Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 26 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425694--0184-2426448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 26 »Neue National-Zeitung« Seite 7 Diese „Verdienste" würden in den Augen des Grafen Potocki wahrscheinlich noch immer nicht genügt haben, um Herrn von Horowitz zum Obergesetzgeber zu befähigen. Allein dieser neugebackene „mosaische" Schlachzize ist auch ein Moszko; ja er ist das Haupt der galizisehen Moszkos. Darum ist seine Niederlage nicht nur in Lemberg, sondern in ganz Galizien mit «inem Jubelschrei aufgenommen worden: nun war endlich der Anführer der Kahalkliquen, die mit dem eigenen Blute Schacher treiben, niedergestreckt. Das weiß Graf Potocki sehr gut und darum sein Versuch, das Haupt der Hausjuden wieder zu beleben, ohne die das Stanczykentum bankerott werden müßte. Die gesamte jüdische Bevölkerung Galiziens erhebt gegen die Berufung des Horowitz einen mächtigen Protest, bis hinauf zu jenen obersten Stellen, die für diese Berufung die Verantwortung zu tragen haben. Die Berufung eines Juden ins Herrenhaus hat nur dann einen Wert, wenn sie von der jüdischen Bevölkerung als eine Auszeichnung empfunden wird; die Ernennung des Horowitz würde von ihr als eine Demütigung aufgenommen werden und müßte in ihr die Erkenntnis wachrufen, daß die höchsten Würden in Oesterreich auch an moralisch defekte Personen für politische Korruptionsdienste verliehen werden. Die galizisehen Juden verzichten lieber auf die Berufung eines Juden ins Herrenhaus, als daß ihnen die zweifelhafte Ehre zu teil wird, durch einen Horowitz repräsentiert zu werden. Die Berufung des Horowitz ins Herrenhans wäre der größte politische Skandal und gleichzeitig eine Deklassierung für die bereits ernannten jüdischen Herrenhausmitglieder, wie Hof rat Grünhut, Hof rat Gomperz u. a. Wir wollen sehen, ob es in Oesterreich genügt, ein — Horowitz zu sein, um ins Herrenhaus zu gelangen. WÄHLBEWEGUNG. In*. Benno Straucher. Die Bukowina wird im Reichsrat lediglich durch einen jüdischen Abgeordneten, unseren Gesinnungsgenossen Dr. Benno Strauch er, Advokat in Czernowitz, vertreten sein. Dr. Straucher gehört bereits seit dem Jahre 1897 als Abgeordneter vou Czernowitz dem Parlamente an. Er ist auch gleichzeitig Landtagsabgeordneter dieser Stadt und Präsident der israelitischen Kultusgemeinde. Durch das Vertrauen des Landtages der Bukowina wurde er in den Landesausschuß und in den Landesschulrat berufen. In allen diesen Stellungen hat -es Dr. Strauch er für seine Pflicht angesehen, nicht nur die Interessen des jüdischen Volkes aufs eifrigste zu vertreten, sondern auch ollen ■den nationalen Charakter des Judentums zu betonen. Von diesem Geiste sind auch die Reden durchdrungen, welche Dr. Strauch er als Mitglied der Delegationen gehalten hat. Die Persönlichkeit Dr. Strauchers ist somit -ein Beweis, daß die wahren Vertreter des Judentums nicht in den Kreisen des Großkapitals und der assimilatorischen Streber, sondern in den Kreisen der Volksmänner, die aus dem Volke hervorgegangen, in dem Volke wurzeln, zu suchen sind. Die letzten Stichwahlen in ti-alizicn. Dr. Benno Straucher Am 31. Mai haben in Galizien die letzten Stichwahlen stattgefunden. In denselben standen 3 jüdischnationale Kandidat en: 1. Adolf Stand gegen den Kandidaten des Polenklubs Dr. Wollerner in Brody; 2. Dr. Abraham Salz gegen den Sozialdemokraten Mi<raezewski in Stryj: 3. Dr. Samuel Rappaport gegen den Kandidaten des Polenklubs Dr. Dulemba in Brzezany. Die beiden letzteren sind leider unterlegen. Doktor Rappaport hatte einen viel zu ,.schweren" Gegenkandidaten. Alle öffentlichen Faktoren haben sich tür die Wiederwahl des gewesenen Obmannstellvertreters des Polenklubs eingesetzt und was an Erpressung, Gewalt. Stimmenkauf, Wahlfälschung in Galizien möglich ist. wurde für Doktor Dulemba angewendet. Es ist natürlich, daß derselbe auch gewählt wurde. Die Niederlage de> Dr. Salz gegenMoraczewski ist wohl durch dieRuthenen entschieden worden. Dr. Salz erhielt 2481, sein Gegenkandidat 3501) Stimmen. Merkwürdigerweise entsprechen diese Ziffern der Wählerzahl des Bezirkes, wenn wir sie nach Nationalitäten sondern. Der Wahlbezirk Stiyj-Kalusz zählt zirka äSi.iü jüdische und zirka 3600 christliche Wähler und zwar sowohl Polen als Ruthenen. Jn der Stichwahl haben alle Polen und Ruthenen. sei bs t d i e b ü rge ii i ch e n K r e i s> e für den Christen und gegen den Juden gestimmt. Die Wahlen in Stryj-Kalusz haben bewiesen, daß die Ruthenen eher für den Sozialdemokraten als für den Jüdischnationalen stimmen. Die Stichwahlen haben somit nur einen einzigen Sieg ergeben: Die Wahl des Jüdischnationalen Stand gegen den Kandidaten des Polenklubs. Adolf Stand — scwählt! Lemberg", 1. Juni. (Orig. Korr.) Erst spät am Abend ist hier das Resultat der Wahl in Brody bekannt geworden. Unsere Leute waren alle gedrückt von den Nachrichten aus Stryj und mit der spannendsten Ungeduld wurden die Depeschen aus dem Wahlbezirke Brodv er-