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Neue Nationalzeitung · 1907-06-14 · Heft 27 (14.6.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 27 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 Neue National-Zeitung« Seite ~ Sammlung stattgefunden, in der Dr. Birnbaum und Dr. Jarossewytsch über. Wahlmißbräuche im städtischen Bezirke Buczäcz-ßorszczöw referierten. Beide Referenten haben unter heftigsten Entrüstungsriifen der Versammlung die wahre Leidensgeschichte ihrer gemeinsamen Kandidatur geschildert und detailliert die Mittel angegeben, durch deren Anwendung wider Gesetz und Recht Herr von Moy sa in der Stichwahl die „Majorität" erhalten hat. Abgeordneter Dr. Ofner sprach sich über die Möglichkeit der Annullierung dieser Wahl mit Rücksicht auf die Macht des Polenklubs sehr skeptisch aus; Dr. Lifczis verwies mit Recht auf die Notwendigkeit der Einsetzung eines, unparteiischen W a h 1 g e i i c h t sliofes. Die Versammlung schloß mit der einstimmigen Annahme nachstehender Resolution: „Die ruthenisch -jüdische Protest-Versammlang spricht über die unerhörten Wahlfrevel in Galizien ihre tiefste Entrüstung aus. Sie appelliert an das Parlament, es möge jene galizischen Wahlen, die auf verbrecherische Weise zustande kamen, annullieren. Sie fordert die Regierung auf, die Schuldigen zu bestrafen und die erschütterte Regierungsautorität gegenüber den galizischen Behörden wieder herzustellen. Die Versammlung wendet sich an die gesamte Oefentlichkeit ohne Unterschied der Partei und der Nation um moralische Unterstützung in dem bevorstehenden Kampfe gegen die galizischen Wahlverbrecher.1' * * * Für die Wahl in diesem Bezirke und überhaupt für die Art der „galizischen Wahlen" äußerst charakteristisch sind die Schwindeleien in der Gemeinde Cygany. Dieser Ort wird einmal einen historischen Namen haben. Man wird jeden Abgeordneten, der sein Mandat durch Betrug und Korruption ergattert hat, einfach nennen: Abgeordneter von Cygany. Hier könnte man auch sagen: Nomen est omen. Cygan heißt im Polnischen nicht bloß Zigeuner, sondern auch Schwindler ... Wir lassen hier den Teil aus dem Wahlproteste, der in den nächsten Tagen gegen die Wahl Moysas überreicht werden wird, folgen, soweit er sich sich auf .Cygany bezieht: Wahlmißbräuche in Cygany. Es wurden 32 amtlich nicht gestempelte Stimmzettel an die oppositionellen Wähler ausgeteilt, damit dieselben sodann bei der Wahl für ungiltig erklärt werden können. Beweis: Hier folgen die Namen der Zeugen. Die Stimmzettel waren vielfach numeriert. Beweis: Zeugen. Ueber 30 ruthenische und 12 jüdische Wähler wurden unter den nichtigsten Vorwänden zur Abgabe der Stimmen nicht zugelassen. 1. Süssie Schächter. Diesem Wähler wurde auf seine Legitimation geschrieben, daß er von seiner Frau erhalten wird. Mündlich wurde als Grund angegeben, daß das Feld auf die Frau intabuliert ist. 2. Leib Schächter. Auf die Legitimation wurde geschrieben: »In Untersuchung.« Mündlich: »Du hast gesehen, wie N. N. bestohlen wurde.« 3. Osias Rosenbaum. Er wurde bei der Abstimmung beanständet, weil er russischer Untertan sei; derselbe hat durch Dokumente die Unrichtigkeit dieser Behauptung bewiesen, wurde aber trotzdem zur Wahl nicht zugelassen. 4. Juda Leib Rosenzweig. Auf seine Legitimation wurde geschrieben: »In Untersuchung.« Mündlich: Weil seine Mutter ohne Erlaubnis Wein verkauft. 5. Abraham Grünhut. Auf seine Legitimation wurde geschrieben: Weil er keine Frau hat! 6. Hersch Goldenberg. Auf seine Legitimation wurde geschrieben: »In Untersuchung.« Mündlich: Daß' er wegen Uebertretung des Lebensmittelgesetzes bestraft war. 7. Majer Goldenberg. Auf seine Legitimation wurde geschrieben: »In Untersuchung.« Mündlich: Weil sein Vater (Hersch) wegen Uebertretung des Lebensmittelgesetzes bestraft ist. 8. Sucher Schuhfeld. »In Untersuchung.« (Falsch.) 9. Abraham Elja Großmann. Legitimation irrtümlich auf Gottesmann ausgestellt. Die Richtigstellung wurde seitens der politischen Behörde verweigert. 10. Jakob Heller. Auf seine Legitimation wurde geschrieben: »In Untersuchung.« Mündlich: Weil er bestohlen wurde! 11. Hersch Rosenblatt. »In Untersuchung.« Dieser Wähler war tatsächlich vor zehn Jahren in Untersuchung; diese wurde aber eingestellt. Bei anderen Wählern wurde als »Grund« angegeben: »Du bist zu alt,« »Du wohnst beim Vater« * Das Wahlskrutinium wurde vom Wahlkommissär Kaliriski selbst durchgeführt und zwar in der Art, wie Banknoten gezählt werden, indem er die Stimmzettel auf einen Haufen zusammenlegte, dann das Ende eines jeden Stimmzettels ein wenig aufhob und den Namen des Kandidaten diktierte. Da eine Kontrolle bei dieser Art der Stimmenzählung ganz ausgeschlossen war, so wurde der Name des Kandidaten ganz willkürlich ausgerufen. So ist es auch zu erklären, daß Jarosiewicz bloß 102, Birnbaum 4 und Moysa 226 Stimmen erhielten. Beweis: Zeugen. In der Tat erhielt aber Kandidat Jarosiewicz über 200 Stimmen. Das falsche Wahlresultat kann nur darin den Grund haben, daß entweder falsche Zettel in die Urne hineingelegt wurden, oder die Zählung eine falsche war. Gegen 200 Wähler haben auch die Bereitwilligkeit erklärt, einen Eid dahin zu schwören, daß sie ihre Stimmen für Jarosiewicz abgegeben haben. Der Gemeindevorsteher Baszczak, am nächsten Tage über diesen Schwindel zur Rede gestellt, erklärte, daß bei der Verkündigung ein Irrtum unterlaufen sei, indem die für Jarosiewicz abgegebenen Stimmen als für Moysa abgegeben und umgekehrt verkündet wurden. Beweis: Zeugen. Noch rätselhafter ist das Wahlergebnis vom 24. Mai. (engere Wahl.) Der Wahlkommissär Gryglaszewski leitete selbst die Wahl unter dem Vorwande, daß ein Kommissionsmitglied zur Wahl nicht erschienen ist und daß sich aus diesem Grunde die Kommission nicht konstituieren könne. Das verkündete Wahlergebnis lautet: Birnbaum 26 Moysa 296. Tatsächlich hat aber Birnbaum über 220 Stimmen erhalten. Ueber 220 Wähler ließen sich von Wacyk Eugen, Hrynko Kurdydyk, Dmytro Kurdydyk, Wolf Jung, Mychajlo Carak und Dmytro Wolochatink die Zettel auf Birnbaum ausfüllen. 170 Wähler haben auch freiwillig einen Eid geleistet, daß sie auf Birnbaum gestimmt haben. Es folgendie Namen dieser 170 Wähler. Und trotzdem hat die Wahlkommission nur 26 Stimmzettel vorgefunden . . . Oesterreich-Ungarin Der Festkomniers der ,,Bar-Koehba." Wien. Die Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba" in Wien veranstaltet Samstag, den 15. Juni, um V*9 Uhr abends, im Saale des „Hotel Continental", IL, Taborstraße 6, einen Festkommers zu Ehren der jüdischnationalen Reichsratsabgeordneten. Plenarsitzung des Kultusvorstandcs. Wien. Vor Eingang in die Tagesordnung bringt der Vorsitzende unter lebhafter Zustimmung der Versammlung dem Vertreter Herrn Dr. Rappaporl, anläßlich der vor kurzem erfolgten Ernennung zum k. k. H o f r a t, wiederholt seine persönlichen Glückwünsche und des Vorstandes zum Ausdrucke. Hofrat Rappaport dankt hielür und erklärt, nach wie vor seine Krätte den Interessen der Gemeinde widmen zn wollen. Der Präsident bringt den Finanzrapport für die Zeit vom 1. Jänner bis zum 31. Mai 1907 zur Kenntnis. Aus demselben geht hervor, daß die Einnahmen aus Kultussteuern und Immatrikulationsgebühren, Beerdigungen, Überführungs- und Friedhofstaxen, sowie Bet-

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