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Neue Nationalzeitung · 1907-05-31 · Heft 25 (31.5.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 25 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 10 (sequence 13)
Language
German
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Seite 10 »Nene Natlonal-Zeitung« Nr. 25 souta des kl. d. E. Außerdem finden sich im Talmud und in den Midraschim noch viele Sprüche allenthalben zerstreut. Wir müssen dem Talmud dankbar dafür sein, daß er uns die Reste der damaligen Volkskultur aufbewahrt hat. Es läßt sich im allgemeinen annehmen, daß die Sprichwörter, die sich im babylonischen Talmud finden, in Babylon üblich waren, sowie diejenigen, die im jerusalemischen Talmud und im Midrasch Rabba sich finden, in Palästina gebräuchlish waren. Es finden sich auch viele in diesen Werken zugleich, was dann beweist, daß sie sowohl hier als dort einheimisch waren. Bei einigen ist im Talmud ausdrücklich das Vaterland, zuweilen auch die Stadt genannt, wo solche vorzugsweise gebraucht wurden. Der Redner gab nun eine große Reihe Sprichwörter: „Während dein Feuer brennt, schneide den Kürbis ab" (Sanhedrin). „Iß, solange du hungrig bist, trink, solange du durstig bist, und wenn dein Topf siedet, gieße ihn ab (Berachoth). „Groß ist die Arbeit, denn sie lobt ihren Meister" (Nedarim). „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen" (Midrasch Bereschith Rabba). „Dem, der Güter besitzt, trage das Holz nach" (Bawa Kama). „Alles Schlimme, nur keine schlimme Frau". „Dreier Leute Leben ist kein Leben: wer auf der anderen Tisch hofft, wer unter der Herrschaft seiner Frau steht und wer erkrankt ist". „Die Sechzigjährige läuft ebenso zur Musik wie die Sechsjährige". „Alter Mann im Hause ist Schrecken im Hause, alte Frau im Hause ist Perle im Hause". „Eine Frau durchschaut die Gäste besser, als der Mann". „Zehn Maß Schlaf sind dem Menschen gegeben, neun davon beanspruchen davon die Diener". „Füchse sind die Nachkommen von Füchsen". „Der Umzug von einem Haus ins andere kostet ein Kleid, von einem Lande ins andere ein Leben" usw. usw. Redner gibt zum Schluß seines sehr instruktiven Vortrages noch einen Ueberblick über die Sprichwörter, die im Ghetto entstanden sind und heute im Jargon weiterleben. Das Hebräische in den französischen Schulen. Auf Anregung des Grand Rabbin-Levy werden die städtischen Schulen in ihr Pensum täglichen Unterricht im Hebräischen für jüdische Schüler aufnehmen. Der Grandrabbin ist der Ansicht, daß das Hebräische die Basis für alle jüdische Erziehung geben muß und läßt es daher auch.im Unterricht als lebende Sprache behandeln. Es ist besonders erfreulich, daß dieser Erfolg des Hebräischen gerade in Paris, das doch sonst als Hochburg der Assimilation gilt, zu verzeichnen ist. Was sagt der Wiener Kultusvorsteher K u f f n e r dazu? Eine Wollwäscherei zu Rischon V Zion wurde von einer Lodzer Firma, Richard, Zemach & Co., eröffnet. Sie hat für diesen Zweck ein Gebäude gemietet und bestellte in der Fabrik von Stein in Jaffa die notwendigen Maschinen. Die zehn Stämme. Daß Juden in der Wüste Sahara leben, dürfte wenig bekannt sein. Ein französischer Reisender berichtet, daß er vor einer Reihe von Jahren auf einer Tour von Tripolis nach Malta auf dem Schiffe die Bekanntschaft eines Mohammedaners machte, welcher sich Hassan Nazif nannte und ein Sohn des Kadi von Ikuka und Imam von Kenka war. Er befand sich schon achtzehn Monate unterwegs, um das Grab Mohammeds zu besuchen. Als er bemerkte, daß der Reisende Tefillin anlegte, erzählte er ihm, daß er auf seiner Wanderung durch die Wüste Sahara in Ghat, an der Westgrenze von Fezzan, welche Stadt von einem unabhängigen Scheikh regiert wird, Aufnahme im Hause eines Kaufmannes, namens Mustapha fand, wo er während einer Krankheit verpflegt wurde. Eines Tages sah er, wie sein Wirt in einem Buche las, dessen Zeichen ihm unbekannt waren. Er fragte ihn nach der Beschaffenheit des Buches, worauf Mustapha ihm einen Eid abnahm, daß er nicht verrate, was er ihm mitteilen wolle. Er sei nämlich kein Muselmann, sondern ein Jude und das Buch sei eine hebräische Bibel, welche er aber nur lesen, nicht verstehen könne. Er erzählte ihm ferner, daß seine Vorfahren sich in Ghat bald nach dem Tode des KönigsSalomo niedergelassen hätten, da sie hier Goldminen entdeckten. Es leben noch mehrere Juden in der Stadt, welche sich gleich ihm aus Furcht vor der Bevölkerung öffentlich zum Islam bekennen, aber im Geheimen die Religion ihrer Voreltern ausüben durch Gebet und Opfer im Namen Mosis und des Königs Salomo. Der Reisende schenkte dieser Erzählung wenig Glauben, aber in Malta angekommen, erzählte er es dem Rabbiner von Tripolis, welcher gerade dort anwesend war. Dieser war aber der Ansicht, daß viele der Einwohner von Ghat Abkömmlinge der »zehn Stämme« seien, welche sich vor der Zerstörung des ersten Tempels daselbst niedergelassen hätten. Die Gesetze gegen die Einwanderer werden in Amerika immer strenger. Die Milderung, die man sieh von der Berufung des Handelsministere Oskar Strauß versprochen hat, ist nicht eingetroffen. Nach einer Kal-elmeldnng ans Amerika bereitet Staatssekretär Root ein Amendement zur Einwanderungsbill vor, nach welchem der Präsident Ansiändern, welche ihre Zulassung auf das kontinentale Gebiet der Vereinigten Staaten auf Grund von Pässen nachsuchen, die auf irgend ein anderes Land als die Vereinigten Staaten oder deren insulare. Besitzungen oder die Zone des Panamakanals lauten, diese Zulassung verweigern kann, wenn er überzeugt ist, daß die Pässe in einer Art benutzt werden, die den Interessen der amerikanischen Arbeiter schädlich ist. Dieses Amendement wird vielfachen Widerstand hervorrufen. Daß es die Bestrebungen der verschiedenen Kolonisationsgesellschaften für jüdische Auswanderer vielfach durchkreuzen würde, läßt sich leicht denken. Indes ist die Annahme der Bestimmungen noch keineswegs gesichert. Konsul Simon, der vor zwei Jahren verstorbene Begründer der jüdischen Ackerbauschule in Ahlem (Hannover) wurde auf dem Friedhofe an der Strandgrieüe durch Errichtung eines herrlichen Grabdenkmals geehrt Eine wuchtige, in schlichten klassischen Architekturformen gehaltene Wand aus poliertem, schwarzen schwedischen Granit umrahmt eine viereckige Nische, in die, von zwei jonischen weißen Granitsäulen flankiert, eine Bronzetatel eingelassen ist. Diese zeigt als Basrelief die Erziehungsanstalt Ahlem. Zwei Granitanläufer an der Vorderfront lassen den Eingang zur Grabstätte und den Blick auf das Monument und die Grabhügel frei. Die Inschrift über der Nische, ein Ausspruch des verstorbenen Konsuls Simon, weist auf dessen Wirken hin. Sie lautet: „Nicht durch Almosen, sondern durch Erziehung zur Arbeit kann unserem armen Volke geholfen werden." Antisemitische Kurorte und Hotels in 0 sterreich. Innsbruck: Die Gasthöfe »zum weißen Kreuz« und »zum rothen Adler«; Karlsbad: Hotel Morgenstern. Hotel National. Hotel de Russie. Residenz-Hotel. Haus Grillparzer. Alte Wiese. Haus Römischer Feldherr. Neue Wiese. Haus Oelzweig, Marienbaderstr. Haus Italia, Schloßberg. Haus Stadt Warschau, Kaiserstr. Haus Malta, Kaiserstr. Haus Rosenstock, Kaiserstr. Haus Brandenburger Tor, Kreuzstr. Haus Germania, Schloßberg. Haus Egeria, Egerstr. Haus Diamant, Egerstr. Haus Engl. Krone; Kitzbühel (Tirol); Mühlgraben bei Oberaudorf (Tirol); Prag, Altstadt: »Katholisches Kasino«; Reusch bei Bozen; Schärding am Inn: Kuranstalt Dr. Ebenhecht; Wildbibl (Tirol). . Von den in den nächsten Nummern unseres Blattes erscheinenden Artikeln heben wir besonders hervor: Advokat A. Hartglas: »Der Kampf für das Yiddish«. A. Loubetzky: »Zur Kritik des Wiener Kantorenwesens«. E. Paperin: »Die politischen Parteien unter den Juden in Russland«, u. s. w. u. s. w. Im Feuilleton erscheint demnächst eine Original-Novelle von Rüben Brainin: »Das rote Veilchen«. Achtung! Wir ersuchen diejenigen P. T. Abonnenten unseres Blattes, weiche mit der Bezahlung ihres Abonnements noch im /Rückstände sind, um gefl. Begleichung desselben mittels des in ihrem Besitze befindlichen Erlagscheines, nachdem der größere Teil des zweiten Quartals bereits verstrichen ist. Ebenso ersuchen wir die P. T. Empfänger unserer Propaganda-Nummern um gefl. Zusendung der Abonnementsgebühr, respektive um Bekanntgabe, ob sie auf die weitere Zusendung reflektieren. Schließlich bitten wir die Freunde und Leser unseres Blattes, uns jene Personen aus ihrem Bekanntenkreise namhaft zu machen, welche auf die probeweise Zusendung unseres Blattes reflektieren. Die Administration,

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