Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 25 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 »Neue National-Zeitung« Seite 5 Unterlegen sind: 1. Dr. David Malz in Bursztyn mit 1209 Stimmen wider den Obmann des Polenklubs Abrahamowicz. 2. Rabbiner Schmelkes in Mielec mit 1300 Stimmen wider den ObmannstellVertreter des Polenklubs Dr. Bobrzynski. 3. Adolf Stand in Tarnopol mit 1056 Stimmen wider den Ruthenen Pater Gromnicki und den Hausjuden Ga 11. Zwischen diesen beiden hat nunmehr eine Stichwahl zu erfolgen, deren Entscheidung von den Stimmen der jüdischnationalen Wähler abhängt. Es wäre kein Wunder, wenn angesichts der Vergewaltigungen denen die Jüdischnationalen sowohl von Seite des Polenklubs, als auch von Seiten der mit Ihnen verbündeten Kanals ausgesetzt sind, die Jüdischnationalen es eher vorziehen, für den ruthenischen Kandidaten zu stimmen. 4. Dr. Osias Thon in Kolomea mit 814 Stimmen wider den Hausjuden Dr. Kolischer (1970 Stimmen). Der jüdische Sozialdemokrat Dr. Schorr erhielt 1137 Stimmen. ^«««--i^i^^^^^^^ääS«^^- JL^Jl1 i - der eine 1 - , , . > , , „ ,:>^\ ffJ> g^.J>T£jEx SkäS^äUs«&Ua faM.ea «&i?2i§ö£ Darüber wird noch ausführlich gesprochen werften. Der Terrorismus war ein derartiger, daß Tausende Wähler überhaupt nicht zur Wahl gingen. Die Legitimationen sollten in dieser orthodoxen Judenstadt am Samstag zugestellt werden und da die Wähler am Samstag die Rezepisse nicht unterschreiben wollten, wurden die Legitimationen gar nicht zugestellt. Die meisten Wähler erhielten Stimmzettel, die mit dem Namen Dr. Kolischer ausgefüllt waren. Wurde in einem solchen Stimmzettel der Name Kolischer gestrichen und ein anderer eingetragen, so erklärte die Kommission den Zettel für ungiltig. Aus diesem Grunde allein wurden 174 auf Dr. Thon entfallene Stimmen anulliert. Abgesehen davon, waren in den Korridors des Wahllokales Huligans aufgestellt, welche den oppositionellen Wählern die Stimmzettel aus den Händen rißen — unter den Augen der Gendarmerie. Kurz, es war eine echte galizische Wahl, wie in den Tagen des alten Wahlrechts. * * * Als selbständiger Kandidat ist in Zolkiew—Rawa- Ruska—Sokal gegen den allpolnischen Protege des Wunderrabbis von Beiz, Professor Starzynski, Herr Dr. J. S. Bloch aufgetreten. Wir haben bereits in mehreren Berichten mitgeteilt, wie der Wunderrabbi diesen ganzen Wahlbezirk in der fiand hat und im Interesse seines „Geschäftes" sich bereits beim Statthalter für den allpolnischen Bewerber verbürgt hat. Es scheint, daß auch die Person des Dr. Bloch den Wunderrabbi nicht umzustimmen vermochte. Doktor Starzynski erhielt 4841 Stimmen, Dr. Bloch 634 Stimmen. Herr Dr. Bloch mußte es noch über sich ergehen lassen, vom Telegraphen-Korrespondenzbureau zu einem Zionisten gestempelt zu werden. * * * In Zloczöw wurde Dr. Josef G o 1 d, ein Allpole „mosaischer Konfession", das heißt ein Mann, der es zustande gebracht hat, trotz seines jüdischen Glaubens Mitglied einer chauvinistischen und antisemitisch angehauchten polnischen Partei zu sein, gewählt. Diese Wahl ist ein eklatanter Beweis, daß man in Galizien als Moszko, durch den niedrigsten Servilismus, ein Mandat erreichen kann. Die jüdischnationale Partei hat es nicht einmal versucht, in diesem Bezirk einen Gegenkandidaten aufzustellen. Es wird jedenfalls das nächste Mal-dem Herrn Dr. Gold die Wahl nicht so leicht gemacht werden. Die Stichwahlen vom 24. Mai. Samuel von Horowitz — gefallen. Lemberg, den 26. Mai. (Orig.-Korr.) Der letzte Freitag war reich an Ueberraschungen. Es war ein Tag des Kampfes, wie noch nie und es wurde auch ein Tag des Sieges für die breiteren Massen. Wie ich bereits in meinem vorigen Berichte mitteilte, haben die hiesigen Nationaljuden mit der P.P. S.*) eineVereinbarung getroffen, wonach diese beiden Parteien gemeinsam die Kandidaturen des Dr. Diamand (Lemberg), Dr. Brau de (Stanislau) und Adolf Stand (Tarnopol) mit allen Kräften zu unterstützen haben. Es ist hier nicht der Ort, diesen Beschluß einer Prüfung zu unterziehen. Aber die jüd.-nat. Partei hat sich als absolut treue und loyale Bundesgenossin gezeigt; was vielleicht von der zweiten Seite nicht ganz behauptet werden kann. Es heißt von ganz authentischer Quelle, daß die christlichen „Genossen", speziell die Eisenbahner, in Stanislau überwiegend für Stwiertnia gestimmt haben, während viele der jüdischen „Genossen" sich ganz von der Abstimmung enthalten haben . . JX:j: SS^^^^S^5^""^^ -^^Ä"^^ M> WMi ßtmmm: mm ttsmgssi «?< —. 1 HüTDTfit^, to! größere Erä&a Mfg§&8t8fiT als wig zuvor für die Wahl Braudes. Es kann einem paradox erscheinen und doch ist es Tatsache. Die Jüdischnationalen haben es als ihre Partei-Ehre aufgefaßt, den Kampf mit einem Sieg zu beenden. Aus der Anzahl der Stimmen ist dies am besten ersichtlich. Bei der ersten Wahl hat Diamand 1667 Stimmen erhalten, Braude 934, zusammen wären also 2601 Stimmen. Bei der Stichwahl sind auf Diamand 2478 Stimmen entfallen. Die den Wahlgang aber beobachtet haben, konstatierten, daß die Teilnahme der Arbeiterschaft diesmal eine viel schwächere war und von sozialistischer Seite selbst ist es zugegeben worden, daß zirka 400 von ihren früheren Wählern jetzt gefehlt haben. Es erscheint also als sicher, daß von den Zionisten niemand gefehlt hat. Wie eine disziplinierte Armee sind sie also alle gegangen, sogar die Misrochianer (orthodoxe Zionisten). Manche haben es offen erklärt, daß sie mit gedrücktem Gemüte hingehen, aber sie erleichtern sich ihren Entschluß durch die Suggestion, daß, indem sie hier auf Diamand stimmen, sie eigentlich ihre Stimmen auf Braude in Stanislau und auf Stand in Tarnopol abgeben . . . Die jüdischnationale Intelligenz aber hat den Kampf aufgenommen unter der Parole: Nieder mit der Korruption! Weg mit der Kahal-Wirtschaft! Sie hat es erfaßt, daß, wenn Horowitz zum Sturze gebracht wird, auch diese Wirtschaft und das ganze Korruptionssystem auf den Kopf geschlagen werden. In diesem Sinne hat sie ihre Agitation geführt und alle ihre Kräfte für Diamand aufgeboten, und in diesem Sinne ist es ihr auch gelungen, den Sieg davon zu tragen. Für die Wahl Horowitz war fast die ganze Polizei auf die Füße gestellt. Sogar der Statthalter hat den Wahlplatz mit seinem Besuche beehrt. Es sollte den Wählern einleuchten, wie sehr der löblichen Regierung daran gelegen sei, daß Horowitz und nicht Diamand gewählt wird. Militär hat von Frühmorgen an Assistenz geleistet und die Kommissäre haben eifrigst überwacht, daß seitens der Opposition keine Agitation betrieben werde. Eine Anzahl junger Leute wurde verhaftet, wobei manche ganz brutal mißhandelt wurden. Inzwischen kam auch die Nachricht, daß der unabhängige Sozialist Breiter, gegen den sich die ganze schwarze Macht des Klerus vereinigt hat, gesiegt hat — und die Freude, die durch die Massen geströmt hat, *) Diese Buchstaben sind eine in der polnischen Journalistik allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die polnischen Sozialdemokraten.