Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 25 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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^£M^Siße£ä\i^S^f^"-- '«»^«»aÄ»»*™««!! »<w«»>yvv Nr. 25 »Neue Natlonal-Zeitung« Seite 7 welche Ingerenznahme auf die politischen Behörden diesbezüglich nicht möglich wäre. Herr von Bienerth hätte kürzer und prägnanter der Deputation folgendes sagen können: „Meine Herren! Ich bin zwar Minister für alle im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Allein in Galizien habe ich gar nichts dreinzureden." Die Wahlscnwindeleien in Brzezany. Mit welchen skandalösen Mitteln die Kandidatur des jüdischnationalen Dr. Rappoportin Brzezany vom Bezirkshauptmann und der Kahalklique bekämpft wurde, ist dem Ministerpräsidenten Baron Beck am letzten Dienstag von einer in Wien eingetroffenen jüdischruthenischen Deputation eingehend geschildert worden. Die Deputation überreichte ein Memorandum, in welchem in erster Reihe die Beseitigung der bisherigen Wahlkommissionen und die Zulassung von Vertrauensmännern bei der Wahl verlangt wird. Weiter wird verlangt, daß die Wahlzettel zur Stichwahl 48 Stunden vor der Wahl und unausgefüllt zugestellt werden. In der Begründung ihrer Forderungen führen die Petenten eine Reihe von Wahlmißbräuchen an, die sich während der ersten Wahl zugetragen haben. Der Ministerpräsident versprach, Abhilfe gegen Wiederholung dieser Wahlbeeinflussungen und Wahlmißbräuche im Wege der galizischen(l) Statthalterei zu treffen. Da schaut viel heraus. Auf einen Punkt dieses Memorandums müssen wir aber noch zurückkommen. Es wird darin unter den Wahlerpressern auch Advokat Dr. Ra wic z, Direktor des jüdischen, von der Pariser Baron Hirsehschen „Ica" gegründeten Kreditvereines aufgezählt. Wir fragen daher die Direktoren der „Ica" in Paris und Herrn Sekretär D. Rotter in Wien an, ob sie zugeben wollen und können, daß die Baron Hirsch'-Fonds zu polnischen Wahlerpressungszwecken mißbraucht werden? .... Jüdische Abgeordnete. Bisher wurden e 1 f jüdische Abgeordnete gewählt: Dr. Di am and (Sozialdemokrat), Dr. Gabel (jüd.- nat.), Dr. Gold (Polenklub), Dr. Groß (unabhängiger Pole), Dr. Kolischer (Polenklub), Dr. Kur an da (deutsch-freisinnig), Dr. Liebermann (Sozialdemokrat), Doktor Loewenstein (Polenklub), Dr. Mahler (jüd.- national), Dr. Ofner (deutsch-freisinnig), Dr. Straucher (jüd.-nat.). Es kommen noch am 31. Mai in die Stichwahl : Dr. Drobner (Sozialdemokrat) in Tarnöw gegen den Allpolen Battaglia; Dr.Salz (jüd.-nat.) in Stryj gegen den Sozialdemokraten Moracz ewski; Adolf Stand (jüd.- nat.) in Brody gegen den Hausjuden Dr. Wollerner; Dr. Rappoport (jüd.-nat.) in Brzezany gegen den konservati ven Polen D u 1 e m b a. lORRCSPCNDeNZCN Oesterreich-Ungar n. Dr. Karl Lippe und „Die Welt". Wien. Herr Dr. Karl Lippe in Jassy ist unseren galizischen Gesinnungsgenossen schmählich in den Rücken gefallen. ..Während sie ihren schweren Wahlkampt mit 4en korruptesten Kahalkliquen auszuf echten hatten, hat sich Herr Dr. Lippe in den Dienst ihrer Feinde gestellt. Dieser alte Mann, der am ersten Basler Kongreß Alterspräsident war, hat es über sich gebracht, vor mehreren Wochen in dem Wahlblättchen der Lemberger Hausjuden „Jednoäc" die jüdischnationalen Kandidaten zu denunzieren und jene Polen, die mit Schwindeleien, Diebstahl, Betrug und Terror den Juden ihre Mandate entreißen, als die einzigen — Freunde der Juden hinzustellen. Dr. Lippe nannte gleichzeitig den verstorbenen Herzl einen Streber und Ignoranten (Am horez); seinen „Judenstaat" ein närrisches Buch. Darauf ist „Die Welt" die Antwort nicht schuldig geblieben. Wie denn anders? Sie ist doch das zionistische Zentralorgan! Diese Antwort lesen wir in der letzten Nummer, vom 24. Mai. Dr. Lippe wird be—jubelt. Hier einige Sätze aus dem Artikel der „Welt": „Dr. Karl Lippes Jubiläum". „In diesen Tagen feierte Dr. Karl Lippe in Jassy sein fünfzigjähriges Doktor-Jubiläum, das zugleich ein dreißigjähriges Jubiläum seiner „hervorragenden zionistischen Tätigkeit" darstellt. Wir haben in der „Welt" öfters Gelegenheit gehabt, die „wissenschaftlich bedeutungsvolle Lebensarbeit" des jetzt 76jährigen Dr. Lippe zu würdigen. Seine zionistische Wirksamkeit, die er selbst in seiner Broschüre: „Meine 25 jährige zionistische Agitation" geschildert hat, ist gleichfalls weiten Kreisen bekannt u. s. w." Die „Jednosc" wird diesen Artikel gewiß gerne reproduzieren. Der III. jüdische Turntau;. Wien. Die von uns bereits angekündigten Beratungen des Turntages fanden am 21. d. M. statt. An derselben nahmen fast alle Verbands vereine durch 30 Delegierte teil. In das Bureau wurden die Herren S c h o 1 e m (Berlin) als L, Dr. Werner (Wien) als II. Vorsitzender, H e i 1 b r u n n (Berlin) als I. und Löwenthal (Köln) als II. Schriftführer gewählt. Nach den ausführlichen Geschäftsberichten des Ausschusses der jüdischen Turnerschaft, die einstimmig mit Dank genehmigt wurden, wurden die Referate erstattet und zwar von W o 1 f f (Berlin) über „die größtmögliche Verbreitung des Turnens unter den Juden". Dieses besonders gründliche und interessante Referat behandelt vorerst Ursachen und Abhilfe der körperlichen Degenerierung der Juden, dann die Möglichkeit der Ausbreitung der jüdischen Turnbewegung, deren Stand in allen Staaten und die sympathische Stellungnahme hervorragender Juden zu derselben. Referent stellte eine große Anzahl von Anträgen zur Organisation der jüdischen Turnbeweguug. Ein Kuratorium einflußreicher Juden aller Länder, daneben Landesausschüsse für Propaganda sollen konstituiert, ein alle zwei Monate erscheinendes Korrespondenzblatt soll die internationale Presse über den Stand der Bewegung auf dem Laufenden erhalten, endlich soll der nächste Zionistenkongreß mit der Turnfrage sich eingehend beschäftigen. Referat und Anträge fanden ungeteilte Anerkennung. Dr. Blum (Berlin) referierte über „Turnen ohne Turnhallen", wobei er alle modernen Systeme körperlicher Uebung besprach. Hiezu beantragte der „Jüdische Turnverein Graz" die Veranstaltung volkstümlicher Wettturnen, was auch angenommen wurde. Dr. Werner (Wien) erstattete in Vertretung B e r g e r s (Köln) dessen ausführliches und inhaltsreiches Referat über „Propagierung der nationaljüdischen Idee in den jüdischen Turnvereinen", welches u. a. den vom Turntage beschlossenen Antrag enthielt, ein Komitee zum Zwecke dieser Propaganda einzusetzen und wie das Referat Blum» vollen Beifall erntete. Endlich referierte Pollak (Wien) über „Herausgabe eines Leitfadens der Tnrnkunst für jüdische Turnvereine", wobei der Referent bereits die Disposition eines solchen vorlegte. An alle Referate knüpften sich eingehende, sachliche Erörterungen, die zur Annahme der Leitsätze des Referenten führte.