Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 25 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite fr »Nene National-Zeitung« Nr. 25 Von den sonstigen Beschlüssen ist die alljährliche Abhaltung einer Verbandsvorturnerstunde und zwar im Jahre 1908 in Köln, die nächste Tagung der Turnerschaft 1909 in Berlin und die Unifizierung aller jüdischen Turnvereine in einer Stadt besonders zu erwähnen. Der innertisterreichische zionistische Distriktstag- Wien, den 30. Mai. (Orig.-Eorr.) Heute beginnt in Wien der innerösterreichische Distriktstag. Bei demselben sind 14 Vereine und Delegationen vertreten. Auf der Tagesordnung stehen neben dem Rechenschaftsberichte nachstehende Punkte: Neuorganisation der österreichischen Landesorganisation; Stellung zum VIII. zionistischen Kongreß im Haag; Palästinaarbeit und Nationalfond. Wie ans dem Kassabericht zu ersehen, sind im Jahre 1906 1974 Kronen 80 Heller an Schekelgeldern eingegangen. Im Mittelpunkte der heutigen Debatte standen der Itoismus und Poalezionismus. Die erstere Frage wurde rasch in der Weise erledigt, daß der Vorsitzende Herr Böhm, der abwechselnd mit Dr. Margulies präsidierte, auf eine Interpellation des Herrn Kohn betreffs der Beziehungen zu den Territorialisten erwiderte, das Basler Programm und der Territorialismus schließen sich keineswegs aus. Es könne daher ein organisierter Zionist auch Territorialist sein. Wir behalten uns vor, auf diese Konferenz noch zurückzukommen. Ein Kongreß der Poale-Zionisten. Wien. Gleichzeitig mit dem VIII. Zionisten-Kongreß wird in der holländischen Hauptstadt auch von den Poale-Zionisten eine Konferenz abgehalten werden. Das Exekutivkomitee österreichischer Poale-Zionisten hat die Organisierung und Einberufung, sowie die sonstigen zutreffenden Anstalten für diese Konferenz übernommen. Die russischen Poale-Zionisten haben folgende Tagesordnung dem österr. Exekutivkomitee in Vorschlag gebracht. I. Das nationale- und Klassenmoment im Poale- Zionistischen Programm. II. Der Territorialismus sowie die praktische Betätigung in Palästina. III. Unsere Beziehungen zum bürgerlichen Zionismus. IV. Unser Standpunkt gegenüber dem nächsten zionistischen Kongreß. V. Die gemeinsame Arbeit in Palästina. a) im Wege einer P.-Z.-Kommission. b) im Wege eines Informationsbureaus: VI. Unsere Beziehungen zum internationalen Sozialisten-Kongreß. VII. Unsere nationalen Forderungen außerhalb Palästinas. Hiezn wollen die Wiener Poale-Zionisten noch die genossenschaftliche Besiedelnng Palästinas in Anregung bringen. Deutsches Reich. Ein jndenfreundliches Drama — verboten. Breslau. Am hiesigen Theater sollte ein neues Schauspiel des Königsberger Redakteurs Jakob Scherek „Wahn" zur Aufführung gelängen. Das kgl. Polizeipräsidium hat jedoch aus „Gründen öffentlicher Sittlichkeit" das Stück verboten. Es ist judenfreundlich and das sieht eine königl. preußische Behörde nicht gern. Hierzu bemerkt die „Breslauer Zeitung": »Das Drama ist ein kräftiges, packendes, tieftragisches Familien- und Sittenbild, es steckt ein Stück Volkspsychologie darin, deren Wahrhaftigkeit sich niemand entziehen kann; es löst unseren Unwillen, ja unsere Entrüstung gegen eine bestimmte Sorte g e~ wissenloser Volksauf hetzer ans, aber wie es geeignet sein sollte, die öffentliche Ordnung zu stören, ist uns völlig unerfindlich. Wir können uns nur einen Grund denken, der das Breslauer Polizeipräsidium zu seinem Verbot veranlaßt hat: es mag gefürchtet haben, daß antisemitische Hetzerbanden, die allerdings nicht glimpflich in dem Drama wegkommen, die Aufführung zum Anlaß der Inszenierung wüster Radauszenen nehmen würden. Wir glauben zwar nicht, daß eine solche Eventualität ernstlich zu befürchten wäre, wenn dem aber so wäre, ist es dann nicht weit eher die Pflicht der Polizei, Ordnung im Theater aufrecht zu erhalten, als Aufführungen zu verhindern, die einem gewissen süßen Pöbel gegen den Strich gehen? Haben Antisemiten-Rowdys in Deutschland das Privileg, gegen wahrhaftige Schilderungen ihrer Eigenart auf der Bühne geschützt zu werden? Die Frage ist ohne Zweifel von kapitaler Bedeutung, und darum erscheint durchaus geboten, den Breslauer Fall durch alle Instanzen zu endgiltiger Entscheidung zu treiben". Bussland. St. Petersburg. Das Oesetz über die Beschränkung der jüdischen „Klein-Kredit-Gesellschaften" ist bekanntlich im Jahre 1905 aufgehoben worden. Die Zahl solcher Gesellschaften ist seit diesem Zeitpunkte in stetem Wachsen begriffen und hat bereits zu Ende de*. Jahres 1906 die Ziffer von 166 erreicht. In ganz Rußland, überall wo Juden ihre Zelte aufschlagen dürfen, imNorden wie im Süden, in Ost und West sieht man jüdische „Klein-Kredit-Gesellschaften" wie Pilze aus dem Boden schießen und sich glänzend bewähren. Hier genießt selbst der ärmste Jude einen Kredit in der Höhe von 150 Rs., wofern er gegen eine früher erfolgte Einlage von 10 Rubeln, Mitglied dieser Gesellschaft geworden ist. Im Interesse dieser bedeutungsvollen wirtschaftlichen Vereinigungen hat auch das hiesige Zentralkomitee der „Ica" im Jahre 1906 ein Flugblatt „Selbsthilfe" und eine Broschüre „Der jüdische Klein-Kredit", beide im russischen und im jüdischen Jargon, zu je 12.000 Exemplaren unter die jüdische Bevölkerung verteilt. Rumänien. Herr Bratianu — entschädigt! Bukarest. Der Ministerpräsident Sturdza und der Minister des Innern Bratianu haben sich in Braila öffentlich dahin ausgesprochen, daß die Regierung die Absicht habe, von den neuen Kammern Kredite zur Vergütung der Schädigungen zu verlangen, die. bei den jüngsten Unruhen angerichtet worden sind* Ob der Ministerpräsident und der Minister des Innern bei Abgabe der Erklärung eine Entschädigung nur der Landbesitzer und Pächter im Auge gehabt haben, oder ob sie Entschädigung auch den Juden Rumäniens gewähren wollen, die unter den Unruhen in der Moldau gelitten haben, darüber liegen bestimmte Meldungen nicht vor. Palästina. Die jüdische Nationalbibliothek. Jerusalem. Die vor mehreren Jahren gegründetejüdische Nationalbibliothek, um deren Entwicklung sich besonders Herr Dr. Chasanowicz verdient gemacht hat, nimmt einen immer größeren Aufschwung. Die Bibliothek besteht aus 25.749 Büchern, von, denen 6000 in 2 Exemplaren vorhanden sind. Gemäß der Einteilung nach Sprachen zählt man: Hebräisch 4136 Bände, Deutsch 2818, Französisch 317, Englisch 449, Jargon 900, Italienisch 135, Russisch 1000, überdies Arabisch und Lateinisch zusammen 135. Außerdem liegen