Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 26 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 26 wartet. Ein unheimliches Gefühl hat alle Gemüter beherrscht; hat man doch gefürchtet, daß auch iu Brody die Korruption und Wahlfälschung siegen könnten. Denn auch in Brody wurden die Stimmzettel bis zum letzten Augenblicke nicht ausgegeben und die Intervention des Abgeordneten Dr. Gabel beim Statthalter war resultatlos. Allein sehr viel hat uns der neugewählte Abgeordnete Breiter geholfen. Mit seltenem Eifer hat er sich der jüdischen Sache in Brody gewidmet und in den letzten Tagen hat er dort das Haupkommando übernommen. Er hat die Agitation organisiert und alle Arbeiten überwacht; er war es auch, der die Ausfolgung der Stimmzettel wenigstens am Vorabende der Wahl erzwungen hat und er hat außerdem die Korruption, den Stimmenhandel mit Erfolg verhindert. Die Arbeit in Brody war eine riesige, aber auch die Organisation unserer Kräfte eine musterhafte. Und sie wurde mit Erfolg gekrönt. Adolf Stand ist mit einer Mehrheit von 641 Stimmen gewählt worden. Als sich die Nachricht in Lemberg verbreitete, haben sich sofort große Massen vor der Wohnung Stands angesammelt und der Jubel konnte gar kein Ende nehmen. Auch iu Brody war es indessen nach dem Wahlsiege recht lebhaft. Mit Musik und Gesang hat das Volk diesen großen Sieg gefeiert und Breiter war der Held des Tages. Auf den Schultern haben ihn die Akademiker getragen und einfache Juden und Jüdinnen haben in den Straßen getanzt. Wie unterdrückt muß ein Volk sein, wenn ihm die Wahl eines Abgeordneten als ein solches „Glück" erscheinen muß!... K—n. Auch die Hausjuden des Polenklubs haben am 31. 3Iai einen neuen Zuwachs erhalten in der Person des „gemäßigten Israeliten" Rudolf Gall in Tarnopol, welcher in der engeren Wahl gegen den Hutkenen Gromnicki durchgedrungen ist. Die Bezeichnung des Herrn Gall als „gemäßigter Israelit" hat verschiedenen Blättern sehr viel Stoff auf das Thema der Juden, Israeliten und gemäßigten Israeliten gegeben. Man tat aber diesem biederen Herrn Gall, Mühlenbesitzer vom Fach, Unrecht, wenn man ihn für eine Spezialität hält. Er ist ein ganz braver Pole „mosaischer Konfession" und er wird auch seiner Bezeichnung als „gemäßigter Israelit" Ehre machen, indem er nicht unter die ..Wilden"', sondern in den Polenklub gehen wird. * Das Facit der Reichsratswahleu besteht somit in der Wahl vou 13 jüdischen Reichsratsabgeordneten. Galizien allein entsendet 10 Juden. Jüdisch national: Dr. Gabel, Dr. Mahler, Stand und Dr. Strauch er. Mitglieder des Polenklubs: Dr. Gold, Gall. Dr. Ivo lisch er und Dr. Loewenstein. Deutschfreisinnig: Dr. Kuranda und Dr. Ofner, Sozialdemokraten: Dr. Di am and und Dr. Lieber man n. Unabhängiger polnischer Demokrat: Dr. Groß. Die mehreren der sozialdemokratischen Partei angehörigen konfessionslosen Juden ziehen wir ebenso wenig in Betracht, wie die getauften Juden der tschechischen und deutschen Parteien. Dr. Arthur Mahler. Die zehn jüdischen Wahlsiege in Galizien bedeuten einen Mehrgewinn von vier Mandaten gegenüber den vom Polenklub den Juden eingeräumten Sitzen. Von den sechs Wahlbezirken, weiche vom Polenklub den Juden reserviert worden sind, ist ein Mandat verloren gegangen: das Mandat, von Stanis 1 a u. wo durch die Machinationen und Wahlfälschungen der Kahalclique der Ingenieur S t w i e r t n i a gegen Dr. Brande gewählt wurde. Dagegen wurden nachstehende Bezirke den Polen entrissen: Landgemeinden Buczacz (Dr. Gabel), Landgemeinden Trembowla (Dr. M a Ii 1 e r) und die Stadt Przemysl (Dr. Lieber m a n n). In den Städten Tarnopol und Zloczöw wurden infolge lokaler Konstellationen, trotz der jüdischen Minoritäten, jüdische Abgeordnete gewählt. (Gall und Dr. Gold.) mmm sprgchsml Dieser Teil unseres Blattes steh! unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit iu jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Eaum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Löbliche Schriftleitung! Die Herren Dr. Groß, Dr. Chiari, Dr. Eben hoch und Konsorten haben den Vorhang von ihrer wahren Denkungsart zurückgeschlagen und man erblickte das wahre Bild von Sa'fs, nämlich die Judenfeindlichkeit. Die trefflichen und treffenden Worte Sr Ehrwürden Dr. Güdemanns und des Herrn Maximilian Paul-Schiff in der „Neuen Freien Presse" vom 5. Juni haben die richtige Charakterisierung der Judengegner gegeben, jedoch offenbar, um den Standpunkt einer reinen Erwiderung nicht zu verschieben, die politischen Konsequenzen hieraus nicht gezogen. Als vollständig Parteiloser, der eine parlamentarische Betätigung s. Z. ablehnte, gestatte ich mir für das Ziehen dieser Konsequenzen folgendes vorzuschlagen: Zunächst möge eine parlamentarischer Klub der Juden gegründet werden, in welchem sich alle Juden vereinigen sollten, ohne Rücksicht auf den Ort ihrer Wahl und ihr Programm. Außerdem wäre ein außerparlamentarische politische Vereinigung in Wien zu gründen, in welcher neben den Vertretern der Juden im Reichsrate, in den Landtagen und Gemeindevertretungen alle jene Juden sich vereinigen sollen, welche sich für das politische Leben