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Neue Nationalzeitung · 1907-06-07 · Heft 26 (7.6.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 26 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 »Neue Natlonal-Zeitung« Seite 9 der Juden in Oesterreich interessieren. Sache der jüdischen Presse wäre es, agitatorisch für diese Idee einzutreten. Die Organisation selbst hätte alle Gruppen des österreichischen Judentums zu umfassen, also die Demokraten, Jüdischsozialen, Liberalen, Nationalen, Zionisten u. A. Die Organisation hätte neben den Männern der jüdischen Presse durch einen oder zwei Vertrauensmänner der angedeuteten Gruppen zu erfolgen. Hiebei könnten die Rudimente der anläßlich der Reichsratswahlen gebildeten Organisationen benützt werden. Eine solche Organisation würde die einzige richtige Vertretung des politischen Gesamtjudentums sein. Indem ich bemerke, daß ich zur Tätigkeit als gewöhnlicher Mitarbeiter bereit bin, stelle ich die Bitte um Ihre publizistische Unterstützung dieser Anregung und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Ernst Franz Weisl. Wien, den 5. Juni 1907. ttORReSPCN&eNZCN o Oesterreich-Ungarn. Ein jadenreines Fest des Freiherrn — Alfons von Rothschild. Wien. Baron Alfons Rothschild, der Sohn des Barons Albert Rothschild in Wien, ist auch ein Neffe des verstorbenen Barons Nathaniel Rothschild. Von diesem hat er die Millionen geerbt und mit ihnen, wie es scheint, auch die Vorurteile gegenüber den eigenen Glaubensgenossen. Bekanntlich hat Baron Nathaniel Rothschild unter seinen zahlreichen Beamten keinen Juden geduldet; seih Generaldirektor Schuster durfte schalten und walten, wie er wollte, Avas ihn natürlich nicht gehindert hat, nach dem Tode seines Herrn gegen dessen Verlassenschaft klagbar aufzutreten. Nun ist an Stelle des Generaldirektors ein „Intendant" getreten, der Beamtenstab des Baron AUons Rothschild ist judenrein wie zuvor geblieben. Er selbst weiß wahrscheinlich nichts davon; Turf und Rennstall nehmen ihn zu sehr in Anspruch. Jüngst gab Baron Alfons Rothschild in Budapest im Parkklub ein Fest. Es war sehr vornehm und daher von der Budapester Elite besucht. Es kamen allerlei Aristokraten und — getaufte Juden. Ein ungetaufter Jude war auf dem Feste nur ein einziger — der Gastgeber selbst. Ueber das Fest finden wir einen ausführlichen Bericht in der Budapester Zeitschrift „Der ungarische Israelit". Unseren Lesern ist aus einer früheren Polemik bekannt, daß diese Zeitschrift von jüdischnationalem Geiste nicht angekränkelt, im reinsten magyarisch-assimilatorisch-großkapitalistischen Fahrwasser schwimmt. Und auch sie grollt ... »Judenrein. Baron Alphonse Rothschild aus Wien gab jüngst in Budapest im Parkklub ein feenhaftes Fest, bei welchem Sr. Hoheit Erzherzog Josef und hohe Gemahlin, ferner Grafen und Barone sonder Zahl zugegen waren. Auch einige, bloß durch ihre Stellung in der Finanz-, Handels-und politischen Welt hervorragende Bürger fanden sich in der Liste der Eingeladenen vor, nur hatten diese noch eine ganz besondere Eigenheit; sie waren allesamt — insoweit sie keine Urchristen waren — erst durch die Taufe, durch die Reinwaschung vom Judentume — gesellschaftsfähig geworden. Derartiges nimmt uns sonst im geliebten liberalen Ungarn nicht wunder, da wird zumeist eine reinliche Scheidung zwischen Geschäft und Gesellschaft gemacht, selbst dort, wo man das Geld der Juden zur Förderung von Unternehmungen wünscht, von deren Genuß sie dann stillschweigend ausgeschlossen werden, selbst dort wird bloß ein Paradejude gewählt, und so das odiose »judenrein« vermieden; doch wenn man sich unterhalten will, tut man sich in dieser Beziehung keinerlei Zwang an, da läßt man sich die gute Laune und die freie Meinungsäußerung über das »Judenthema« nicht durch die Anwesenheit eines »Israeliten« verderben, resp. einschränken. Wie kommt es, daß sich ein Baron Rothschild dazu hergab, ein Fest zu veranstalten, zu welchem mit Ausnahme seiner Person, kein einziger Jude geladen war? Oder ist etwa Magnatenhaus-Mitglied Sigmund Kornfeld keine solche Finanzkapazität, wie Hofrat Länczy, bloß weil er den Väterglauben nicht wie dieser abgeschworen hat, weil er sich für den Bau einer Synagoge interessiert, während jener sich an die Spitze des Kirchenbau- Komitees der Reformierten stellt. Oder hat etwa der Generaldirektor der ung. Handelsgesellschaft Paul Elek für Handel und Industrie mehr geleistet, als Magnatenhaus-Mitglied Alexander Hatvany-Deutsch de Hatvan, der zudem der würdige Sprosse edler Ahnen ist, und ist Franz Chor in nicht zumindest eine solche Kapazität wie jener, wobei er noch das »Verdienst« besitzt, daß seine Kinder sich taufen ließen. Wir könnten die Vergleiche bis ins unendliche fortsetzen. Es ist wahrscheinlich, daß Baron Rothschild von dem lächerlichen und beleidigenden Odium, das seinem Gesellschaftsabende angeheftet wurde, keine Ahnung hat.« Präsident Dr. Alfred Stern gegen die jüdischnationalen Verbindungen. Wien. Herr Dr. Alfred Stern ist ein „Altliberaler1'. Wir fügen gleich hinzu: Wir meinen dies nicht im besten Sinne dieses Wortes. Denn diese Altliberalen hatten eine merkwürdige Eigenschaft, die mit dem Liberalismus schlechterdings unvereinbar war. Sie kannten keine Duldsamkeit. Die politischen Freur.de des Herrn Dr. Stern waren es, die den Baron Walterskirchen und Dr. Fischhof mit Brachialgewalt verhindert haben, eine wahrhalt demokratische Partei in Wien zu gründen; sie, die durch Gründungen wohl reich geworden, aber im Geiste arm geblieben sind, ahnten es nicht, daß sie damit der Pseudodemokratie Luegers die Bahn ebneten. Der altliberale Dr. Stern ist auch physisch alt geworden. Und man kann noch umso weniger von ihm verlangen, daß er den Strömungen der neuen Zeit Verständnis entgegenbringe. Aber man kann dennoch von ihm Toleranz fordern, denn er ist Präsident der Gemeinde. Man kann verlangen, daß sich der Präsident der Wiener jüdischen Kultusgemeinde nicht als deutschliberaler Politiker, sondern lediglich als Jude fühle. Der Kultuspräsident, der Kraft seines Amtes über den Parteien stehen soll, muß darauf bedacht sein, die Parteien innerhalb der Judenschaft nach ihrem i d e e i 1 e n Inhalte zu prüfen, und er sollte sich freuen, wenn die jüdische Jugend Idealen huldigt, die zum Judentum, nicht aber zur — Taufe führen. Dr. Stern scheint aber anderer Ansicht zu sein. Wie wäre es sonst zu erklären, daß er am letzten Samstag die Verbindungen „Iwria", „Kadimah". „Makabäa" und „Unitas", die er zu sich ad audiendum verbum kommen ließ, wegen ihrer jüdischnationalen Betätigung mit der Entziehung der Sub ventionen bedrohte. Juristisch nennt man derartige Drohungen anders. Herr Dr. Stern hat aber damit nichts erreicht, als daß er sich bloßgestellt hat. Der Mann, der mit knapper Majorität von 25 Stimmen bei eiDer Wahlbeteiligung von 25% der Wähler in den Vorstand gewählt wurde, sollte doch etwas bescheidener sein und weniger den Diktator hervorkehren. Schließlich verleiht die Subvention nicht der Präsident, sondern der Kultusvorstand. Subventionen an Vereine sind aber auch keine Geschenke des Präsidenten, sondern Beiträge aus den Steuergeldem aller Gemeindemitglieder. Die Gemeindemitglieder werden sich's daher auch merken, wie Herr Dr. Stern mit den öffentlichen Steuergeldern deutschnationale Proselyten-Macherei betreibt. Und zwar zu einer Zeit, da selbst die „deutschfortschrittliche Partei" die jüdischen Abgeordneten vor die Türe setzt. . .

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