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Neue Nationalzeitung · 1907-05-31 · Heft 25 (31.5.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 25 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 9 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 25 »Neue Nftttonjü-Zeltung« Seite 9 daselbst verschiedene Zeitungen und Zeitschriften auf. Im abgelaufenen Jahre 1907 haben nicht weniger als 16.745 Leute die Bibliothek besucht und benützt. Die Ausgaben beliefen sich (im Jahre 1906) auf Frcs. 4779'30, denen Einnahmen im Betrage von Frcs. 5864*20 gegen überstehen. Hiemit ist ein Reingewinn von Frcs. 1064*90 erzielt. Das Zion. „A. C." und die „Bnei Brith" inNew- York unterstützen die Bibliothek jährlich mit je Frcs. 1000. Freunde dieses großen Kulturzentrums werden gebeten, der Bibliothek Bücher zu Händen des Herrn Dr. Chasan o w i c z in Bialystok zu überlassen. $|U$ ALLEN WElttEiLIN Jüdische Nobilitierungen in Preußen. Die Verleihung der Freiherrnwüide an Herrn M. B. von Goldschmidt-Rothschild in Frankfurt a. M. veranlaßt die agrarisch-antisemitische »Deutsche Tageszeitung« zu nachstehenden Betrachtungen über »Jüdische Nobilitierungen in Preußen«: »Als Friedrich Wilhelm III. im Mai 1810 den Berliner jüdischen Bankier Ferdinand Levy Del mar nobilitierte und einige Wochen darauf baronisierte, herrschte in allen Kreisen des Adels große Entrüstung, die der König zu beschwichtigen suchte, indem er dem Freiherrn von Delmar, der dem Staate in den Unglücksjahren nach der Schlacht von Jena große Summen vorgestreckt hatte, statt des gewöhnlichen Wappenschildes ein dreieckiges verlieh. Dieser ersten Nobilitierung einer jüdischen Familie in Preußen sind verschiedene andere gefolgt. Doch waren es Familien, die seit ein oder zwei Generationen dem christlichen Glauben angehörten und teilweise durch Heiraten sich mit arischem Blut vermischt hatten. Ich nenne die Freiherren von Magnus, die Familien von Oßenfeld, von Nekro, von Heitmann, von Mendelssohn, von Mendelssohn- Barthold y. Erst 1872 wurde in der Person des Geheimen Kommerzienrats Bleichröder wieder ein preußischer Untertan jüdischen Glaubens nobilitiert. Diesen haben auch seine Kinder beibehalten mit Ausnahme seines Sohnes James und seiner Tochter Else, die in erster, durch baldige Scheidung gelösten Ehe mit einem Herrn von Uechtritz, damals Leutnant bei den Gardekürassieren, vermählt war und dann in zweiter Ehe einen österreichischen Großgrundbesitzer semitischer Herkunft, Baron Biedermann de Turony, die Hand zum Ehebunde reichte. Die dritte Nobilitierung eines Staatsangehörigen mosaischer Konfession erfolgte i. J. 1903. Sie wurde dem österreichisch-ungarischen Generalkonsul Maximilian Benedikt Goldschmidt, dem Schwiegersohn des 1901 verstorbenen Barons Wilhelm von Rothschild, Chef des jetzt in die Diskonto-Gesellschaft übergangenen Bankhauses »M. A. von Rothschild & Söhne« zu Frankfurt a. M. unter dem Namen »von Goldschmidt-Rothschild« zuteil. Herrn von Goldschmidt-Rothschild, der inzwischen das Fideikommiß Wroniawy im Kreise Bomst errichtet hatte, ist jetzt die freiherrliche Würde verliehen. Schon i. J. 1888 hieß es, Kaiser Friedrich werde den Bankier Oskar Hainauer, den bekannten Kunstsammler, dessen wunderschöne Kollektion in einem Jahre für drei Millionen von seiner Witwe nach England verkaufte wurde — Frau Hainauer ist die Schwiegermutter der Gräfin Hacke in Dessau, der Frau von Dincklage, der Freifrau von Zedlitz in Wiesbaden und der Mrs. Gaunders, deren Gemahl Vertreter der Londoner »Times« in Berlin ist — und den Geheimen Kommerzienrat Schwabach, Mitinhaber des Bankhauses S. Bleichröder, d:e beide jüdischer Abstammung waren, nobilitieren. Die neugierigen Berliner fanden indessen auf der großen Liste der am 3. Mai 1888 von Kaiser Friedrich aus Anlaß seiner Thronbesteigung mit einer Standeserhöhung Ausgezeichneten diese beiden Namen nicht. Die Juden in Mönchen. Beim Abbruch des Hauses Kaufingerstraße 26 in München sind die Grundmauern und Umrisse eines jüdischen Bades (Mikwah) aufgedeckt worden, das allem Anscheine nach aus dem Beginne des 14. Jahrhunderts datiert. Anläßlich der Entdeckung des auch architektonisch bemerkenswerten Bauwerkes veröffentlichen die »Neuest. Nachrichten« einen kurzen Abriß der Geschichte der Juden in München : »Die Münchener Judengemeinde ist fast so alt wie die Stadt selbst; finden wir doch schon zu Zeiten Herzog Heinrichs des Löwen eine verhältnißmäßig nicht unbeträchtliche Zahl von Israeliten in der jungen Siegelung vor. Von jeder bürgerlichen Beschäftigung, von öffentlichen Aemtern und Würden ausgeschlossen, beschäftigten sich diese mit Tauschhandel einheimischer Landesprodukte gegen jene fremder Länder. Da sie, wie überall in Deutschland, das ausschließliche Vorrecht des Geldhandels in Händen hatten, finden wir sie als Geldgeber des luxusbedürftigen Adels, der Geistlichkeit und der Bürger. In der Gruftstraße erhob sich ihre Synagoge, die sie in Anbetracht der unruhigen Zeiten in den Kellerräumen eines Hauses angelegt hatten. Im Jahre 1285, als eben Hungersnot und Seuchen in München wüteten, entstand in den Straßen urplötzlich das tobende Geschrei, die Juden hätten einem alten Weibe ein Kind abgekauft und dieses in ihrem Bethause mit Pfriemen und Nadelstichen ZU Tode gemartert. Gierig griff das Volk die Mythe auf, fiel über die Juden her und mordete, wie Meichelbeck in seiner hist. Frissingensis erzählt, ihrer an hundertvierzig jeden Alters und Geschlechts. Herzog Ludwig der Strenge suchte vergebens dem Rasen des blindwütigen Pöbels Einhalt zu tun. Nun glaubte man, der verhaßten Eindringlinge ledig zu sein; aber gar bald richtete sich das zähe Volk wieder häuslich im demolierten Ghetto ein, baute die abgebrannte Synagoge neuerdings auf und gelangte bald zu erneutem Wohlstand. Zwar brachen in den Jahren 1345, 1349 und 1413 neuerliche Verfolgungen aus, doch die Herzoge erstickten das Uebel im Keime. Eine ernsthafte Verfolgung sah erst das Jahr 1442, allwo Herzog Albrecht III. die Juden, »ihres unmäßigen Wuchers halber«, aus München vertrieb und ihre Synagoge dem Leibarzt Hans Hartlieb schenkte. Dieser richtete das Haus zu seiner Wohnung ein und erbaute dabei zugleich einen Betsaal, in dem er ein aus Italien mitgebrachtes Madonnenbild aufstellte. Dieser Betsaal, im Volksmund »Gruftkirche« genannt, verfiel 1805 der Säkularisation. Daß sich die Israeliten trotz des Verbannungs-Ediktes bald wieder in München einfanden, beweist uns die Gesetzgebung, in der wir allerlei Paragraphen aufgezählt finden, die erschreckende Blicke in den Fanatismus jener finsteren Zeit gestatten. Zum Schlüsse dieser flüchtigen Skizze sei noch eine kurze Statistik der wachsenden Gemeinde angeführt: 1824 war die Zahl der Juden auf 592 angewachsen, 1830 belief sie sich auf 855, 1875 aber bereits auf 3475, 1890 auf 6108 und ist schließlich im Jäher 1905 auf 10.056 gestiegen.« Die Rassenreinheit der Juden. Der Anthropologe Fischberg in New-York hat 2000 Juden, von denen 124 in Amerika geboren und die übrigen aus Osteuropa eingewandert waren, untersucht, um die Rassenreinheit der Juden zu prüfen. Er kommt zu dem überraschenden Schlüsse, daß die Juden gar nicht als Semiten zu betrachten seien. Schon das ursprüngliche Volk der Juden bestand seiner Ansicht nach nicht aus einer einzigen gleichartigen Rasse, vielmehr haben, wie sich aus der Bibel entnehmen läßt, Heiraten mit Nichtjuden, und zwar mit Hethitern, Amoritern, Kuschitern, Kananitern usw. stattgefunden. Die Hethiter sollen aber eine mongolenartige Rasse, die Amoriter Arier, die Kuschiter wahrscheinlich Neger (!) gewesen sein. Vergleicht man die Beduinen, die sich von allen semitischen Völkern am meisten reinblütig erhalten haben, mit den heute lebenden Juden, so ergibt sich, daß letztere den mongolischen Rassen viel näher stehen als die Semiten. Außerdem ist durch Messungen festgestellt worden, daß die Juden sich in ihren körperlichen Eigenschaften den Völkern angepaßt haben, unter denen sie während des letzten Jahrtausends gelebt haben. Sie sind am größten in Ländern, deren Bevölkerung groß ist, und am kleinsten unter kleinwüchsigen Völkern. Nur die Kopfform bildet eine Ausnahme, indem sie vererbt wird und den verändernden Einflüssen der Umgebung nicht unterliegt. Alle bis heute vorliegenden Schädelmessungen weisen darauf hin, daß die Juden ehemals wie gegenwärtig kurzschädelig und nicht wie die heutigen Semiten langköpfig gewesen sind. Außer den Juden sollen auch die Armenier und Türken von dieser Rasse abstammen, Völker, die untereinander die größte Aehnlichkeit haben. Jüdische Sprichwörter. Jüngst hielt über dieses so interessante Thema im Frankfurter Verein »Montefiore« Herr Zahnarzt S. Nathansen einen Vortrag. Wir entnehmen den Ausführungen: Die hebräische Literatur ist reich an Sprichwörtern, und auch die Literatur über das hebräische Sprichwort ist eine umfangreiche. In der Bibel finden sich nur wenige Sprichwörter: »Von den Bösen kommt Böses« (1 Sam. 24, 14). „Ist auch Saul unter den Propheten" (1. Sam. 10, 11). Von nachbiblischen Werken sind es hauptsächlich „Das Buch Sirach" von Josua ben Sirach, und „Das Buch der Weisheit" eines unbekannten Verfassers, das wohl aus der Zeit um das Jahr 100 v. Chr. stammen dürfte, welche uns Sprichwörter überliefern. Die Hauptquelle für uns bleibt der Talmud, jenes gewaltige Sammelwerk, welches Sprüche und Sprichwörter, teils in ganzen Sammlungen aneinandergereiht, teils an verschiedenen Stellen zerstreut, enthält. Vier Traktate, Sprüche enthaltend und aus verschiedenen Perioden herrührend, sind im Talmud aufgenommen, die sich von den apokryphischen Werken aus auch untereinander bedeutend unterscheiden und zwischen deren Abfassung wohl längere Zeiträume Hegen. Es sind dies die Traktate: Abeth, Aboth des Rabbi Nathan, Traktat Derech Erez und Dftrech £rez

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