt, Direktor Oskar Oliven, Louis Rosenbaum. In der nach der Generalversammlung stattgehabten Konstituierung wurden wiedergewählt zum Vorsitzenden Herr Geheimrat Goldberger. zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Rabbiner Dr. W e i s s e, zu Schriftführern die Herren Rechtsanwalt Dr. Hantke und Dr. L e h f e 1 d t, zum Schatzmeister Herr Benno Braun. Die Tätigkeit des jüdischen Volksvereines. Berlin. Der „Jüdische Volksverein" veröffentlicht einen Bericht über seine Tätigkeit in den Monaten März und April auf verschiedenen Gebieten der sozialen Fürsorge. Wir entnehmen daraus verschiedene Daten, die für die jüdische Oeffentlichkeit von Interesse sind. Schiffskarten-Preise. Die im vorigen Monatsberichte wiedergegebenen Zwischendecks-Fahrpreise des Norddeutschen Lloyd in Bremen, von Bremen nach Nordamerika sind nochmals erhöht worden. Die Preise stellen sich vom 5. April a. c. ab wie folgt: Nach Newyork mit Schnelldampfer M. 200.—, mit Postdampfer M. 180.—, nach Baltimore M. 170.—, nach Galvestone M. 170.—. Der Kampf zwischen dem englischen Schiffahrts-Trust und den deutschen Dampferlinien besteht einstweilen fort und soll sich in jüngster Zeit durch einige neue Vorfälle ganz besonders zugespitzt haben. Die Verschärfung des Kampfes könnte möglicher- *) Vom Bnreau der „A. I. U." in Berlin. Infolge liaummangels leider verspätet. (Anm. d. Red.)

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