Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 25 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 »Neue Natlonal-Zeltung« Nr. 25 war unendlich, die Ovationen und Straßen-Manifestationen waren grandios. Bei der Wahl Breiters haben ebenfalls die Jüdischnationalen riesig mitgearbeitet und auch dort hatte man einen harten Kampf anszufechten. Denn die Klerikalen und Chauvinisten haben die Parole ausgegeben: Mit allen Mitteln muß Breiter gestürzt werden. Die niedrigsten Instinkte der fanatisierten Massen sind heraufbeschworen worden und der Feldzug gegen Breiter hat beinahe den Charakter eines Kreuzzuges angenommen. Es hat geheißen: Auf gegen den Gotteslästerer, gegen den Beleidiger der heiligen Kirche, der Erzbischöfe, den Verräter seiner Nation und seines Glaubens . . . Und als das Skratinium dennoch für ihn ein günstiges Resultat ergeben hatte, suchte man mit verschiedenen Mitteln noch die ^ahi zu stürzen, indem man „entdeckte", daß ein Teil der Stimmzettel von anderem Papier sei und es hat bereits geheißen: Breiter wird bald verhaftet und als gemeiner Fälscher angeklagt werden . . . Die Verkündung des Wahlresultates wurde auf Samstag verschoben und die Kommission hat den ganzen Tag darauf die Wahlzettel „untersucht". Endlich aber mußte man die Wahl anerkennen. So hat die Sozialdemokratie am Freitag einen großartigen Sieg zu feiern vermocht. Nur im Lager der Jüdischnationalen hat sich spät am Abend die Freude in einen großen Schmerz verwandelt, als man erfahren hat, daß Brau de in Stanislau gefallen ist. . Nicht gefallen, sondern beschwindelt! Außer dem furchtbaren Terrorismus und allerlei Schwindeleien hat man im letzten Augenblick 156 Stimmzetteln für ungiltig erklärt, weil sein Vorname rMarkus" mit .c" geschrieben war! . . . Sohin wurde Stwiertnia mit 18 Stimmen Majorität gewählt. Jetzt spricht man von einem Kompromiß mit den Sozialisten in Bezug auf ßrody, aber die Herren haben die Stirne, zu beantragen, man möge ihnen dafür Stryj abtreten . . . Natürlich ist dieser Antrag rundwegs abgewiesen worden und wenn die Herren P. P. S. so undankbar sein werden, für Brody die Parole auszugeben: Mit Wollerner gegen Stand! wird unsere Antwort sein müssen: Mit Battaglia gegen Drobner in Tarnöw! k—n. Dr. Nathan Birnbaum — unterlegen. Die Stichwahl im Wahlbezirk Buczacz—Borszczöw zwischen Dr. Nathan Birnbaum und dem Polen Moysa hat leider die Erwartungen, die von jüdischer Seite gehegt wurden, nicht erfüllt. Bei der Hauptwahl erhielt Moysa 3067 Stimmen» die beiden oppositionellen Kandidaten zusammen 4082 Stimmen. Da die Euthenen für Dr. Birnbaum einzutreten beschlossen, mußte dessen Wahl als gesichert angesehen werden. In Galizien muß man aber mit den unwahrscheinlichsten Dingen rechnen; denn nicht die Stimmen der Wähler machen den Abgeordneten, sondern die Schwindeleien der beim Wahlakt intervenierenden Faktoren. Und gerade bei dieser Wahl wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den jüdischen Kandidaten zu stürzen, weil er nach Auflassung der polnischen Presse ein „Fremder", ein „Nichtgalizianer" sei. Es blieben daher von den früheren Oppositionellen 4082 Stimmen bei der Stichwahl für Dr. Birnbaum im ganzen 2434 Stimmen übrig, während der Pole Moysa 3797 Stimmen erhielt. Das Merkwürdigste ist nun, daß nicht nur 1600 oppositionelle Stimmen verloren gegangen sind, sondern daß auch 800 Wähler, die bei der ersten Wahl gestimmt haben, an der Stichwahl nicht beteiligt waren. All das läßt sich nur erklären durch verschiedene schwindelhafte Manipulationen. Gegen diese Wahl wird seitens der Anhänger Dr. Birnbaums ein Protest überreicht werden. Rabbiner als Bundesgenossen der „Rada Narodowa". Zabiotöw, den 25. Mai Unsere Stadt gehört zum 56. Wahlbezirke, welcher zwei Abgeordnete zu wählen hat. Als Majoritätskandidat wurde von den radikalen Ruthenen Dr. Trylowski aufgestellt. Als Minoritätskandidaten machten die anderen ruthenischen Parteien die Herren Wojnarowski und Dudykiewicz namhaft. Obzwar in unserem Wahlkreise 73% Ruthenen, 22% Jaden und nur 5% Polen wohnen, stellte die „Rada Narodowa" in der Person des Stefan Moysa ebenfalls einen eigenen Kandidaten auf. Im letzten Moment entschlossen sich die Jüdischnationalen, in den Wahlkampf einzutreten, indem sie Herrn Sigmund Weissglas (Obmann des Bukowinaer Distriktkomitees) als ihren Kandidaten nominierten. Gleichzeitig schlössen sie mit den Ruthenen ein Bündnis, daß falls der jüdischnationale Kandidat in die Stichwahl kommen sollte, sie für ihn ihre Stimmen abgeben werden. Es wurden fast täglich jüdische Versammlungen abgehalten, bei welchen auch viele Ruthenen anwesend waren. Die ganze jüdische Bevölkerung war für den jüdischen Kandidaten, sein Programm wurde mit Enthusiasmus aufgenommen. Nur der Rabbiner Abraham Hager recte Neustadt war gegen die Kandidatur des Herrn S. Weissglas. Er (der Rabbiner) fuhr von Stadt zu Stadt und hielt Reden für den polnischen Kandidaten Moysa indem er ihn — Pfui Teufel! — mit unserem großen Lehrer Moses verglich. Noch nie hat unser Rabbiner die Rednerbühne betreten, um das Volk zu belehren. Er tat es jetzt, wo es galt, ein jüdisches Mandat zu verschachern. Auch der Rabbiner aus Wiznitz bekämpfte mit allen Mitteln die Kandidatur des Herrn Weissglas. Er schrieb an seinen Chassidim, daß man den „Freund der Juden" Stefan Moysa unterstütze. So verkaufen unsere Seelsorger das jüdische Volk. Unser Rabbiner erhielt allerdings hiefür die Zusicherung, daß der „Puriz" (Herr) seinen Sohn vom Militär befreien wird. Trotzdem ist Moysa durchgefallen. Die Rabbiner haben nichts genützt. Der Agitation der jüdischen Jugend ist es zu verdanken, daß Moysa nicht einmal in die Stichwahl kam. Wenn auch Weissglas nicht gewählt wurde, haben wir gesiegt. Trotz des Terrors, welcher seitens der Gemeindevorsteher ausgeübt wurde und des Volksverrats der Rabbiner sind 2500 Stimmen auf Herrn Weiss glas entfallen. Im ganzen Wählbezirke herrscht über das Vorgehen der Rabbiner Entrüstung, aber auch die feste Zuversicht, daß bei den nächsten Wahlen die Scharte ausgewetzt wird. Das jüdische Wahlkomitee. Der Minister des Innern über die galizischen Walilschwindeleien. Am 23. d. M. sprach eine Deputation bestehend aus dem Reichsratsabgeordneten Dr. Julius Ofner, sowie den Herren Dr. Zollschan und M. Hammer beim Minister des Innern, Freih. v. Bienerth, vor, um in Angelegenheit des galizischen Wahlterrorismus, der im Bezirke Buczacz den Kulminationspunkt erreicht hat, zu intervenieren. Die Deputation bat den Minister, dahin gehende Direktiven zu erlassen, daß die Stimmzettel den Wählern, die zum großen Teil Analphabeten sind, unausgefüllt und wenigstens einen halben Tag vor Beginn des Wahlaktes ausgefolgt werden. Der Minister erwiderte: Er sei wohl darauf aufmerksam gemacht worden, daß in einigen Bezirken Galiziens die politischen Behörden von der sonstigen Gepflogenheit abweichend (!), die Stimmzettel erst während des Wahlaktes selbst ausfolgen wollen, er sehe auch ein, daß dies Vorgehen unpraktisch sei und dem Geiste des Gesetzes nicht entspreche. Der Wortlaut des Gesetzes sei aber bezüglich dieses einen Punktes so unklar (?), daß ihn! irgend